Die Central Conference geht in die dritte Runde. Wenn nicht dieses Jahr, dann eben im nächsten. Aber so richtig!

Diese zwei Tage sind Kern unserer Arbeit als Kunstnetzwerk. An der Central Conference geht’s um die Sache. Kreative, die aufeinandertreffen und voneinander lernen. Das spiegelt sich in der Vielfalt des Programms wider: Mainsessions mit Keynotes, Talks, Interviews und Kunstbeiträgen. Daneben gibt es ein reichhaltiges Nebenprogramm mit Angeboten für Networking und Praxis, Spiritualität und viel Platz für Kunst. Zum Sehen und Gesehenwerden.

Ein Ding für Kreative. Bist du eine/einer davon? Dann hol dir jetzt ein Ticket!

Übrigens, Schnellsein lohnt sich:
Für die ersten 50 Anmeldungen gibt’s die zwei Tage für 159.– statt 209.–

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Untätig waren auch wir nicht während des Lockdowns. Wir haben die Chance ergriffen und die Homepage technisch überarbeiten lassen. Die Seite wurde schneller, die Nutzung vereinfacht und zugänglicher.

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ENGLISH

Thesis 7 on «Art and Church»: 
«Churches (and Christian organisations) are open for artists who bring with them independent, original and creative ideas. At the same time, artists should not celebrate their originality, and churches should not celebrate any kind of uniform culture.»

In the blog by the woman pastor Ulrike Bittner I read an entry she wrote after the death of a colleague who had worked modestly and unnoticed and who, despite his great personal charisma, despite the spiritual fruits of his work and despite his individual approach, received little attention from those in higher positions on the church.
In her blog, she regrets that church bodies often choose «their own kind»: «I sometimes have an uneasy feeling when I see how people of average gifts receive a lot of attention in the protestant churches and are raised to high positions. These are the people who «are just like oneself». In my eyes, the churches just reproduce themselves, even in our days. There is a fear of true lowliness and a fear of true greatness. But one must be able to recognise and honour both.»

Is this why there are so few original minds in the churches? The same could no doubt be said of other institutions, for example the state, business, perhaps even cultural institutions (?!): one takes notice of and primarily chooses those who are «their own kind».

Getting back to the church: In my discussions with artists, I often hear statements like this: «Our church is afraid of new ideas. It prefers to stick to the old traditions. That is why it is so boring. I can no longer find a place for myself there.» It is dramatic when artists can no longer find a place in the churches. Here it is not even a question of whether their art finds a place, but whether their innovative spirit is welcome. This is dramatic not only for artists, for they have the option of joining Christian artists’ movements in order to survive spiritually and to remain in «discipleship». It is above all dramatic for the churches! This situation means that the churches lose original minds. Of course, such minds are not found only in artists. But it seems that artists more readily dare to voice their opinions than other people do. Many of them, if their attempts bring no fruit, go into external or perhaps even internal exile.

This is not the place to reproach churches, for our TUNE INs are addressed to artists. We therefore offer some suggestions to artist colleagues:

1.     Remain in a church and take part in the work!
2.     Artists are often idealists. In art, an idea can be realised much more quickly than in (church) reality. So stay close to reality!
3.     For Christians, close to reality means being full of both hope and vision. Prayer is therefore important: pray with others interested in renewal in your church.
4.    Do not adopt the stance of a «revolutionary» and do not celebrate your own originality!
5.     Perhaps you should work in a limited field of ministry and implement one or other of your innovative ideas there. This can then be a signal to others that something is moving in the church – and that they too can help to shape things.
6.     Where a church celebrates its own tradition, does not wish to change anything and remains trapped in mediocrity, this becomes difficult. One consequence might be to look for another church.
7.     Be part of a non-denominational artists’ network. Many of those who get involved in movements of this kind receive support there for their ministry in the church.

Text: Beat Rink – brink@crescendo.org / translation: Bill Buchanan
Photo: Esther Niyifasha, A musician from Rwanda playing in a church service the indigenous  instrument Inanga

DEUTSCH

These 7 zu «Kunst und Kirche»:
«Kirchen (und christliche Organisationen) sind offen für Künstler, die eigenständige, originelle und kreative Ideen einbringen. Künstler sollten dabei nicht ihre Originalität und Kirchen sollten keine einförmige Kultur zelebrieren.»

Ich lese im Blog der Pfarrerin Ulrike Bittner einen Eintrag, den sie  nach dem Tod eines Kollegen schreibt, der bescheiden im Verborgenen gewirkt hat und trotz seiner grossen Ausstrahlung, trotz seiner geistlich fruchtbaren Arbeit und wohl gerade wegen seiner Eigenständigkeit nie gross von den Kirchenoberen beachtet wurde.
Die Blogschreiberin bedauert, dass kirchliche Gremien oft «Ihresgleichen» wählen: «Ich bin manchmal merkwürdig berührt davon, wie in den evangelischen Kirchen die mittelmässig begabten Menschen umworben und in Ämter gehoben werden. Es sind diejenigen, die «so sind, wie man selbst ist». In meinen Augen reproduzieren die Kirchen sich damit selbst, auch in unserer Zeit. Es gibt eine Angst vor wirklicher Niedrigkeit und es gibt eine Angst vor wirklicher Grösse. Beides aber muss man erkennen und ehren können.»

Gibt es deshalb so wenig originelle Köpfe in den Kirchen? Das gleiche liesse sich wohl auch von anderen Institutionen, zum Beispiel vom Staat, von der Wirtschaft, vielleicht sogar von kulturellen Institutionen (?!) sagen: Man beachtet und wählt vor allem jene, die «so sind, wie man selbst ist».

