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21. Januar 2019

The great Shakespeare tradition – where is it going now? / Die grosse Shakespeare-Tradition – wie geht’s weiter?

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ENGLISH

Shakespeare’s long Christmas  

Last week, we heard some thoughts on Epiphany. Immediately before Epiphany comes “Twelfth Night”, the end of the 12 days of Christmas. 

In 1601/2, Shakespeare wrote a play with this title. As usual, he did not invent the story, but largely used older material. His success was not due to the plots themselves, but to the way in which he filled them with life. As his audience no doubt wished, this light-hearted play supplied wonderful entertainment and did not touch on any serious aspect of Christmas at all. Apart from the siblings Sebastian and Viola, all the main characters have great illusions about themselves, but are freed from them in a series of turbulent events; only Malvolio refuses to laugh at himself and is left alone and bitter, while the others find true love, marriage and happiness. London at this time was a small town by modern standards with perhaps a little over 100,000 inhabitants, but was full of great talents in literature, theatre and music. The LINK to the perfect setting by Thomas Morley (1557-1602) of the Fool’s song in ii. 3. 

The King James Bible (“KJV”) also appeared in London during this time, in 1611. For centuries, Shakespeare and the KJV remained the most influential works in English language.  

A tradition develops

Despite this rich artistic tradition, the London theatres were closed, under the influence of the Puritan religious movement, in 1642. When they reopened in 1660, Shakespeare was performed again, but usually in adapted or “improved” versions. Purcell supplied music for “The Fairy Queen”, adapted from “A Midsummer Night’s Dream”. By 1769, something approaching “Shakespeare worship” was developing, surprisingly promoted by one of the leading “improvers”, the great actor David Garrick. (He preferred King Lear with a “happy ending”, for example, and wrote a final speech enabling Macbeth to die on stage instead of exiting fighting). Garrick also launched the first “pilgrimage” to Shakespeare’s birthplace. The first translations were made, and have in the meantime appeared in over 100 languages, showing that the plays touch hearts in many different cultures – whether in tragedy or comedy, the plays provide access to fundamental human truths.  

Do we need Shakespeare? 

When the BBC introduced its programme “Desert Island Discs” in 1942 (it is still running today), they invited a guest to imagine he was to be left on a lonely island to which he was allowed to take eight music recordings (the main subject of the programme), one luxury item, one book of his own choice and, inevitably, the Bible and the complete works of Shakespeare. It was obviously considered inconceivable to ask an educated English speaker to face life anywhere without these last two. 

At school in the 1950s and 60s, I heard the KJV daily and, in the higher classes at least, encountered Shakespeare frequently. This did not necessarily produce Christians or lovers of Shakespeare, but knowledge of them was seen as virtually essential. Since then, the Bible has largely disappeared in many schools, and Shakespeare comes and goes in educational planning: at the moment, he is making something of a comeback. In these last decades, there have also been countless “deconstructed” or “socially relevant” professional productions of Shakespeare alongside those still presenting a more traditional interpretation. But, as with classical music, much of this depends on government subsidies to keep it running, and there is tough competition in the marketplace for these cultural jewels. And how will the “social media” generation develop an interest in these works in the future? 

Prayer

Lord, I thank you for your gifts, for great creative talents, for the way that great art reveals the human heart. Thank you for placing me in the world of culture and for going with me. Give me good work to do, and let me work for your Kingdom. Amen.  

Text: Bill Buchanan

Entertainments: Shakespeare’s “Globe”, on the left the bear-baiting pit
Unterhaltungsviertel: Shakespeares „Globe“, links die Bärenhetze.

A 19thcentury production of “Twelfth Night”
Eine Inszenierung von “Zwölfte Nacht” im 19. Jahrhundert

William Shakespeare (1564-1616)

