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04.
Oktober
2021

Good news for the body I / Eine gute Botschaft für den Körper I

ENGLISH

A dancer’s question
In an online discussion of the «Crescendo Dancer’s Initiative» last week, one lady, a dancer, said this: «I would like to know what the Bible says regarding the body». The other participants immediately agreed with her.
Now, this was not a wish prompted by pure curiosity, nor did it concern problems with choreographies which push or transgress ethical boundaries. (This would be another and certainly important topic.*) No, Christians working with dance must first of all be clear about one question: «Is our art form, with its emphasis on the body, acceptable in the light of the gospel?»

Dance and devil
What if one belongs to a church which, in this regard, is still in the depths of the Middle Ages, when people were familiar with Jacques de Vitry’s (1180-1240) words: “Chorea enim circulus est cujus centrum est diabolus” – “For dance is a circle with the devil in the middle”? Fortunately, many churches today are no longer stuck in the Middle Ages, during which there were, by the way, other interesting views on the topic: During the 14th and 16th centuries, in the cathedrals in the French towns Auxerre and Sens, dances took place – at Easter and on other festival days. When new canons were received into the presbytery, the clerics danced on a pattern set into the floor. Wouldn’t something like this be possible today?

Body art
To return to this dancer’s words: As we know, dance is the art form making the most immediate use of the body. Ashley Latvala (photo)**, leader of the “Crescendo Dancer’s Initiative”, put it like this: “The body for the dancers is both their prized instrument and most honest voice, expressing in movement what cannot be formed by words. It can be both freedom and a means of connection with the divine, but also bears within it the limitations and brokenness of life on this earth. Divine inspired image-bearing capacity and the effects of the fall live together in one vessel, allowing the dancer a profound experience of the spiritual reality of being both physically temporal and spiritually eternal.” 

A topic for all creative artists
For this reason, the body will be the subject of a new series of TUNE INs. A subject for dancers only? No, every art form involves the body and perception with the senses (aisthesis, aesthetics). Every art form (with the exception of extremely de-materialised «conceptual art») addresses the senses. Art can and should address the senses, stimulating, sharpening and sometimes even confusing them, with the aim of arousing us emotionally and intellectually. Art is holistic.

The Bible’s holistic thinking
With that, we find ourselves in biblical thought. In the Old Testament, significantly, we find no words which unambiguously stand for «body» or «soul». The Hebrew word for flesh, for example, (basar, 266x) refers to the entire person. Nowhere is it used denigratingly. In contrast to Plato’s thinking, the body is not the prison of the soul (Greek soma = saema). Quite the opposite: Paul calls the body the temple of the Holy Spirit («Do you not know that your bodies are temples of the Holy Spirit, who is in you, whom you have received from God?» 1 Cor 6:19).

Throat, breath, heart and kidney
For the soul, too, Hebrew has no unambiguous and, above all, no «abstract» word. Nephesch (755x) means «throat». It is the place through which we breathe and take in our nourishment. «Nephesch» is therefore the word for what we translate as life and also as soul. «Ruach» (378x) stands for breath, wind and is used for the Spirit of God and the spirit of man – and for the «inner life». Besides these, we also encounter such words as «heart» (750x) or kidney, seat of fluid or negative feelings, although the heart often stands for the whole person.
We can see the conclusion: In Hebrew, there is no separation between body, spirit and soul. This means that the body can in no way be seen separately from the other parts of the human being and can therefore not be disparaged. And it also means that God loves us as whole human beings, complete with our bodies. It is also as whole human beings that we fell away from God and as whole human beings that we were rescued by Christ.
So: This is good news for the body!

To be continued…

* With this in mind, we organised a Zoom CRESCENDO LOUNGE with musicians in April; we will send you the link to the recording on request.
** For information about the Crescendo Dancer’s Initiative: ashley.latvala@cru.org The CML address list is by the way also open for professional dancers. Please, help to expand this network amongst dancers: LINK
 
Text: Beat Rink / Translation from German: Bill Buchanan

 

DEUTSCH
 
Frage einer Tänzerin
In einer Online-Austauschrunde der «Crescendo Dancer’s Initiative» sagte vor einer Woche eine Tänzerin: «Ich möchte wissen, was die Bibel zum Thema Körper sagt». Die anderen in der Runde pflichteten ihr spontan bei.
Nun war dies kein aus reiner Neugier geäusserter Wunsch, und es ging dabei auch nicht um Probleme mit Choreografien, die ethische Grenzen ausloten oder überschreiten. (Dies wäre ein anderes und zweifellos  wichtiges Thema.*) Nein, christliche Tanzschaffende müssen zunächst einfach Klarheit darüber haben: «Ist unsere körperbetonte Kunst  im Licht des Evangeliums vertretbar?»

