Zurück zur Übersicht

18. April 2018

“It has to be God or it’s all nonsense” An interview with Patrick Kavanaugh (1954-2018) / „Da muss Gott eingreifen – oder es ist totaler Unsinn“ Ein Interview mit Patrick Kavanaugh (1954-2018)

By | Tune In | No Comments

ENGLISH

A few days ago, the conductor, composer and author Patrick Kavanaugh, for many years the leader of the Christian “MasterWorks Festival” in the USA, passed away. This unexpected and painful loss of a friend who was an important mentor for countless musicians caused us to search through our in-house archive and look again at an interview in an early number of the CRESCENDO Magazine.
The central statements in the interview have lost none of their immediacy, although it is noticeable, here and there, that times have changed. Here are some excerpts: 

Patrick Kavanaugh: It was in the 1980s that God gave me a vision:  I „saw“ two highschool boys sitting in a cafeteria,  chatting.  Finally one guy asked the other, what would  he be majoring in.  The other said, he would get a major in music.  The first boy looked at him rather surprised and said:  “Oh, I’m sorry, I didn’t know that you  were so religious!”  For a long time I asked God about the meaning of this.  The interpretation to me is, after a long search:  it is possible by God’s grace to convert a specific mission field, in this case the world of the performing arts, that one day it would be unusual to belong to it and not know Christ.

Crescendo:  A challenging vision, indeed…

Patrick Kavanaugh:   I am well aware of what I am saying. I am living in  this world and  know   this is David  and Goliath!  I know where the performing arts are, I know the needs and I  know how incredibly small we are in the totality of everything. But is this any crazier than sending twelve barefoot men out to conquer the Roman empire for Christ? Obviously it has to be God or it’s all nonsense. But I think God is waiting for someone to say that it can be done in the Lord.

Crescendo: Could you mention an event that confirmed that the vision was from God?

Patrick Kavanaugh: Oh, I could talk all day, there are a lot of stories! God has been so good to us. One of our major events was how we went to perform Jerome Hines’ opera “I  am the way” at the Bolschoy theatre in Moscow.  It was very exciting. We were actually invited by the Russian government. This is the opera that is based on the life  of Jesus Christ and a major hall in Washington wouldn’t let  us play it –  in the land of the free –  because it was too religious and might offend someone. But the Russian government invited us – the world it is indeed turned upside down!  It was a very large undertaking. We took 191 people over there  for several weeks and all the cargo for a full-scale opera. The bottom line of all was that thousands  gave  their lives to Christ. So we started a number of Bible study groups there and follow up programs.  It was just wonderful to see how God could use an opera to bring people to the Lord.  Usually when a opera singer becomes a  Christian,  people say the opera is a nasty place that they should get out of, but we train them to stay in there and get the land for the Lord –  to reclaim the arts for the Lord.

Crescendo: Apart from this “success” all did you also experience opposition?

Patrick Kavanaugh: We have experienced a lot of that. The performing art’s world is perhaps one of the most secularized portion of our society at this time. I have had two people literally  spitting  into my face, newspaper articles condemning us and all I can say is, you  just love them. You keep loving them back –  that’s the way Jesus did it, and that’s the way his disciple did it, too.  I remember a stage manager of a hall where we played five concerts –  one per year. In the first year he almost threw us out. The second year he came to my dressing room after the concert and said: “Well, at least you believe what you believe” –  he had some degree of respect. The third year we played there he came to my dressing room afterwards and was deeply touched and nearly teary and he said: “I’d like to talk to you.” So we went out for a day got well acquainted, but he still didn’t come to Christ. The fourth year he gave his life to Jesus and we got him a Bible and got him involved in a church. And the fifth year he insisted on donating his service so we didn’t have to pay him, which of course was very good for the finances of our ministry. I think a lot of it is a question of perseverance. Many times I think we present the gospel and they don’t immediately accept what we say –  sometimes it takes time.

From the magazine CRESCENDO no.55 / November 2000
About Patrick Kabanaugh: https://en.wikipedia.org/wiki/Patrick_Kavanaugh
Interview / Text: Beat Rink

DEUTSCH

Vor einigen Tagen verstarb der Dirigent, Komponist und Buchautor Patrick Kavanaugh,  langjähriger künstlerischer Leiter des christlichen „Master Work Festivals“ und der “Christian Performing Artists’ Fellowship” in den USA. Dieser überraschende und schmerzhafte Verlust eines Freundes, der für unzählige Musiker ein wichtiger Mentor war, lässt uns im internen Archiv zurückblättern und aus einer frühen Nummer der Zeitschrift CRESCENDO ein Interview hervorholen. Es hat in seiner Kernaussage nichts an Aktualität eingebüsst hat, obwohl da und dort erkennbar wird, dass sich die Zeiten gewandelt haben. Hier einige Auszüge:

Patrick Kavanaugh: In den achtziger Jahren hatte ich eines Tages eine Vision: Ich „sah“,  wie Studenten einer Highschool zusammen in einer Cafeteria sassen und sich unterhielten. Schliesslich fragte einer den anderen, auf welches Studienfach er sich spezialisiere, und der andere gab zur Antwort: „Auf Musik“.  Daraufhin sah ihn der Kollege erstaunt an und sagte: „Oh, tut mir leid, aber ich wusste gar nicht, dass du so religiös bist!“ Lange Zeit fragte ich Gott, was diese Vision zu bedeuten hätte. Und nach langem Suchen und Fragen bin ich zu folgender Interpretation gekommen: Ees ist durch Gottes Gnade möglich, ein spezielles Missionsfeld zum Glauben zu führen – in diesem Fall die Welt der darstellenden, interpretierenden Künste, so dass es eines Tages unüblich sein würde, in diesem Bereich nicht an Gott zu glauben.

