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18.
Februar
2014

Johannesevangelium 3, 1+2

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„Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster unter den Juden. Der kam zu Jesu bei der Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du ein Lehrer bist von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.“

[/vc_column_text][vc_column_text]Wer ist Nikodemus? Was treibt ihn dazu, zu Jesus zu kommen? Was hindert ihn daran, am Tag zu kommen? Wie begegnet Jesus ihm? Gehen wir zunächst kurz diesen Fragen nach…

Wer ist Nikodemus? Er ist ein Pharisäer, vielleicht sogar ein Mitglied des hohen Rats. Ein denkender Mensch, ein fragender Intelektueller…

Was treibt ihn dazu, Jesus aufzusuchen? Ziemlich sicher kommt er in eigener Mission und nicht im Auftrag der religiösen Führer Jerusalems. Er ist kein Spion, sondern ein Wahrheitssucher. Es sind die beobachteten „Zeichen“, die Nikodemus irritiert haben und ihn auf diese Suche schicken.

Gewisse „Zeichen“ wurden damals auch bei Zauberern gesehen und von den Pharisäern heftig bekämpft. Aber die Zeichen, die Jesus tut, weisen ihn als „Rabbi von Gott“ aus. Das ist ein grosses Lob, das Nikodemus hier ausspricht. Ebenso erstaunlich ist, dass Nikodemus nicht der einzige Pharisäer ist, der so denkt. Sonst würde er nicht sagen: „Wir wissen, dass …“.

Was hindert Nikodemus daran, am Tag zu kommen? Offenbar hat das Auftreten von Jesus die religiösen Kreise schon früh verstört und aufgebracht. Soeben hat er ja (nach dem Johannesevangelium) die Händler aus dem Tempel ausgetrieben. Jesus bewegt sich mit seinem Tun und Reden völlig jenseits der Norm.

Und die Norm hiess damals: strikte Befolgung der Gesetzesregeln, die für die Pharisäer so wichtg waren. Jesus durchbricht das Regelwerk radikal. Er lockert es nicht, sondern er verlässt es und bringt etwas Neues – so wie der Fest-Wein etwas ganz anderes ist als das Wasser in den Krügen, die für die rituelle Reinigung des Hochzeitspaares bereit stehen (siehe TUNE IN 58).

Nikodemus ahnt nun, welch dramatische Folgen es für sein Leben haben könnte, wenn Jesus mehr wäre als nur ein gottgesandter Lehrer – vielleicht sogar der Messias! Er müsste sich konsequent umorientieren und völlig umkehren. Er ahnt dies und fürchtet sich davor, dass andere ihn als potentiellen Jesus-Anhänger identifizieren könnten. Deshalb kommt er im Schutz der Nacht. So ist Nikodemus hin- und hergerissen zwischen Furcht und Wahrheitssuche.

Wie begegnet Jesus dem Nikodemus? Er könnte ihm vorwerfen, dass er feige ist und gefangen in seinem religiösen „System“. Er könnte mit ihm über das System – sprich: das Pharisäertum – streiten. Er könnte ihn dazu aufrufen, umzukehren und sich ihm anzuschliessen. Statt dessen spricht er von einem notwendigen inneren Geschehen: von einer inneren Erneuerung. Wir werden im nächsten TUNE IN darauf eingehen.

Bleiben wir aber hier noch bei Nikodemus selber und fragen weiter: Wo gibt es heute Menschen, die Nikodemus ähnlich sind? Die in einem gedanklichen System gefangen sind, die aber ahnen, dass es Gott gibt und die vielleicht sogar heimlich nach ihm fragen? Es gibt eine naheliegende Antwort aus der Erfahrungswelt der Kulturschaffenden – zumindest in Europa und der westlichen Welt: Viele heutige Bildungsbürger und Intelektuelle sind in einem erstaunlich starren Gedankengefüge und Weltbild zuhause.

Dieses ist nicht religiös, aber in seinem Agnostizismus oder Atheismus stark dogmatisch. Der Agnostiker sagt: „Ich kann nicht glauben, weil ich nichts weiss – und nicht wirklich wissen will.“ Der Atheist sagt: „Ich weiss, dass nicht stimmt, was die (christliche) Religion sagt.“ Beide sind Gefangene eines Denkens, das sich nicht für Gott öffnet und das sich gegenüber dem Christlichen verschliesst.

Vielleicht gibt es aber dennoch manche, die Gott zumindest „ahnen“: in der Natur, im eigenen Leben – und in der Kunst. Und die sogar Erfahrungen gemacht haben, die wir Christen deuten könnten.

Aber reicht die Irritation und die intelektuelle Neugierde aus, um wirklich nach der Wahrheit zu suchen – auch wenn sie jenseits des System liegt ? Oder ist die Furcht grösser, dass das Weltbild auf den Kopf gestellt werden könnte oder dass man als Jesus-Sucher identifiziert werden könnte?

Eine Frage an uns Christen: Wo findet Nikodemus heute einen Ort, wohin er mit seinen Fragen kommen kann? Vielleicht scheut er sich, in eine Kirche zu gehen. Oder wenn er in eine Kirche geht, dann eher in ein Kirchen-Konzert oder in einen künstlerischen Gottesdienst… Vielleicht fühlt er sich sicherer in einem Museum oder in einem Konzert. Oder in einer Literaturlesung. Findet er dort aber Christen?

Oder weiter und anders gefragt: Sind wir im Leben solcher Menschen „präsent“, damit sie mit ihren Erfahrungen und Fragen „im Notfall“ zu uns kommen können? Identifizieren sie uns als Experten in Sachen „Gott“ oder „Jesus“? Und schliesslich: Geben wir Christen den Menschen genügend Anlass zur Wahrheitssuche oder hindern wir sie eher daran? Können sie auch bei uns „Zeichen“ von Gott sehen, die sie auf gute Weise irritieren?

Der Schweizer Rockmusiker und Filmemacher, Luke Gasser (*1966), hat 2013 unter dem Titel „The Making of Jesus Christ“ einen Film und ein Buch herausgebracht. Darin geht er auf eine sehr ehrliche Spurensuche nach Jesus Christus. Er bezeichnet sich nicht als Christ, aber auch nicht als Atheist oder Agnostiker. Er ist eben ein „Nikodemus“.

Gebet:
„Herr, schenke, dass immer mehr Menschen in der Kulturwelt nach der Wahrheit suchen. Vielleicht gibt es sie bereits in meinem Umfeld. Öffne mir dann die Augen für sie. Und hilf, dass wir miteinander in Kontakt kommen. Gib mir Mut, über dich zu sprechen. Hilf, dass meine Kunst und mein ganzes Leben zu Nikodemus-Fragen Anlass geben. Amen.“

Tune In 60 vom 18. Februar 2014 | Text: Beat Rink | Literaturhinweis: Luke Gasser. The Making of Jesus Christ. Weltbild 2003[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

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Künstlerportrait

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Maya Heusser

Theater, Musical
Bühnenreif macht Musicals. Konzept, Story und Regie von mir und alles andere aus meinem grossen Netzwerk. Zur Zeit sind wir mit dem Musical Küstenpfad auf Tournee. Ein Stück für die kleine Bühne mit viel Weitsicht. Das Thema ist Einsamkeit und
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