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23.
Februar
2021

Is my calling as an artist still valid? / Gilt meine künstlerische Berufung noch?

ENGLISH

«Who am I?»
During this pandemic, artists find themselves facing many financial questions. But also existential ones: «How am I to continue to be an artist if I can no longer perform?»; «Should I hold onto my calling when I myself have inner battles and my motivation is weakening?»; «Do I actually have any calling at all to be an artist?»; «What else am I called be?» – «Who am I?»
“A crisis is an opportunity”, we often hear. Quite true: we can emerge from this crisis strengthened if we come to know and accept ourselves better as a result of the answers to these questions.

Romano Guardini on “Self-Acceptance”
Let us start with words by the important Catholic theologian and religious philosopher Romano Guardini (1885-1968), qutoted from his book “Annahme seiner selbst (self acceptance)”

«The questions of existence: Why am I the person that I am? Why do the things that happen to me happen? Why am I denied the things I am denied? – These questions receive their answer only in a relationship with God. However, we must immediately add this: only to the extent to which this relationship is not an abstract thought, but is living experience. But this is possible.»

«The questions in which the word “why” and the word “I” occur – these cannot be answered on the human level. The answer is given only by God.»
 
«I should accept being the person I am. Accept that I have the characteristics that I have. Accept the boundaries that have been drawn round me.»

God has called each person by name, says Guardini (see Isaiah 43,1). We can accept this fact gratefully. «In their hour of testing, the first human beings did not accept themselves, wished not to be an image but the original; not to be created and given by God, but to be God himself.»

This means: «I must accept not having the gifts that have been denied me; must recognise my limits and stay within them. This does not mean renouncing the effort to improve. I can and should do this, but in line with what has been granted to me.»

With Guardini’s words still echoing, an artist can say:

* I am desired, created and gifted by God the way I am. The artistic gift is part of my personality. It is a joy, but also often a difficult task. In exercising it, I must discover and accept my capabilities, but also my limits.

* This gift still exists even if I cannot work the way I would like to. Guardini wrote: One has not lost the way, even if one goes “through troubles and shadows”. The path may seem brushed over or hidden. But it is always there, even if it leads through catastrophe. (…) Death is not all that the macabre empty talk of philosophy and poetry and art claims; the path leads through it.»

* I trust that God leads me by his Spirit and constantly shows me new ways of applying my gifts.

* The main thing is not myself or my success, which I may even be looking for at the cost of others (here I will repeatedly need forgiveness!), but rather «Soli Deo Gloria» and love for one’s neighbour – thus the organist in Salisbury Cathedral is precisely following his calling when he plays for the people coming to the church for vaccination.

* An artistic identity is embedded in the much greater identity as «a child of God», and my calling to create art is embedded in Christ’s calling us «out of darkness into his wonderful light» (1 Pet. 2,9). My true joy therefore comes from the fact that I belong to God. «Rather, rejoice that your names are written in heaven» (Luke 10,20). But heaven does not list me in some giant telephone book as an anonymous number. Rev. 2,17 ( «and I will give him a white stone, with a new name written on the stone which no one knows except him who received it») speaks of how I am a person who receives, as does everyone, an entirely personal love from God and do not lose my individual (and artistic) characteristics. It is from this joy, then, that the joy in my gifts and calling springs.

(Further thoughts on this topic will follow in the CRESCENDO LOUNGE on 30th Jan.)

Text: Beat Rink / Translation: Bill Buchanan

DEUTSCH

«Wer bin ich?»
In dieser Pandemie-Zeit tauchen für Künstler viele finanzielle Fragen auf. Aber auch existentielle: «Wie soll ich noch Künstler(in) sein, wenn ich nicht mehr auftreten kann?» «Soll ich an meiner Berufung festhalten, wenn ich selber innere Kämpfe habe und meine Motivation nachlässt?» «Bin ich überhaupt dazu berufen, Künstler(in) zu sein?» «Wozu bin ich sonst berufen?» – «Wer bin ich?»
“Krise ist Chance”, hören wir oft. In der Tat: Wir können gestärkt aus dieser Krise hervorgehen, wenn wir Antworten auf diese Fragen finden und uns dadurch selber besser kennen- und annehmen lernen.

