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21. Oktober 2017

Faith as Artistic Practice / Glaube als künstlerische Praxis

By | Tune In | No Comments

“Keep your heart with all vigilance,
for from it flow the springs of life”.
Proverbs 4:23

Books about happiness
There has been an abundance of literature about habits and happiness published in recent years, everything from pithy articles detailing the routines and habits of successful people to books that extensively examine these topics. I have particularly enjoyed Gretchen Rubin’s work (LINK), finding it to be well-crafted, entertaining and informative. It is clear that there is a broad interest in developing habits and routines that both influence mindsets and create a framework for success.

“Cultural Liturgies”
A number of Christian authors have also written books that touch at least tangentially on these topics, something that strikes me as significant if coincidental. Canadian philosopher James K.A. Smith* has written important work about what he terms “cultural liturgies”, examining (among other things) the way in which daily habits and practices shape our discipleship and influence Christian formation. He defines liturgies as heart shaping practices that shape what we love, and challenges Christians to recognise the various cultural liturgies we engage in every day that form our hearts and our loves. We are not “what we think”, we are “what we love”— a theme you may also recognise as Augustinian. Historical Christian worship knows this, and allows for our daily lives to be shaped by Christian practices. Consider, for example, times of fasting, praying at appointed times throughout the day, and assuming bodily postures such as standing and kneeling, etc. Christianity is very much an embodied faith— not least because Jesus himself took on human form.

Balance of information and practice
As artists, we would never expect to “think ourselves” to artistry. Why do we think we can think ourselves to holiness? We spend hours, days, years honing our craft. Sure, we read books and go to concerts and lectures, but no one thinks that if they go to enough music history lectures at the expense of practicing that they will suddenly give compelling performances. Who reads great novels and simply sits down and produces one himself? Or reads books about acting techniques and is ready to perform Tennessee Williams? Those resources are invaluable, but they are no substitute for practice. Just as right studying and thinking combined with practice make for great artistry, our spiritual lives must also have the right balance of information and practice.

Practicing Christian faith
What would practicing your Christian faith in this way look like for you? How could you intentionally allow yourself to be shaped by liturgies that order your loves after God’s priorities? For some, it’s not a new idea at all. But if the idea is new to you, you might start by framing your day with designated prayer times: once in the morning, once at lunch, once in the evening. They needn’t be long. Resources such as the Book of Common Prayer have aided Christians in their devotional lives for centuries now. Maybe you would find following the church calendar a helpful framework. Again, historical Christian practices have a lot of wisdom to offer in this area (LINK) Gathering for regular corporate worship and receiving Communion is a huge element of Christian practice.

Liturgies and art
This also holds true for the liturgies surrounding our work; there are many liturgies in the artistic world. How are we being shaped by them? Is there a practice we can consciously integrate into our artistic lives that can influence us positively and enhance our spiritual life? And we all could stand to examine how we spend our time and our money, as well as how we eat, work, and rest— which liturgies do we regularly engage in, and how are they shaping us?

A Prayer of Self-Dedication from the Anglican Book of Common Prayer:

Almighty and eternal God,
so draw our hearts to you, so guide our minds,
so fill our imaginations,
so control our wills,
that we may be wholly yours, utterly dedicated to you;
and then use us, we pray you, as you will,
and always to your glory and the welfare of your people;
through our Lord and Saviour Jesus Christ.
Amen.

Text: Lauren Franklin-Steinmetz

* You are What You Love: The Spiritual Power of Habit, 2016

“Behüte dein Herz mit allem Fleiß,
denn daraus quillt das Leben.”
Sprüche 4:23

Bücher über Glück
In den letzten Jahren erschien eine Fülle von Büchern über Lebensgewohnheiten und Glück. Die Spanne der Publikationen reicht von aussagekräftigen biografischen Einsichten in die Lebensweisen und Gewohnheiten erfolgreicher Menschen bis hin zu philosophischen und theologischen Darlegungen. Ich selber schätze die Schriften von Gretchen Rubin (LINK), die gut durchdacht, unterhaltsam und zugleich informativ sind. Offensichtlich besteht ein breites öffentliches Bedürfnis nach erlernbaren Gewohnheiten und Routinen, die die eigene Denkweise nachhaltig beeinflussen und ideale Voraussetzungen für den Erfolg schaffen sollen.