Zurück zur Kirche: In meinen Gesprächen mit Künstlern höre ich immer wieder Sätze wie: «Unsere Kirche hat Angst vor neuen Ideen. Lieber verharrt sie in alten Traditionen. Deshalb ist sie so langweilig. Ich finde keinen Platz mehr in ihr.» Es ist dramatisch, wenn Künstler keinen Platz mehr in den Kirchen finden. Es geht dabei für einmal nicht um die Frage, ob ihre Kunst Platz hat, sondern ob innovativer Geist willkommen ist. Es ist  dramatisch nicht nur für Künstler, denn diese können, um geistlich zu überleben und in der «Nachfolge» zu bleiben, sich christlichen Künstlerbewegungen anschliessen. Es ist vor allem dramatisch für die Kirchen! Dadurch verlieren die Gemeinden ihre originellen Köpfe. Natürlich gibt es nicht nur unter Künstlern solche Köpfe. Aber Künstler wagen es wohl eher als andere, ihre Meinung kundzutun. Viele gehen, wenn die Versuche nichts fruchten, ins äussere oder dann in ein inneres Exil.

Hier ist nicht der Ort, Kirchen zu beraten, denn die TUNE INs richten sich an Künstler. Deshalb einige Ratschläge an Künstler-Kolleg*innen:

1.     Bleibt in einer Kirche und wirkt mit!
2.     Künstler sind oft Idealisten. In der Kunst lässt sich schneller eine Idee verwirklichen als in der (kirchlichen) Wirklichkeit. Bleibt deshalb realitäts-nah!
3.     Realitäts-nah heisst für Christen zugleich hoffnungsvoll und visionär. Deshalb ist Gebet wichtig: Betet mit anderen Erneuerungs-Willigen für eure Kirche.
4.     Tretet nicht als «Revolutionäre» auf und zelebriert nicht eure eigene Originalität!
5.     Wirkt vielleicht in einem abgegrenzten Dienstbereich mit und setzt dort die eine innovative Idee um. Dies kann für Andere ein Signal dafür sein, dass sich in der Kirche etwas bewegt – und dass sie selber mit-gestalten können.
6.     Wo eine Kirche ihre eigene Tradition zelebriert, nichts verändern will und in Mittelmässigkeit gefangen bleibt, wird es schwierig. Eine Konsequenz könnte sein, eine andere Kirche zu suchen.
7.     Seid Teil eines überkirchlichen Künstler-Netzwerks. Viele, die sich in einer solchen Bewegung einsetzen, erhalten von dort Unterstützung für ihren Dienst in der Kirche.

Text: Beat Rink (brink@crescendo.org)
Foto: Die ruandische Musikerin Esther Niyifasha spielt in einem Gottesdienst das Volksinstrument Inanga

HERZLICHE EINLADUNG AN MITGLIEDER

& INTERESSIERTE!

Freitag, 6. November 2020

im Studio 21 am Zentweg 21 in Ostermundigen.

Anfahrtsplan:

www.facebook.com/studio21.bern/

PROGRAMM

17.00 Uhr

GV der Mitglieder

ab 18.00 Uhr
Eintreffen weiterer Gäste

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Stelle dein künstlerisches Projekt am 6. Nov. vor und lerne andere Künstler kennen.

Wer gerne beim «Project-Dating» mitmachen möchte, melde sich bis zum 26. Oktober 2020
bei Astrid Künzler project@artsplus.ch.

Das Präsentationsfenster besteht aus 3 x 12 Minuten persönlicher Kontaktaufnahme. Auf ca. 30 x 30 cm kann die eigene künstlerische Arbeit präsentiert werden (Dokumentationen,Flyer, Foto o.ä.).

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Die Kindheit ist die Oase, die wir verloren haben. Die Kindheit ist die Oase, die wir su­­chen. In einem Auge, das keine Kindheit zeigt, ist nichts Gutes. Vertraue nie einem Geschöpf, in dessen Auge du nicht eine Kindheit findest!

Ibrahim al-Koni, Die verheissene Stadt, arabisch 1997.

Wenn er von Oasen schreibt, weiss er, was er tut. Ibrahim al-Koni ist ein Targi, gehört also zum Volk der Tuareg, hat seine Heimat in der libyschen Wüste und spricht als Mut­tersprache Tamahaq, eine Sprache der Berber. Im riesigen Raum der Sahara, heute ge­teilt von den Ländern Al­gerien, Libyen, Niger, Burkina Faso und Mali, sind die Tua­reg als No­ma­­den unterwegs. Der Name Targa bezeichnet ursprünglich das wasser­rei­che und fruchtbare Wādī al-Ḥayā im Südwesten Libyens und kann deshalb in der Berberspra­che auch den idealen Garten be­zeichnen.

Die Oase, von der Ibrahim al-Koni hier träumt, der Targi von der Targa, ist also nicht ir­gendeine, sondern das Paradies der Kindheit, aus dem das Leben, zumal das no­ma­­dische, einen für immer vertreibt und das einem gerade deshalb nie aus dem Sinn geht. In den Worten Ernst Blochs, des Philosophen der Hoffnung, ist es die Heimat als ein utopisches etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war. Beiden, dem Berber im schweizerischen Exil und dem Deutschen im amerikani­schen, geht es dabei weniger ums Finden eines realen Gartens, einer realen Oase, einer realen Heimat, die das verlorene und gesuchte Ideal erfüllt, als vielmehr um die Hal­tung des Suchens. Bloch nennt sie in seinem Hauptwerk Hoffnung (1938-47), al-Koni in diesem Roman Sehnsucht. Beiden eignet eine religiöse Energie, deren Aus­rich­tung bildlich auch verheissene Stadt heissen kann oder Utopie des Rei­ches Got­tes. Biblisch ist sie das himmlische Jerusalem (Offb 21,1-2).

Im dritten seiner drei thetischen Sätze verortet al-Koni die Haltung des Hoffens und Sehnens: Das Auge eines Menschen zeigt, ob er diese Haltung hat oder nicht. Hat er sie, so kann man ihm vertrauen. Hat er sie nicht, so ist nichts Gutes zu erwarten. Die­se weisheitlich anmutende Mahnung ist es denn auch, die der Berber im Exil litera­risch vermittelt: Vertraue nie einem Geschöpf, in dessen Auge du nicht eine Kindheit fin­dest! Was für ein Rat!

