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Erika Rupp

Einen Apfelbaum schütteln

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In der letzten KIRCHE KREATIV *, die vor ein paar Stunden in Basel stattfand, gab es keine Predigt. Dafür las der Schauspieler Adrian Furrer vom Theater Luzern den Philipperbrief. Dazwischen improvisierten fünf Musiker über den Text.
Einen grösseren Bibeltext in einem Zug zu lesen oder eben: zu hören, hat etwas für sich. Man erfährt, was Martin Luther meinte, wenn er sagte: “Ich lese die Bibel, wie ich meinen Apfelbaum ernte: Ich schüttle ihn, und was runterkommt und reif ist, das nehme ich.“ Allerdings ist anzumerken, dass der Theologe und geniale Bibelübersetzer Luther auch die genaue Lektüre und das sorgfältige Wortstudien empfahl. An einem anderen Ort schrieb er, man solle das Bibelwort reiben wie ein Kräutlein. Denn je mehr man es reibt, desto mehr duftet es.

Dieser Gottesdienst ohne Predigt war eindrücklich. Eigentlich ist ja ein solcher Paulusbrief eine Predigt in sich, wurden die Briefe doch den Gemeinden vorgelesen. – Ebenso verhält es sich natürlich mit anderen Bibeltexten.

Dazu drei weiterführende Gedanken:

1. Lesen wir ab und zu das Bibelwort laut (oder halblaut) vor uns hin. Langsam, nicht schnell. So, dass unser Inneres mitkommt. Der Theologe Wolfgang Bittner liest zum Beispiel in seinen Gottesdiensten die Bibeltexte bewusst sehr langsam, so dass man genau hinhören muss.

2. Suchen wir als Künstler Wege, wie wir das Bibelwort hörbar machen können. Es gibt ja eine riesige Tradition innerhalb der Musik-, Literatur- und Kunstgeschichte, die sich dem Bibelwort zuwendet und dieses auf grossartige Weise illustriert und weitergibt. Warum nicht Gottesdienste à la KIRCHE KREATIV veranstalten – gerade mit verschiedenartiger Kunst , die zum gelesenen Text passt (neben Text und Musik zeigten wir auch Bilder aus der Kunstgeschichte)? Solche Gottesdienste können Menschen ansprechen, die sonst nicht zur Kirche kommen.

3. Erwarten wir, dass das Bibelwort segensreich wirkt. In unseren Künstlergottesdiensten gibt es nach einem künstlerischen und einem Predigt-Teil immer einen „musikalisch begleiteten Gebets-Rundgang“ in der Kirche. Meine Frau setzt sich dort jeweils im Segnungsteam ein. Während der Textlesung bat sie Gott, ihr ein Wort aus dem Philipperbrief in Erinnerung zu rufen, das sie jemandem im Gebet würde weitergeben können. Sie „hörte“ den Vers: „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus“ (Philipper 4,13). Bald darauf kam jemand zum Gebet und sagte: „Beten Sie einfach für mich. Ich möchte Ihnen nichts erzählen.“ So gab meine Frau diesen Vers weiter. Die Person begann sofort zu weinen und sagte darauf hin: „Erstaunlich! Das ist ja genau das, was ich jetzt brauche!“
Vertrauen wir beim Bibellesen darauf, dass Gott zu uns spricht oder uns ein Wort schenkt, das wir in der nächsten Zeit jemandem anderen weitergeben können. ·

Text: Beat Rink

* Die KIRCHE KREATIV ist ein öffentlicher Gottesdienst mit professionellen Künstlern, den Crescendo in verschiedenen Städten durchführt. Wir sind gerne bereit, entsprechende Tipps zu geben – eine Mail genügt an info@crescendo.org

WHY “CARMEN”? – WARUM “CARMEN”?

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Für manche Christen ist es eine offene Frage: Kann man eine charakterlose oder gar böse Person auf der Bühne darstellen? Und wenn ja: Wie realistisch soll man diese Person spielen? Ich erinnere mich sogar an eine Musikerin, die allen Ernstes beschlossen hat, nie mehr ein Stück des „zu wenig christlichen“ Mozart aufzuführen. Der Grund dafür sind völlig falsche theologische Weichenstellungen. Umso wichtiger sind sorgfältige Überlegungen und Erfahrungsberichte, die korrigierend wirken – wie zum Beispiel der folgende Bericht der Sängerin Constance Fee*:

„In einer Lebenskrise fand ich zum Glauben, den ich über viele Jahre lang vehement abgelehnt hatte. Eine der ersten Rollen, die ich nach meiner Hinwendung zum Glauben singen sollte, war jene der Mercedes in „Carmen“.
Irgendwie hatte ich den Eindruck, ich solle auch die Figur der Carmen einstudieren. Dies war seltsam, denn erstens ist die Hauptfigur nicht über allen moralischen Zweifel erhaben. Zweitens gab es zwei andere Sängerinnen, die für die Rolle vorgesehen waren. Drittens hatte die Intendanz des Opernhauses gerade gewechselt und ich stand auf der Kündigungsliste. Wie üblich, wollte der neue Intendant seine eigenen Leute mitbringen. Nach meinem Engagement als Mercedes musste ich mich ohnehin nach einem anderen Opernhaus umsehen, und es war kaum wahrscheinlich, dass ich mir in der verbleibenden Zeit noch eine so grosse Rolle anvertraut würde.
Trotzdem empfand ich, dass ich mich in die Rolle der Carmen vertiefen sollte. Also beobachtete in den kommenden Proben sehr aufmerksam die Sängerinnen, die als Carmen auf der Bühne standen. Was mich schockierte, war, dass ich die Anweisungen und Korrekturen des Regisseurs regelmässig antizipieren konnte. Stand die Carmen zu lange an einem Tisch, dachte ich hinter dem Vorhang: „Jetzt muss sie aber schleunigst weggehen!“ – Und ein paar Sekunden später gab der Regisseur genau dieselbe Anweisung. Dies geschah viele Male und bestärkte mich darin, der Rolle der Carmen gewachsen zu sein.
Was dann geschah, war eigenartig: Beide Sängerinnen waren kurz nacheinander aus unterschiedlichen Gründen verhindert. Und prompt fragte mich der Regisseur fragte mich, ob ich die Carmen singen könne. Aber da die Kündigung bereits beschlossen war, sprach sich der Intendant vehement dagegen aus. Trotzdem liess mich der Regisseur vorsingen – und setzte sich schliesslich gegen den Intendanten durch. So stand ich als Carmen auf der Bühne. Dennoch war mir bei der Sache nicht ganz wohl. Wie gesagt, ist die Hauptfigur bekanntlich recht zweifelhaft. Dies verunsicherte mich als junge Christin. Ich fragte im Gebet, was Gott damit wolle und empfand, dass er sagte: „Du musst die Figur möglichst realistisch darzustellen. Das Stück zeigt auf, was mit einem Menschen geschehen kann, der ohne Gott lebt.“ So engagierte ich mich mit voller Energie für eine möglichst gute Aufführung dieser wundervollen Oper!“

* Constance Fee ist Dozentin des “Crescendo Sommerinstituts” und lehrt am Roberts Wesleyan College, NY (LINK zu ihrer Biografie). Sie hat bereits im TUNE IN Nr.86 von einer lebensverändernden Erfahrung mit Gott erzählt (LINK).

Text: Beat Rink

Reformationsjubiläum

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Reformation – Kunst im Gottesdienst

Ein Angebot für St. Galler Kirchgemeinden im Reformationsjahr vom 1.11.17 bis 31.10.18 Reformierte und Kunst – als Reformierte ringen wir um eine neue, unverbrauchte Sprache für die Verkündigung in unseren Gottesdiensten. Anders als zur Zeit der Reformation helfen heute dazu künstlerische Impulse.
Kunst stellt Fragen anders. Die Künstlerplattform ARTS+ hat in Zusammenarbeit mit Pfr. Thomas Beerle, Sennwald, aus verschiedenen Eingaben sieben spannende Kunstprojekte ausgewählt, die reformatorisches Gedankengut verhandeln. Es werden Themen wie «befreit sein», «aus der Gnade leben», oder «Vielfarbigkeit des Glaubens» aufgegriffen. Die Kirchgemeinden nehmen bei Interesse an einem künstlerischen Beitrag zu einem Gottesdienst oder einer Einzelveranstaltung Kontakt mit der Künstlerin oder dem Künstler auf (Ausnahmen vermerkt) und vereinbaren ein Engagement. Die Kosten werden zu 40% vom Projektfonds des Reformationsjubiläums rückvergütet.

Weitere Informationen finden Sie auf dem Flyer der Homepage: www.ref500-sg.ch

VIOLINKIDS

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Die 7-jährige Olympia Lygoura hat ihre Lehrerin Marini Peikidou und sich selber in einer Geigenstunde porträtiert – mit lachenden Gesichtern und hellen Farben! Das Bild hat eine Goldmedaille am internationalen Kindermalwettbewerb in Tokio (mit 20.000 Einsendungen !) gewonnen. Es kommuniziert sehr schön, welch grossen Eindruck und Inspiration Musik einem Kind geben kann! LINK

In den 1980 er Jahren begann die Geigenlehrerin Roberta Guaspari im New Yorker Stadtteil East-Harlem ein Projekt, dank dem Kinder aus minderbemittelten Familien kostenlos Violinstunden erhielten.
In den nächsten Jahrzehnten profitierten mehrere tausend Kinder davon. “Mit der Geige erreiche ich die Herzen und Seelen der Kinder“, sagt Roberta Guaspari. Und weiter: “Kinder müssen Erfolgserlebnisse haben, damit sie ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln können. Wenn Sie Selbstdisziplin lernen, werden sie auch andere Dinge nicht so schnell aufgeben.“

Angesichts der Finanzkrise in ihrem Land und den täglichen Herausforderungen, die Familien in ärmlichen Verhältnissen bewältigen müssen, teilt die griechische Violinistin Marini Peikidou die gleiche Vision. Sie hat 2010 in einer evangelischen Kirche in Thessaloniki mit einem Jugendorchester und kostenlosen Geigenstunden begonnen.
Sie sagt: “Wir erteilen Kindern aus unterprivilegierten Familien (meist gehören diese kulturellen Minderheiten an, die permanent in Griechenland leben) kostenlos Unterricht und stellen auch möglichst viele Instrumente gratis zur Verfügung. In Griechenland wächst eine ganze Generation ohne Zugang zu musikalischen Bildung auf. Dies bedeutet eine künftige griechische Gesellschaft mit vielen unglücklichen und künstlerisch armen Menschen! Wir wollen diese Kinder in einen grösseren gesellschaftlichen Rahmen integrieren, also der Exklusion entgegenwirken. Wir engagieren freiwillige Musiklehrer und Musikstudenten, die kurz vor dem Abschluss stehen; wir leihen jedem Kind eine Geige und schaffen damit Musikzellen, die zu Menschlichkeit, Solidarität und engerem Zusammenleben innerhalb der griechischen Gesellschaft beitragen. Besonders die Flüchtlingssituation bringt uns dazu, vernachlässigten Kindern ohne wirkliche Bildungschancen zu helfen. Wir planen Musikstunden im “Care Day Center” in Thessaloniki, unterstützt von Agape (=Campus für Christus) und der Evangelischen Allianz Griechenland. Wir organisieren auch Kirchenkonzerte, um Kindern auch an diesen Aspekt der musikalischen Erziehung heranzuführen und laden dann ihre Familien und Freunde in eine Kirche ein, in der Jesus verkündet wird.”

Dieselbe Vision hat auch die Stadtmission Basel, die ein Projekt unter Flüchtlinskindern begonnen hat, das mittlerweile sehr erfolgreich ist: “Basel gyygt Basel spielt Geige” – siehe das Video: LINK. Wird ein Passwort benötigt, so gebraucht: baselgyygt (=Basel spielt Geige).

Auch in anderen Ländern gibt es solche wunderbare Initiativen. Crescendo unterstützt diese, wenn immer möglich. Vor einigen Tagen gründeten wir zusammen mit der Stadtmission Basel VIOLINKIDS international. Und zur Zeit läuft ein Jugend-Orchesterprojekt in Namibia, mit getragen von Crescendo Südafrika. LINK

Marini Peikidou ist seit über einem Jahr teilzeitliche Mitarbeiterin von Crescendo Griechenland. Sie schreibt regelmässige Berichte, die man gerne bestellen kann. Ihre wertvolle Arbeit ist auch auf finanzielle Hilfe angewiesen. Wichtig dabei ist: Diese Arbeit ist nicht nur auf Violinen beschränkt. So brachten Marini und ihr Mann Kostis Papazoglou in einem griechischen Flüchtlingslager vielen Kindern das Bodypercussion bei. Auch andere Instrumente sind willkommen. Der Kontakt zur Bestellung von Marinis Brief (englisch): violamarini@gmail.com

Text: Beat Rink

Tune In 227

Bemerkung:

Liebe TUNE IN Leser!

In diesen Tagen sind wir mit der Vorbereitung und Durchführung des das “Crescendo Sommerinstituts” (24.Juli-7.August) beschäftigt, weshalb wir die TUNE Ins nur sporadisch versenden können. Danke für Euer Verständnis und alle Unterstützung des Projekts.

crescendoinstitute.org

Ein begehbares sakrales Kunstwerk

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226.1
226.2

Im ostfranzösischen Audincourt befindet sich eine bemerkenswerte Kirche, die in den Jahren 1950 und 1951 auf Initiative des Abbé Prenel in einem Arbeiterviertel errichtet wurde. Im Kirchenraum fällt der Blick zuerst auf die in Glasfenster gefasste Darstellung der Passion Christ. Fernand Léger (1881-1955) schuf – als Künstler, der den christlichen Glauben nicht teilte – damit grossartige sakrale Kunst. Auch andere Werke bedeutender französischer Künstler aus der Mitte des 20. Jahrhunderts finden sich in der Sacré Coeur, die damit der Einladung des Priesters und bedeutenden Vermittlers zwischen Kunst und Kirche, Marie-Alain Couturier (1897-1954) gefolgt waren.

