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24.
September
2022

How do we promote good art in the churches? (Part 4: Pope Pius X and the Tango) / Wie fördern in den Kirchen gute Kunst? (Teil 4: Papst Pius X und der Tango)

ENGLISH

Continuation of “How do we promote good art in the churches?”
(Part 1-3 : LINK)

No bad intentions
One should be able to assume that pastors have a certain knowledge of art and aesthetics. But it is not surprising that theologians are primarily interested in theology. Unfortunately, however, art plays only a very subordinate role, if any, in theology and, consequently, in theological training. It is important for artists to understand this and not to take lack of knowledge about art in pastors as an intentional disinterest or rejection, or even to suspect bad intentions behind it. It is therefore all the more important for culture creators to approach pastors and invite them to get to know their art. This may call for courage.

Pope Pius X and the Tango
One person with this courage was the dancer Casimiro. When the Argentinian tango started to get popular in Europe in 1913, Pope Pius X wanted to forbid this for the faithful. But the famous Casimiro travelled specially from Argentina to Rome to demonstrate Tango on a parquet floor in the Vatican. The Pontifex was impressed and found the dance was compatible with faith. Nevertheless, he recommended dancing the Furlana rather than the Tango, a country dance familiar at the carnival in Venice. The fact that the Pope had fundamentally approved of the Tango provoked a storm of indignation among the cardinals.
But from this example we see that our clergy can broaden their knowledge in the field of art! And it shows is one other thing: obtaining the goodwill of the leader does not solve all the problems.

Art for the church
Now, the Tango was of course not suitable for being danced in the church, and it was not a question of persuading the Pope to find a liturgical setting for this quite definitely erotic dance. But there are good art forms (including dance) which are thoroughly suitable for the church. Here, then, courageous steps and a degree of stubbornness are required.

An actor’s experience
An influential friendship during my youth was with an actor who, after completing studies at the Theatre Academy in Amsterdam with outstanding grades, decided to dedicate himself to solo theatre. As a Christian, he worked on a repertoire which he also offered to churches. As his «manager» for Swiss churches, I discovered how much patients as necessary to convince churches of the beauty of a theatrical piece in a church service. And I was deeply impressed by one pastor’s comment after the piece: «After that I will leave out the sermon. The piece was a better sermon!» In contrast, this actor, Tob de Bordes, tells of being invited by the Queen of the Netherlands to read the Christmas story: «The celebration in Apeldoorn, where the palace is, was planned for a hall which proved to be too small. They therefore relocated to a church which was still free. Now, this congregation have very strict teachings and did not relax any of its principles, even for the Queen. So we were not allowed to light a single candle, and the military band, which wanted to play the Christmas carols, had to be reduced to those instruments which are mentioned in the Bible.»
 
Questions:

Where should we be courageous in approaching churches and pastors and helping them to understand (our) art? Perhaps by giving them a free ticket for a concert or a theatre performance? Perhaps we can invite them to the opening of the next art exhibition…

Where should we be courageous in offering churches (our) art for one of their next services – perhaps donating the performance? Not that art in churches should always be free of charge, but it certainly can be a gift now and again. Then it is important to discuss exactly in which part of the liturgy the art would fit. Certainly not in the announcements at the end. Perhaps as an inspiration for the sermon. Perhaps complementing (not illustrating!) the sermon – or as part of the silent prayer, the intercessions, or the blessing.

Beat Rink / Translation from German: Bill Buchanan

 

DEUTSCH

Fortsetzung von “Wie fördern in den Kirchen gute Kunst?” (Teil 1-3: LINK)

 
Kein böser Wille
Dass Pfarrer eine gewisse Kenntnis von Kunst und Ästhetik haben, sollte man voraussetzen können. Aber es ist kein Wunder, das sich Theologen in erster Linie für die Theologie interessieren. Leider speilt nun  in der Theologie und das heisst auch: in der theologischen Ausbildung Kunst nur eine sehr untergeordnete oder überhaupt keine Rolle. Es ist wichtig, dass Künstler dies verstehen und pastorale Unkenntnis in Sachen Kunst nicht als vorsätzliches Desinteresse oder als Ablehnung verstehen oder dahinter einen bösen Willen vermuten. Umso wichtiger wäre, dass Kulturschaffende auf die Pfarrer zugehen und sie bitten, ihre, Kunst kennen zu lernen. Dazu braucht es möglicherweise Mut.