Im Auge eines Menschen eine Kindheit zu finden, wann ist das der Fall? Wenn es träu­mend in die Ferne schweift? Wenn es einen Schalk vorüberhuschen lässt? Wenn es sich hinter einem Schleier aus Tränen verzieht? Ein Auge, das Gefühle verrät, oh­ne sich blosszustellen, das mich beteiligt, ohne mich zu benutzen, das Wärme und Schwäche ausdrückt, ohne zu betteln: Ist es das? – Im Auge eines Menschen keine Kindheit zu finden, wann ist das der Fall? Wenn es einen anstarrt, fixiert und lähmt? Wenn es von oben herab und mit gehobener Braue gebietet? Wenn es scheel Dinge unterstellt, die weder zu bestreiten noch zu beweisen sind? Ein Auge, das fordert, oh­ne irgendetwas zu schenken, das leer ist und stiert, ohne etwas zu erwarten, das Kälte und Unerbittlichkeit ausstrahlt, ohne einen Kompromiss zu signalisieren: Ist es das? – Klar ist, dass nicht suchen kann, wer nicht verlieren konnte, und nichts fin­den wird, wer nicht unterwegs ist. Wer nichts erhofft und nichts ersehnt, ist schon tot. Tote Augen zeigen keine Kindheit. Vertraue nie einem Geschöpf, in dessen Auge du nicht eine Kindheit fin­dest! Was für ein Rat!

Die Haltung des Suchens, die ein Hoffen und Sehnen bedeutet, erkennt, ob ein Auge tot ist oder lebt. Es ist die Oase, die sich spiegelt in der Iris, die Kindheit, die flackert im Blick, die Oase der verlorenen und verheissenen Kindheit, die Vertrauen schafft in der Fremde und unter Fremden, die Befremdliches überwindet. Deine Augen sind Tau­ben hinter deinem Schleier, sagt der Liebende zur Geliebten (Hld 4,1).

ENGLISH

The 6th thesis in our series on «art and church»:
«Churches which nurture the various gifts of the believers should also create room for art.»

Where are the gifts in the church?
In the New Testament we read a great deal about the various gifts and offices of the first Christians (e.g. in Rom. 12, 6-8 / 1 Cor.11, 8-10).  As church history shows, however, these gifts were often neglected, forgotten or cut back in the next centuries. The practice of the church went in this direction: the priests, the pastors are the main bearers of the charisms. They are to keep a check on the charisms of the believers by exercising their gift of discernment. There were, nevertheless, charismatic outbreaks that brought blessing. Yet from the earliest times (more precisely, from the second century onwards, when so-called Montanism arose, with its unhealthy fixation on supernatural wonders and on the workers of wonders), such outbreaks were typically regarded with scepticism and were generally curbed.

The general priesthood of all believers
The Reformation appealed (contrary to the existing hierarchy of the church) to 1 Peter 2,9. This passage speaks of a «general [royal] priesthood». That could be understood this way: all Christians have a «priestly» task. They should all be able to use their gifts in the congregation – which does not mean that there should be no ordained priests and pastors. But the latter are servants of the congregation and have the task, above all, of creating space for the spiritual gifts in the churches.
In the Catholic Church, too, the gifts of believers (not only of the priests!) are receiving more emphasis, as the following passages show: “The Holy Spirit sanctifies and leads the people of God and enriches it with virtues, but, ‘allotting His gifts to everyone according as He wills’ (1 Cor. 12:11), He distributes special graces among the faithful of every rank.” (lumen gentium, 12 / Pope Paul VI / 1964) or:  «The Holy Spirit also enriches the entire evangelizing Church with different charisms. These gifts are meant to renew and build up the Church.» (evangelii gaudium 130 / Pope Francis, 2013)

Are artists priests?
Artists therefore automatically belong to the «priesthood» if they belong the church as Christians. What, then, is their contribution? This must not necessarily be in the artistic field. But artists could hear this from the churches: «We would like you to be able to get involved in our church as an artist if you wish to. Your art can be a blessing for us. Let’s think together about what this could mean in concrete terms.»

Is art a gift of the Spirit?
The fact is, however, that the church needs art: worshipping God, in interpreting and transmitting the biblical message, in creating and furnishing rooms for church services and for meeting one another, in ministry to people outside the church etc., etc.
Is art therefore also a «charism» in the biblical sense? In my view, no! But it can work together with charisms.
When Bezalel, who built the tabernacle of meeting, was filled with God’s spirit (Exodus 35, 30), when David played for Saul and drove away the evil spirit (1 Samuel 16), we can already see examples of art working together with the Holy Spirit in Old Testament times. Similarly, art can in principle work together with prophecy, wisdom, speaking in tongues, discernment of spirits, healing and other gifts. It would be interesting to collect examples of this…
One point should be noted in this context, however: the charismatic effect of a work of art is not automatically a guarantee of its artistic quality! That is, an artist cannot use the spiritual effect of a work as an excuse for bad art.

Questions

  • Where have you had the experience that art (yours or someone else’s) has had a tangible spiritual effect in the church (or in another setting)?
  • Where have you discovered that God’s spirit helps you in your art? Are you continuing to reckon with this dimension?
  • Where have you discovered that art (yours or someone else’s) can work together with charisms?

Text: Beat Rink brink@crescendo.org/ translation: Bill Buchanan

DEUTSCH

Die 6. These in unserer Reihe zu «Kunst und Kirche» lautet:
«Kirchen, die die verschiedenen Gaben der Gläubigen fördern, sollten auch Raum schaffen für Kunst»

Wo sind die Charismen in der Kirche?
Im Neuen Testament lesen wir viel von den verschiedenen Gaben und Ämtern der ersten Christen (z.B. in Rö 12, 6-8 / 1.Kor.11, 8-10).  Wie die Kirchengeschichte allerdings zeigt, wurden diese Gaben in den nachfolgenden Jahrhunderten  oft vernachlässigt, vergessen oder beschnitten. Die Kirchenordnung gab etwa vor: Die Priester, die Pfarrer sind die hauptsächlichen Träger der Charismen. Sie müssen die Charismen der Gläubigen durch ihre Gabe der Geistesunterscheidung kontrollieren. Es gab allerdings auch segensreiche charismatische Aufbrüche. Doch seit frühester Zeit (genauer: seit dem 2. Jahrhundert, als im sog. Montanismus eine ungesunde  Fixierung auf übernatürliche  Wundertaten und Wundertäter aufkam), wurden solche Aufbrüche auch skeptisch betrachtet und eher gedämpft.

