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16.
Mai
2016

‘Wir alle hören sie in unserer eigenen Muttersprache reden’

Vor einigen Jahren hatte ich das Vorrecht, mit einem niederländischen Chefdiplomaten einen Lunch zu essen. Auf meine Frage, was die erste Vorbedingung für eine Diplomatenkarriere wäre, meinte er ohne zu zögern: “Man muss viele Sprachen lernen.” Er erklärte mir, dass sich die meisten Menschen viel ungezwungener benehmen, wenn sie sich in ihrer eigenen Sprache unterhalten können. Denn der Stress, ihre Gedanken und Anliegen in einer fremden Sprache auszudrücken, falle damit weg. Oft könne gerade dies der erste Schritt zur Bewältigung eines Konflikts und der Anfang eines Dialogs und einer Zusammenarbeit sein.
Erinnern wir uns daran, was mit den Christen in Jerusalem an Pfingsten geschah, als der Heilige Geist auf sie herabkam: Die Ausgiessung des Heiligen Geistes bewirkte unter anderem, dass sie sich in vielen verschiedenen Sprachen äussern konnten.

Wir leben in einer Zeit, in der man keine neuen Sprachen mehr lernt. Das Erlernen einer Sprache bedeutet dabei nicht nur die Aneignung neuer linguistischer Systeme. Vielmehr entdeckt man auf einer tieferen Ebene unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten und macht sich letztlich mit andersartigen Lebensgefühlen und Lebensweisen vertraut. So trägt das Erlernen einer fremden Sprache ganz entscheidend dazu bei, dass wir anderen Menschen gegenüber offen werden. Es schiebt den Riegel für Engstirnigkeit und für die bornierte Meinung, die eigene Kultur lege fest, was normal sei – und könne sich deshalb auch das Recht herausnehmen, dem Rest der Welt ihre eigene Sichtweise aufzudrücken.

Aus christlicher Sicht ist das Erlernen von Sprachen ein Zeichen dafür, dass wir dienen, Gastfreundschaft üben und Frieden stiften wollen.

Ähnliches geschieht, wo wir Musik aus anderen Kulturkreisen spielen. Indem wir nicht bei unserer favorisierten Stilrichtung stehenbleiben, sondern uns darum bemühen, den immensen Reichtum verschiedenster Stile zu entdecken, erziehen wir uns selbst zur Offenheit anderen Menschen gegenüber. Dann entdecken wir, dass jede Kultur ihre einzigartige Ausdrucksweise hat, und dass Gott jede Nation mit Schönheiten gesegnet hat, wie man sie sonst nirgendwo findet.
Eine der Botschaften von Pfingsten besteht darin, dass wir in der Kraft des Heiligen Geistes andere Sprachen lernen können – “Sprachen” zum einen wörtlich verstanden als linguistische Systeme – und zum anderen metaphorisch als eine Gesamtheit von kulturellen Werten und emotionalen Ausdrucksweisen.
Es liegt nahe, dass wir damit den Bezug zur heutigen Flüchtlingskrise herstellen; besonders als Europäer fühlen wir uns heute dazu gedrängt.
Doch bevor wir dies tun, sollten wir an unsere eigenen Familienglieder, an unsere Kollegen und an unsere Mit-Christen denken. Auch die Beziehung zu ihnen ist ja auch immer wieder von Verständnisschwierigkeiten geprägt – bis auf den heutigen Tag.

Text: Dr. Marcel S. Zwitser / Übersetzung: Johanna Schwarzl

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Künstlerportrait

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Micha Aregger

Skulptur, Installation, Malerei, Bildende Kunst, Objekte
Aufgewachsen bin ich in Buttisholz. Nach einer technischen Berufslehre, studierte ich 5 Jahre an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern und schloss 2004 ab. In der darauffolgenden Zeit hat sich, durch das wachsende Interesse an Naturwissenschaften, meine charakteristische, organische
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