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12.
Februar
2023

RENEWAL – Part 3. Are we, in Christ, new artists? / ERNEUERUNG – Teil 3. Sind wir in Christus neue Künstler?

ENGLISH

This year’s guideline thought for Crescendo is «Renewal». One central Bible passage on this is 2 Cor 5:17 (see TUNE IN 391):
«Therefore, if anyone is in Christ, he is a new creation; the old has gone, the new has come!» (2 Cor 5:17)

Is it justifiable to apply this statement to artists? Certainly not, if it is taken to mean that Christians are better artists.
But the context in which we find this verse is interesting. Paul argues as follows: A person who is «in Christ» has a new «way of perceiving». He no longer sees Christ «according to the flesh». (That does not mean what the theologian Rudolf Bultmann (1884-1976) maintained: that Christ was only flesh, i.e. simply a human being without a divine nature; but now faith became involved and made Jesus into the Son of God.) No, the meaning is that a person «in Christ» sees reality in a new way, as it really is. He has a new insight: Christ is the Of God. And then he can also see other people with new eyes. We could add that he also has a new perception of himself and of the world generally.

What does this mean for Christians who are artistically active?
For 2 Cor 5:16-17 will have an effect on art. For this to happen, an important precondition must be fulfilled: A Christian can and should say goodbye to a concept which has increasingly influenced our philosophy and art since Descartes. René Descartes (1596-1650) is of course well-known for his dictum «Cogito ergo sum» – «I think, therefore I am». And he wrote the following: «I am sure that I can have no knowledge of what is outside me except by means of the ideas I have within me.» This means: Reality depends on how I perceive it with what is in me. The final consequence of this: One can no longer know reality.* Therefore, as an artist, one can and must create new realities which have nothing more to do with objective truth.
The converse: There is a reality which exists independently of me. This is a reality for which I have to allow myself to be given new eyes. And with that we have again returned to 2 Cor 5:17 !

But what conclusions can we now draw from this?

1
What it does not imply is that art has to be «realistic» in a trite sense. That would be a misunderstanding.

2
With a certain degree of humility, the artist has to admit a basic truth: Ultimately, I cannot create reality, but I can attempt to know reality and to promote knowledge of it. This reality can then be changed by human action and, naturally, by divine intervention.

3
Because there is a reality outside myself, I need to be alert in the way I perceive. I can train these skills of perception: by meticulous observation, from knowledge gained from conversations, from literature, from music, from pictures, from the Bible… this influences my art.

4
I need a new way of perceiving. «In Christ» I already have a fundamentally new perception of reality. I can now trust that the Holy Spirit will sharpen this new sense of perception, i.e. my insight, more and more – and will place it at his own service.

5
If we read further in 2 Cor 5, this «service» is specified: its aim is the reconciliation between man and God. We have therefore a new perception of Christ and of those around us. Because we ourselves have been reconciled with God through Christ, we can carry out the work of reconciliation as “ambassadors of Christ” (verse 20). This means, above all, that we learn to meet other people and ourselves with the love of God. And then let us attempt, in various ways, to present to them the Christian message of reconciliation. If we live this way, as “new Creation”, this will also influence our artistic activities.

6
Art in the service of reconciliation can now stand in a very concrete relation to reality – to spiritual reality, political reality, societal reality… Art can also lament and accuse. It will certainly apply itself to preventing reality from being obscured or suppressed.

Are we, in Christ, new artists? Quite certainly!

* On this, see an important philosophical work: Hubert Dreyfus, Charles Taylor. Retrieving Realism, 2015

Beat Rink / Translation from German: Bill Buchanan


DEUTSCH
  
Das Leitmotiv von Crescendo heisst in diesem Jahr «Erneuerung». Eine zentrale Bibelstelle dazu steht in 2 Kor 5, 17 (s. TUNE IN Nr. 391):
«Wenn also jemand in Christus ist, dann ist das neue Schöpfung, das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.» 

Ist es berechtigt, die Aussage auf Künstler zu beziehen?
Sicher nicht, wenn man damit meint, dass Christen bessere Künstler sind.
Aber der Kontext ist interessant, in dem dieser Vers steht. Die Argumentation von Paulus ist folgende: Der Mensch, der «in Christus»  ist, hat eine neue «Wahrnehmung». Er sieht Christus nicht mehr «nach dem Fleisch». (Das heisst nicht, wie der Theologe Rudolf Bultmann (1884-1976) behauptet hat: Christus war nur Fleisch,  d.h. nur ein Mensch ohne göttliches Wesen. Nun kommt aber der Glaube und macht aus Jesus den Sohn Gottes.) Nein, es heisst: Der Mensch «in Christus» sieht die Realität neu so, wie sie wirklich ist. Er erkennt neu: Christus ist Gottes Sohn. Und dann kann er auch die anderen Menschen mit neuen Augen sehen. Man könnte hinzufügen: auch sich selbst und überhaupt die Welt nimmt er neu wahr.