„Kulturelle Liturgien“
Auch eine Reihe von christlichen Autoren hat solche Bücher geschrieben, die die genannten Themen zumindest streifen. Dies ist kaum ein Zufall und lässt aufhorchen. So hat der kanadische Philosoph James K.A. Smith ein wichtiges Werk über “kulturelle Liturgien” verfasst*. Darin untersucht er unter anderem, wie tägliche Gewohnheiten und Handlungen unsere (christliche) Lebenshaltung und Anschauungen prägen. Er definiert Liturgien als “herzgestaltende Übungen”, die das formen, was wir lieben. Und er fordert Christen heraus, die verschiedenen „kulturellen Liturgien“ zu erkennen, die wir jeden Tag pflegen und die unsere Herzen und unsere Liebesfähigkeit beeinflussen. Wir sind nicht, “was wir denken”. Wir sind, “was wir lieben” – dies ist eine Einsicht, die man von Augustin her kennt. Traditionelle christliche Liturgien wissen ebenfalls darum und wirken darauf hin, das tägliche Leben mit christlichen Übungen zu prägen. Man denke zum Beispiel an Fastenzeiten, an Gebetszeiten zu festgelegten Stunden und an Körperhaltungen wie Stehen, Knien usw. Das Christentum kennt eine sehr körperbezogene Glaubenspraxis – nicht zuletzt, weil Jesus selber in menschlicher Gestalt gekommen ist.

Balance von Wissen und Praxis
Als Künstler würden wir niemals auf die Idee kommen, dass wir uns „zu Künstlern denken“– oder anders gesagt: dass wir unser Künstler-Sein rein denkerisch erreichen könnten. Warum meinen wir dann aber, dass wir rein denkerisch Heiligung erfahren können? Schliesslich verbringen wir doch Stunden, Tage und Jahre damit, unser künstlerisches Handwerk zu verbessern. Sicher, wir lesen auch Bücher und gehen in Konzerte oder hören uns Vorträge an. Aber niemand würde je der Illusion verfallen, dass man allein durch das Anhören von Musikgeschichte- Vorlesungen (für die man erst noch aufs Üben verzichtet!) bessere Konzerte geben könnte. Wer liest große Romane und setzt sich danach einfach hin und produziert selber einen Roman? Oder wer liest Bücher über Schauspieltechniken und ist danach imstande, Tennessee Williams zu spielen? Zweifellos sind diese Ressourcen von unschätzbarem Wert. Aber sie sind kein Ersatz für die Praxis. So wie im Bereich der Kunst das Denken und Lernen nur in Verbindung mit der Praxis des Übens Früchte tragen kann, so muss unser spirituelles Leben aus der richtigen Balance von Wissen und Praxis bestehen.

Christliche Glaubenspraxis
Wie könnte Deine christliche Glaubenspraxis aussehen? Was könnte es heissen, sich bewusst von Liturgien prägen zu lassen, die dem Ordnung geben und genügend Platz einräumen, was Du am meisten liebst und was auch Gottes Prioritäten entspricht? Für manche sind solche Ideen keineswegs neu. Aber wenn sie für Dich neu sind, kannst Du vielleicht damit beginnen, den Tag durch bestimmte Gebetszeiten zu gestalten: einmal am Morgen, einmal zum Mittagessen, einmal am Abend. Sie müssen nicht lang sein. Ressourcen wie das „Book of Common Prayer“ haben Christen seit Jahrhunderten in ihrem Glaubensleben geprägt und unterstützt. Vielleicht hilft Dir auch eine Ausrichtung nach dem Kirchenjahr. Auch hier haben alte christliche Übungen viel Weisheit zu bieten (LINK). Regelmäßige Gottesdienste und das Empfangen des Abendmahls sind bedeutsame Elemente christlicher Praxis.

Kunst und Liturgie
Dies gilt auch für die Liturgien unserer Arbeit. Es gibt viele Liturgien in der Kunstwelt. Wie werden wir von ihnen geformt? Gibt es eine Praxis, die wir bewusst in unser künstlerisches Leben integrieren können, die uns positiv beeinflussen und die unser spirituelles Leben fördern könnte? Und sicher wir alle tun gut daran, darüber nachzudenken, wie wir unsere Zeit und unser Geld einsetzen, wie wir essen, arbeiten und ruhen…Welche Liturgien pflegen wir regelmäßig – und wie formen uns diese?

Ein Gebet der Selbst-Hingabe aus dem anglikanischen Book of Common Prayer:

Allmächtiger und ewiger Gott,
richte unsere Herzen auf Dich aus,
leite unseren Geist,
fülle unsere Vorstellungskraft,
kontrolliere unseren Willen, damit wir dir ganz und gar ergeben sind;
und dann benutze uns, so bitten wir dich, so wie du willst,
und dies immer zu deiner Ehre und zum Wohlergehen deines Volkes; durch unseren Herrn und Retter Jesus Christus.
Amen.

Text: Lauren Franklin-Steinmetz / Übersetzung: Uwe Steinmetz

* You are What You Love: The Spiritual Power of Habit, 2016

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