Die 16 Fenster von Fernand Léger erzählen im grossen Rund des Kirchenschiffs von der Passion Christi. „Liest“ man die Erzählung von links nach rechts (von der Gefangennahme über die Kreuzigung bis zum Verrat des Petrus) , so beginnt und endet sie sozusagen mit einem Raum links neben dem Eingang. Dort befindet sich (wie in alten Kirchen) das Baptisterium – der Taufraum mit dem Taufstein in der Mitte. Ihr Schöpfer: Jean René Bazaine (1904-2001).

Betritt man dieses Baptisterium, so taucht man ein in ein Meer von Licht und Farbe. Seine Ästhetik und seine Aussagen ergänzen jene des eher dunklen Hauptraums.
Die Glasfenster von Léger thematisieren ausschliesslich das Leiden des Gottesohnes. Aber in Bazaines Werk bricht auf das Osterlicht durch; es scheint Steine weg zu sprengen. – Das wichtigste Tauf-Datum der alten Kirche war Ostern!

Légers Fenster zeigen überdeutlich die menschliche Schuld auf: Gross erscheinen Würfel, Geissel, Dornenkrone, die sich „in Unschuld waschenden“ Hände, Kreuz und Hahn. Allerdings wird in der Mitte des Kirchenrunds deutlich, dass die Liebe Gottes stärker ist: Das Fenster über dem Altar zeigt das Herz Jesu (die Kirche heisst Sacré Coeur) und darunter ist ein grosses, von Léger gestaltetes Bildteppich mit Brot und Fischen zu sehen.
Das Baptisterium geht nun mit uns den weiteren, entscheidenden Schritt. Es ist der Ort, an dem der sündige Mensch in den Tod gegeben wird. Römer 6,4: „ Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod.“ Aber hier geschieht zugleich die Reinwaschung von der Schuld, und das Licht der Gnade und der Auferstehung erfüllt den Raum: „…und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.“ (V.5) Das Angebot der Vergebung gilt nicht nur dem Täufling, sondern jedem, der in das Baptisterium eintritt. Wie auch immer man über die Tauftheologie denken mag: Der Besuch des Baptisteriums von Audincourt bietet ein begehbares Kunstwerk, das uns Gottes Gnade ästhetisch vermitteln will.

In Bazaines Glasfenster gibt es auch einen Schriftzug. Er zitiert Jesus Sirach 24,31/32: „Aujourd’hui mon fleuve est devenu mer. Au matin je ferai luire la Parole.“ Übersetzt: „Da wurde mir der Kanal zum Strom und mein Strom wurde zum Meer. So strahle ich weiterhin Belehrung aus wie die Morgenröte.“ Ein seltsames Wort! In diesem apokryphen Text spricht die Weisheit. Im Vers zuvor sagt die Weisheit: „Ich sagte: Ich will meinen Garten tränken, meine Beete bewässern.“ Und der nachfolgende Vers lautet: „Weiterhin gieße ich Lehre aus wie Prophetenworte und hinterlasse sie den fernsten Generationen.“
Die Weisheit erkennt in diesem Text: Gottes Wort ist grösser als sie selbst. Es ist ein mächtiger Strom.
So taucht der Täufling (und der Besucher des Baptisteriums) ein in diesen Strom des Wortes Gottes – und damit der Heilsgeschichte.

Das letzte TUNE IN galt dem Plädoyer von Gerard van der Leeuw zugunsten eines weiten Verständnisses von Kunst, die auch dort im Zeichen des „Heiligen“ – sprich: Gottgewolltem – stehen kann, wenn sie nicht von „christlichen“ Künstlern geschaffen wurde. Davon soll hier nichts zurückgenommen werden.
Nur: Es gibt wichtige sakrale Kunst, sei sie von christlichen Künstlern geschaffen oder nicht, die auf sehr eindrückliche Weise von der die Heiligen Schrift und von der Heilsgeschichte sprechen und diese ästhetisch „erlebbar“ machen. Die Begegnung mit solchen Kunstwerken können für unser Glaubensleben prägend sein.
(Frage : Gibt es in unserem Glaubensleben solche Werke und sind wir als Künstler vielleicht sogar gerufen, solche Kunst zu schaffen?)

LINK: http://www.mesvitrauxfavoris.fr/Supp_a/audincourt_sacre_coeur.htm

Text: Beat Rink

Das Heilige in der Kunst

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Gerard van der Leeuw (siehe TUNE IN 212) geht in seinem Werk „Vom Heiligen in der Kunst“ einen interessanten Weg. Das Zentrum seines Denkens ist Christus. Von ihm aus denkt eröffnet sich ein weiter Horizont, in dem Kunst als Teil des Schöpfungswerks Platz hat. Nicht nur „christliche“ Kunst oder Kunst von Christen ist Teil der kontinuierlichen Schöpfung Gottes, sondern auch „heidnische“ Kunst. Es lohnt sich, auf van der Leeuw zu hören und zu erkennen: Künstler sind von Gott begabt – und berufen. Sie haben einen wichtigen, sozusagen „heiligen“ Auftrag in der Welt.

„Das Schaffen des Künstlers ist keineswegs eine Parallele zum Schaffen Gottes; es ist sein mattester Abglanz und wird vollkommen vom Leben Gottes überstrahlt. Wer wahrlich der Schönheit dient, der dient Gott. Wer aber Gott dient, der dient darum noch nicht der Schönheit. Gott kann seinem Diener alle schönen Worte und Töne vernichten. Die tiefste, auch die zutiefst religiöse Kunst kann nicht bestehen vor Gottes Angesicht. Bei ihren höchsten Ausdrucksformen empfinden wir Sehnsucht nach einem anderen Bild, einem anderen Klang, nach etwas das keine „Kunst“ mehr wäre. Wer viele Worte hört oder gebraucht, empfindet ein unaussprechliches Verlangen nach dem Wort, dass bei Gott ist. Auch in der Kunst stehen sich Schöpfer und Schöpfung gegenüber wie Gott seinem Bilde im Menschen. Klar und schön bringt Maritain* das zum Ausdruck, wenn er von Gott sagt: „Seine und nur seine Liebe verursacht die Schönheit dessen, was Er liebt, während unsere Liebe hervorgerufen wird durch die Schönheit dessen, was wir lieben.“ So ist Gottes Liebe auch eine ganz andere als die des Künstlers. Alles ist aus Gottes Liebe geworden, auch die Schönheit. Unsere Liebe, mag sie sich auch dem Kunstwerk hingeben, ist nur Gegenliebe.

Dennoch wird uns dieses nicht gesagt, damit wir wieder in Zweifel geraten sollen. Es gibt Schöpfung. Es gibt Abstand. Es gibt Fleischwerdung. Und Nähe. Nach christlichem Glauben ist er, der Himmel und Erde schuf, als Herrscher derselbe, der als Knecht herabstieg auf die Erde…
(So) dürfen wir dennoch glauben, dass Gott uns in der Kunst, im Wort und im Klang etwas von sich gibt; dass wir auch in der Schönheit Anteil haben dürfen an seinem neuschaffenden Werk. Quer durch Natur und Kultur in ihrer heidnischen Heiligkeit hindurch baut sich das Werk der Schöpfung Gottes auf – auch in dem Ihm dienenden Kunstwerk der Menschen…Wir dürfen das scholastische „Gratia naturam non tollit, sed perficit“ (die Gnade hebt die Natur nicht auf, sondern vollendet sie) folgendermassen ändern: Die Gnade hebt die Natur nicht auf, sondern schafft sie neu.

Darum gibt es keine „geistliche“ Kunst. Hier warnt uns wieder Maritain*: „Wenn ihr christliche Kunst machen wollt, seid Christen, und sucht ein schönes Werk zu machen, dass ihr euer Herz hinein legt; versucht nicht, es christlich zu machen.“

Textauswahl: Beat Rink
** Jacques Maritain (1882-1973), Französischer Philosoph

Was ist schön?

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Stephan Jon Tramèr: Landscape (Valley of Laufen) * Landschaft (Laufental)

Vom 14.-17. Juni 2018 wird in Augsburg ein Kongress zum Thema „SCHÖN“ stattfinden, organisiert von Johannes Hartl und dem Gebetshaus Augsburg (LINK) – in Zusammenarbeit mit Crescendo und verschiedenen christlichen Kulturschaffenden. Weitere Informationen werden folgen. Als Einstimmung auf das Thema werden wir in den TUNE INs das Thema „Schönheit“ verschiedentlich aufgreifen. Für diese Ausgabe haben wir den bildenden Künstler Stephan Jon Tramèr (*1956) um seine Gedanken gebeten.

“Was ist das Gegenteil von Schönheit? Die Hässlichkeit, wie es das Buch Umberto EcosStoria della Bruttezza“ (dt. Die Geschichte der Hässlichkeit)nahelegt?
Ich schlage vor, dass als Gegenteil der Schönheit nicht die Hässlichkeit zu setzen wäre, sondern die Gleichgültigkeit. Daran können wir uns abarbeiten. Versuchen wir, den Begriff der Gleichgültigkeit daran zu messen, was aus ihr erwächst, werden wir uns vielleicht auf einem Pfad befinden, der uns weiterführen kann. Die Konsequenzen sind jedenfalls enorm. Gleichgültigkeit hat mit Selbsterhöhung zu tun. Daraus entstehen Kriege, Tyrranei, Terror, der global wuchernde Mammonismus, Raubbau an der Schöpfung und ihren Ressourcen (jeder von uns ist davon Nutzniessender), Umweltprobleme wie Klimaerwärmung, Dürre, Ausbreitung der Wüsten, Weltraumschrott, Plastik in den Weltmeeren, Leerfischung der Meeresgründe, Ansprüche des Amerikanismus als Leitkultur der westlichen technischen Zivilisationen, Mobilitätswahn und anderes mehr.

Demgegenüber bedeutete die Schönheit in jeder denkbaren Form eine Wirkung der Anteilnahme, der Empathie, der höchsten anzustrebenden Form von Bewusstheit, welche in letzter Konsequenz immer die Wechselwirkung von Denken, Sprechen und Handeln mit dem Menschlichen, mit allem Geschöpflichen, mit Tieren und Pflanzen, in Zusammenhang bringt. Schönheitslehre wäre also Bildung und Pädagogik, Lehre und Forschung und der Zugang dazu für alle Menschen des Erdkreises. Dies betrifft nicht nur die künstlerische Arbeit, sondern schlichtweg alles, was Menschen tun können.

Schönheit geht mit der Ausbeutung von Mensch, Tier und Umwelt nicht zusammen. Die Wirtschaftsordnung, welche unser kapitalistisches System beflügelt (immer mehr, immer weiter, immer schneller), ist die Ausgeburt der Gleichgültigkeit einzig zu meinem Nutzen. Ist das bloss billige Moral? Alles, was die Kirchen in der Vergangenheit zu dem drohenden und real existierenden Desaster beigetragen haben (falsch übersetzter Tanach: macht euch die Erde untertan, anstatt – hebräisch sinngemäss richtig: geht verantwortlich mit meiner Schöpfung um!) hatBewegungen nicht ernstgenommen – Bewegungen wie die moderne Anthroposophie oder die Grünebewegung, die von nicht-christlicher Seite zum Teil wichtige Fragen stellten und Lösungsansätze aufzeigten.
Das sollte Christen zu denken geben. Gleichgültigkeit ist Gottferne. Gleichgültigkeit verursacht die Verhässlichung der Welt. Das Göttliche und Menschliche sind das Lebendige, welche alle Dinge und Phänomene im Zusammenhang mit allem erkennen. Partikularitäten – auch im religiösen Bewusstsein – schaffen abgesonderte Systeme. Individualismen sind Egoismen. Sie erzeugen nur selbstreferenzielle Schönheitsbilder, die flüchtig sind und hierarchisch instrumentalisiert werden als Zeichen von Macht, Propaganda und Einflusssphären. Schönheit ist frei.

Vater,
lass uns erkennen, dass Du uns berufen hast, mit meinem Lebensstil im alltäglichen Handeln zu zeigen, dass Du der Schöpfer aller Schönheit bist im Grössten wie im Kleinsten und dass alles mit allem zusammenhängt.
Wir bitten Dich: öffne unsere Augen, nicht nur unsere schöne Kunstpraxis zu sehen und zu hören, sondern jede künstlerische Aktion im Verbund mit Deinem Auftrag, verantwortlich mit Deiner Schöpfung umzugehen, neu zu erkennen und daraus die zukunftsweisenden Konsequenzen zu ziehen, politisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich, in meinem eigenen Leben. Amen.

Text: Stephan Jon Tramèr

Stephan Jon Tramer
Stephan Jon Tramèr: Birth of the miracle * Geburt des Wunders
www.stephan-jon-tramer.ch

Konkurrenz – muss das sein?

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Concurrere heisst „zusammen laufen“ und ist eigentlich etwas Positives, wenn man sich gegenseitig ansport und ermutigt. Die Realität sieht oft ganz anders aus: Man überholt den anderen lieber und möchte ihn weit hinter sich zurücklassen. Konkurrenzdenken kann in Feindschaft umschlagen. Und das ist Gift: Gift für die Beziehung zum Nächsten, Gift für das eigene Leben und Gift in der Beziehung zu Gott. Und für Künstler oft sogar auch Gift für die Kunst. Ein erster (und der oft schwierigste) Schritt ist das Eingeständnis: Ich neige zu dieser Art von Konkurrenz-denken und Konkurrenz-Verhalten.
Bei einer der ersten Konferenzen unserer Musikerbewegung Crescendo am 27.5.1990 widmete sich der Psychologe Prof. Michael Dietrich diesem Thema. Seine Ausführungen sind nach wie vor aktuell. Hier eine Zusammenfassung:

„Menschen unserer Tage haben fünf grosse Strebungen, in denen sich das Konkurrenzdenken ausprägt. Bitte prüfen sie einmal bei sich selber nach, ob es sich so verhält oder nicht:

1.
Menschen wünschen sich eine optimale Verfügbarkeit über Geldmittel. Oder einfacher gesagt: Man will möglichst hohe Gagen.

2.
Menschen wünschen sich ein möglichst hohes soziales Prestige. Lieber ein grosser Sänger als ein einfaches Chormitglied sein!

3.
Menschen wünschen sich eine optimale Verfügbarkeit über andere. Wer wünschte sich nicht manchmal die «Macht» eines Dirigenten?

4.
Menschen wünschen sich auch ein hohes moralisches Prestige. Ich denke etwa an das Prestige, das aus der Organisation eines Benefizkonzerts erwächst.

