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28.
August
2017

Einen Apfelbaum schütteln

In der letzten KIRCHE KREATIV *, die vor ein paar Stunden in Basel stattfand, gab es keine Predigt. Dafür las der Schauspieler Adrian Furrer vom Theater Luzern den Philipperbrief. Dazwischen improvisierten fünf Musiker über den Text.
Einen grösseren Bibeltext in einem Zug zu lesen oder eben: zu hören, hat etwas für sich. Man erfährt, was Martin Luther meinte, wenn er sagte: “Ich lese die Bibel, wie ich meinen Apfelbaum ernte: Ich schüttle ihn, und was runterkommt und reif ist, das nehme ich.“ Allerdings ist anzumerken, dass der Theologe und geniale Bibelübersetzer Luther auch die genaue Lektüre und das sorgfältige Wortstudien empfahl. An einem anderen Ort schrieb er, man solle das Bibelwort reiben wie ein Kräutlein. Denn je mehr man es reibt, desto mehr duftet es.

Dieser Gottesdienst ohne Predigt war eindrücklich. Eigentlich ist ja ein solcher Paulusbrief eine Predigt in sich, wurden die Briefe doch den Gemeinden vorgelesen. – Ebenso verhält es sich natürlich mit anderen Bibeltexten.

Dazu drei weiterführende Gedanken:

1. Lesen wir ab und zu das Bibelwort laut (oder halblaut) vor uns hin. Langsam, nicht schnell. So, dass unser Inneres mitkommt. Der Theologe Wolfgang Bittner liest zum Beispiel in seinen Gottesdiensten die Bibeltexte bewusst sehr langsam, so dass man genau hinhören muss.

2. Suchen wir als Künstler Wege, wie wir das Bibelwort hörbar machen können. Es gibt ja eine riesige Tradition innerhalb der Musik-, Literatur- und Kunstgeschichte, die sich dem Bibelwort zuwendet und dieses auf grossartige Weise illustriert und weitergibt. Warum nicht Gottesdienste à la KIRCHE KREATIV veranstalten – gerade mit verschiedenartiger Kunst , die zum gelesenen Text passt (neben Text und Musik zeigten wir auch Bilder aus der Kunstgeschichte)? Solche Gottesdienste können Menschen ansprechen, die sonst nicht zur Kirche kommen.

3. Erwarten wir, dass das Bibelwort segensreich wirkt. In unseren Künstlergottesdiensten gibt es nach einem künstlerischen und einem Predigt-Teil immer einen „musikalisch begleiteten Gebets-Rundgang“ in der Kirche. Meine Frau setzt sich dort jeweils im Segnungsteam ein. Während der Textlesung bat sie Gott, ihr ein Wort aus dem Philipperbrief in Erinnerung zu rufen, das sie jemandem im Gebet würde weitergeben können. Sie „hörte“ den Vers: „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus“ (Philipper 4,13). Bald darauf kam jemand zum Gebet und sagte: „Beten Sie einfach für mich. Ich möchte Ihnen nichts erzählen.“ So gab meine Frau diesen Vers weiter. Die Person begann sofort zu weinen und sagte darauf hin: „Erstaunlich! Das ist ja genau das, was ich jetzt brauche!“
Vertrauen wir beim Bibellesen darauf, dass Gott zu uns spricht oder uns ein Wort schenkt, das wir in der nächsten Zeit jemandem anderen weitergeben können. ·

Text: Beat Rink

* Die KIRCHE KREATIV ist ein öffentlicher Gottesdienst mit professionellen Künstlern, den Crescendo in verschiedenen Städten durchführt. Wir sind gerne bereit, entsprechende Tipps zu geben – eine Mail genügt an info@crescendo.org

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Künstlerportrait

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Maya Heusser

Theater, Musical
Bühnenreif macht Musicals. Konzept, Story und Regie von mir und alles andere aus meinem grossen Netzwerk. Zur Zeit sind wir mit dem Musical Küstenpfad auf Tournee. Ein Stück für die kleine Bühne mit viel Weitsicht. Das Thema ist Einsamkeit und
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