DEUTSCH

Shakespeares langes Weihnachtsfest 
Letzte Woche hörten wir Gedanken zum 6.Januar, zu Epiphanias (=Erscheinungsfest / 3 Könige). Unmittelbar vor diesem Fest kommt die „Zwölfte Nacht“ als Abschluss der zwölf Tage von Weihnachten. 
1601/2 schrieb Shakespeare ein Stück mit eben diesem Titel. Wie üblich erfand er die Geschichte nicht selber, sondern verwendete einen schon existierenden Stoff. Sein Erfolg gründete ohnehin nie auf den Handlungen seiner Stücke, sondern auf seiner Fähigkeit, übernommene Handlungen mit Leben auszufüllen. Wie es sich sein Publikum zweifellos wünschte, sorgte auch dieses Stück für wunderbare Unterhaltung, ohne dass es das eigentliche Thema von Weihnachten angesprochen hätte. Abgesehen von den Geschwistern Sebastian und Viola hegen alle Hauptfiguren große Illusionen über das eigene Leben; doch werden sie diese Illusionen in einer turbulenten Folge von Ereignissen schnell wieder los. Nur Malvolio weigert sich, über sich selber zu lachen und bleibt am Ende allein und verbittert zurück, während die anderen Liebe und eheliches Glück finden. 
Damals war London nach modernen Maßstäben eine kleine Stadt von vielleicht kaum 100.000 Einwohnern, aber erstaunlich voll von großen Talenten in Literatur, Theater und Musik. Hier ist ein LINK, der zum perfekten musikalischen Satz von Thomas Morley (1557-1602) zum Lied des Narren in ii. 3 führt. 
Zur selben Zeit erschien in London die „King James“ Bibelübersetzung (“KJV”, 1611). Über Jahrhunderte hinweg blieben Shakespeare und die KJV die einflussreichsten Werke englischer Sprache.  

Eine Tradition entsteht 
Trotz dieser reichen künstlerischen Vorgeschichte wurden 1642 unter Druck einer puritanischen religiösen Bewegung die Londoner Theater geschlossen. Nach der Wiedereröffnung im Jahre 1660 wurde Shakespeare nochmals aufgeführt, allerdings oft in adaptierten oder „verbesserten“ Fassungen. Purcell schrieb die Musik für „The Fairy Queen“, einer Adaptation des „Sommernachtstraums“. Mit einem Festival im Jahre 1769 brach sich langsam eine „Shakespeare-Anbetung“ Bahn, die überraschenderweise von einem der Exponenten der „Shakespeare-Verbesserer“ ausgegangen war, vom renommierten Schauspieler David Garrick. (Er zog es beispielsweise vor, König Lear mit einem “Happy end” aufzuführen, und für Macbeth schrieb er eine Schlussrede, damit letzterer auf der Bühne statt hinter den Kulissen sterben konnte). Auch initiierte Garrick die erste „Pilgerfahrt“ zum Geburtsort von Shakespeare. In dieser Zeit begann man, Shakespeare in verschiedene Sprache zu übersetzen. Inzwischen gibt es Shakespeare in über 100 Sprachen. Dies zeigt, wie sehr seine Stücke durch alleKulturen hindurch die Herzen erreichen. Ob Tragödien oder Komödien: Sie rühren an tiefe menschliche Wahrheiten. 

Brauchen wir Shakespeare? 
Als 1942 die BBC 1942 zum ersten Mal die Sendung “Desert Island Discs” ausstrahlte (sie läuft immer noch!), lud sie einen bekannten Gast ein, sich Folgendes vorzustellen: Auf einer einsamen Insel zurückgelassen, konnte man nur gerade acht Musikaufnahmen (dies war der Hauptinhalt der Sendung!) mitnehmen. Dazu einen Luxusgegenstand, ein Buch eigener Wahl und – wie könnte es anders sein – die Bibel und die kompletten Werke Shakespeares. Es war offensichtlich undenkbar, einen gebildeten Engländer ohne die beiden letzteren auf die Insel zu lassen. Als Schüler hörte ich in den 50er und 60er Jahren  täglich die „KJV“ und hatte es dann – wenigstens in den höheren Klassen– häufig mit Shakespeare zu tun. Natürlich sind wir dadurch nicht alle zu Christen oder zu Shakespeare-Fans geworden. Aber die Kenntnis dieser Bücher galt als einigermassen unentbehrlich. 
Seitdem ist die Bibel von vielen Schulen weitgehend verschwundenen, während Shakespeare in den Lehrplänen periodisch auftaucht und zwischendurch wieder verschwindet  – im Augenblick scheint er eher wieder „in“ zu sein. In den letzten Jahrzehnten sind neben traditionelleren Shakespeare-Interpretationen auch zahllose „dekonstruierte“ oder „sozial relevante” Inszenierungen erschienen. Aber –  ganz ähnlich wie in der klassischen Musik – hängt das Überleben des professionellen Theaters generell von staatlichen bzw. städtischen Geldern ab; der Markt für diese kulturellen Juwelen ist von hartem Wettbewerb geprägt. Wird in Zukunft auch die „Social media generation“ ein Interesse für diese Werke: für die Bibel und Shakespeare, entwickeln? 

Gebet 
Herr, hab Dank für deine Gaben, für große schöpferische Talente, für alle Einblicke ins menschliche Herz dank der Kunst. Danke, dass du mich in die Kulturwelt hinein gestellt hast und dass du mit mir mitgehst. Verhilf mir zu guter Arbeit in meinem Fach und lass mich für dein Reich arbeiten. 
Amen 
 

Text: Bill Buchanan 

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