5.
Menschen wünschen sich eine optimale Verwirklichung ihres Ichs im Sinne des Aufbaus einer Intimsphäre. Das heisst Menschen möchten auch alleine gelassen sein, Künstler wohl ganz besonders.

Wenn wir nun diese fünf Dinge zusammen sehen, dann müssen wir uns dessen bewusst sein, dass es sich dabei um eine allgemeinmenschliche Realität handelt, zu der wir stehen sollten. Wir alle kennen diese fünf Strebungen, – machen wir uns und anderen nur nichts vor. Auch die Jünger kennen ja die Frage: «Wer von uns ist grösser?»

Diese fünf Strebungen gehören zum Menschsein. Aber: Obwohl wir um den Sieg Christi am Kreuz wissen, obwohl wir auch eine persönliche Beziehung zu ihm haben, müssen wir damit rechnen, dass der «diabolos», der «Durch­einanderwerfer», aktiv wird und uns gerade in den genann­ten fünf Bereichen zu irritieren versucht. Vielleicht so zu irritieren versucht, dass diese Strebungen eine pervertierte Form des Konkurrenzdenkens annehmen, die uns geradezu krank macht.“

Gebet:
Herr, vergib, wo mein Konkurrenzdenken mich und die Beziehung zum Nächsten krank gemacht hat.
Ich vertraue Dir, dass Du mir genau jenes Mass an Erfolg gibst, das für mich gut ist. Und ich nehme es aus Deiner Hand, wenn Andere erfolgreicher sind.
Ich will sie nicht länger als meine Feinde sehen. Lehre mich, sie zu lieben. Lehre mich Demut.
Aber hilf mir auch, mutig weiter zu arbeiten und mein Bestes zu geben.
Du weißt auch, wo ich unter dem Konkurrenzdenken anderer und unter der Konkurrenzatmosphäre in Künstlerkreisen leide. Mach mich zum Werkzeug Deines Friedens! Dass ich Liebe übe, wo man sich hasst. Amen

Text: Beat Rink

Festival für Kunst und Kirche

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Ein Wort von Chris Daza, Malawi, führt fort, was im letzten TUNE IN über ARTreach gesagt wurde. Dazu einige Bilder von der schönen “Nacht des Glaubens. Festival für Kunst und Kirche” vom 2.Juni in Basel

„Kunst kann auf äusserst wirkungsmächtige Weise Gottes Wahrheit vermitteln – auch ohne das tragende Medium des Wortes. Aus unterschiedlichen Gründen können viele Menschen das unmittelbar verkündete Evangelium nicht mehr hören – oder noch nicht hören. Deshalb brauchen Millionen von Menschen aller Altersstufen einen Künstler. Nicht damit dieser sie mit Antworten anpredige, sondern damit er sie in ihren Fragen begleite und geleite – ein Maler, ein Sänger, ein Komponist, ein Musiker, ein Tänzer, ein Bildhauer, ein Dichter. Er wird ihren Fragen Gestalt verleihen. Er wird Aspekte der Schöpfung filigranartig sichtbar machen. Er wird den Kunstempfänger dazu bringen, seinen kleinen Finger auszustrecken, um zu versuchen, das Unsichtbare anzurühren; er wird seine Vorstellungskraft bewegen und ihn einladen, eine Wirklichkeit hinter dem augenfällig Vordergründigen zu entdecken.“

NdG 2017
NdG 06.2017

Artreach: ein prophetisches Wort

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Es gibt heute noch wegweisende prophetische Worte. Sie verdienen besonders dann unsere erhöhte Aufmerksamkeit, wenn sie etwas Neues sagen. Vor Jahren hatte der Musiker Scott McLeod auf einer Reise durch die Schweiz eine Vision. Vor dem Löwendenkmal in Luzern bekam er ein prophetisches Wort. Dies schlug sich in einem dünnen Büchlein nieder. Nun müssen solche Worte natürlich sorgfältig geprüft werden. Die Schrift „Der Löwe des Lichts“ ist durch viele Hände gegangen und von zahlreichen Lesern „geprüft“ worden. Obwohl 2001 geschrieben und als „Wort an die Schweiz“ formuliert, in dem unter anderem die Abkehr vom Mammon angemahnt wurde, ist die Prophetie immer noch gültig und in manchen Teilen über die Schweiz hinausweisend. Er spricht dort unter anderem von der zentralen Rolle, die Künstler im Missionsfeld spielen werden.
Der folgende verwandte Text über „Artreach“ (= Art + Outreach / Missionseinsatz) war Teil einer anderen kleinen Schrift von Scott MacLeod:

„Es gibt ein neues Phänomen, das in Kirche und Welt Einzug halten wird. Man wird es «Art­reach» nennen. Was bedeutet «Artreach»? Es ist eine Form von Evangelisatiosseinsatz, die stark von göttlicher Kreativität ge­prägt sein wird. In der nächsten Phase der Kirchengeschichte wird «Artreach» die zentrale Methode sein, mit der wir der Welt das Evangelium bringen können. Gott wird vom Heiligen Geist inspirierte Kreativität einsetzen; sein Volk wird sie verbreiten und so Menschen in aller Welt erreichen. «Denn die Erde wird voll werden von Erkenntnis der Ehre des HERRN, wie Wasser das Meer bedeckt.» (Habakuk 2,/4)Wir gehen auf eine Zeit zu, in der die Gemeinde Jesu durch die Kreativität Gottes gestärkt und belebt wird!
Der Heilige Geist ist hinter den Kulissen an vielen kreativen Orten bereits am Werk: in Hollywood, in Nashville, in Austin/Texas, in Belo Horizonte, in Zürich, in Berlin, in Vancouver eben­so wie in vielen anderen Zentren der kommenden Renaissance. Gott will die Künste gebrauchen, um die Herzen der Menschen anzusprechen. Wenn ich von den Künsten spreche, dann meine ich Kunst in ihrer ganzen Vielfalt. Die Künste und die Medien sind eines der zentralen Schlachtfelder zwischen Licht und Finsternis – und das Evan­gelium vom Licht wird die Dunkel­heit überwinden!…
Der Herr ist dabei, sich eine Streitmacht zusam­menzustellen, die durch eine intensive Zeit der Vorbereitung geht, die nicht selten mit grossen persönlichen Misserfolgen verbunden ist. Als Frucht dieser Erfahrungen werden die betref­fenden Menschen eine grosse Demut und Gebrochenheit besitzen. Diese Menschen, die von Gott inspi­riert sind, werden auf völlig unkon­ventionelle Art und Weise handeln, weil sie dem Geist Gottes folgen und sich nicht von zeitlich begrenzten Er­folgen, Ruhm oder Reichtum abhän­gig machen.“

Buchbestellung “Löwe des Lichts”: LINK

Text: Beat Rink

Kunst und Weisheit III

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Salomon / Amenemope

Christen am Rand?!

Ein Freund von mir, der viele christliche Bücher geschrieben hat, suchte bei einer der weltweit grössten Buchmessen die christlichen Verlage auf. In einer grossen Halle, die für „Religionen“ reserviert war, fand er supermoderne, beeindruckende Stände. Besonders attraktiv präsentierten sich die Esoteriker und die Okkultisten. Nach langer Zeit fand er die Christen. In einem Winkel gab es einen kleinen Sammelstand verschiedener Verlage, der sehr unbeholfen und eigentlich peinlich wirkte. Warum sind wir Christen oft so am Rand? Warum will die Welt unsere „Weisheit“ nicht? Weil die „Welt“ uns nicht mag? Weil da „geistlicher Kampf“ ist? Kann sein. Aber da gibt es noch andere Gründe…

Amenemope in der Bibel
Lesen wir in den Sprüchen Salomos, so fällt auf: Da ist selten von Gott die Rede. Viele Sprüche beziehen sich auf allgemeine Lebensfragen. Ebenso gut könnten sie von einem Nicht-Gläubigen geschrieben sein. Und noch erstaunlicher: In Sprüche 22,17-23,11 finden wir Teile aus dem ägyptischen Weisheitsbuch des Amenemope. Eigentlich seltsam, dass biblische Schreiber ohne Probleme Texte aus einer anderen Kultur und Religion übernehmen konnten. (Immerhin werden darin keine anderen Götter angesprochen) Das heisst: Salomo dachte welt-offen. Denn er wusste: Es gibt Weisheit in der Welt. Aber noch wichtiger: Gottes Weisungen sind eine Hilfe für die Welt.

Weltfremdes Christentum
Diese Offenheit gegenüber der Welt überrascht. Wir vermissen sie in christlichen Kirchen leider nur zu oft. Die Folgen davon sind eben: Christen sind in der Öffentlichkeit kaum präsent. Und wenn sie präsent sind, ist es oft peinlich. Christen haben in der Welt nichts Substantielles zu sagen. Für die Probleme der Welt finden sie entweder keine Antworten oder mischen sich schon gar nicht in den Diskurs ein. Christen bewegen sich in einer Subkultur. Kirchen sind für viele Menschen eine andere, unzugängliche Welt. Christen haben eine tiefsitzende Berührungsangst mit der Welt. Und ganz praktisch: Unsere Kirchengebäude werden immer schöner und teurer, weshalb das Geld für einen guten Auftritt in der Öffentlichkeit nicht mehr reicht.
Besonders Künstler, die sich sowohl in den Kirchen als auch im säkularen Raum bewegen (und gerade jene, die Kunst und Kirche in Verbindung bringen wollen!), leiden darunter.

„Weite des Herzens“
Zurück zur Weisheitsliteratur in der Bibel. Sie ist sehr weltoffen. 1Könige 4,29 nennt dies „Weite des Herzens“: „Und Gott gab Salomo Weisheit und sehr viel Verstand und Weite des Herzens, wie der Sand, der am Meeresufer liegt.“ Wie ist diese „Weite des Herzens“ möglich?

„Furcht des Herrn“
Je tiefer die Wurzeln eines Baumes sind, umso weiter können seine Äste sich ausbreiten. Die biblische Weisheit hat eine sehr tiefe Wurzel: „Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis. (Sprüche 1,7)“ „Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang; sie macht alle klug, die sie üben. (Psalm 111,10)“ Man kann „Furcht des Herrn“ modern so übersetzen: Die oberste Lebenspriorität ist Gott und die Liebe zu ihm. Gottesfurcht überwindet die Angst vor der „Welt“. Sie macht mutig! Und sie macht weise!

Mutiges, weltoffenes Christentum
Die Folgen davon sind: Christen wissen, dass die Welt Gott braucht. Christen lassen sich von der Weisheit Gottes und vom Heiligen Geist leiten. Christen werden mutig. Christen werden in der Welt „gehört“ und finden auch für das Evangelium offene Türen. Ich vermute, dass gläubige Künstler darin sogar Vorbilder und Vorreiter für andere Christen sein können.

Herr, gib mir Weltoffenheit. Vergib, wo ich zu ängstlich war und zu wenig gegründet in Dir. Lass mich an Mut, an Weisheit und vor allem in der Liebe zu Dir wachsen. Amen

Text: Beat Rink

Prix Plus 2017

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Der PRIX PLUS 2017 geht im 2017 als Anerkennungspreis an Eric Rütsche und die Ausstellungsmacher von Contact 4th.

Eric Rütsche
ARTS+ überreicht Eric Rütsche den PRIX PLUS Anerkennungspreis 2017 für seine Verdienste als Initiant und Leiter des Kulturhauses Guggenheim Liestal. Das Kulturhaus Guggenheim hat sich innert kürzester Zeit als Kleinkunstbühne und zusammen mit dem Restaurant mooi und dem Kulturhotel als Begegnungsort etabliert, der aus der basellandschaftlichen Hauptstadt nicht mehr wegzudenken ist. Die christliche Grundhaltung des Initianten ist prägend und in der Programmgestaltung, unter anderem durch den Einbezug von Kunst mit theologischen Themen, immer wieder erkennbar. Sie verleiht nach Überzeugung von ARTS+ dem Kulturhaus eine besondere Ausstrahlung. Der Preis ist mit 1000 CHF dotiert. Link: GuggenheimLiestal

Contact 4th
ARTS+ überreicht den PRIX PLUS Förderpreis 2017 den Ausstellungsmachern von Contact 4th und ihrem Initianten Reto Scheiber.
Mit der Ausstellung in der Luzerner Matthäuskirche zum Thema „Gnade“ gelang es dem Team von Contact 4th, diesen zentralen christlichen Begriff mit den Mitteln der zeitgenössischen Kunst aufzugreifen und in der Öffentlichkeit die Diskussion darüber anzuregen. Der Preis ist mit 500 CHF dotiert. Link: RefStadtLuzern

Die Preisübergabe fand am 2. Juni um 18.00 Uhr anlässlich der Eröffnung der “Nacht des Glaubens. Festival für Kunst und Kirche” auf dem Münsterplatz Basel statt.

Kunst und Weisheit II

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Der Zorn des Elhu (1805) von William Blake

Wenn wir „Kunst“ mit der biblischen „Weisheits-Lehre“ verknüpfen wollen (siehe TUNE IN 218), so lautet eine wichtige Frage: Wie und in welcher Form empfangen wir Weisheit? Oder eben: Wie und in welcher Form empfangen wir „Kunst“?

Hauch, gärender Wein und Geistesgabe
Eliphas, einer der Freunde Hiobs, berichtet in Kapitel 4, wie Gott ihm ein Wort der Weisheit schenkt. Es ist eine starke nächtliche Inspiration: „Ein Hauch ging über mein Gesicht; es standen mir die Haare zu Berge an meinem Leibe.“ (15) Hier ist Gottes Geist am Wirken. Elihu (Hiob 32) sagt Ähnliches. Er ist jung und scheut sich deshalb zunächst, vor der „Weisheit des Alters“ den Mund zu öffnen. Aber dann ergreift er doch das Wort: „Der Geist ist es in den Menschen und der Gottesodem, der sie klug macht. Nicht immer sind die betagten Weise…(8f.) Ach! Betroffen stehen sie da und können nicht mehr antworten, sie wissen nichts mehr zu sagen. Und da soll ich warten, weil sie nicht mehr reden… ? (15f.) Denn ich bin voll von Worten, weil mich der Geist in meinem Inneren bedrängt. Siehe, mein Inneres ist wie Wein, den man nicht auslässt und der die neuen Schläuche zerreisst“ (19f.).
Die Weisheit wird also von Gottes Geist geschenkt: In einem Augenblick (Bild: Hauch / Eliphas), im Verlauf eines zunehmenden Erkenntnisprozesses (Bild: gärender Wein / Elihu) oder als ein dauerhaftes Geschenk (Bild: Geistesgabe: Bezalel, Salomo – und neutestamentlich im 1.Korinther 12,8: „Einem wird gegeben durch den Geist, zu reden von der Weisheit“).

