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05. November 2017

OUT OF SILENCE * AUS DER STILLE

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ENGLISH

“Be still, and know that I am God; I will be exalted among the nations, I will be exalted in the earth.” (Psalm 46: 10)

The piece “Silence” by jazz bassist Charlie Haden (1937-2014) was one of the first “religious” works of music that I encountered as a student— and at that time, as an atheist.  Years later, as I began as a Christian to become engaged with religion in Jazz, I noticed that musicians pointed to silence as the decisive spiritual feature of traditional jazz Improvisation.
Out of silence (and rests within the music) an intense listening to fellow musicians emerges, as well as an attentive attitude toward the audience.  Out silence comes sound, and out of sound comes personal images, poems and stories.  Improvisation begins in and goes forth from silence.  We must therefore first listen in order to improvise well.  Duke Ellington said that he only hired musicians that were good listeners— it is certainly a prerequisite in Jazz.

Silence and listening are central requirements for successful improvisation, just as in a church service. 
Consider the experience of devotionals in a small group setting.  Intimate.  Personal. Jazz musicians may also be familiar with the famous and often surprisingly beautiful concert situation when there are more musicians on the stage than members of the audience. In this situation we genuinely celebrate together — and we are careful not to jeopardize the mood and collective sound. We react spontaneously; we choose words or music that are appropriate for the situation. Who improvises, narrates from memory in his own language.  Improvisation is therefore always a personal experience of transcendence, a surpassing the assumed everyday, when it is retold others.  Improvisation leads to now and into community.  Improvisation is always spontaneous and empathetic and sharing and confiding.
Referencing books, CDs and large concert halls or fantastically staged church services help less here when they take their own reflective form.  Empathy and compassion for and resonance with others in community generates gratitude, an awareness of grace and humility.  All of this leads somehow into something of a praying, adoring attitude; if this succeeds, God’s presence can be experienced.
These are Emmaus Moments, moments of communal celebration in which it is remembered and retold what comprises personal faith, as well as which doubts are there, for “when two or three are gathered in my name, there am I among them.” (Matthew 18:20)
Johann Sebastian Bach, the great improvisor and composer, noted in his personal Bible at 2 Chronicles 5:12-13: “In devout music, God’s grace is always present.”

Could we allow ourselves moments of silence in the coming week— before practicing or before a concert, at the end of a full day or in the tram or train, moments in which we can use the silence as a source of inspiration?  Perhaps images will appear, or ideas that are worthy of following up, or a person with whom we should again come into contact?  Perhaps we will just notice how very beneficial silence is. Or can we simply listen to what is already around us?

Here are the Links to two versions of Silence, one by Keith Jarrett (LINK)
and the one by Petra Haden, Charlie Haden’s daughter (LINK)

Text: Uwe Steinmetz, Jazz Musician

DEUTSCH

“Seid stille und erkennt, daß ich Gott bin! Ich will der Höchste sein unter den Heiden, der Höchste auf Erden.”“
Psalm 46, 10

Das Stück „SILENCE“ des  2014 verstorbenen Jazzbassisten Charlie Haden (1937-2014)  war für mich als Schüler und – damals Atheisten – eines der ersten „religiösen“ Musikwerke. Jahre später begann ich, nun als Christ, mich mit Religion im Jazz zu beschäftigen. Und da fiel mir auf, das Musiker auf Stille als das entscheidende spirituelle Merkmal der im Jazz üblichen Improvisationstradition hinwiesen.
Aus der Stille (und aus den Pausen in der Musik) ergab sich ein intensives Zu-Hören den Mitmusikern gegenüber und eine wache Haltung dem Publikum gegenüber. Aus der Stille kommt der Klang, aus ihr kommen persönliche Bilder, Gedichte und Geschichten. Improvisation beginnt in und aus der Stille heraus. Wir müssen also zunächst Zuhören, um gut improvisieren zu können. Duke Ellington sagte, er engagiere nur Musiker, die wirklich zuhören könnten – im Jazz tatsächlich eine Grundvoraussetzung.

Stille und Zuhören sind zentrale Voraussetzungen für eine gelingende Improvisation, ebenso wie im Gottesdienst. Denken wir an das Erlebnis, in kleinem Kreis eine Andacht zu feiern. Intim. Persönlich.
Auch Jazzmusiker kennen die berühmten und oftmals überraschend schönen Konzertsituationen, wo mehr Musiker auf der Bühne stehen als Zuhörer im Publikum sitzen. In diesen Situationen feiern wir wahrhaftig gemeinsam. Wir achten darauf, die Stimmung und den Gesamtklang sorgfältig mitzugestalten und diese nicht zu gefährden. Wir reagieren spontan. Wir wählen Worte oder Musik, die für diese Situation passend sind. Wer improvisiert, erzählt aus der Erinnerung heraus in seiner eigenen Sprache. Improvisation ist deshalb immer auch eine persönliche Transzendenzerfahrung, eine Überschreitung des schon verstanden geglaubten Alltäglichen, wenn es neu erzählt wird für andere. Improvisation führt ins Jetzt und in die Gemeinschaft. Improvisation ist immer ein spontanes und emphatisches Teilen und Mitteilen. Verweise auf Bücher, CD-Aufnahmen und große Konzertsäle oder fantastisch inszenierte Gottesdienste helfen hier weniger, wenn sie dem eigenen Reflektieren und dem eigenen Gestalten Raum wegnehmen. Empathie, das Mitschwingen, Mitfühlen mit den anderen in Gemeinschaft, erzeugt Dankbarkeit, ein Bewusstsein für Gnade, Demut. All dies zusammen führt gleichsam in eine (an-)betende Haltung. Wenn dies gelingt, kann Gottes Gegenwart erlebbar werden.
Dies sind dann Emmaus-Momente, in denen man sich durch das gemeinsame Feiern erinnert und einander erzählt, was den eigenen Glauben ausmacht und vielleicht auch, welche Zweifel es noch gibt; denn “Wenn zwei oder drei in meinem Namen zusammen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Matt. 18:20). 
Johann Sebastian Bach, der große Improvisator und Komponist vermerkte in seiner seiner Bibelausgabe zur 2. Chronik 5.12-13: „Bei einer andächtigen Musik ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart.“

Lassen wir in der kommenden Woche tägliche Momente der Stille zu – vor dem Üben oder vor dem Konzert, nach einem vollen Tag oder im Zug oder in der Straßenbahn? Nutzen wir diese Stille-Momente dann als Quelle der Inspiration? Vielleicht tauchen vergessene Bilder auf. Und Ideen die sich anzugehen wieder lohnen. Oder wir denken an eine Person, mit der wir wieder in Kontakt treten könnten. Vielleicht merken wir aber auch einfach, wie wohltuend Stille ist. Oder können wir einfach wieder einmal hinhören auf das, was uns umgibt? 

Hier die LINKS zu zwei Fassungen von Silence,
mit Keith Jarrett (LINK) und mit Charlie Hadens Tochter Petra Haden (LINK).

Text: Uwe Steinmetz, Jazzmusiker

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