Papst Pius X und der Tango
Diesen Mut hatte der Tänzer Casimiro. Als 1913 der argentinische Tango in Europa Einzug hielt, wollte ihn Papst Pius X den Gläubigen verbieten. Doch der berühmte Casimiro reiste  nun von Argentinien nach Rom, um dem Papst einen Tango aufs vatikanische Parkett zu legen. Der Pontifex war beeindruckt und befand, der Tanz sei mit dem Glauben vereinbar. Allerdings empfahl er, statt den Tango lieber die Furlana, einen Bauernreigen zu tanzen, die im Karneval von Venedig getanzt wurde. Dass nun der Papst den Tango grundsätzlich billigte, rief die Entrüstung der Kardinäle hervor.
Dieses Beispiel zeigt: Geistliche können in Sachen Kunst dazulernen! Es zeigt noch ein Weiteres: Mit dem Goodwill des Leiters ist noch nicht alles gewonnen.

Kunst für die Kirche
Nun war der Tango natürlich nicht geeignet, in der Kirche getanzt zu werden, und es ging nicht darum, den Papst für eine liturgische  Einbettung dieses doch ziemlich erotischen Tanzes zu gewinnen. Aber es gibt gute Kunstformen (inklusive Tanz), die sich durchaus für die Kirche eignen würden. Hier sind eben mutige Schritte und eine gewisse Hartnäckigkeit nötig.

Erfahrungen eines Schauspielers
In meiner Jugend war die Freundschaft mit einem Schauspieler prägend, der nach seinem hervorragenden Abschluss in der Amsterdamer Theaterakademie beschloss, sich dem Solotheater zu widmen. Als Christ erarbeitete er sich ein Repertoire, das er auch den Kirchen anbot. Ich erlebte als sein «Manager» für Schweizer Kirchen, wie viel Geduld es brauchte, Gemeinden von der Schönheit eines Theaterstücks in einem Gottesdienst  zu überzeugen. Und ich war einmal tief beeindruckt von einem Pfarrer, der nach dem Stück sagte: «Ich lasse nun die Predigt beiseite. Das Stück war die bessere Predigt!» Auf der anderen Seite erzählte der Schauspieler Tob de Bordes, wie er von der niederländischen Königin eingeladen wurde, die Weihnachtsgeschichte zu lesen: «Das Fest in Apeldoorn, wo der Palast liegt, sollte in einem Saal gefeiert werden, der aber zu klein war. Deswegen musste man ausweichen in eine Kirche, die noch frei war. Nun hatte diese Gemeinde eine sehr strenge Lehre und gab auch für die Königin ihre Prinzipien nicht auf. Wir durften also keine Kerze anzünden und  die Militärkapelle, die Weihnachtslieder spielen wollte, musste auf die Instrumente reduziert werden, die in der Bibel vorkommen.»

Fragen:

Wo sollten wir mutig auf Gemeinden und Pfarrer zugehen und ihnen helfen, (unsere) Kunst zu verstehen? Vielleicht schenken wir ihnen eine Freikarte für ein Konzert oder einen Theaterbesuch? Vielleicht laden wir sie zur nächsten Vernissage ein…

Wo sollten wir den Kirchen mutig (unsere) Kunst für einen der nächsten Gottesdienste anbieten – vielleicht als eine kostenlose Gabe? Nicht, dass Kunst in Kirchen immer gratis sein sollte, aber sie darf zwischendurch ein Geschenk sein. Man sollte  dann genau absprechen, in welchen  Teil der Liturgie  die  Kunst hineinpasst. Sicher nicht in die Mitteilungen zum  Schluss. Vielleicht als Inspiration für die Predigt. Vielleicht als Ergänzung (nicht als Illustration!) der Predigt – oder als Teil des stillen Gebets, der  Fürbitten oder des Segens.

Beat Rink

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Künstlerportrait

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Tanja Urben

Gesang, Musical, Performance Art
Nach Abschluss der Matura mit Schwerpunktfach Musik (Querflöte) in Basel, absolviert Tanja Urben von 2006 – 2009 die dreijährige Ausbildung zur diplomierten Musicaldarstellerin an der «Swiss Musical Academy» in Bern (CH) und bildet sich 2011 in New York am Steps
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