„Habe Umgang mit Weisen, so wirst du weise“
In der Bibel finden wir auch andere Aussagen über die Herkunft von Weisheit. Dort ist „Weisheit und ihr Erwerb ist … eine Sache des Menschen und steht jedem offen.“ (Gerhard von Rad). So ist der Schüler ist in der Lage, Weisheit zu erwerben („wer sich etwas sagen lässt, der wird klug“ Spr. 15,32), der Umgang mit Weisen macht weise (13,20) und notfalls „gibt der Stock Weisheit“ (29,15) – etwas, was mit der modernen Pädagogik glücklicherweise nicht mehr kompatibel ist.

Geist oder harte Arbeit?
Ist Weisheit (und Kunst) nun also eine Geistesgabe oder die Frucht harter Arbeit? Der gläubige Mensch kommt zum Schluss: Beides! Und zwar beides im Gleichgewicht zueinander. Denn sowohl unser natürliche Denk- und Lernfähigkeit als auch besondere Begabung und Inspiration kommen von Gott. Dazu müssen wir bedenken: Wenn die Bibel von Weisheit spricht, meint sie noch nicht dasselbe wie Kunst, obwohl zwischen beiden ein enger Zusammenhang besteht. Denn Kunst braucht erst recht ein Können, das nur durch harte Arbeit angeeignet wird. Und sie braucht das ehrliche Feedback anderer. Und sie braucht eine Weisheit (und Demut) höherer Ordnung, die etwa fragt: „Reicht meine Begabung für die grosse Bühne oder nur für einen Beitrag im Familienkreis?“
Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen: Der Heilige Geist möchte uns immer wieder inspirieren – und überhaupt: ganz erfüllen. Der baptistische Schweizer Erweckungs-Prediger Markus Hauser (1849-1900) schrieb: „Die Mehrheit der Jünger will nichts wissen von der Geisterfüllung. Es ist dies ein Unrecht gegen Gott, den Heiligen Geist.“
Darum ist es wichtig, dass auch wir Künstler uns danach sehnen und immer wieder darum bitten, dass der Heilige Geist uns erfüllt und inspiriert.

Text: Beat Rink

Kunst und Weisheit

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Auf der Suche nach „Kunst in der Bibel“ müssen wir nicht lange suchen. Die Bibel selbst ist in weiten Teilen ein literarisches Kunstwerk, und sie berichtet immer wieder von Kunst.

Gibt es eine biblische „Theologie der Kunst“?
Finden wir in der Bibel aber auch eine „Theologie der Kunst“? Nein, nicht explizit. Wir finden jedoch Erzählungen über die Entstehung von Kunstwerken. Und dieser „narrativen Theologie“ lässt sich sehr viel abgewinnen, was zeitlose Geltung hat. Die Schöpfungsgeschichte berichtet von der Entstehung des grössten „Kunstwerks“. Gott tritt hier sozusagen als Künstler auf. Genesis 11 erzählt dann vom lächerlichsten und zugleich verheerendsten Kunstwerk: dem Turmbau zu Babel. Und im 2.Buch Mose lesen wir von der Erbauung der Stiftshütte. Dort (und auch an anderen Stellen) finden wir eine interessante Verbindung zwischen Kunst, Heiligem Geist und Weisheit.

„Und sollst reden mit allen, die eines weisen Herzens sind, die ich mit dem Geist der Weisheit erfüllt habe, dass sie dem Aaron Kleider machen…“
(2.Mose 28, 3)

„Siehe, ich habe mit Namen berufen Bezaleel, … und habe ihn mit dem Geiste Gottes erfüllt, mit Weisheit und Verstand und Erkenntnis und mit allerlei Fertigkeit, Erfindungen zu machen und sie auszuführen in Gold, Silber und Erz…“
(2.Mose 31, 2-4)

„Und Gott gab Salomo Weisheit und sehr viel Verstand und Weite des Herzens, wie der Sand, der am Meeresufer liegt. … Und er redete dreitausend Sprüche; und seiner Lieder waren tausendundfünf.”
(1Kö 4,29+32)

Weisheit in Israel
Wo die Bibel von „Weisheit“ spricht, öffnet sich ein weiter Horizont. Es wäre interessant, diesen auch im Blick auf die „Kunst“ auszuloten. Was sagt die Bibel über „Weisheit“, was auch für Kunst und Künstler wichtig ist? Wir gehen dieser Frage hier und in weiteren TUNE INs nach. Der deutsche Alttestamenter Gerhard von Rad (1901-1971) hat mit dem Buch „Weisheit in Israel“ dazu 1970 ein Standardwerk geschrieben.

Weise = nahe an der Wirklichkeit

Er hebt darin zum Beispiel hervor, dass Weisheit immer mit der Lebenswirklichkeit zu tun hat. Sogar die poetischsten Texte der Bibel (die Psalmen) kreisen um die Wirklichkeit und sind „voller Leben“. Biblisch verstandene Weisheit ringt um die Wahrheit – und zwar nicht abgehoben, fern von aller Lebens-Wirklichkeit, sondern mit einem tiefen Bezug zur Realität. Man kann daraus folgern: „Weisheitiche Kunst“, die von Liebe bewegt ist, wendet sich der Realität des Menschen zu.

Wirklichkeits-feindliche Tendezen in der modernen Kunst

Schon im 18.Jahrhundert sagte der Philosoph Jean-Jacques Rousseau: Die Phantasie hat das Recht, etwas zu schaffen, was noch nicht existiert. Und dieses kann höher bewertet werden, als was tatsächlich existiert. (Confessions II,9). Alles Innerliche ist für ihn wichtig – auch die innere Zeit, und in der Verlängerung dieses Gedankens üben manche Künstler Kritik an der Uhr. Die Uhr steht für etwas, was vorgegeben ist und uns bestimm – und das muss weg! (In den Bildern von Dali gibt es haufenweise schmelzende Uhren.) Besonders im 19. Jahrhundert zeigen sich dann starke künstlerische Tendenzen, die sich bewusst von der Wirklichkeit abkoppeln. So etwa in den Gedichten von Baudelaire, Rimbaud, Mallarmée oder Garcia Lorca.
Und interessanterweise fühlen sich dann immer mehr Künstler von den östlichen Religionen angezogen, die der Wirklichkeit mit grundlegender Skepsis begegnen.

(Andererseits kann selbst der verrückteste Fantasy- oder Science-Fiction-Roman oder eine abstrakte Malerei und erst recht Musik sehr viel über unser Leben aussagen!)

Die Frage ist:
Wo wird Kunst lebensfern und damit sogar lebensfeindlich?
Wo müsste sie neu „weisheitlich“ werden?
Wie erleben wir das Verhältnis zwischen Kunst und Wirklichkeit?

Text: Beat Rink

Nacht des Glaubens

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Mittlerweile steht das Programm fest.

Über 25 Veranstaltungen an 10 Orten auf dem Münsterplatz und im Münster in Basel finden am 2. Juni 2017 zwischen 17.00 – 23.00 Uhr statt. Von Rock, Pop, Jazz, Klassik über Tanz und Theater bis zu visueller Kunst und Literatur ist alles vertreten.

Komm vorbei und lass dich von dieser kreativen, künstlerischen Vielfalt begeistern.

Weitere Infos: http://nachtdesglaubens.ch/

„Gott hat hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben“

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Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) als Gefangener – Statue von Fritz Fleer (1921-1997) bei der St.Petri-Kirche in Hamburg

“Nun aber spiegelt sich in uns allen des HERRN Klarheit mit aufgedecktem Angesichte; und wir werden verkläret in dasselbige Bild von einer Klarheit zu der andern als vom Geist des HERRN.” (2.Korinther 3,18)

“Denn Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, daß durch uns entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi.”
(2.Korinther 4,6)

Vor einigen Tagen kam meiner Frau Airi auf der Strasse ein Hindu entgegen, sofort erkennbar an seinem grossen Turban. Sie sah ihn von weitem kommen. Einige Meter vor ihr blieb er stehen und sagte laut: „Sie haben eine helle Aura! Da, über ihrem Kopf. Sie müssen eine glückliche Person sein!“
Verwundert blieb auch meine Frau stehen und fragte: „Warum sagen Sie das?“ – „Einfach so“, entgegnete der Mann, „weil dies besonders ist“.
Woher sie diese Aura wohl habe, wollte sie wissen.
„Oh, vielleicht von ihrem Grossvater. Der war sicher ein besonderer Mensch! Oder sie sind ein heiliger Mensch“.
Meine Frau lächelte und sagte: „Nein, das hat nicht mit meinem Grossvater zu tun. Und auch nichts mit mir selber. Ich bin Christin. Es kommt von Jesus Christus.“ – Da wurde der Hindu ernst.
Meine Frau fügte noch hinzu: „Und ich wünsche auch Ihnen viel Segen von Gott.“ Der Mann ging nachdenklich weiter.

Das Interessante an diesem Erlebnis war, dass sich meine Frau beim Gang durch die Strasse, gerade vom Einkauf kommend, überhaupt nicht „besonders“ fühlte. Was dieser Mann sah, hatte allein mit Jesus Christus zu tun! Dass dieser Mann überhaupt ihre „Aura“ sehen konnte, ist ebenfalls seltsam. „Aura“ ist kein Wort, das im christlichen Sprachschatz vorkommt, und wir sollten uns auch nicht mit solchen Dingen beschäftigen. Sie lenken nur vom Wesentlichen ab.
Das Wichtige ist: Christus lebt in allen, die ihm dies erlauben!

Menschen erfahren bei uns Christen immer wieder etwas „Besonderes“, selbst dann, wenn wir uns gar nicht besonders „heilig“ fühlen. Das berühmte Gebet von Dietrich Bonhoeffer „Wer bin ich? spricht in sehr eindrücklicher Weise davon. LINK

Auch in einem Bild, in einem literarischen Text, in einer Choreografie, in einem Theaterstück oder in einem Konzert kann etwas von Christus erfahrbar werden kann. Dies selbst dann, wenn Christus gar nicht explizit vorkommt.
Es überhaupt nicht falsch, den Glauben in einem Kunstwerk zu thematisieren, wenn dies künstlerisch überzeugend geschieht.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber „Authentizität“, um dieses Modewort zu gebrauchen. Man kann nämlich ein Kunstwerk auch „christlich aufpeppen“, ihm einen „christlichen Touch“, einen fromm-emotionalen Anstrich geben. Aber ist es dann wirklich Christus, der „sichtbar“ wird – oder eher unser eigenes Tun? (Sicher: Gott in seiner Gnade kann selbst durch unser „frommes Spiel“ hindurch wirken. Aber er möchte uns zugleich von allem unechten „Schein“ befreien!)
Dasselbe gilt für unser Leben: Auch das Christ-Sein können wir recht gut „spielen“. Wir wissen zum Beispiel, wie wir uns am Sonntagmorgen zu benehmen haben. Oder wir orientieren uns an Frömmigkeitsformen anderer Kulturen und ahmen sie fleissig und manchmal auch angestrengt nach.

Fazit:

1.Authentizität, Echtheit gewinnen wir dann, wenn wir uns immer wieder in Erinnerung rufen: Christus lebt in uns.

2. Wir müssen dann das Christ-Sein nicht „spielen“. Umso natürlicher dürfen wir dann die Gemeinschaft mit unserem Herrn pflegen und ihm erlauben, uns „in sein Bild“ zu verwandeln.

3. Dies gilt auch für unsere Kunst.

Text: Beat Rink

Ein Gotteslob für die Gabe der Musik – “I make Melody”

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“Crescendo Summer Institute” 2016: MARCEL ZWITSER I make Melody subtitled 1

Gegen Ende des “Crescendo Sommerinstituts” 2016 führte der Institut-Chor unter der Leitung von Matthew Lind zum ersten Mal eine Hymne auf, die Marcel S. Zwitser eigens für diese Gelegenheit geschrieben hatte. Dr. Marcel Zwitser ist Musikwissenschafter und hält seit 2010 Vorträge im Sommerinstitut. Da das 14. Institut vor der Tür steht (es findet vom 24. Juli bis zum 7. August 2017 statt), geben wir hier einige Kommentare des Komponisten weiter:

“Im “Crescendo Sommerinstitut” 2015 – um es genauer zu sagen: während des ersten “Candle Lit Worship” – wurde mir auf einmal bewusst, dass es in unserem Gesangbuch keine christliche Version von ABBAs “Thank you for the musicgibt. Ich empfand dies als Defizit, speziell in einem solchen Sommerinstitut, das sich als christliches Projekt versteht. Wenn wir davon überzeugt sind, dass es zu den zentralen Werten des christlichen Lebens gehört, Gott mit Danksagung zurückzugeben, was wir aus Seiner Hand empfangen haben, dann gilt dies ganz besonders für die Musik. Die Musik gehört schliesslich zu den wichtigsten Gaben, die wir zum Lob Gottes erhalten haben.
Zwar hatte ich damals noch nicht die Absicht, ein Loblied zu schreiben; doch empfand ich von jenem Abend an das Defizit immer stärker.

Am 22. März 2016 kam mir dann die Idee zu diesem Lied. Tief betroffen von den Nachrichten über die Terroranschläge in Brüssel vom Vorabend, fragte ich mich, was ich diesem Akt von Tod und Zerstörung entgegensetzen könne. Kaum hatte ich beschlossen, meine Antwort mit dem Bekenntnis zu Leben und Kreativität zu verbinden, begann die Inspiration für Text und Musik zu fliessen. Lose Bruchstücke der Melodie waren bereits früher beim Improvisieren am Klavier aufgetaucht; nun aber fügten sie sich zu einer einheitlichen Melodie zusammen. Zur Musik traten nach und nach die Verse – zu meiner grossen Überraschung, da ich noch nie zuvor einen englischen Hymnentext verfasst hatte. Schon sehr früh stand der Titel fest: “I make Melody“.
Die Musik war dann (inklusive Notation) in zwei Tagen fertig. Der Text hingegen kostete mich – als Nicht-Muttersprachler – noch zwei weitere Wochen und gelang schliesslich nur dank der Hilfe eines kanadischen Freundes, der mir bei der korrekten Verbalisierung meiner Gedanken half. Eine Randbemerkung: Während ich dieses Lob auf Gottes Gabe der “musikalischen Kreativität” verfasste, hatte ich noch keine Ahnung vom Gesamtthema des “Crescendo Sommerinstituts 2016”. Es lautete ‘Kreativität’.