Das “allgemeine Priestertum aller Gläubigen”
Die Reformation berief sich (gegen die bestehende Hierarchie der Kirche) auf 1.Petrus 2,9. Dort ist vom «allgemeinen Priestertum» die Rede. Das konnte so verstanden werden: Alle Christen haben einen «priesterlichen» Auftrag. Alle sollten ihre Gaben in die Gemeinschaft einbringen können. – Dies heisst nun nicht, dass es keine ordinierten Pfarrer und Pastoren mehr geben soll. Aber diese sind Diener der Gemeinde und haben vor allem den Auftrag, für die geistlichen Gaben in den Kirchen Raum zu schaffen.
Auch in der katholischen Kirche werden immer mehr die Gaben der Gläubigen (nicht nur der Priester!) betont, wie folgende Stellen zeigen: “Derselbe Heilige Geist heiligt außerdem nicht nur das Gottesvolk durch die Sakramente und die Dienstleistungen, er führt es nicht nur und bereichert es mit Tugenden, sondern “teilt den Einzelnen, wie er will” (1 Kor 12,11), seine Gaben aus und verteilt unter den Gläubigen jeglichen Standes auch besondere Gnaden.»
(lumen gentium, 12 Papst Paul VI / 1964) oder: «Der Heilige Geist bereichert die ganze evangelisierende Kirche auch mit verschiedenen Charismen. Diese Gaben erneuern die Kirche und bauen sie auf.» (evangelii gaudium 130 /Papst Franziskus, 2013)

Sind Künstler Priester?
Künstler gehören somit automatisch zur «Priesterschaft», wenn sie als Christen einer Kirche angehören. Was ist nun ihr Beitrag? Dieser muss nicht unbedingt künstlerischer Art sein. Aber Künstler könnten von den Kirchen hören: «Wir möchten, dass du dich als Künstler in unserer Kirche einsetzen kannst, wenn du dies willst. Deine  Kunst kann für uns ein Segen sein. Lass uns zusammen darüber nachdenken, was das konkret heisst.»

Ist Kunst ein Charisma?
Tatsache ist doch, dass Kirche die Kunst braucht: in der Anbetung Gottes, in der Auslegung und Vermittlung der biblischen Botschaft,  im Schaffen und Einrichten von Räumen für den Gottesdienst und für die Begegnung untereinander,  im Dienst für die  Menschen ausserhalb der Kirche usw. usw.
Ist Kunst deswegen auch ein «Charisma» im biblischen Sinn? Ich meine: nein! Aber sie kann sich mit Charismen verbinden.
Wenn Bezalel, der Erbauer der Stiftshütte, von Gottes Geist erfüllt wird (2.Mose 35, 30), wenn David vor Saul spielt und der böse Geist flieht (1.Samuel 16), so verbinden sich bereits zu alttestamentlichen Zeiten Kunst und das Wirken des Heiligen Geistes. So kann sich Kunst grundsätzlich auch mit Prophetie, Weisheit, Zungenrede, Geistesunterscheidung, Heilung und anderen Gaben verbinden. Es wäre interessant, Beispiele dafür zu sammeln…
Wichtig ist in diesem Zusammenhang allerdings: Die charismatische Wirkung eines Kunstwerks sagt noch nichts über die künstlerische  Qualität aus! Das heisst: Ein Künstler kann die geistliche Wirkung eines Werks nicht als Alibi für schlechte Kunst brauchen.

Ein paar Fragen

  • Wo hast du erlebt, dass (deine oder andere) Kunst in der Kirche (oder in einem anderen Kontext) eine erfahrbare geistliche Wirkung entfaltet?
  • Wo hast du entdeckt, dass Gottes Geist dir in deiner Kunst hilft? Rechnest du noch mit dieser Dimension?
  • Wo hast du entdeckt, dass (deine oder andere) Kunst sich mit Charismen verbinden kann?

Text: Beat Rink (brink@crescendo.org)

ENGLISH

A year ago, the Swiss branch of ARTS+ invited artists and theologians to a symposium. One of the topics was the relationship linking art, artists and church. They also discussed 20 theses on the subject of “art, artists and church”.
For this and the next editions of our TUNE INs we have reformulated these theses and added questions. They are therefore an invitation to join in the discussion. On Facebook (LINK) you can write your comments and talk to other contributors.

1. It is good for the church to develop an interest in art and aesthetics. Every church should promote the awareness that the miracles of creation, God’s saving acts, the church and God’s kingdom are “beautiful”. Theologians also rightly speak of ‘the beauty of God’.

2. The church should therefore create a “beautiful living space”. Not only by including good art, but also by encouraging loving relationships among members. The church invites people into this space. Expressions of “beauty” can be, for example, friendliness, joyfulness and hospitality.

3. The church looks after its own art-historical heritage. For a start, this includes the Bible – and then also its own art history with the testimony embedded in it.

Questions:

  • Do we in our churches still have an awareness of the profound value of “beauty”?
  • And of the fact that beauty ultimately speaks about God’s love?
  • Where do we pay attention to aesthetics in our churches and create “beautiful living spaces”?
  • What aesthetics (and what kind of relationships with each other) characterise the church that we attend?
  • Could it be that churches often cultivate very particular aesthetics and have their own “aesthetic house smell” – perhaps in order to avoid any similarities to other churches or to “the world”?
  • Could it be that churches are content with second-class aestheticsbecause they have no sense of the deep meaning of “beauty”?
  • How can we artists contribute to making our churches “more beautiful”?