Tanz und Teufel
Was, wenn man einer Kirche angehört, die in dieser Hinsicht noch im tiefsten Mittelalter steckt, wo der Satz Jacques de Vitrys (1180-1240)  kursierte: „Chorea enim circulus est cujus centrum est diabolus“ – „Der Tanz ist ein Kreis, dessen Mitte der Teufel ist“’?  Zum Glück stecken heute viele Kirchen nicht mehr im Mittelalter, in dem es übrigens auch interessante Ansätze anderer Art gab: In den Kathedralen der französischen Städte Auxerre und Sens fanden zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert Tänze statt – zu Ostern und anderen Feiertagen. Zur Aufnahme neuer Kanoniker tanzten die Kleriker auf einem in den Boden eingelassenen Muster. (s. dazu Philip Knäble. Eine tanzende Kirche: Initiation, Ritual und Liturgie im spätmittelalterlichen Frankreich, Weimar 2016).
Wäre so etwas heute denkbar?

Körper-Kunst
Zurück zur Aussage dieser Tänzerin. Der Tanz ist bekanntlich jene Kunst, die am unmittelbarsten mit dem Körper arbeitet. Ashley Latvala (photo)**, Leiterin der “Crescendo Dancer’s Initiative”, formuliert es so: “Der Körper ist für die Tänzerinnen und Tänzer sowohl ihr wertvollstes Instrument als auch ihre authentischste Stimme, die in der Bewegung das ausdrückt, was nicht in Worte gefasst werden kann. Der Körper kann Freiheit kommunizieren und spielt in unserer Beziehung zu Gott  eine zentrale Rolle. Auf der anderen Seite bewegt er sich im begrenzten Horizont der Zerbrüche, die unser irdisches Leben kennzeichnen. Die Fähigkeit, göttlich inspirierte Bilder zu vermitteln und die Spuren der Gottesferne – beide laufen in diesem einen Gefäss zusammen und ermöglichen den Tanzschaffenden eine tiefe Erfahrung der geistlichen Realität, dass wir uns zwischen körperlicher Begrenztheit und geistlicher Ewigkeit bewegen.” 

Ein Thema für alle Kunstschaffenden
Aus diesem Grund planen wir eine kleine TUNE IN-Reihe zum Thema “Körper”. Ein Thema für Tanzschaffende allein? Nein, denn jede Kunst hat es mit dem Körper zu tun, mit sinnlicher Wahrnehmung (aisthesis, Ästhetik). Jede Kunst (ausser eine extrem entmaterialisierte «Konzeptkunst» /conceptual art) spricht die Sinne an. Kunst kann und soll die Sinne ansprechen, reizen, schärfen und manchmal auch verwirren, um uns dadurch emotional und gedanklich wachzurütteln. Kunst ist ganzheitlich.

Ganzheitliches Denken der Bibel
Damit sind wir auch schon beim biblischen  Denken. Im Alten Testament finden wir bezeichnenderweise keine Wörter, die eindeutig für «Körper» oder «Seele» stehen. Das hebräische Wort für Fleisch etwa (basar, 266x) meint die ganze Person. Es wird nirgends abwertend gebraucht. Anders als bei Platon ist der Körper kein Gefängnis der Seele (griechisch soma = saema). Im Gegenteil: Paulus nennt den Körper den Tempel des Heiligen Geistes! («Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?» 1 Kor 6,19).

Kehle, Atem, Herz und Niere
Auch für die «Seele» gibt es im Hebräischen kein eindeutiges und vor allem kein «abstraktes» Wort. Nephesch (755x) heisst «Kehle». Sie ist der Ort, durch den  wir atmen und Nahrung zu uns nehmen. Darum ist «nephesch» das Wort für das, was wir mit Leben und auch mit Seele übersetzen. «Ruach» (378x) steht für Atem, Wind und bezeichnet den Geist  Gottes und den Geist des Menschen – und für den «inneren Menschen». Dazu kommen Wörter wie «Herz» (750x) oder Niere, Sitz der guten oder negativen Gefühle, wobei das Herz ebenfalls oft für den ganzen Menschen steht. Wir ahnen: Im Hebräischen gibt es keine Trennung zwischen Körper, Geist und Seele. Das heisst: Der Körper kann von den anderen Teilen des Menschen nicht getrennt gesehen und deshalb auch nicht abgewertet werden.  Wir sind folglich als ganze Menschen mitsamt unserem Körper von Gott geliebt. Wir sind auch als ganze Menschen von Gott abgefallen und als ganze Menschen durch Christus gerettet.
Also: Eine gute Botschaft für den Körper!

Fortsetzung folgt…

*Dazu haben wir im April mit Musikern eine Zoom CRESCENDO LOUNGE veranstaltet; den Link zur Aufnahme schicken wir auf Anfrage zu.
** Für Informationen über  Crescendo Dancer’s Initiative: ashley.latvala@cru.org Die CML-Adressliste ist übrigens auch für professionelle Tanzschaffende geöffnet: LINK Bitte helft bei der Ausweitung dieses Netzwerks mit.

Text: Beat Rink

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Künstlerportrait

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Maya Heusser

Theater, Musical
Bühnenreif macht Musicals. Konzept, Story und Regie von mir und alles andere aus meinem grossen Netzwerk. Zur Zeit sind wir mit dem Musical Küstenpfad auf Tournee. Ein Stück für die kleine Bühne mit viel Weitsicht. Das Thema ist Einsamkeit und
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