Was heisst das nun für Christen, die künstlerisch tätig sind?
Denn 2 Kor 5, 16-17 wird sich auf die Kunst auswirken. Dazu muss nun zuerst eine  wichtige Voraussetzung erfüllt sein:
Ein Christ kann und sollte sich von einer Vorstellung verabschieden, die seit Descartes unsere Philosophie und Kunst zunehmend prägt. René Descartes (1596-1650) ist für seinen Satz bekannt: «Cogito ergo sum» – «ich denke, also bin ich». Und er schrieb: »Ich bin sicher, daß ich von dem, was außerhalb meiner selbst ist, keine Erkenntnis haben kann außer durch Vermittlung der Ideen in meinem Inneren.«  Das heisst: Die Realität hängt davon ab, wie ich sie mit dem, was in mir ist, wahrnehme.*
Die letzte Konsequenz daraus lautet: Man kann die Realität nicht mehr erkennen. Darum kann und muss man (auch als Künstler) neue Realitäten schaffen, die nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun haben.
Die Umkehrung lautet: Es gibt eine Realität, die unabhängig von mir da ist. Es ist eine Realität, für die ich mir neue Augen schenken lassen muss. Und damit sind wir wieder bei 2 Kor 5,17!

Aber was folgt nun daraus?

1
Daraus folgt nicht, dass Kunst im platten Sinn «realistisch» sein muss. Das wäre ein Missverständnis.

2
Die Künstlerin und der Künstler erkennt aber mit einer gewissen Demut: Nicht ich kann letztlich Realität schaffen, aber ich kann versuchen, Realität zu erkennen und Erkenntnis zu fördern. Diese Realität kann dann durch handelnde Menschen und natürlich durch Gottes Eingreifen verändert werden.

3
Weil es eine Realität ausserhalb von mir gibt, brauche ich eine wache Wahrnehmung. Ich kann diese Wahrnehmung schulen: durch sorgfältiges Beobachten, durch Erkenntnisse aus Gesprächen, aus der Literatur, aus der Musik, aus Bildern, aus der Bibel… Dies wird meine Kunst prägen.

4
Ich brauche eine neue Wahrnehmung. «In Christus» nehme ich die Realität im Kern bereits neu wahr. Ich kann nun darauf vertrauen, dass der Heilige Geist mir dieses neue Wahrnehmungsorgan, d.h. meine Erkenntnis, noch weiter schärft und in seinen Dienst nimmt.

5
Wenn wir 2 Kor 5 weiterlesen, ist dieser «Dienst» genannt: Es geht um die Versöhnung zwischen Mensch und Gott. Wir nehmen auch ausserhalb unserer Kunst Christus und die Menschen neu wahr. Weil wir selber mit Gott durch Christus versöhnt sind, können wir als “Botschafter an Christi statt” (Vers 20) Versöhnungsarbeit  leisten. Das heisst zuallererst, dass wir lernen, anderen Menschen und uns selbst mit der Liebe Gottes zu begegnen. Und lasst uns dann eben auf unterschiedliche Weise versuchen, ihnen die christliche Botschaft von der Versöhnung zu bringen. Wenn wir so als “neue Schöpfung” leben, wird dies auch unsere künstlerische Tätigkeit prägen.

6
Kunst im Dienst der Versöhnung kann nun sehr konkret auf die Realität Bezug nehmen:  auf die geistliche Realität, auf die politische Realität, auf die gesellschaftliche Realität… Kunst kann  deshalb auch klagend und anklagend sein. Sie wird sich jedenfalls dagegen einsetzen, dass die Realität verschleiert oder ausgeblendet wird.

Sind wir in Christus neue Künstler? Mit Sicherheit!

* Siehe dazu ein wichtiges philosophisches Werk: Hubert Dreyfus, Charles Taylor. Die Wiedergewinnung des Realismus / Retrieving Realism, 2015
  
Text: Beat Rink

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Künstlerportrait

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Daniela Portner art-on-stage

Ballett, Jazz, Modern Dance, Hip Hop, breakdance, Ausdruckstanz, Pop, Rock, Klassik, Div. Instrumente, Gesang
Art on Stage ist der überzeugende Event für alle, die sich von leidenschaftlicher Musik und einer einzigartigen Bühnenshow verwöhnen lassen möchten. Erleben Sie unvergessliche Momente mit grossartigen Künstlern, die Musik und Tanz verbinden. Art on Stage bietet Ihnen eine abwechslungsreicht
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