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan
Picture from Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche Berlin – performance of Ike Sturm’s Jazz Mass. Photo: Crescendo

 

DEUTSCH

Vor einem Jahr lud der Schweizer Zweig von ARTS+ Künstler und Theologen zu einem Symposium ein. Es ging dabei auch um das Verhältnis von Kunst, Künstlern und Kirche. Unter anderem wurden 20 Thesen zum Thema „Kunst, Künstler und Kirche“ diskutiert.
Für diese und die nächsten Ausgaben der TUNE INs haben wir diese Thesen neu formuliert und um Fragen erweitert. Wir laden damit zur Diskussion ein. Auf Facebook (LINK) kann man seine Kommentare schreiben und miteinander ins Gespräch kommen.

1. Es ist gut für die Kirche, wenn sie ein Interesse für Kunst und Ästhetik entwickelt. In jeder Kirche sollte das Bewusstsein gefördert werden, dass die Wunder der Schöpfung, Gottes Heilshandeln, die Gemeinde und das Reich Gottes „schön“ sind. Theologen sprechen richtigerweise auch von der ‘Schönheit Gottes’.

2. Kirche sollte deshalb einen „schönen Lebensraum“ schaffen. Dies nicht nur, indem sie gute Kunst einbezieht, sondern auch, indem sie den liebevollen Umgang miteinander fördert. Sie lädt Menschen in diesen Raum ein. Ein Ausdruck von „Schönheit“ sind etwa Freundlichkeit, Fröhlichkeit und Gastfreundschaft.

3. Die Kirche trägt Sorge zu ihrem eigenen kunstgeschichtlichen Erbe. Dazu gehört bereits die Bibel – und dann die eigene Kunstgeschichte mit dem in ihr eingelassenen Zeugnis.

Fragen:

  • Wissen wir in unseren Kirchen noch um den tiefen Wert von „Schönheit“?
  • Und davon, dass Schönheit letztlich von Gottes Liebe spricht?
  • Wo pflegen wir in unseren Kirchen Ästhetik und schaffen „schöne Lebensräume“?
  • Von welcher Ästhetik (und von welchem Umgang miteinander) ist die Kirche geprägt, in die wir gehen?
  • Könnte es sein, dass Kirchen oft eine ganz spezielle Ästhetik pflegen und einen eigenen „ästhetischen Stallgeruch“ haben – vielleicht, um sich von anderen Kirchen oder von der „Welt“ abzugrenzen?
  • Könnte es sein, dass Kirchen sich mit zweitklassiger Ästhetik zufrieden geben, weil die tiefe Bedeutung von „Schönheit“ nicht erkannt wird?
  • Wie können wir Künstler daran mitwirken, dass unsere Kirchen „schöner“ werden?

Text: Beat Rink
Bild:  Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche Berlin – Aufführung von Ike Sturm Jazz Mass. Foto: Crescendo

ENGLISH

A year ago, the Swiss branch of ARTS+ invited artists and theologians to a symposium. One of the topics was the relationship linking art, artists and church. They also discussed 20 theses on the subject of “art, artists and church”.
For this and the next editions of our TUNE INs we have reformulated these theses and added questions. They are therefore an invitation to join in the discussion. On Facebook (LINK) you can write your comments and talk to other contributors.

1. It is good for the church to develop an interest in art and aesthetics. Every church should promote the awareness that the miracles of creation, God’s saving acts, the church and God’s kingdom are “beautiful”. Theologians also rightly speak of ‘the beauty of God’.

2. The church should therefore create a “beautiful living space”. Not only by including good art, but also by encouraging loving relationships among members. The church invites people into this space. Expressions of “beauty” can be, for example, friendliness, joyfulness and hospitality.

3. The church looks after its own art-historical heritage. For a start, this includes the Bible – and then also its own art history with the testimony embedded in it.

Questions:

  • Do we in our churches still have an awareness of the profound value of “beauty”?
  • And of the fact that beauty ultimately speaks about God’s love?
  • Where do we pay attention to aesthetics in our churches and create “beautiful living spaces”?
  • What aesthetics (and what kind of relationships with each other) characterise the church that we attend?
  • Could it be that churches often cultivate very particular aesthetics and have their own “aesthetic house smell” – perhaps in order to avoid any similarities to other churches or to “the world”?
  • Could it be that churches are content with second-class aestheticsbecause they have no sense of the deep meaning of “beauty”?
  • How can we artists contribute to making our churches “more beautiful”?

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan
Picture from Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche Berlin – performance of Ike Sturm’s Jazz Mass. Photo: Crescendo

 

DEUTSCH

Vor einem Jahr lud der Schweizer Zweig von ARTS+ Künstler und Theologen zu einem Symposium ein. Es ging dabei auch um das Verhältnis von Kunst, Künstlern und Kirche. Unter anderem wurden 20 Thesen zum Thema „Kunst, Künstler und Kirche“ diskutiert.
Für diese und die nächsten Ausgaben der TUNE INs haben wir diese Thesen neu formuliert und um Fragen erweitert. Wir laden damit zur Diskussion ein. Auf Facebook (LINK) kann man seine Kommentare schreiben und miteinander ins Gespräch kommen.

1. Es ist gut für die Kirche, wenn sie ein Interesse für Kunst und Ästhetik entwickelt. In jeder Kirche sollte das Bewusstsein gefördert werden, dass die Wunder der Schöpfung, Gottes Heilshandeln, die Gemeinde und das Reich Gottes „schön“ sind. Theologen sprechen richtigerweise auch von der ‘Schönheit Gottes’.

2. Kirche sollte deshalb einen „schönen Lebensraum“ schaffen. Dies nicht nur, indem sie gute Kunst einbezieht, sondern auch, indem sie den liebevollen Umgang miteinander fördert. Sie lädt Menschen in diesen Raum ein. Ein Ausdruck von „Schönheit“ sind etwa Freundlichkeit, Fröhlichkeit und Gastfreundschaft.

