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22.
Februar
2017

Haben wir noch Humor? (2)

Satire und Selbst-Ironie

Was ist nach TUNE IN 207 noch zum Thema „Humor, Kunst und Glaube“ zu sagen?
Sehr viel! Nehmen wir einmal eine Evangelien-Erzählung wie Lukas 8,40-56. Es geht dort um die blutflüssige Frau, die von Jesus geheilt wird. Und dann zum Schluss um die Auferweckung des Töchterchens von Jairus. Gibt es Humor in dieser ernsten Geschichte? Nehmen wir einmal Vers 43: „Und eine Frau hatte den Blutfluss seit zwölf Jahren; die hatte alles, was sie zum Leben hatte, für die Ärzte aufgewandt und konnte von niemandem geheilt werden.“ Nun müssen wir daran erinnern, wer das schreibt: Lukas, ein Arzt! Das ist reine Berufs-Satire und wohl auch ein Stück Selbstironie.

Satire entsteht nach Friedrich Schiller (1759-1805) aus dem Gefälle zwischen Ideal (hier: der Ärzte, die für viel Geld Heilung versprechen) und der Realität (hier: der ausbleibenden Heilung). In der Bibel finden wir auch sonst grossartige Satire: Beim Turmbau zu Babel (siehe TUNE IN 17). Oder bei Jesaja 44, wo deutlich wird: Die Götzen sind in Wirklichkeit nur ein totes Stück Holz. Diese Stellen bieten sogar literarisch hochstehende Satire. Satirische Kunst ist auch dort wichtig, wo gesellschaftliche Missstände herrschen. Und eigentlich müssten gerade Christen sehr gesellschaftskritisch sein!

In Lukas 8,43 schwingt auch ein Stück Selbstironie des Arztes Lukas mit. Wer selbstironisch sein kann, wer über sich selber lachen kann bekundet: Ich nehme mich (hier: auch meinen Berufsstand) nicht allzu ernst. Der Schweizer Bundespräsident, dessen Rede zum Tag der Kranken für weltwelte Lacher gesorgt hatte (siehe letztes TUNE IN), fand seinen Aufritt im Nachhinein selber sehr komisch. Und er meinte, er sei jetzt eine Berühmtheit. So habe ihn Barack Obama bei seinem Amerika-Besuch in Anspielung auf das Video gesagt: „Sie, ich kenne Sie!“ Daraufhin hat der Schweizer Präsident Obama entgegnet: „Ich kenne Sie auch, Herr Präsident!“
Christen und Selbstironie? Es ist sehr wohltuend, wo beispielsweise Geistliche (die ja oft würdevoll daherkommen) sich selbst nicht zu ernst nehmen. So konnte der süddeutsche Pfarrer und Erweckungsprediger Johann Christoph Blumhardt (1805-1880) einem Kind im Gottesdienst „Kuckuck“ zurufen. Oder der römische Priester Philippo Neri (1515-1595) tanzte manchmal durch die Kirche und machte sich auch sonst zum „Narren Christi“, um ja nicht als Heiliger zu gelten. Von Neri stammt das Wort: „Die Fröhlichen sind leichter auf dem Weg des geistlichen Lebens zu führen als die Schwermütigen“.
Können Christen über sich selbst lachen und sich „zum Narren“ machen? Oder nehmen wir uns selber allzu ernst?
Humorlosigkeit kann verdeckter Stolz sein. Selbstironie hingegen ist ein Zeichen von Demut.
Interessant ist, dass gerade Blumhardt und Neri in ihrem Leben und Dienst sehr starke Erfahrungen mit dem Heiligen Geist machten.

Frage:
Satire und Selbstironie – wo sind sie in meiner Kunst und in meinem Leben nötig?

(Fortsetzung zu Lukas 8, 40-56 und zum Thema Humor folgt) Text: Beat Rink

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Künstlerportrait

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Tanja Urben

Gesang, Musical, Performance Art
Nach Abschluss der Matura mit Schwerpunktfach Musik (Querflöte) in Basel, absolviert Tanja Urben von 2006 – 2009 die dreijährige Ausbildung zur diplomierten Musicaldarstellerin an der «Swiss Musical Academy» in Bern (CH) und bildet sich 2011 in New York am Steps
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