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13.
Dezember
2016

Lebenskunst

Wenn wir heute über Kunst sprechen, meinen wir Tanz und Musik, Film und visuelle Kunst, Literatur und Theater – und vielleicht auch angewandte Künste wie Architektur, Mode und Design. Dieses Verständnis von „Kunst“ ist verhältnismässig eng. Und vor allem ist es neu. Dies wird deutlich, wenn man die Geschichte bedenkt. Albrecht Dürer (1471-1528) verstand seine Kunst noch zu einem guten Teil als angewandte Geometrie. Der Philosoph Reimund B. Sdzuj schreibt: „Was man heute unter der Bezeichnung Kunst zusammenfasst und zum Beispiel von Johann Christoph Gottsched (1700-1766) eher beiläufig in der uns vertrauten Fünfzahl von Dichtkunst, Musik, Malerei, Baukunst und Bildschnitzen erwähnt wird, verteilte sich bis ins 18. Jahrhundert auf Wissenschaft (ars poetica als Teil der Rationalphilosophie), freie Künste (artes liberales wie Musik qua Wissen), Handwerk (artes illiberales: „ein Bild mahlen, Lasten tragen“, Musizieren) und … artes ludicrae, zu denen „Seil- tanzen, Comoedien, Gauckeln, Taschen-Spielen“ gezählt wurden, und …seit dem 17.Jahrhundert auch Oper und Roman.“ (Reimund B.Sdzuj. Adiaphorie und Kunst
Studien zur Genealogie ästhetischen Denkens)
Bis weit ins 18.Jahrhundert hinein verstand man zudem Kunst als etwas „Nützliches“. Und man wäre niemals auf die Idee gekommen, sich zu Kunst kontemplativ zu verhalten, das heisst vor einem Kunstwerk oder beim Anhören eines Musikstücks zu „meditieren“.

Unser Kunst-Verständnis ist also historisch gewachsen. Das heisst nicht, dass es völlig falsch ist. Aber es darf (und muss) immer wieder hinterfragt werden, wo der Kunstbetrieb seltsame Blüten treibt. Und er treibt oft sehr seltsame Blüten !
Wir tun gerade als Christen gut daran, unser eigenes „Kunstschaffen“von jener „Lebens-Kunst“ her zu prüfen, wie sie uns in der Bibel (zum Beispiel in den Sprüchen) empfohlen wird.
Darum ist es auch richtig, als Künstler auf Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) zu hören, wenn dieser in “Widerstand und Ergebung” über das “Qualitätsgefühl” schreibt. Bonhoeffer bezieht sich dabei nicht auf Kunst in engerem Sinn, sondern er meint Lebens-Kunst:

“Es geht auf der ganzen Linie um das Wiederfinden verschütteter Qualitätserlebnisse, um eine Ordnung auf Grund von Qualität. Qualität ist der stärkste Feind von Vermassung. Gesellschaftlich bedeutet das den Verzicht auf die Jagd nach Positionen, den Bruch mit allem Starkult, den freien Blick nach oben und nach unten, besonders was die Wahl des engeren Freundeskreises angeht, die Freude am verborgenen Leben wie den Mut zum öffentlichen Leben. Kulturell bedeutet das Qualitätserlebnis die Rückkehr von Zeitung und Radio zum Buch, von der Hast zur Muße und Stille, von der Zerstreuung zur Sammlung, von der Sensation zur Besinnung, vom Virtuosenideal zur Kunst, vom Snobismus zur Bescheidenheit, von der Maßlosigkeit zum Mass. Quantitäten machen einander den Raum streitig, Qualitäten ergänzen einander.”

Fragen:
Was heissen die Worte Bonhoeffers für uns als Künstler?
Wo sollten wir Lebens-Kunst pflegen – statt nur „Kunst“ in engerem Sinn?

Text: Beat Rink

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Künstlerportrait

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Samuel Schmidt

Film, Fotografie, Kunsthandwerk
Samuel mag es Geschichten in cinematografische Bildausschnitte zu verpacken und mit berauschendem Sound zu untermalen. Er hat 2003 zusammen mit Curdin Schneider an den Internationalen Kurzfilmtagen Winterthur den Preis für bester Schweizer Film gewonnen. Er liebt analogen Film und seine
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