Als der Chor mit den Proben anfing, wurde mir schnell klar, dass die Sänger in der vorhandenen kurzen Zeit mit meiner Komposition überfordert waren. Ursprünglich ist I make Melody ein vierstimmiger Satz, wobei besonders die Harmonien im Refrain recht schwierig sind. Deshalb entschied man sich für die Unsiono-Wiedergabe des Refrains. Die Eröffnung wollte ich als Dialog zwischen vier Solisten gestalten, die sich gegenseitig in Erinnerung rufen, wofür wir Gott danken können (‘For the depth of harmony’ usw.), worauf der ganze Chor viermal und dann noch einmal antwortet (‘I praise You, Lord’) – ähnlich wie in den responsorischen Gesängen der katholischen und den orthodoxen Ostkirchen. Der Refrain ist ein fast tänzerischer Freudenhymnus, der im Idealfall von verschiedenen Melodie-Instrumenten und einem Drumset begleitet wird.

Das Lied wurde speziell für die Mitarbeiter, die Lehrer und die Studenten des “Crescendo Sommerinstitut” geschrieben und ist ihnen gewidmet. Es möge dazu dienen, Gott für die Gabe der Musik auf musikalische Weise zu danken. Und I make Melody möge seinen Weg in die Herzen all der Teilnehmer des “Crescendo Summer Institute” finden – in welcher Rolle sie auch mitwirken.

Dr. Marcel S. Zwitser / Übersetzung: Beat Rink

Crescendo Summer Institute

www.crescendohungary.org

Ostergrüsse

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Haydn – The Seven Last Words – Hodie mecum – Piano version

Zu Ostern wünschen wir unseren TUNE IN-Lesern von Herzen alles Gute und viel Segen – mit einer schönen musikalisch-visuellen Impression, den die junge italienische Musikologin und Pianistin Chiara Bertoglio* zusammengestellt hat. Sie schreibt dazu:

Für alle, für jene, die glauben und andere, die nicht glauben, ist Ostern die Einladung, seinen Blick in die Höhe zu richten und einen Horizont ins Auge zu fassen, der Hoffnung gibt – Hoffnung, dass das Böse nie das letzte Wort haben wird. Deshalb möchte ich meine Grüsse mit einem Musikstück von Haydn verbinden, das von der Begegnung Christi mit dem reuigen Schächer am Kreuz spricht. Wenn sogar dort Hoffnung aufkeimen und die Verheissung auf neues Leben Raum gewinnen konnte – dort, an einem Ort voller Verzweiflung, voller Schmerz und Einsamkeit – , dann kann Ostern jedem von uns Hoffnung bringen.

*www.chiarabertoglio.com

Was ist heute meine Motivation?

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Es bringt gewisse Vorteile mit sich, wenn die eigene Frau Theologie studiert. Zum Beispiel, dass man miteinander endlose theologische Diskussionen führen kann. Natürlich vorausgesetzt, man mag das. Letzte Woche war meine Frau mit der Studienlektüre etwas in Verzug. Da wir lange mit dem Auto unterwegs waren, schlug sie vor, die Texte laut vorzulesen. Eine wundervolle Idee! Vor allem weil das Thema Martin Luther King Jr. (1929-1968) lautete und ich so in den Genuss kam, vier seiner Reden zu hören. Bis dahin hatte ich nur einige Dinge über ihn gewusst: Dass er ein Held der „Civil Rights“-Bewegung gewesen war und die Rede I have a dream gehalten hatte. Es war unglaublich! Die letzte Rede, die mir meine Frau vorlas, rührte mich zu Tränen. So sehr packte mich die Botschaft. Es war die letzte Rede vor seiner Ermordung. Es lohnt sich, die Rede zu lesen oder sich anzuhören. Hier der LINK dazu.

Was hier über den egoistischen „Tambourmajor-Instinkt” gesagt wird, bewegte mich zutiefst. Es ist offensichtlich schwierig, das eigene Ego zu zügeln. Im Extremfall verhält es sich damit so: Hast du zu wenig Selbstbewusstsein, wirst du assozial und depressiv, weil du niemanden mit deiner Gegenwart belasten willst. Hast du zu viel davon, wirst du asozial und depressiv, weil niemand mit dir etwas zu tun haben will. Lasst mich kurz mit Martin Luther Kings Worten erklären, was mit dem der “Tambourmajor-Instinkt” gemeint ist: Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass wir alle den Tambourmajor-Instinkt haben. Wir alle wollen wichtig sein, andere übertrumpfen, Einzigartigkeit beweisen und die Parade anführen.

In meinem eigenen Leben machte sich der der “Tambourmajor-Instinkt” am ehesten dort bemerkbar, wo ich den Klassen-Kaspar spielte und spiele. Menschen, die mich gut kennen – und auch ehemalige Klassenkameraden – können dies bestätigen. Ich wollte immer der Klassenclown sein. Statt über das jeweilige Unterrichtsthema nachzudenken, war ich immer dabei, mir einen Witz oder ein Wortspiel auszudenken. Manche waren lustig, andere weniger. Wenn ich dann vor die Klasse treten musste, um etwas zu präsentieren, war es immer seltsam, denn ich fühlte mich unwohl und verhielt mich zugleich schüchtern. Das hat sich natürlich etwas verändert, aber nicht vollständig.

Als Musiker fühle ich mich manchmal zwischen Selbstkritik und dem dringenden Wunsch, auf der Bühne zu stehen, hin- und hergerissen.
Natürlich bin ich weit von jener technischen Perfektion entfernt, die mir vorschwebt. Trotzdem will ich mich musikalisch ausdrücken, denn das habe ich gelernt, und das ist mein Beruf. Seit ich im Ausland lebe, merke ich, wie sehr dies auch mit meiner kulturellen Herkunft zu tun hat: Mit dem typisch elitären Denken, das in Frankreich herrscht. Dort bewirkt der gesellschaftliche Druck nicht selten, dass man sich als völlige Null fühlt, nur weil man nicht mit absoluter Bestnote an der renommiertesten Schule abgeschlossen hat. Gleichzeitig wächst man mit der Devise auf: Wir haben die beste Architektur, das beste demokratische System, die besten Weine, den besten Käse, die besten Skiorte…

Deshalb möchte ich heute vor allem zwei Dinge tun:
Ich will mir selbst sagen, dass es völlig in Ordnung ist, aufzutreten, selbst wenn ich nicht über das technische Niveau verfüge, das manch andere Musiker haben, die ich bewundere.
Zweitens will ich meinen Tambourmajor-Instinkt umpolen und ihn für höhere Ziele einsetzen. Ich will ein Tambourmajor sein für Gerechtigkeit, Friede und Rechtschaffenheit. Das soll die Motivation für meinen Alltag sein.

Text: Jean Chaumont, Jazz-Musiker
Übersetzung: Johanna Schwarzl

Ganzer Text HIER

Sich als Christ „outen“?

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www.nachtdesglaubens.ch

Ein Projekt, in dem Künstler den Glauben thematisieren: “Nacht des Glaubens. Festival für Kunst und Kirche” Willkommen!

Vor einigen Tagen sagte mir ein Ökonomie-Professor: „Es ist gut, wenn ihr euch mit eurer christlichen Künstlerarbeit „sichtbar“ macht. Erst so können Menschen, die euch suchen, auf euch aufmerksam werden und sich mit euch in Verbindung setzen.“
Was völlig banal klingt und werbetechnisch eine Selbstverständlichkeit ist, ging mir nicht mehr so schnell aus dem Kopf. Ist es denn nicht ohnehin eine Selbstverständlichkeit – auch für Kirchen und sogar für jeden Christen -, dass wir uns „sichtbar“ machen?

Und trotzdem: Das ist gar nicht so einfach.
Wir bewegen uns zwar in einer Gesellschaft, die keine Mühe hat mit dem Outing verschiedenster Lebensentwürfe, sexueller Orientierungen und Weltanschauungen. Die Toleranz kennt keine Grenzen. Outing ist sogar wichtig, denn es wird erwartet, dass man transparent ist. Ansonsten zieht man den Verdacht auf sich, etwas verschweigen zu wollen. Aber unsere Gesellschaft (auch die Kulturszene?) tut sich eher schwer mit Menschen, die sich als Christen „outen“.

Warum?
Weil Christen in die Kategorie der intoleranten und vielleicht sogar gefährlichen, mit einer Gehirnwäsche versehenen Fundamentalisten gehören? Oder weil nach jedem „Outing“ gleich ein missionarischer Wortschwall befürchtet wird? Oder einfach, weil sie als altmodisch, als langweilig, als politisch und weltanschaulich erzkonservativ gelten und gegen alles sind, was Spass macht?
Und wie steht es in Künstlerkreisen? Welche Attribute verbindet man hier mit Christen? Etwa künstlerisch minderwertig, antiquiert, verkrampft…?

Diese Vorurteile sind eigentlich schon Grund genug, sich nicht als Christ zu erkennen zu geben. Das Schlimme daran ist nämlich, dass einige dieser Vorurteile auf Christen tatsächlich zutreffen. Dann ist es eigentlich das Klügste, das Christ-Sein ganz zu verschweigen. Nicht nur aus Selbstschutz, sondern gerade auch um des Evangeliums willen.

Oder doch nicht?

Es gibt auch andere Erfahrungen: Kürzlich meinte ein Psychiater, der auch Theologe ist: „In einem Therapiegespräch kann es vorkommen, dass ein Klient etwas scheu sagt: „Sie sind auch Theologe, oder? Ich hätte da eine Frage…“. Und dann geht das Gespräch auf einer ganz anderen Ebene weiter.“
Ich selber „oute“ mich keineswegs überall als Christ. Und ich bin vor allem gegen jedes zwanghafte „Verkündigen“. Aber wenn es sich ergibt, erzähle ich gern von meinen Tätigkeiten – und von dem, was mich bewegt. Eine Friseuse meinte kürzlich, das Gespräch über den Glauben sei eine göttliche Fügung gewesen. Der Einstieg ins Gespräch war denkbar einfach. Ich fragte: „Was meinen Sie, was ich beruflich tue?“ Irgendwie macht es mir sogar Spass, Leute zu provozieren, indem ich mich als Christ „oute“ und etwas vom christlichen Glauben erzähle. Zum Beispiel, indem ich von den nächsten (künstlerischen) Projekten in der Kirche spreche. Oder in diesen Tagen von der “Nacht des Glaubens. Festival für Kunst und Kirche”. Oder wenn jemand eine Not klagt, kann man so gut anbieten: „Ich bete für Dich – wenn Du willst, gleich jetzt…“.

Spannend wird es dort, wo Vorurteile über Christen (mögen sie wahr sein oder falsch) einer neuen Erfahrung weichen; wo auf einmal der Heilige Geist ein Gespräch ermöglicht – mit offenem Ausgang.

Grossartig ist in diesem Zusammenhang der folgende Bibeltext mit einem Gebet, das wir auch zu unserem eigenen machen können:
In Apostelgeschichte 3 und 4 lesen wir, wie Johannes und Petrus einen gelähmten Mann heilen. Als alle fragen, wie das geschehen konnte, sagen sie: „Glaubt ihr denn, wir hätten diesen Gelähmten aus eigener Kraft geheilt oder weil wir so fromm sind?“ – und sie beginnen dann, von Jesus zu sprechen. Sie werden verhaftet, ins Gefängnis geworfen und anderntags dem Hohen Rat vorgeführt. Auch dort erzählen sie von Jesus. Als ihnen verboten wird, die Botschaft weiter zu verbreiten, antworten sie: „Wir können unmöglich verschweigen, was wir gesehen und gehört haben!« (4,20)
Dieser Mut, zusammen mit der unumstösslichen Tatsache des Wunders und der Tatsache, dass sich inzwischen viele Menschen in Jerusalem bekehrt haben, überfordern nun die Machthaber. Sie lassen Petrus und Johannes los.
Die Gläubigen, zu denen die beiden nun zurückkehren, beten: „Hilf allen, die an dich glauben, deine Botschaft mutig und unerschrocken weiterzusagen. Zeig deine Macht! Lass Heilungen, Zeichen und Wunder geschehen, wenn wir den Namen von Jesus, deinem heiligen Diener, anrufen!” Nach ihrem Gebet bebt die Erde an dem Ort, wo sie zusammengekommen waren. Und es heisst: „Sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und verkündeten furchtlos Gottes Botschaft.“ (4,29-31)

Text: Beat Rink

Von Christen und Menschen der Kunst

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Es gibt Bücher, die mit einem langweiligen Vorwort beginnen, später aber dennoch eine gute Lektüre bieten. Und es gibt Bücher, die bereits von der ersten Zeile im Vorwort an faszinieren. „Vom Heiligen in der Kunst“ (Originaltitel: „Wegen en grenzen“) ist ein 350-Seiten starkes Buch des niederländischen Religionswissenschafters, Theologen, Ägyptologen und Politikers Gerardus van der Leeuw (1890-1950).
Hören wir auf einige Sätze im Vorwort:

