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05.
April
2021

Dismas and us / Dismas und wir

ENGLISH

The multiplied criminals
The installation by the artist Boglárka Éva Zellei in the Catholic “House of Dialogue”, where Crescendo Hungary recorded a concert for Thursday in Holy Week, shows us something strange: figures are suspended in the choir area of the old church – where otherwise the figure of Christ crucified would be seen.
But these are not copies of Jesus figures; rather, it concerns the criminals who were executed to the left and right of Jesus. How can we know this? The most obvious sign is that the arms are tied to the horizontal beam of the cross and not nailed. This corresponds to Christian iconography, in which the intention is to emphasise the injustice suffered by the Son of God by showing Jesus with pierced hands and feet, while the criminals suffer a less cruel punishment.
Here, now, we see not simply two criminals hanging there, but many. What is the significance of that? First of all, however let us read Luke 23, 32-43.

Lukas 23
“Two others also, who were criminals, were being led away to be put to death with him. When they came to the place called »The Skull«, there they crucified him and the criminals, one on the right and the other on the left, but Jesus was saying, »Father, forgive them; for they do not know what they are doing.« … one of the criminals who were hanged there was hurling abuse at him, saying »Are you not the Christ? Save yourself and us!« but the other answered, and rebuking him said, »Do you not even fear God, since you are under the same sentence of condemnation? And we indeed are suffering justly, for we are receiving what we desire for our deeds; but this man has done nothing wrong!« And he was saying, »Jesus, remember me when you come in your kingdom!« And he said to him, »Truly I say to you, today you shall be with me in Paradise!« (Translation: NASB)”

Gismas and Dismas
The Bible does not tell us what the criminals were called. The Christian tradition, however, assigns them names: Gismas (or Kosmas) for the one who mocked Jesus and Dismas for the one to whom Jesus promised paradise. The same tradition says that Dismas hung to Jesus’ right (for the viewer on the left). In many pictures, therefore, his head is inclined to the left, where Jesus in return inclines his head towards Dismas. Gismas, on the other hand, hangs on the other side, and sometimes he is even represented as turning his back to Jesus.
Now, it is striking that in the installation by Boglárka Éva Zellei practically all the figures crucified in the choir area are inclining their heads to the left. The person concerned is therefore Dismas.

We are all Dismas
The installation can be interpreted as follows: There is only one criminal. All of us should hang there. We are all Dismas. In the words of the chorus in the St. Matthew Passion, “Ich bin’s ich sollte büßen,… (“It is I, I should pay the cost, bound hand and foot in hell; the flagellation and the bonds and what you have suffered is what my soul deserves.”) Bach and the corresponding Bible passages mean this: all of us deserve the death on the cross suffered by Jesus.
Boglárka Éva Zellei directs our gaze to Dismas. Theologically, this is not the same as the statement that we should hang on the cross of Jesus. But it is nevertheless a theologically accurate statement. It also allows us to apply to ourselves the assurance given to Dismas by Jesus. For “Jesus’ legacy to the world was not the threat of hell, but an invitation to paradise. In this, he once again showed himself to be the advocate of the outsider. With his death, he threw the door of heaven wide open – and it is a murderer who has the privilege of entering first.” (Markus Spieker, in: Jesus – eine Weltgeschichte) This is a fine illustration of what is meant by Romans 3:23: “All have become guilty and no longer have any share in the glory of God. It is therefore due to his grace alone that they are accepted by God as justified.”
Have we realised that we have received grace like Dismas? Dismas could no longer do anything to try to make a good impression on God. He could only beg. Similarly, we can (and must!) make ourselves dependent on God’s grace alone.

Text: Beat Rink / Translation: Bill Buchanan

DEUTSCH

Die multiplizierten Verbrecher
Die Installation der Künstlerin Boglárka Éva Zellei im katholischen „Haus des Dialogs“, wo Crescendo Ungarn ein Konzert zu Gründonnerstag aufgenommen hat, zeigt etwas Seltsames: Menschen hängen im Chorraum der alten Kirche – dort, wo sonst der Gekreuzigte zu sehen ist. Es sind aber keine Kopien von Jesus-Figuren, sondern offensichtlich handelt es sich um jene Verbrecher, die links und rechts von Jesus hingerichtet wurden. Woran sieht man, das? Das augenfälligste Merkmal ist, dass die Arme an den Kreuzesbalken gebunden und nicht genagelt sind. Dies entspricht der christlichen Ikonografie. Die Ungerechtigkeit, die Gottes Sohn erlitt, sollte dadurch hervorgehoben werden, dass man häufig alein Jesus mit durchbohrten Händen und Füssen darstellte, während die beiden Verbrecher eine weniger grausame Strafe erlitten.
Nun hängen nicht nur zwei Verbrecher da, sondern viele. Was hat es damit auf sich? Doch lesen wir zuerst Lukas 23, 32-43