Crescendo: Eine herausfordernde Vision…

Patrick Kavanaugh: Ich bin mir bewusst, was ich da sage. Ich stehe mit beiden Beinen in dieser Welt und weiss, dass es ein Kampf von David gegen Goliath ist! Ich weiss, wo Musik und Kunst heute stehen. Ich kenne die Nöte und weiss auch, dass wir uns davor verschwindend klein vorkommen müssen. Aber ist es denn verrückter  als zwölf barfüssige Männer auszusenden, um das Römische Reich zu erobern? Es ist doch offensichtlich: Da muss Gott eingreifen – oder alles ist totaler Unsinn. Aber ich glaube, dass Gott darauf wartet, dass jemand sagt: „Ja, ich kann mir vorstellen, dass dies eines Tages durch Gottes Kraft geschehen wird…“

Crescendo: Gab es wenigstens ein Ereignis, das Dir diese Vision bestätigte?

Patrick Kavanaugh: Oh, ich könnte einen ganzen Tag lang Geschichten erzählen! Es gibt so viele!  Eines unserer Hauptprojekte war die Aufführung von Jerome Hines’ Oper „ Ich bin der Weg“ im Moskauer Bolschoj-Theater.  Es war sehr aufregend. Es geht in dieser Oper um das Leben von Jesus Christus. Eine grosse Bühne in Washington hatte uns die Erlaubnis entzogen, das Stück aufzuführen. Und dies im Land der Freiheit! Denn das Stück war offensichtlich zu religiös und hätte jemanden beleidigen können…  Aber die russische Regierung lud uns ein – wirklich eine verkehrte Welt!  Es war ein sehr grosses Unterfangen. Wir nahmen 191 Leute für mehrere Wochen mit – und dazu all das Material für eine ganze Opernbühne. Das Fazit war, dass über 1000 Leute ihr Leben Jesus Christus gaben. So begannen wir eine Reihe von Bibelstudien und Weiterführungskursen. Es war einfach wunderbar zu sehen, wie Gott eine Oper gebrauchen konnte, um Menschen zu sich zu ziehen. Für gewöhnlich ist es doch so: wenn ein Opernsänger Christ wird, sagen die Leute, dass die Oper eine so schlimme Sache ist, dass er damit aufhören soll. Wir aber ermutigen ihn dazu, dabei zu bleiben, um die Kunst für den Herrn zurückzugewinnen.

Crescendo: Habt ihr neben solchen Erfolgen auch Widerstände erlebt?

Patrick Kavanaugh:  Ja, viele Widerstände. Die Welt der darstellenden Künste und der Musik ist vielleicht der am meisten säkularisierte Bereich unserer gegenwärtigen Gesellschaft. Leute haben mir buchstäblich ins Gesicht gespuckt, Zeitungsartikel haben uns verurteilt. Aber darauf kann ich immer nur antworten: Leben wir diese Menschen trotzdem!  Denn dann tun wir ja nur, was Jesus auch getan hat. Ich erinnere mich an den „Stage Manager“  eines Konzertsaals, in dem wir pro Jahr fünf Aufführungen hatten. Im ersten Jahr warf er uns beinahe hinaus. Im zweiten Jahr kam er nach dem Konzert in mein Dirigentenzimmer und sagte: „Immerhin glaubt ihr an das, was ihr glaubt.“  Zumindest etwas Respekt hatte er davor. Im dritten Jahr zeigte er sich tief berührt und war den Tränen nahe. Er sagte, er wolle mit mir reden. Dann waren wir einen Tag lang zusammen und wurden gute Bekannte, aber er wurde trotzdem noch nicht Christ. Im vierten Jahr vertraute er sein Leben Jesus Christus an. Wir gaben ihm eine Bibel und führten ihn zu einer Kirchengemeinde. Im fünften Jahr bestand er darauf, kostenlos für uns arbeiten zu dürfen…  ich denke, dass Vieles eine Frage der Ausdauer ist. Oft geben wir die frohe Botschaft weiter, ohne dass sie sogleich positiv aufgenommen wird. Oft braucht es eben Zeit.

Aus: der Zeitschrift CRESCENDO Nr.55 / November 2000
Zu Patrick Kavanaugh: https://en.wikipedia.org/wiki/Patrick_Kavanaugh
Text / Interview: Beat Rink

Zurück zur Übersicht