“Wer über Religion und Kunst schreibt, kommt mit Menschen zweierlei Art in Berührung: In erster Linie mit Christen verschiedenster Prägung, in zweiter Linie mit Menschen der Kunst. Beide Kategorien sind ziemlich schwierig im Umgang.
Es gibt Christen, die mit Wonne feststellen, dass ein Bild von Rembrandt zwar ganz schön ist, aber doch ebenso vergänglich bleibt wie die übrige Welt. (…)
Es gibt andererseits Menschen der Kunst, … die sich einbilden, sie hätten die Kunst gepachtet; für die die Ausübung einer Kunst gleichbedeutend ist mit Gottesfurcht und Kultur und Wissenschaft und ähnlichen erstrebenswerten Dingen. Es gibt Christen, die die Kunst schätzen oder gar lieben, aber die sie sogleich in den Dienst ihrer „Überzeugung“ stellen wollen; die der Kunst erst Einlass gewähren in ihr Leben, nachdem sie sie geweiht haben. Sie sind so sehr daran gewöhnt niederzuknien, dass sie alles mit auf die Knie zwingen. Aber sie haben das Aufstehen verlernt. Und niederknien können Sie nur auf dem Rücken anderer.
Es gibt andererseits Menschen der Kunst, die in dieser „Weihung” die schlimmste Götzendienerei erblicken. Für sie gibt es nichts Höheres als die Schönheit und eigentlich nichts ausser der Schönheit. Es ist ihnen nicht möglich, den Zusammenhang zwischen Kunst und Leben zu finden, und schon gar nicht zwischen Kunst und Lebensgrenze. Sie stehen stolz und aufrecht da, aber sie können nicht niederknien und eigentlich auch nicht mehr einfach sitzen.
Es gibt Christen, für die die Frage nach dem Verhältnis zwischen dem Schönen und dem Heiligen sich erschöpft in der Frage nach den sittlichen und pädagogischen Anforderungen, die man an ein Kunstwerk stellen muss; für die ein “christliches“ Buch ein Buch ist, in dem nicht geflucht, sondern gepredigt wird, für die “christliche“ Musik eine Komposition ist, frei von den Makeln, die der Oper und dem Tanz (gäbe es ihn nur!) anhaften, und für die ein christliches Bild ein Kunstwerk ist, auf dem jeder ordentlich angezogen ist, und das vorzugsweise biblische Figuren darstellt.
Es gibt andererseits Menschen der Kunst, für die die Kunst sich erschöpft in einem rein formalen Spiel von Farben und Klängen, von Linien und Formen. Menschen, die, wenn Gott mit Donner und Blitz sein Gesetz vom Sinai herab verkündet, nur Augen haben für die Glut und die Tiefe der Landschaft.
Es gibt… noch viele andere! Ihnen allen wird diese Untersuchung nicht viel zu sagen haben.
Aber ich hoffe, dass es doch auch noch Christen und Menschen der Kunst gibt, die anders darüber denken. Vielleicht einige… grosszügige, humane Christen und einige tiefe, ehrfürchtige Diener der Kunst; Christen, die gelernt haben, in der Erscheinung ihres Herrn die ganze Welt der Erscheinungen zu lieben; Diener der Schönheit, die sich bewusst sind, dass ihre Liebe Ihm gilt, der die Schönheit selbst ist und mehr als die Schönheit. Vielleicht gibt es sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite Menschen, die ihre Knie nicht vor dem Baal gebeugt haben, dem Baal des selbstgemachten Christentums oder der selbstgemachten Kultur, die aber vor Gott niederknien können, immer und überall.”

Der Mann im Turm

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Anlässlich der dOCUMENTA (13) 2012 in Kassel, dem Mekka der modernen Kunstszene, beauftragte die katholische Kirche den Künstler Stephan Balkenhol mit der künstlerischen Ausgestaltung von St.Elisabeth. Die Kirche befindet sich dem Ausstellungsgelände gegenüber. Balkenhol schuf grosse Skulpturen für den Kirchen-Innenraum: vor allem Menschen in Alltagskleidern. In den Turm stellte er eine goldene Kugel und darauf einen Mann mit ausgebreiteten Armen. Damit löste er ein riesiges Echo aus. Nicht nur dass Leute bei der Feuerwehr anriefen und meldeten, jemand wolle vom Kirchturm springen – worauf die Feuerwehr tatsächlich ausrückte. Viel schlimmer: Die Documenta-Leitung forderte die sofortige Entfernung der Figur. Ihr Hauptargument: Die Figur störe das Ausstellungs-Konzept. Die dOCUMENTA (13) wolle bewusst den „Anthropozentrismus“ ins Visier nehmen. Die Kuratorin Carolyn Christa-Bakargiev sagte: „Es wird der Versuch unternommen, das menschliche Denken nicht hierarchisch über die Fähigkeiten anderer Spezies und Dinge zu stellen.“ Das heisst: Der Mensch hat im Kosmos keine Sonderstellung, sondern steht auf derselben Stufe wie ein Hund oder eine Erdbeere. Deshalb forderten die Documenta-Macher denn auch demokratische Strukturen für Erdeeren und Hunde. Was humorvoll klingt, war sehr ernst gemeint. Und sehr ernst war deshalb auch der Protest gegen den „Anthropozentrismus“ der kirchlichen Installation. Dir Kirche gab aber nicht nach.

Was war nun aber die Botschaft von Balkenhol?
Der Künstler äusserte sich dazu nicht. Das Werk lässt bewusst einen grossen Interpretationsspielraum. Was sehen wir darin? Schauen wir für einige Augenblicke hin und fragen uns: Wie wirkt dieses Werk auf mich? Gibt es Bereiche in meinem Leben, wo ich mich so fühle wie dieser Mann? Wie regiere ich dann?

Wie können wir das Werk von Balkenhol interpretieren?
Hier ein Vorschlag:
– Der Mann steht tatsächlich auf einer anderen Stufe als eine Erdbeere oder ein Hund. Er ist erhöht und damit ein Protest gegen die Documenta. Er erinnert an Psalm 8: „Du hast ihn (den Menschen) wenig niedriger gemacht denn Gott, und mit Ehre und Schmuck hast du ihn gekrönt.“
– Der Mann steht auf einer Kugel. Sie gleicht der Weltkugel, auf der die Glücksgöttin Fortuna oft dargestellt wird. Das Glück ist labil, und so droht auch der Mann jederzeit herunterzufallen. Der Mann wirkt aber viel unsicherer als die Fortuna etwa beim „Komm, spiel mit dem Glück!“ Der Mann scheint zu sagen: „Wie bin ich nur hierhergekommen? Ich muss aufpassen, dass ich nicht herunterfalle.“ Vielleicht erinnert dies uns an 1.Korinther 1,12: „Darum, wer sich läßt dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle“.
– Die Kugel und die Stellung der Arme nehmen auf, was auf der Kirchturmspitze zu sehen ist: Die (Welt)Kugel und darüber das Kreuz. Der Mann ahmt die Form des Kreuzes nach. Im 1.Ko. 11, 1 steht: „Ahmen wir Christus nach!“ Der Mann tut dies etwas zaghaft, ist aber dennoch mutig.
– Der Mann ist (anders als Fortuna) nicht allein. Der Kirchturm (die Gemeinschaft der Christen) schützt ihn. Und er ist unter dem Schutz des Kreuzes, das über der Weltkugel thront. Ist das „Anthropozentrismus“? Nein, eher „Theozentrismus“ – und somit erst recht das Gegenteil der dOCUMENTA (13)-Ausrichtung. Aber in einem treffen sich beide Anliegen: In der Infragestellung der menschlichen Herrschaft. Balkenhol war sich der Dimension „Gottes“ sehr wohl bewusst. So weigerte er sich zum Beispiel, die Bänke aus der Kirche zu entfernen, um mehr Platz für seine Ausstellung zu haben!
– Ein Letztes: Die Kugel dreht sich im Wind nach allen Richtungen. Damit wird Geste des Mannes irgendwie zu einer Segensgeste („Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen“, Matthäus 5,44)

Fazit:
Der Mann ist also ein Nachahmer – ein Nachfolger Christi. Die Welt unter seinen Füssen schwankt und dreht sich. Er mag sich unsicher fühlen und Angst haben. Aber er weiss: „Über mir ist das Kreuz, dem sogar die Erde untertan ist. So stehe auch ich fest. Und ich kann meine Hände sogar zum Segen ausbreiten.“

Gebet:
Herr, Du kennst die Bereiche in meinem Leben, in denen ich mich fühle wie der Mann im Turm. Aber ich will ernst nehmen, was in Deinem Wort steht: „Alle eure Sorge werft auf ihn denn er sorgt für euch.“ Ich vertraue Dir, dass ich nicht falle. Lass mich erfahren, dass Du mich festhältst. Ich nenne gerade jetzt folgenden Bereich und folgende Lebenssituation: ….
Ich will meine Arme zum Segen ausbreiten über folgenden Menschen und Situationen: …..
Amen

Text: Beat Rink

Improvisation und Heiliger Geist

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Eine Tagung, die letzte Woche auf Einladung des Jazzmusikers Uwe Steinmetz in der theologischen Fakultät Leipzig stattfand, galt dem Thema: „Jazz und Liturgie“. Prominente Jazzmusiker und Theologen aus verschiedenen Ländern traten in einen regen Dialog. Die Diskussion kreiste unter anderem um die Frage: „Was kann Theologie vom Jazz lernen?“ Diese Frage ist ungewöhnlich. Im Allgemeinen geht sie in die andere Richtung: „Was können Jazz (und überhaupt Musik und Kunst) von der Theologie lernen?

Der Theologe Prof. Jeremy Begbie sprach über: „Der Heilige Geist als Improvisator“. Wie die meiste Musik (auch Klassik!) aus dem Wechselspiel zwischen vorgegebenen Regeln und Kontingenz, d.h. aus unvorhersehbaren Momenten entsteht, so eröffnet auch der Heilige Geist einen Zwischenraum zwischen Ordnung und Unordnung. Man könnte diese Zwischenraum Nicht-Ordnung (non-order) nennen. So gehört zum Beispiel das Phänomen des Lachens weder der Ordnung noch der Unordnung zu, sondern der Nicht-Ordnung. In diesem Improvisations-Raum entsteht Neues, Überraschendes und Unvorhersehbares. Improvisation bezieht sich dabei nicht nur auf das Vergangene, sondern antizipiert auch Zukünftiges. So ist auch das Wirken des Heiligen Geistes ein Vorgeschmack der neuen Schöpfung. Improvisation braucht dazu aber eine Bedingung: Freiheit von Angst.

Anknüpfend an diese Gedanken aus dem (viel umfassenderen) Vortrag von Jeremy Begbie, können wir uns sehr konkrete Fragen stellen:

Wo erleben wir, dass der Heilige Geist mit uns „improvisiert“ hat oder „improvisieren“ möchte?

Wo erleben wir in unserem Leben und in unserer Kunst einen un-kreativen Stillstand, weil wir Angst haben vor Neuem?
Vielleicht bleiben wir beim Vergangenen stehen, weil wir darin Halt und Sicherheit suchen.

Wo möchte der Heilige Geist etwas Gutes in unserem Leben aufnehmen, um es weiterzuführen? Vielleicht etwas, das wir vergessen oder für tot erklärt haben? Vielleicht etwas, was wir rebellisch über Bord geworfen haben – und die Folge sind nun eher Unordnung und Chaos.

Wo möchte Gott, dass wir Neues wagen und uns im Vertrauen auf ihn in ein „neues Land“ begeben? „Neuland“ ist übrigens der Titel einer sehr spannenden christlichen Konferenz in der Schweiz Ende Jahr – mit einer interessanten „Kunstzone“ (LINK).

Nehmen wir uns in den nächsten Tagen bewusst Zeit, um darüber nachzudenken. Lesen wir dazu, was Jesus in Johannes 3 über den Heiligen Geist schreibt und dazu 2.Korinther 5,17

Text: Beat Rink

Haben wir noch Humor? (3)

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Lachen und Situationskomik in der Bibel?

Es gibt in Lukas 8, 40-56 zumindest eine weitere Szene (über die in TUNE IN 208 behandelte hinaus), die dem Leser ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Es ist ein verhaltenes Lächeln, kein satirisches Lachen. Jesus merkt, wie eine Kraft von ihm ausgeht, weil ihn jemand auf besondere Weise angerührt hat. Der Leser weiss: Es ist die Frau mit Blutfluss. Nun verwundert sich sowohl der Evangelist als auch Petrus, dass Jesus fragt: „Wer hat mich angerührt?“ Denn es gibt ein grosses Gedränge um Jesus herum. Wie kommt er dann auf Idee, so zu fragen?
Diese Szene hat eine gewisse Situationskomik. Um eine Situation als komisch zu erfahren, braucht es jedoch einen Beobachter mit Humor. (Kleine Zwischenfrage: Man stelle sich einen Jesus-Film vor, in dem solche Situationskomik verfilmt wird. Undenkbar! Sind die Jesus-Filme und ist unser Bild von Jesus vielleicht zu doketisch?)

Lukas hatte wahrscheinlich Humor. Dies lässt auch sein Bericht in Apostelgeschichte 12 vermuten: Petrus wird von einem Engel aus dem Gefängnis befreit und geht nun zum Haus seiner Freunde. Als er dort an die Haustür klopft und die Magd Rohde den Apostel sieht, läuft sie vor Aufregung zu ihrer Herrschaft – und lässt Petrus vor verschlossener Tür stehen und geduldig weiterklopfen. Der arme Petrus wird gerade aus dem Gefängnis befreit und steht schon wieder vor verschlossener Tür!

In Johannes 21,7 findet sich eine andere Situationskomik, auf die der Gräzist und Literaturwissenschafter Walter Jens (1923-1913) hingewiesen hat: Petrus erblickt vom Boot aus den Auferstandenen und schwimmt nun zu ihm, zieht sich aber vorher noch voller Aufregung die Kleider an, um ja nicht nackt vor seinen Herrn zu treten. Nun, wie schwimmt es sich in Kleidern? – Schon wieder Petrus…Fast scheint, als sei Petrus im Kreis der Jünger die „Lachnummer“ gewesen. Vielleicht ist er selber ab und zu geneckt und wegen seiner Ungeschicklichkeit und Impulsivität liebevoll gehänselt worden.

Eine letzte Lach-Szene in Lukas 8 kommt uns aus dem Vers 53 entgegen. Hier allerdings wird Jesus sozusagen ausgelacht. Man versteht nicht, dass er mit einem anderen, göttlichen Blick erkennt: Dieses tote Mädchen ist noch nicht wirklich im Totenreich angekommen; es ist zwar eingeschlafen, aber nicht für immer. Dieses Lachen gleicht jenem von Sara, die nicht glauben kann, dass ihr Gott noch in hohem Alter Nachwuchs schenken will. (Genesis 18,12) Es ist das Lachen der Menschen, denen Gottes Wirken zu wunderbar und unglaubwürdig ist.