Romano Guardini über “Selbst-Annahme”
Hören wir zunächst auf Worte des wichtigen katholischen Theologen und Religionsphilosophen Romano Guardini (1885-1968), die dem Buch “Die Annahme seiner selbst” entnommen sind:

«Die Fragen der Existenz: Warum bin ich der, der ich bin? Warum geschieht mir, was mir ­geschieht? Warum ist mir versagt, was mir versagt ist? – diese Fragen bekommen ihre Antwort nur in der Beziehung auf Gott. Allerdings müssen wir sofort hinzufügen: sofern diese Beziehung nicht nur abstrakt ­gedacht, sondern lebendig erfahren wird. Das aber kann geschehen.»

«Die Fragen, in denen das Wort „warum“ vorkommt und das Wort „ich“ – sind vom Menschen her nicht zu beantworten. Die Antwort auf sie gibt nur Gott.»
 
«Ich soll damit einverstanden sein, der zu sein, der ich bin. Einverstanden, die Eigenschaften zu ­haben, die ich habe. Einverstanden, in den Grenzen zu stehen, die mir gezogen sind.»
 
Gott hat jeden bei seinem Namen gerufen, so Guardini (s. Jesaja 43,1). Dies dürfen wir dankbar annehmen. «Die ersten Menschen haben in der Stunde der Prüfung sich selbst nicht angenommen, nicht Ebenbild sein wollen, sondern Urbild; nicht von Gott geschaffen und gegeben, sondern selbst Gott.»

Das heisst:  «Ich muß darauf verzichten, Begabungen zu haben, die mir versagt sind; meine Grenzen ­erkennen und sie einhalten. Das bedeutet nicht Verzicht auf das Streben, aufzusteigen. Das darf ich und soll es; aber auf der Linie des mir Zugewiesenen.»

Mit Guardinis Worten im Ohr kann deshalb ein künstlerischer Mensch sagen:

* Ich bin von Gott so gewollt, geschaffen und begabt worden. Die künstlerische Begabung gehört zu meiner Persönlichkeit. Sie ist eine Freude, aber auch eine oft schwierige Aufgabe. Ich muss dabei meine Möglichkeiten, aber auch meine Grenzen entdecken und akzeptieren.

* Diese Begabung bleibt auch dann bestehen, wenn ich nicht arbeiten kann, wie ich gerne möchte. Guardini schreibt: Der Weg geht nicht verloren, selbst wenn er «durch ­Bedrängnisse und Dunkelheiten [führt]. Er kann scheinbar verwehen und verschüttet werden. Immer ist er aber da, sogar wenn er durch den Untergang führt. (…) Der Tod ist nicht, was all das makabre Gerede in Philo­sophie und Dichtung und Kunst verkündet; der Weg geht durch ihn hindurch.»

* Ich vertraue darauf, dass Gott mich durch seinen Geist leitet und mir immer wieder Möglichkeiten zeigt, wie ich meine Begabungen einsetzen kann.

* Es geht dabei nicht um mich und meinen Erfolg, den ich vielleicht sogar aufkosten anderer suche (da brauche ich immer wieder Vergebung!), sondern um das «Soli Deo Gloria») und um die Liebe zum Nächsten. – So folgt gerade auch der Organist in der Kathedrale von Salisbury seinem Ruf, wenn er für die Menschen spielt, die zur Impfung in die Kirche kommen.

* Meine künstlerische Identität ist eingebettet in die viel grössere Identitätals «Kind Gottes». Und meine Berufung, Kunst zu schaffen, ist eingebettet in die Berufung zur Nachfolge, die «aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht» führt (1.Petr 2,9). Meine eigentliche Freude kommt darum aus der Tatsache, dass ich zu Gott gehöre. «Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.» (Luk 10,20). Im Himmel gibt es nun aber kein riesiges Telefonbuch, in dem ich eine identitätslose Nummer bin. Off 2,17 ( «und ich werde ihm einen weißen Stein geben, und auf den Stein einen neuen Namen geschrieben, den niemand kennt als nur der, der ihn empfängt») spricht davon, dass ich mit allen anderen zusammen ein von Gott ganz persönlich geliebter Mensch bleiben werde, der seine Individualität (auch als Künstler) nicht verliert. Aus dieser Freude kommt die Freude an meiner Begabung und Berufung.

(weitere Gedanken zu diesem Thema folgen am 30.1. in der CRESCENDO LOUNGE )
Text: Beat Rink

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Künstlerportrait

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Maya Heusser

Theater, Musical
Bühnenreif macht Musicals. Konzept, Story und Regie von mir und alles andere aus meinem grossen Netzwerk. Zur Zeit sind wir mit dem Musical Küstenpfad auf Tournee. Ein Stück für die kleine Bühne mit viel Weitsicht. Das Thema ist Einsamkeit und
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