3. Die Kirche trägt Sorge zu ihrem eigenen kunstgeschichtlichen Erbe. Dazu gehört bereits die Bibel – und dann die eigene Kunstgeschichte mit dem in ihr eingelassenen Zeugnis.

Fragen:

  • Wissen wir in unseren Kirchen noch um den tiefen Wert von „Schönheit“?
  • Und davon, dass Schönheit letztlich von Gottes Liebe spricht?
  • Wo pflegen wir in unseren Kirchen Ästhetik und schaffen „schöne Lebensräume“?
  • Von welcher Ästhetik (und von welchem Umgang miteinander) ist die Kirche geprägt, in die wir gehen?
  • Könnte es sein, dass Kirchen oft eine ganz spezielle Ästhetik pflegen und einen eigenen „ästhetischen Stallgeruch“ haben – vielleicht, um sich von anderen Kirchen oder von der „Welt“ abzugrenzen?
  • Könnte es sein, dass Kirchen sich mit zweitklassiger Ästhetik zufrieden geben, weil die tiefe Bedeutung von „Schönheit“ nicht erkannt wird?
  • Wie können wir Künstler daran mitwirken, dass unsere Kirchen „schöner“ werden?

Text: Beat Rink
Bild:  Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche Berlin – Aufführung von Ike Sturm Jazz Mass. Foto: Crescendo

ENGLISH

A musician was describing his feelings: «At this time, when I cannot perform in public, I feel like a blank piece of music paper.» A colleague responded at once: she has similar feelings, she said, yet it is also good to get rid of ballast.
Now, concerts are not necessarily ballast. And cancelling concerts, as we know, produces financial losses. Nevertheless, there was something in what his colleague said. Sometimes it is good (but certainly unpleasant) to feel like a «blank sheet of music paper» and to ask oneself: «What must I let go of in order to become free and, as a result, receptive for new things?»

Since the outpouring of the Holy Spirit at Pentecost, Christians have experienced the truth of 2 Cor. 3,17: «Where the Spirit of the Lord is, there is freedom». Jesus makes use of the double meaning of the Hebrew word «ruach» (wind/spirit) when he says: «The wind blows wherever it pleases. You hear its sound, but you cannot tell where it comes from or where it is going. So it is with everyone born of the Spirit.» (Jn. 3,8). How, then, can this happen, that we become as weightless, as flexible and as available as the «ruach» or, in Greek, the «pneuma»?
There are mystical traditions in all religions giving guidance on emptying the mind. This does in fact work to a certain degree, but does not achieve the depth of existence and relationship with God that Jesus means.
How do we become truly free? «It is for freedom that Christ has set us free!», Paul writes (Galatians 5,1), meaning that it is only through God’s Spirit that we ultimately become free ourselves.

Certainly, we do not wish to be purely passive in this regard. The many individuals who have gone down to the cellar in recent weeks of the Covid 19 crisis or climbed up to the attic in order to bring unusable things out into the light also became active. In prayer, in talking to other people, in counselling, we can be liberated from burdens. The energy for this however – and most definitely the liberation itself – come from God.

In the last TUNE IN we took a look at a mosaic in St Paul’s Church in Basel. There the naked young man is striking. In this I see a symbol for a person caught up in the Spirit of Pentecost. He is travelling without ballast. He treads lightly and is moreover faster than the others. Perhaps he is as a result also receptive for new (artistic?) inspiration through God’s Spirit. In other words, he is like a «blank sheet of music paper». This may be an unpleasant feeling. But God’s Spirit can write new music on it.

Text: Beat Rink / Translation: Bill Buchanan

Prayer:


Lord,
come with your Spirit and set me free.
If necessary, go down to the cellar with me
or up to the attic of my life and help me to clear out.
Even if I feel like a blank sheet of music paper
when important things are cancelled,
do not let this crisis pass me by fruitlessly,
but may it lead me into the freedom which your Spirit gives.
Blow into my life with your Spirit.
I will let myself be moved by you.
And blow into my art and use it how and where you wish
to your glory.
Amen


DEUTSCH

Ein Musiker meinte: «Ich fühle mich jetzt, wo ich nicht auftreten kann, wie ein unbeschriebenes Notenblatt.» Eine Kollegin sagte daraufhin, sie empfinde dies ähnlich. Doch sei es auch gut, Ballast loszuwerden.
Nun sind Konzerte nicht unbedingt Ballast. Und Konzertabsagen bedeuten bekanntlich  finanzielle Einbussen. Trotzdem hat die Musikerin nicht unrecht. Manchmal ist es gut (obwohl nicht unbedingt angenehm), sich wie ein «unbeschriebenes Notenblatt» zu fühlen und sich zu fragen: «Was muss ich loslassen, um frei zu werden und dadurch empfänglich für Neues?»

Seit der Ausgiessung des Heiligen Geistes an Pfingsten erfahren Christen, was es heisst: «Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit» (2.Kor. 3:17) Jesus nimmt die Doppelbedeutung des hebräischen Wortes «Ruach» (Wind / Geist) auf, wenn er sagt: «Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.» (Joh. 3:8).
Wie kann es nun geschehen, dass wir so schwerelos, so flexibel und verfügbar werden wie die «Ruach» bzw. das griechische «Pneuma»?
Es gibt mystische Traditionen in allen Religionen, die zur mentalen Entleerung anleiten. Tatsächlich funktioniert dies bis zu einem gewissen Grad, erreicht aber nicht die Tiefe der Existenz und der Gottesbeziehung, die Jesus meint.
Wie werden wir dann wirklich frei? «Zur Freiheit hat uns Christus befreit!»,schreibt Paulus  (Galater 5:1). Das heisst: Wir können letztlich nur durch Gottes Geist selber frei werden.