Zurück zur oben gestellten Frage in der Klammer: Ist unser Jesus-Bild, ist vielleicht unser Glaube zu doketisch? Doketisch heisst: “In schroffer Opposition zur irdischen Welt, zu den geschaffenen Dingen.” Doketismus ist ein unterschwelliger Grundzug in manchen Kirchen. Es gibt dafür kein theologisches Recht, denn Gott hat die Welt geschaffen. Und Jesus war „ganz Gott und ganz Mensch“! Der Doketismus könnte auch dafür mit-verantwortlich sein, dass Kunst in den Kirchen zu wenig geschätzt wird. Denn Kunst ist in sich anti-doketisch. Und er könnte auch der Grund dafür sein, dass in den Kirchen zu wenig gelacht oder zumindest gelächelt wird…

Fragen:
Was heisst das Gesagte für unsere Kunst – auch für unsere Kunst in der Kirche? Wo ist mein Glaube noch zu doketisch?

Text: Beat Rink

Haben wir noch Humor? (2)

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Satire und Selbst-Ironie

Was ist nach TUNE IN 207 noch zum Thema „Humor, Kunst und Glaube“ zu sagen?
Sehr viel! Nehmen wir einmal eine Evangelien-Erzählung wie Lukas 8,40-56. Es geht dort um die blutflüssige Frau, die von Jesus geheilt wird. Und dann zum Schluss um die Auferweckung des Töchterchens von Jairus. Gibt es Humor in dieser ernsten Geschichte? Nehmen wir einmal Vers 43: „Und eine Frau hatte den Blutfluss seit zwölf Jahren; die hatte alles, was sie zum Leben hatte, für die Ärzte aufgewandt und konnte von niemandem geheilt werden.“ Nun müssen wir daran erinnern, wer das schreibt: Lukas, ein Arzt! Das ist reine Berufs-Satire und wohl auch ein Stück Selbstironie.

Satire entsteht nach Friedrich Schiller (1759-1805) aus dem Gefälle zwischen Ideal (hier: der Ärzte, die für viel Geld Heilung versprechen) und der Realität (hier: der ausbleibenden Heilung). In der Bibel finden wir auch sonst grossartige Satire: Beim Turmbau zu Babel (siehe TUNE IN 17). Oder bei Jesaja 44, wo deutlich wird: Die Götzen sind in Wirklichkeit nur ein totes Stück Holz. Diese Stellen bieten sogar literarisch hochstehende Satire. Satirische Kunst ist auch dort wichtig, wo gesellschaftliche Missstände herrschen. Und eigentlich müssten gerade Christen sehr gesellschaftskritisch sein!

In Lukas 8,43 schwingt auch ein Stück Selbstironie des Arztes Lukas mit. Wer selbstironisch sein kann, wer über sich selber lachen kann bekundet: Ich nehme mich (hier: auch meinen Berufsstand) nicht allzu ernst. Der Schweizer Bundespräsident, dessen Rede zum Tag der Kranken für weltwelte Lacher gesorgt hatte (siehe letztes TUNE IN), fand seinen Aufritt im Nachhinein selber sehr komisch. Und er meinte, er sei jetzt eine Berühmtheit. So habe ihn Barack Obama bei seinem Amerika-Besuch in Anspielung auf das Video gesagt: „Sie, ich kenne Sie!“ Daraufhin hat der Schweizer Präsident Obama entgegnet: „Ich kenne Sie auch, Herr Präsident!“
Christen und Selbstironie? Es ist sehr wohltuend, wo beispielsweise Geistliche (die ja oft würdevoll daherkommen) sich selbst nicht zu ernst nehmen. So konnte der süddeutsche Pfarrer und Erweckungsprediger Johann Christoph Blumhardt (1805-1880) einem Kind im Gottesdienst „Kuckuck“ zurufen. Oder der römische Priester Philippo Neri (1515-1595) tanzte manchmal durch die Kirche und machte sich auch sonst zum „Narren Christi“, um ja nicht als Heiliger zu gelten. Von Neri stammt das Wort: „Die Fröhlichen sind leichter auf dem Weg des geistlichen Lebens zu führen als die Schwermütigen“.
Können Christen über sich selbst lachen und sich „zum Narren“ machen? Oder nehmen wir uns selber allzu ernst?
Humorlosigkeit kann verdeckter Stolz sein. Selbstironie hingegen ist ein Zeichen von Demut.
Interessant ist, dass gerade Blumhardt und Neri in ihrem Leben und Dienst sehr starke Erfahrungen mit dem Heiligen Geist machten.

Frage:
Satire und Selbstironie – wo sind sie in meiner Kunst und in meinem Leben nötig?

(Fortsetzung zu Lukas 8, 40-56 und zum Thema Humor folgt) Text: Beat Rink

Haben wir noch Humor?

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Siehe Video.

In einer Welt, in der es nicht viel zu lachen gibt – darf es da humorvolle Kunst geben? Ist es uns Christen erlaubt oder vielleicht sogar aufgetragen, zu lachen und andere zum Lachen zu bringen?
Dazu in diesem und im nächsten TUNE IN einige Gedanken in loser Reihenfolge:

„Ernst ist das Leben, heiter die Kunst“, schreibt Friedrich Schiller. Stimmt das? Tatsächlich ist heutige Kunst oft alles andere als heiter, sondern zuweilen eher düster und dunkel. Dies vielleicht aus Angst, oberflächlich zu werden und ins Triviale abzugleiten. Aber wo grosse Künstler nicht mehr leichte und auch humorvolle Werke hervorbringen wollen, überlassen sie das Feld des „Humors“ zweitrangigen Künstlern – mit entsprechenden Konsequenzen. Der Komponist Pierre Boulez etwa hat gesagt, er habe nichts gegen Popmusik, müsse aber beklagen, dass es zu wenig gute Popmusik gebe. Wer ist schon gegen Humor in der Kunst? Schon Horaz lobte: „Aut prodesse volunt / aut delectare poetae“ – “die Dichter wollen entweder nützen oder erfreuen. Humor gehört zur Kunst. Gerade auch zu guter Kunst!

Humor und die „leichte Muse“ stellen sich nicht auf Geheiss ein. Sie müssen einer inneren Überzeugung entspringen. Und vor allem einer Begabung zum Humor. Nichts ist komischer, als wenn ein humorloser Mensch einen Witz erzählen will. Oder wenn ein Bundespräsident mit ernster Miene über Humor spricht – wie im letzten Jahr der oberste Schweizer Minister (siehe Videolink). Nun haben Christen aber den Vorteil, dass sie das Evangelium kennen, übersetzt „die frohe Botschaft“, und damit viel Grund zu ansteckender Freude haben. Also: Christen sollten tendenziell fröhliche Menschen sein. Was natürlich nicht heisst, dass nicht auch traurige Ereignisse und Stimmungslagen zum Leben eines Christen gehören, die wir auf keinen Fall weglächeln dürfen! Es ist also nicht falsch, wenn sich gerade auch christliche Künstler fragen: Gibt es Platz für Humor in meinem Werk – und vor allem in meinem Leben?

Humor ist nicht nur wohltuend, sondern auch heilend. Aus dem 18. Jahrhundert wird berichtet, dass ein taubstummer Mann geheilt wurde, als er eine Vorstellung des berühmten Clown Joseph Grimaldi besuchte. Ebenfalls aus England stammt der Bericht eines Mannes, bei dem eine schwere Infektionskrankheit durch Witze-Erzählen verschwand. Man mag dies vielleicht nicht so recht glauben. Was sicher stimmt: Humor schafft eine heilende Distanz zu so manchen Dingen, die schwer sind oder die wir zu schwer nehmen. Lachen wird tatsächlich in der psychologischen Behandlung eingesetzt. Auf jeden Fall sehnen sich die Menschen nach Humor. Nur schade, dass er oft so schlecht ist…

Fragen: Wie und wo gibt es Humor in meinem Glauben, in meinem Leben, in meiner Kunst

(Fortsetzung folgt)

Text: Beat Rink

„Ihr habt nicht getanzt… ihr habt nicht geweint…“

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Wer die Gemälde von Pieter Brueghel d. Älteren betrachtet, auf denen biblische Szenen dargestellt sind, entdeckt etwas Merkwürdiges: Die biblischen Szenen stehen gar nicht im Zentrum des Geschehens. Sie sind eher eine Nebensache, denn der Alltag nimmt seinen gewohnten Gang. Oder das Geschehen ist ein willkommener Anlass zu allerhand Begegnungen, Geschäftemachereien oder Volksvergnügungen. Der britische Schriftsteller W.H. Auden (1907-1973), unter anderem bekannt durch seine Libretti für Igor Strawinsky (“The Rake’s Progress”) und für Hans Werner Henze (“Die Bassariden” und “Elegie für junge Liebende”), schrieb 1938 nach dem Besuch des Kunstmuseums Brüssel das Gedicht “Musée des Beaux Arts“. Er nimmt auf großartige Weise Bezug auf die dort ausgestellten Bilder Pieter Brueghels d. Älteren (1568-1625) und auf die eben erwähnte Eigenart dieser Bilder:

Was das Leiden betrifft, so lagen sie niemals falsch,
die Alten Meister: Wie gut sie doch wussten,
was es uns Menschen bedeutet: wie es eintritt,
während jemand gerade etwas isst oder ein Fenster öffnet oder blöd umhergeht; wie Kinder, wenn die Alten ehrfürchtig und voll Inbrunst
auf die wundersame Geburt warten, Schlittschuh laufen,
als sei ihnen das alles eher lästig,
auf einem gefrorenen Teich am Waldrand:
Nie geriet bei ihnen in Vergessenheit,
dass selbst das entsetzlichste Martyrium seinen Lauf
in einer Ecke nehmen muss,
in irgendeinem unaufgeräumten Winkel,
wo die Hunde ihr Hundeleben feiern, oder wo das Pferd des Folterknechts
seinen ahnungslosen Hintern an einem Baum schrubbt.

Bei Brueghels Ikarus zum Beispiel: wie alles sich abwendet,
gemächlich abwendet vom Unheil; der Mann am Pflug
mag den Platsch gehört haben, den einsamen Schrei,
doch für ihn war das kein Unglück, das einen was anging; die Sonne schien,
weil eben scheinen muss, auf die weissen Beine,
die im grünen Wasser versanken,
und das kostbar verzierte Schiff,
das etwas Erstaunliches sah:
einen Knaben, der vom Himmel fällt,
suchte ein anderes Ziel und segelte ruhig weiter.

Die Bilder, auf die Auden wahrscheinlich Bezug nimmt, sind oben einkopiert. (Speziell ist, dass der Kindermord zu Bethlehem teilweise übermalt wurde, so dass keine getöteten Kinder mehr zu sehen sind.) Unten habe ich einen gähnenden Kopf eingefügt, der ebenfalls in Brüssel zu sehen ist, und der Auden vielleicht ebenso inspiriert hat.
Dass die biblische Botschaft für viele ihrer Augenzeugen zum Gähnen ist, dass das dramatische Geschehen gar nicht unbedingt das zentrale Thema der Bilder ist, – gerade dies ist nun eben ihr zentrales Thema. Natürlich geht die ursprüngliche Botschaft dahinter überhaupt nicht verloren.

Vielmehr fragt Brueghel die damaligen Menschen – und vor allem auch uns, die wir im Kunstmuseum von Bild zu Bild schlendern: „Lasst ihr euch eigentlich noch von diesem dramatischen Geschehen berühren, das ich gemalt habe?“ Jesus sagt über die Schriftgelehrten und Pharisäer, die die Botschaft von Johannes dem Täufer an “Wem soll ich die Menschen dieses Geschlechts vergleichen, und wem sind sie gleich? Sie sind gleich den Kindern, die auf dem Markte sitzen und rufen gegeneinander und sprechen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr habt nicht getanzt; wir haben euch geklagt, und ihr habt nicht geweint.“ (Lukas 7, 30ff.)

Ein seltsames Wort, das einer ausführlicheren Auslegung bedürfte. Aber wir erkennen darin dieselbe Frage, die Brueghel auch stellt: „Lassen wir uns dazu einladen, die Botschaft zu hören und anzunehmen – oder lässt sie uns kalt?“ Im Blick auf die Menschen um uns herum müssten wir aber auch fragen:
Haben unsere Freunde, Arbeits- und Künstlerkollegen überhaupt noch eine Chance, die biblische Botschaft zu hören und vor allem glaubwürdige Christen kennen zu lernen?
Wie können wir ihrem negativen Bild von „Kirche und Gott“ ein anderes entgegensetzen?
Wie können wir vermitteln, dass die biblische Botschaft noch relevant ist?

Nehmen wir uns etwas Zeit, um darüber betend nachzudenken – und lassen uns inspirieren…

Text: Beat Rink

Wettbewerbe “Nacht des Glaubens”

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Für die “Nacht des Glaubens. Festival für Kunst und Kirche” am 2.Juni 2017 schreibt der Kulturverein Basel zwei Literaturwettbewerbe aus, die aus der von Jugendlichen zusammengelegten Kollekte des „Praise Camps“ gespiesen werden.

1. Wettbewerb für Prosa/Lyrik
Weitere Informationen dazu, siehe hier.

2. Wettbewerb für Rap
Weitere Informationen dazu, siehe hier.

Einsendeschluss beider Wettbewerbe ist der 17. April 2017

Und was ist “prophetische Kunst?”

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Man hört immer wieder den Satz, dass Künstler die heutigen Propheten seien. Gemeint ist dabei: Künstler sind die wirklichen Propheten, die jene der Kirchen abgelöst haben. Wie antwortet man auf ein solch etwas zweifelhaftes Lob, in dem zugleich ein gewaltiger Anspruch steckt? Gut ist, wenn wir uns (auch im Anschluss an die beiden vorigen TUNE INs) fragen: Prophetie, was ist das eigentlich?

In TUNE IN 203 wurde gesagt: Gottes „verborgener Wille“ ist uns grundsätzlich unzugänglich – anders als sein „offenbarter Wille“, wie er sich vor allem in den 10 Geboten äussert. Es ist gut, die beiden nicht miteinander zu verwechseln oder zu vermischen. Und es ist wichtig, dass wir unser Leben nicht auf die Erschliessung verborgener Geheimnisse ausrichten, sondern auf das Befolgen von Gottes guten Ordnungen, deren beste Zusammenfassung das Doppelgebot der Liebe ist: „Liebe Gott … und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Warum gibt es aber in der Bibel Prophetie und warum wird sogar den Christen empfohlen: Strebt danach, „dass ihr prophetisch redet“ (1.Korinther 14,1) ?

