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07.
Januar
2014

Matthäus 2,1-12

„Als nun Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, um ihn anzubeten!“

Wir wenden uns wie im TUNE IN 52 den Weisen (engl. „Magi“) aus dem Morgenland zu – anlässlich des orthodoxen Weihnachtsfestes und des Dreikönigstags am 7. Januar:
Ein Beispiel guter Kunst mit christlichem Inhalt (ja, es gab sie zu allen Zeiten und es gibt sie heute noch!) ist das Gedicht „The Journey of the Magi“ über die drei Weisen von Thomas Stearns Eliot (1888 – 1965).

Die Hintergünde zu diesem Gedicht, Informationen zum Literatur-Nobelpreisträger Eliotund ein historisches Tondokument findest Du jeweils unter den Links oder unten. Hier wollen wir das Gedicht weder analysieren noch interpretieren.

Nur zwei Fragen: Was heisst es, dass die leeren Weinschläuche getreten werden – offensichtlich an der Zeitenwende, die jetzt eintritt und die erst recht mit dem Spiel (des Judas) um Silberlinge eröffnet werden wird? Wo müssen wir leere Weinschläuche wegwerfen? (siehe Matthäus 9,17).  Und: Inwiefern können (müssen) wir die Geburt von Bethelehem als “Tod” der alten Zeit bzw. der alten Kultur begreifen? Was sind die Konsequenzen – vielleicht in unserer Tätigkeit in diesem neuen Jahr?

Thomas Stearns Eliot: Die Reise aus dem Morgenland

Wohl einen kalten Anweg hatten wir,
War grad die schlimmste Zeit im Jahr
Für eine Reise, eine so lange Reise:
Die Wege tief, das Wetter harsch,
Mitten im ärgsten Winter.

Und die Kamele fusskrank, wundgelaufen, mürrisch,
Legten sich in den Schnee, der ringsum schmolz.
Es gab Zeiten, da uns die Sommerpalais reuten
In den Berglehnen, die Terrassen, und der Sorbet,
Kredenzt von seidnen Mädchen.

Dann die Kameltreiber, fluchend und schimpfend,
Die uns durchbrannten, sie wollten was zu trinken sehn und Weiber;
Und die Nacht-Feuer, die ausgingen, und fast nie ein Obdach,
Und die Städte feindselig, die Flecken unfreundlich,

Die Dörfer verschmutzt und überteuert:
Wohl kam uns die Zeit schwer an.
Zum Schluss reisten wir lieber übernacht,
Nur ab und an schlafend,
Mit den Stimmen, die uns im Ohr sangen,
Dass all dies Unsinn sei.

Dann, im Morgengrauen, stiegen wir in ein Tal ab,
Taufeucht unter der Schneezone; es grunelte,
Und war ein flinker Bach da und ein Mühlrad, das Dunkel stampfend,
Am Himmelsrand drei Bäume,
Und ein alter weisser Gaul stob im Galopp über die Wiese.

Dann kamen wir an eine Schenke mit Weinlaub überm Türsturz,
Sechs Hände an der offnen Tür, würfelnd um Silberlinge,
Und leere Weinschläuche, Fusstritte fangend.
Doch es gab keine Auskunft, und wir zogen weiter
Und trafen am Abend ein, fanden den Ort,
Kamen noch grad zurecht; und es ging (darf man sagen) gut ab.

All das liegt weit zurück, ich erinnere mich.
Und würd es wieder tun, doch schreibt Dies schreibt nieder
Dies: Wurden wir den weiten Weg geführt
Zu Tod oder Geburt? Sicher, da war eine Geburt,
Wir hatten die Gewähr und waren frei von Zweifel.

Mir war Geburt und Tod vertraut,
Doch hatte ich sie für Verschiednes gehalten; diese Geburt war uns
Ein harter, bittrer Heimgang, so wie ein Tod, wie unser Tod.
Wir kehrten wiederum an unsern Ort, in diese Königreiche,
Doch nimmermehr getrost hier in dem Alten Bund,
Über ein fremdes Volk, das seinen Göttern anhängt.
Ich wäre froh um einen neuen Tod.

Tune In 54 vom 7. Januar 2014 | Text: Beat Rink | Cover of the poem’s first publishing:Faber & Gwyer’s 1927 pamphlet; Illustrator: Edward McKnight Kauffer |
Links: Zum Gedicht „The Journey of the Magi“ auf Wikipedia; zum Gedicht inkl. Audio auf The Poetry Archive; zum Autor Thomas Stearns Eliot

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Künstlerportrait

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Maya Heusser

Theater, Musical
Bühnenreif macht Musicals. Konzept, Story und Regie von mir und alles andere aus meinem grossen Netzwerk. Zur Zeit sind wir mit dem Musical Küstenpfad auf Tournee. Ein Stück für die kleine Bühne mit viel Weitsicht. Das Thema ist Einsamkeit und
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