Sicher sollten wir selber dabei nicht ganz passiv bleiben. Die vielen Menschen, die in den letzten Wochen während der Covid 19-Krise in die Keller hinabgestiegen oder auf den Dachboden geklettert sind, um unbrauchbare Dinge ans Licht zu holen, sind auch aktiv geworden.
Im Gebet, im Gespräch mit anderen Menschen, in der Seelsorge können wir Lasten loswerden. Aber die Energie dazu – und dann erst recht die Befreiung – kommen aus Gott.

Im letzten TUNE IN haben wir einen Blick auf ein Mosaik in der Basler Pauluskirche geworfen. Der nackte Jüngling fällt da auf. Ich sehe darin eine Symbolgestalt für einen, der vom Pfingstgeist erfasst worden ist. Er ist ohne Ballast unterwegs. Er geht leichtfüssig voran und ist zudem schneller als die Anderen. Vielleicht ist er dadurch auch empfänglich für eine neue (künstlerische?) Inspiration durch Gottes Geist. Mit anderen Worten: Er ist wie ein «unbeschriebenes Notenblatt». Das fühlt sich vielleicht zunächst unangenehm an. Aber Gottes Geist kann darauf eine neue Musik schreiben.

Text: Beat Rink

Gebet:


Herr,
komm mit Deinem Geist und setz mich frei.
Steig, wenn es nötig ist, mit mir in den Keller
und auf den Dachboden meines Lebens
und hilf mir, aufzuräumen.
Auch wenn ich mich wie ein leeres Notenblatt fühle,
wenn wichtige Dinge wegfallen:
Hilf, dass diese Krise nicht ungenutzt an mir vorbei geht,
sondern in die Freiheit hineinführt, die Dein Geist schenken will.
Wehe mit Deinem Geist in mein Leben hinein.
Ich will mich von Dir bewegen lassen.
Wehe auch in meine Kunst hinein und brauche sie,
wie und wo Du willst zu Deiner Ehre.
Amen 


 

Das Bewerbungsfenster für die Stipendien in den Bereichen Bildende Kunst, Tanz/Performing Arts, Mode/Textil und Literatur für 2021 ist geschlossen.

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Hinweis: Die Auswahl der Stipendien wird Ende August / Anfang September kommuniziert.

Ganze Ausschreibung

Kirche und Kunst, die beiden Begriffe gehörten jahrhundertelang zusammen wie das Amen zum Vaterunser. Doch wie ist das heute, in einer zunehmend säkularen Welt? Die ursprünglich für Juli in der Schweizer Bodenseeregion geplante Tagung „Kunst & Kirche heute“ befasst sich nun am 16. und 17. Oktober 2020 mit den vielfältigen Aspekten dieser Frage. Prominent besetzte Vorträge, kreative Workshops und Wanderungen zu den Kunstwerken des Projekts „Göttliche Landschaften“ beleuchten, wie der Dialog von Spiritualität und Kunst lebendig bleiben kann. Die Tagung findet in großzügigen Räumen des modernen Tagungshotels der Kartause Ittingen statt. Die Teilnehmerzahl wird so begrenzt, dass alle die Möglichkeit haben, ausreichend Abstand zu halten. www.bodensee-kloester.eu

Innovative Impulse für den sakralen Raum
Seit dem frühen Mittelalter war die Kirche zentrale Auftraggeberin für Kunst. In welcher Beziehung stehen Spiritualität und Kunst heute? Fragen wie dieser gehen namhafte Referenten auf den Grund oder laden in Workshops dazu ein, gemeinsam nach Antworten zu suchen. Etwa bei einer Leseübung in der „Verstummten Bibliothek“ von Joseph Kosuth. Oder beim Kreativ-Workshop zu einem Kirchen-Kunstprojekt mit der Künstlerin Judith Albert. Vielversprechend ist auch der öffentliche Vortrag von Dr. Marc Steinmann, stellvertretender Leiter der Kölner „Kolumba“: Er beleuchtet die Kontroverse um das Richter-Fenster im Kölner Dom.

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Ilyas zieht den Handkarren weiter. Mirza und Azad stützen den Fernseher rechts und links. Sie kommen in die Nähe der Höhle, die auf dem Weg runter zum Bach liegt. Die Kinder tragen den ins Bettlaken eingeschlagenen Fernseher zur Höhle am Bach. Sie sprechen nicht. Sie verständigen sich mit Handbewegungen. Vier Kinder, in sich versunken, die schweigen. Als ob jemand aus der Ferne sie hören oder sehen könn­te. Sie tragen den Fernseher bis zum Höhleneingang. Sie schleppen den Fernseher bis zur hinteren Ecke der Höhle. Dort legen sie einen Stein darauf und bedecken ihn dann mit trockenem Gestrüpp.

Yavuz Ekinci, Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam, türkisch 2016.

Der Diktator nutzt jede Gelegenheit, sie als Terroristen zu brandmarken. Sein Aus­sen­minister stellt Kollegen, die sich für sie einsetzen, als Kollaborateure von Terrori­sten dar. Dreissig Millionen sind sie, aber ohne Selbstbestimmung und auf vier Län­der ver­teilt. Wo sie dank der Schwäche des jeweiligen Regimes Struk­­tu­­ren aufbauen können, werden diese bei nächster Gelegenheit wieder zerstört. Gross­mächte nutzen ihre Kenntnisse und Fähigkeiten, um sie nach geleisteter Arbeit über Nacht fallen zu lassen. Gerade sind wieder Zehntausende von ihnen auf der Flucht.

Der hier über sie schreibt, Yavuz Ekinci, hat zwar eine Mutter­sprache, kann sie aber nicht benutzen. Er ist Kurde und schreibt über Kurden einen kurdischen Roman. Das geht nur auf Um­we­gen. In dem Dorf, in dem meine Eltern leben, liegen auf dem Fried­hof vierzehn Generatio­nen meiner Vorväter, erzählt er im April 2017 in einem Interview der FAZ: Als es das erste Mal hiess, es werde vom türkischen Militär eva­kuiert, sagte mein Vater: Wir können ja vielleicht weg, aber was ist mit unseren To­­­ten? Kurden lieben ihr Kurdistan so selbstverständlich wie Schweizer ihre Schweiz: Die Men­schen in dieser Re­gion sind sehr verwur­zelt, sagt Ekinci, ih­re Welt besteht aus dem Ort, an dem sie sind und schon immer waren. Sie kön­nen sich nicht vorstel­len, dass es einen anderen für sie gibt.

