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25.
Juni
2020

«Looking at people’s jaws» / «Dem Volk auf’s Maul schauen»

ENGLISH

This week we continue with the theses on “Art, Artists and Church” (see TUNE IN 327).

Thesis 4: By incorporating good art, churches develop their language. Artists are therefore important in the church.

Further thoughts:
When working on his Bible translation, Martin Luther looked at “the people’s jaws”. He noted the language of the people around him in order to make the message understandable. Today, too, the churches should constantly strive to make themselves understood. This inevitably leads to the question of defining “aesthetics and art”.
Modern churches for the youth do this by including pop and rock music. This concept is successful. But it has now resulted in the growth of a worldwide worship monoculture which leaves hardly any room for the development of new aesthetic forms for other “milieus”. This is comparable with the “monoculture” of traditional church music before pop music was introduced into churches.

Sociology speaks of “milieus” in society which have differentapproaches to aesthetics. A church with people from different “milieus” (social strata, age groups etc.) should not practice an “aesthetic monoculture”, but should permit different styles. This often happens by having separate morning and evening church services. Here one could raise the question of whether it would be good, and even in accord with the gospel, if one group could be enabled, at least on occasions, to get to know the style (and thus also the type of thinking) of the other group – and conversely?

A church which primarily addresses one milieu could ask itself: Are we aware that, with our style, we are addressing one special milieu and therefore also not addressing other milieus?  (Willow Creek Church, for example, started by surveying opinions on the streets of Chicago in order to identify the aesthetic preferences of the majority of the population. They then worked hard on this and developed church services with mainstream aesthetics. But one result was that other “milieus” were left on one side.) A church of this kind could also ask itself: Where do we have to develop another style and thus also new worship forms or alternatives in order to reach different “milieus”?

“Looking at people’s jaws” is not so easy. For this, the artist’s help is needed. One could take this concrete step: A church invites artists to discuss such questions and to develop new alternatives. Or artists approach the churches and suggest a process of this kind.

And, in conclusion, a further observation and question: We also speak “different languages” with the various people around us. It is an act of love to adapt sensitively to the person we are speaking to. Who, precisely, do I wish to speak to with my art?
A question: How can I develop the power of my language? This does not necessarily mean that I have to change the form of my language in order to address new “milieus”, but perhaps that I should look even more closely at “my people’s” jaws.

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan
Picture from a “Creative church” service with Crescendo in Malmö, 2006, organized by Nicolaj Vollburg (piano). In the back a painting  by Janeric Johansson.

DEUTSCH

Wir fahren hier fort mit den Thesen zum Thema „Kunst, Künstler und Kirche“ (siehe TUNE IN 327)

These 4: Kirchen werden durch den Einbezug von guter Kunst sprachfähiger. Darum sind Künstler in der Kirche wichtig.

Weitere Gedanken:
Martin Luther hat bei seiner Arbeit an der Bibelübersetzung dem „Volk aufs Maul“ geschaut. Er hat die Sprache der Menschen um ihn herum aufgenommen, um die Botschaft verständlich zu machen. Die Kirchen sollten auch heute immer wieder darum ringen, sich verständlich zu machen. Dies führt sie unweigerlich zur Frage nach „Ästhetik und Kunst“.

Moderne Jugendkirchen tun dies, indem sie Pop- und Rockmusik einbeziehen. Dieses Konzept ist erfolgreich. Dadurch hat sich nun aber eine weltweite Worship-Monokultur entwickelt, die kaum Raum lässt für die Entwicklung neuer ästhetischer Formen für andere „Milieus“. Dies ist vergleichbar mit der „Monokultur“ der traditionellen Kirchenmusik vor dem Einzug der Pop-Musik in die Kirchen.

Die Soziologie spricht von gesellschaftlichen „Milieus“, die unterschiedliche ästhetische Zugänge kennen.

Eine Kirche mit Menschen aus verschiedenen „Milieus“ (gesellschaftlichen Schichten, Altersgruppen usw.) sollte keine „ästhetische Monokultur“ pflegen, sondern verschiedene Stile zulassen. Oft geschieht dies durch die Trennung von Morgen- und Abend-Gottesdiensten. Hier könnte man sich die Frage stellen, ob es gut wäre und sogar im Sinn des Evangeliums, wenn zumindest punktuell der einen Gruppe ermöglicht würde, den Stil (und damit auch die Denkweise) der anderen Gruppe kennenzulernen – und umgekehrt.

Eine Kirche, die vor allem ein Milieu anspricht, könnte sich fragen: Sind wir uns dessen bewusst, dass wir mit unserem Stil ein ganz speziellesMilieu ansprechen und damit andere Menschen nicht erreichen? (Die Willow Greek Church hat etwa in ihren Anfängen auf den Strassen von Chicago Umfragen durchgeführt, um die ästhetischen Vorlieben der Mehrheit der Bevölkerung zu erfassen. Mit grossem Aufwand hat sie dadurch Gottesdienste mit einer  Mainstream-Ästhetik entwickelt. Der Erfolg kam schnell. Dadurch wurden aber auch andere „Milieus“ auf der Seite gelassen.)
Eine solche Kirche wird sich auch fragen: Wo müssten wir einen anderen Stil und damit auch neue Gottesdienst-Formen oder Angebote entwickeln, um verschiedene „Milieus“ zu erreichen?

„Dem Volk aufs Maul schauen“ ist gar nicht so einfach. Es braucht dazu die Hilfe der Künstler. Ein konkreter Schritt wäre: Eine Kirche lädt Künstler ein, um über solche Fragen zu diskutieren und neue Angebote zu entwickeln.  Oder Künstler gehen auf die Kirchen zu und regen zu einem solchen Prozess an.

Und zum Schluss eine weitere Beobachtung und Frage: Wir sprechen mit den Menschen um uns herum auch „unterschiedliche Sprachen“. Es ist ein Akt der Liebe, dass wir uns sensibel auf unser Gegenüber einlassen.
Frage: Wen will ich eigentlich mit meiner Kunst ansprechen? Wie kann ich meine Sprachfähigkeit erweitern? Dies heisst nun nicht unbedingt, dass ich meine Sprache wechseln muss, um neue “Milieus” zu erreichen. Es kann aber heissen, dass ich “meinem Volk” noch besser aufs Maul schaue.

Text: Beat Rink
Bild: KIRCHE KREATIV mit Crescendo in Malmö 2006, organisiert von Nicolaj Vollburg (Piano). Im Hintergrund ein Bild von Janeric Johansson

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Bruderboot, das sind Christian und Beni Hunziker, Schauspieler und Theaterpädagoge, zwei passionierte Theatermenschen mit einem grossen Herz für kleine Geschichten.
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