Lukas 23
„Es wurden auch noch zwei andere Männer zusammen mit Jesus abgeführt, zwei Verbrecher, die ebenfalls am Kreuz hingerichtet werden sollten. Und als sie an den Ort kamen, der den Namen »Schädel« trug, schlugen sie dort Jesus und die Verbrecher ans Kreuz, den einen rechts und den anderen links von ihm. Da sagte Jesus: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie da tun!« (…)  Einer von den beiden Verbrechern, die auch an ein Kreuz gehängt worden waren, stieß Lästerungen gegen ihn aus und sagte: »Bist du nicht der Messias? Dann rette dich selbst und uns auch!«  Doch der andere wies ihn zurecht und sagte: »Hast du immer noch keine Ehrfurcht vor Gott? Du bist doch in derselben Situation, genauso dem Tod geweiht! Uns trifft dieses Urteil zu Recht, denn wir bekommen nur das heimgezahlt, was wir für unsere Straftaten verdienen, doch dieser Mann hat nichts Gesetzwidriges getan!« Dann sagte er: »Jesus, denk an mich, wenn du deine Königsherrschaft antrittst!« Da antwortete Jesus ihm: »Ich versichere dir: Noch heute wirst du zusammen mit mir im Paradies sein!«
(Übersetzung: Das Buch)“

Gismas und Dismas
Die Bibel sagt nicht, wie die Verbrecher hiessen. Die christliche Tradition legte ihnen jedoch Namen zu: Gismas (oder Kosmas) für den, der Jesus lästerte und Dismas für den, dem Jesus das Paradies verhiess. Der Überlieferung zufolge hing Dismas rechts von Jesus (bzw. vom Betrachter aus links). Deshalb sieht man auf vielen Bildern, wie er seinen Kopf nach links neigt, während Jesus seinerseits seinen Kopf Dismas zuneigt. Gismas jedoch hängt auf der anderen Seite von Jesus, und manchmal wird er sogar so dargestellt, dass er Jesus den Rücken kehrt. Nun fällt auf, dass in der Installation von Boglárka Éva Zellei fast alle Gekreuzigten im Chorraum ihren Kopf nach links wenden. Es handelt sich also um Dismas.

Wir alle sind Dismas
Die Installation lässt sich so interpretieren: Es gibt nicht nur einen Verbrecher. Wir alle müssten dort hängen. Wir alle sind Dismas. Der Chor in der Matthäuspassion singt: „Ich bin’s ich sollte büßen / an Händen und an Füsssen / gebunden in der Höll / die Geisseln und die Banden / und was du ausgestanden / das hat verdienet meine Seel.“ Bach und die entsprechenden Bibelstellen meinen damit: Wir alle hätten den Kreuzestod von Jesus verdient.
Boglárka Éva Zellei lenkt den Blick auf Dismas. Dies ist theologisch nicht dasselbe wie die Aussage, dass wir am Kreuz von Jesus hängen müssten. Aber es ist trotzdem eine theologisch richtige Aussage. Sie erlaubt auch, dass wir die Zusage, die Jesus dem Dismas gibt, auf uns beziehen können. Denn „Jesus hinterlässt der Welt keine Höllendrohung, sondern eine Paradies-Einladung. Dabei zeigt er sich einmal mehr als der Anwalt der Aussenseiter. Mit seinem Tod stösst er die Himmelstür weit auf – und ein Mörder darf als Erster hinein.“ (Markus Spieker, in: Jesus – eine Weltgeschichte) Damit wird schön illustriert, was Römer 3,23 meint: „Alle sind schuldig geworden und haben keinen Anteil mehr an der Herrlichkeit Gottes. Sie verdanken es also allein seiner Gnade, dass sie von Gott als gerecht angenommen werden.“
Erfassen wir, dass wir begnadigt sind wie Dismas? Dismas konnte nichts mehr leisten, um vor Gott besser dazustehen. Er konnte nur bitten. Ebenso dürfen (und müssen!) wir uns von Gottes Gnade allein abhängig machen.

LINK zu einer KIRCHE KREATIV über das gleiche Thema.

Text: Beat Rink

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Künstlerportrait

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Maya Heusser

Theater, Musical
Bühnenreif macht Musicals. Konzept, Story und Regie von mir und alles andere aus meinem grossen Netzwerk. Zur Zeit sind wir mit dem Musical Küstenpfad auf Tournee. Ein Stück für die kleine Bühne mit viel Weitsicht. Das Thema ist Einsamkeit und
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