In seinem Roman beschreibt er kurdisches Leben mit einer Mix­tur aus Mär­chen, My­then und Mi­lieu­bildern. Auf literarischen Um­wegen. Hier erzählt er aus der Perspek­tive Halbwüchsiger, wie vom Berg Amar herab plötz­lich, einer my­thi­schen Hor­de gleich, Leute auftauchten, die alles niederbrannten und zer­störten, was ihnen in den Weg kam. Im Fernglas sieht man sie und ruft in heller Auf­regung immerfort: Sie kom­men. Die Jungs haben Sorge, dass auch ihr Ball und ihr Fernseher, die bescheide­nen Symbole klei­nen Glücks, ver­bren­nen und verkohlen würden. Wer sie sind, die da kommen, bleibt ungesagt, eben­so, ob sie tatsächlich gekom­men sind.

Nur die Angst ist hier real. Aus Angst schaufelt einer neben dem Grab seiner verstor­be­nen Frau sein eigenes und legt sich hinein, um zu warten. Aus Angst hängt ein an­de­rer seine ganze Habe in den Wipfel eines Baums und verbirgt sich in der Nä­he, um zu überleben. Aus Angst verstecken die Jungs ihren Fernseher in einer Höh­le, einge­wickelt und ge­tarnt wie ein Schatz, um ihn nach der Katastrophe wieder her­vor­holen zu können. Er steht für alles Ersehnte und Gefährdete. Die Moderne repräsentiert er, ist Ver­bin­dung zur Welt und zur Zeit, Quelle von Bildung, Informa­tion und Unterhal­tung, Ga­ran­tie, zur Gemeinschaft der Völker zu gehören und nicht von ihr ausge­schlos­sen zu sein. Der Fernseher ist ein Versprechen. Doch nun herrscht nackte Angst. So mythisch, wie er begonnen hat, schliesst der Roman in der Welt der Tiere: Eine Feu­er­wal­ze hat sie überrollt. Alles ist ver­brannt und verkohlt. Ein Eichhörn­chen hüpft mit versengtem Schwanz durch versengte Bäume …

Wie real die Angst der Kurden ist, von der Ekincis Roman erzählt, sagen gerade eben die Nach­richten vom Diktator und seinem Aussenminister. Ohne Umwege.

Das Corona Virus, bzw. die gegen dessen Bedrohung eingeleiteten Mass­nahmen, stellen unser Leben in einer zuvor unvorstellbaren Weise auf den Kopf. Ein Ende ist nicht absehbar, und selbst wenn, wird die Welt danach nicht mehr dieselbe sein.

Und was macht die Kunst?

Das möchten wir von Euch Künstler*innen, möchten wir von Dir wissen. Wir fragen nach Deinem Werk in Reaktion auf die Corona-Krise. 

Corona Call

Veranstalterin:
Visarte, der Berufsverband visuelle Kunst Schweiz, in Zusammenarbeit mit «die zukunft kuratieren», mit Unterstützung durch die Stiftung Kulturfonds von ProLitteris

Adressat*innen:
Professionell arbeitende bildende Künstler*innen Schweizer Nationalität oder mit festem aktuellen Wohn­sitz in der Schweiz. Eine Visarte-Mitgliedschaft ist nicht Bedingung.

Ziel und Gegenstand der Ausschreibung:
Der Corona Call bezweckt, die Kunstproduktion in der Akutzeit der Pandemie anzuregen sowie authentische künstlerische «Dokumente» der Corona-Krise zusammenzutragen.

Gefragt sind Werke der Disziplin Bildende Kunst (Bilder, Objekte, Installationen, Performance, elektronische Kunst wie Video, etc.). Im Falle von komplexeren, noch nicht realisierten orts- und/oder zeitgebundenen Vorhaben kann ein detailliertes Konzept eingegeben werden.

Thematischer Fokus:
Das Werk nimmt Bezug auf die aktuelle Corona-Krisensituation im Frühjahr/Sommer 2020. Es leistet einen Beitrag zur Reflexion über Bedingungen und Befindlichkeiten einer bislang nicht erlebten Ausnahmezeit.

Eingabe, Jurierung, Preise:
Die Eingaben erfolgen ab sofort und bis spätestens am 1. Juli 24:00 Uhr direkt durch die Künstler*innen in die Eingabemaske auf der Corona-Call-Webseite.
Nach einer formalen Vorprüfung werden sie auf der Webseite laufend publiziert. 

Eine Fachjury begutachtet und bewertet die Eingaben. Der Jury steht ein Preisgeld von max. CHF 24’000 zur freien Vergabe zur Verfügung. Die Möglichkeit weiterer Vermittlung der Resultate des Calls, z.B. in Ausstellungen, ist angedacht und wird im Zuge des Jurierungsprozesses erörtert werden.

Es ist vorgesehen, die Resultate mit einer öffentlichen Feier zu würdigen. Der Zeitpunkt wird der aktuellen Lage angepasst. 

Auskunft:
corona-call@visarte.ch, T 076 588 05 56

Vollständige Wettbewerbsbedingungen:
https://corona-call.visarte.ch/p/6/agb

Webseite

Die “Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche.Artheon” lobt im Jahr 2020 einen Kunstpreis für beispielhafte und innovative Kunstprojekte im Raum der Kirche aus. Der Preisträger wird im Rahmen eines offenen, nicht anonymen Wettbewerbs ermittelt. Der Hauptpreis ist mit 3.000 € dotiert, zusätzlich werden Anerkennungen vergeben.

Webseite

Aktuelle Bewerbungsunterlagen für den Artheon.Kunstpreis:

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