Um mit einem Bild zu sprechen: Wenn die Liebe Gottes der Motor unseres Lebens ist und die Gebote eine Hilfe sind, auf der Strasse zu bleiben und nicht abzustürzen – sozusagen die Schranken links und rechts am Wegrand -, so ist das prophetisches Wort “ein Licht auf dem Weg” (analog zum Gotteswort in Psalm 119,105). Vielleicht erhellt es die nächste Wegstrecke oder deutet die weit vor uns liegende Landschaft an (wie die Offenbarung). Darin liegt ein Trost, eine Ermutigung – oder auch eine Warnung. Interessant ist aber, dass Paulus die Voraussage seiner Gefangennahme in Jerusalem nicht als eine Warnung versteht, sondern als Vorbereitung – und trotzdem nach Jerusalem zieht!

Nun ist aber bei „Prophetie“ grosse Sorgfalt geboten. Sie kann so leicht manipulativ eingesetzt werden. Und sie ist so anfällig für Täuschungen. So hat uns in der Seelsorge einmal eine junge Musikstudentin gesagt: „Heute haben mir drei junge Männer einen Antrag gemacht. Und alle drei meinten: Gott hat zu mir gesprochen, dass du die Frau für mein Leben bist!“
Wichtig scheint mir die Aussage in Epheser 4,11 ff.: „Er hat die einen zu Aposteln gemacht, andere zu Propheten, andere zu Evangelisten, wieder andere zu Hirten und Lehrern der Gemeinde. Deren Aufgabe ist es, die Glaubenden zum Dienst bereitzumachen, damit die Gemeinde, der Leib von Christus, aufgebaut wird… Wir sind dann nicht mehr wie unmündige Kinder, die kein festes Urteil haben und auf dem Meer der Meinungen umhergetrieben werden wie ein Schiff von den Winden. Wir fallen nicht auf das falsche Spiel herein, mit dem betrügerische Menschen andere zum Irrtum verführen.“
Das heisst: Zusammen mit anderen Ämtern (und zusammen mit anderen Geistesgaben) verhilft die Prophetie den Glaubenden und der gesamten Gemeinde zum Dienst und zum Leben mit Christus und für Christus.

Wird Prophetie nicht-manipulativ, mit Reife, Sorgfalt, Selbstkritik (!), Liebe und vor allem immer im Blick auf Christus und den geistlichen Dienst ausgeübt, so ist sie sehr kostbar. Sie ist dann das Gegenteil von heidnischer Wahrsagerei!

Kann nun Kunst prophetisch sein? Kunst kann tatsächlich erhellend wirken. Sie kann etwas ans Licht bringen und sichtbar und hörbar machen, was unserem Erkennen – unserem Denken und Fühlen – bisher verborgen war. Sie gibt dann vielleicht nicht unbedingt ein Reden Gottes weiter, sondern eher eine „säkulare Prophetie“. „Über das Geistige in der Kunst“ heißt die berühmte Schrift Kandinskys von 1912. Ihre Hauptaussage: In der Kunst wird etwas sichtbar, was man sonst nicht sehen kann: das Geistige. Solche künstlerische Prophetie ist nicht dasselbe wie die in der Bibel beschriebene Prophetie.

Allerdings können wir nicht ausschliessen, dass Kunst auch ein Sprachrohr Gottes sein kann – ob sie nun von einem Christen geschaffen wurde oder nicht. Und es kann nicht falsch sein, darum zu beten, dass unsere Kunst erhellend wirken möge – und dass sie ein Licht auf dem Weg – im besten Fall ein Licht, das von Gott her kommt und von ihm „spricht“.

Text: Beat Rink

Theologie als Drama

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Eine von der Afbet (Arbeitsgemeinschaft für biblisch erneuerte Theologie) organisierte Veranstaltung, die in Verbindung mit zwei weiteren Studientagungen stattfindet. „Was kann Theologie vom Theater lernen?“ und „Wie hängen Lehre und Praxis zusammen?“ sind zentrale Fragen dieser Tagung.

Datum:              25. März 2017
Ort:                    Universität Fribourg
Preis:                 CHF 75.- / AfbeT-Mitglieder: CHF 60.- / Studenten: gratis
Anmeldung:      www.vanhoozer.ch/anmeldung/

Weitere Informationen sind zu finden unter: www.vanhoozer.ch

Der “verborgene Wille” Gottes

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Die im letzten TUNE IN entfalteten Gedanken werfen Fragen auf:
Wie erfahren wir Gottes Führungen und wie ordnen wir eigentlich prophetisches Reden ein, wo doch der Wille Gottes für unser Leben grundsätzlich verborgen ist?
Dazu folgende Gedankenanstösse:

1. Das Neue Testament macht die wichtige Unterscheidung zwischen einem Knecht und einem Kind (Römer 8,15; Galater 4). Der Knecht ist Befehlsempfänger und hat keinen eigenen Willen. Ein Kind wird so erzogen, dass es den eigenen Willen entwickeln soll und „mündig“ wird. Gott determiniert uns nicht wie Roboter. Gerade ein Künstler erfährt sich hoffentlich nicht als eine willenlose Marionette irgendeiner Macht. Das „automatic writing“ (das Schreiben unter dem Diktat eines Geistes) bringt keine guten Texte hervor, und es ist eine zutiefst heidnische Praxis.
Gott will uns in eine Freiheit, auch in eine kreative Freiheit hineinführen. Interessant ist die Szene, in der Gott Adam den Auftrag gibt, die Tiere zu benennen. Gott lässt dem Menschen kreativen Freiraum, denn es heisst: Gott schaute, wie Adam die Tiere nennen würde. (1.Mose 2.19f.) Gott ist neugierig auf den kreativen Akt Adams. Auch ein Vater ist neugierig darauf, was seine Kinder tun. Er keinen festen „Plan“ für seine Kinder, von dem abzuweichen ein Verstoss gegen seine Gebote wäre. Es ist deshalb sogar irreführend, durchgehend von einem „Willen Gottes“ zu sprechen. Insofern müssen wir sogar das Gebet „Dein Wille geschehen“ mit dem richtigen Verständnis beten. Etwas salopp gesagt: Wenn Adam vor den namenlosen Tieren zu Gott gesagt hätte: „Dein Wille geschehe“, hätte Gott wohl entgegnet: „Nein, dein Wille geschehe!“ Einige Verse weiter wendet sich derselbe Adam aber gegen Gottes offenbarten Willen – mit dramatischsten Folgen!

2. Aber so wie ein Vater oder eine Mutter jederzeit ein offenes Ohr hat für die Kinder und ihnen gerne hilft, dürfen wir Gott jederzeit bitten und ihn um Rat fragen. Jeder Christ kann davon berichten, wie Gott einen Rat gibt: durch das Gespräch mit anderen Menschen, durch ein Ereignis, durch ein Bibelwort, selbst vielleicht durch einen Traum oder durch einen Gebets-Eindruck – und sicher auch durch andere Bücher oder durch ein Kunstwerk. Oder durch die innere Gewissheit, dass etwas für diese bestimmte Situation „richtig“ ist und etwas eher „falsch“. Noch einmal: „richtig“ oder „falsch“ sind in diesem Bereich nicht dasselbe wie „von Gott erlaubt“ oder „von Gott verboten“. Jesus sucht den Rat Gottes sehr intensiv. Aber selbst er wird von Gott nicht zu seinem Tun gezwungen – nicht einmal dazu, sein Leben am Kreuz zur Vergebung der Sünden zu geben. Vielmehr betet Jesus in dieser höchst dramatischen Stunde, die das Geschick der Welt wendet, aus freiem Willen: „Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe.“ (Lukas 22,42)

3. Das Reden des Rat gebenden Vaters kann man der Prophetie zuordnen. Es gibt auch andere Arten der Prophetie: zum Beispiel zum Umkehr rufende Drohworte – siehe die Propheten im Alten Testament – oder in die Gegenwart und Zukunft hell hineinleuchtende, glaubensstärkende und tröstende Worte – siehe die Offenbarung. Wie ordnen wir nun aber solches prophetisches Reden ein, eben Gottes Antwort, wo wir ihn um einen Rat bitten? Sollen wir es suchen – vielleicht gerade als Künstler, die ja oft „Propheten“ genannt werden? Wir können diesem Themenkomplex auch die Frage zuordnen, ob es „künstlerische Inspiration“ durch Gottes Geist gibt. Wir werden uns im nächsten TUNE IN näher damit beschäftigen, weil es dazu mehr Raum braucht.

Fragen wir aber hier – auch nochmals im Blick auf TUNE IN 203:

– Wo bin ich in der Gefahr, den „verborgenen Willen“ Gottes mit dem „offenbarten Willen“ Gottes zu verwechseln? Wo habe ich Ängste, Gott zu betrüben, weil ich etwas „Falsches“ tue, obwohl er mir doch Freiheit liesse?

– Fühle ich mich als Künstler zur Freiheit der Kinder Gottes berufen – wie Adam in 1.Mose 2,19f. ?

Text: Beat Rink

Der Wille Gottes: offenbart und verborgen

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Viele Christen stolpern über die Frage: “Was ist eigentlich Gottes Wille?” Sie versuchen, den Willen Gottes exakt zu erforschen und fürchten, Seine Führung irgendwie zu verpassen. Manche denken sogar, ihr Leben werde in einem völligen Desaster enden, sollten sie nicht richtig auf Gott hören.
Auch gläubige Künstler sind gegen solche beunruhigenden Gedanken nicht immun. Diese stellen sich besonders dann ein, wenn sich der künstlerische Werdegang und die Karriere langsamer als bei den Kollegen entwickeln. Dann sind sie besonders anfällig für den Gedanken, sie hätten auf die eine oder andere Weise Gottes Unmut auf sich gezogen.
Aus meiner Beobachtung – und aus meinen Erinnerungen an die Erfahrungen, die ich in meiner Jugend machte – komme ich zum Schluss, dass viele dieser irritierenden Gedanken in einer falschen Bibelinterpreation wurzeln, genauer in der Verwechslung zwischen offenbartem und verborgenem Willen Gottes. Es lohnt sich, näher darauf einzugehen, um diese beiden Seiten des Willen Gottes unterscheiden zu können.

Das Alte Testament erzählt davon, wie Gott auf dem Berg Sinai Mose Seinen Willen für die menschliche Lebensführung kundgibt, und zwar in der Thora (meist übersetzt als “Gesetz”, wenngleich der Begriff „Lehre“ zutreffender wäre). Die sogenannten Zehn Gebote sind das Herzstück der Thora.
Die Thora zeigt den Weg zu einem gesegneten Leben auf: „Und nun höre, Israel, die Gebote und Rechte, die ich euch lehre, damit ihr sie tun sollt, auf dass ihr lebt“ (5. Mose 4,1). Wenn der Psalmist singt: „Lehre mich nach deinem Willen handeln, denn du bist mein Gott“ ( Psalm 143,10), so antwortet er damit auf die Thora und bittet um ein besseres Verständnis derselben. Denn er will Gottes Weisungen treuer befolgen.
Eine grosse Zahl der Gebote aus dem Alten Testament werden im Neuen Testament wiederholt. So schreibt Petrus: „… Solange ihr noch auf der Erde lebt, lasst euch nicht von menschlichen Leidenschaften, sondern von Gottes Willen leiten“ ( 1. Petrus 4,2). Er meint damit, dass von den Christen ein geheiligtes Leben in der aktiven Befolgung von Gottes Ordnungen erwartet wird.

Neben Gottes offenbartem Willen, der sich auf die menschliche Lebensführung bezieht, gibt es auch einen verborgenen Willen Gottes, der sich auf unseren Lebensweg bezieht. Hat der erstere Wille sich in den Geboten geäussert, so besteht der zweite in Gottes Ratschlüssen über unser Leben. Paulus sagt: “Was Gott einmal beschlossen hat, das führt er auch aus.“ (Epheser 1,11). Wenn sich Paulus als “Apostel durch den Willen Gottes” (Kolosser 1,1) bezeichnet, so meint er damit, dass der Aposteldienst dem Willen Gottes für sein Leben entspringe.

Während von uns erwartet wird, dass wir den offenbarten Willen Gottes kennen, so wird uns nicht zugemutet, über den verborgenen Willen Gottes Bescheid zu wissen – aus dem einfachen Grund, dass wir diesen gar nicht kennen können. Wir mögen zwar irgendwie verstehen, was Gottes Plan für unser Leben ist, wenn wir innehalten und zurückblicken oder wenn wir im Alter ein gewisses Lebensmuster entdecken. Manche inneren Kämpfe jedoch, die nicht wenige Christen in diesem Bereich ausfechten, beruhen auf dem Irrtum, dass man eine Aufforderung von Paulus wie “erkennt, was der Wille des Herrn ist“ (Epheser 5,17) auf den verborgenen Willen Gottes bezieht. Das wäre dann, als müssten Christen immer wissen, was Gott in ihrem Leben will und als müssten sie all ihre Entscheidungen auf eine unverbrüchliche Kenntnis dieses Willens zurückführen. Doch nirgends in der Schrift lesen wir davon, dass dies von uns erwartet wird.

Hingegen lesen wir davon, dass Gott uns durch das Leben hindurch führen will, und dass Seine Führung sogar so deutlich werden kann, dass wir klare Hinweise für den nächsten Schritt bekommen. Das eindeutigste Beispiel dafür finden wir in Gottes Anweisung an Paulus, nach Mazedonien zu gehen (Apostelgeschichte 16,9). Doch auch diese Begebenheit erfolgt in einer Situation, wo sich Paulus und seine Gefährten zutiefst unsicher fühlen, wie die vorausgehenden Verse zeigen.

Wir sollten uns eingestehen, dass uns das Gebet um Erkenntnis des göttlichen Willens zwar in ein frommes Licht setzt, dass er aber in seinem Kern heidnisch sein kann. Die alten Griechen, die ihr Schicksal im Voraus kennen wollten, machten sich auf nach Delphi, um das Orakel zu befragen (wie wir in Aischylos’ Oresteia lesen können). Wir sollten uns dessen bewusst sein, dass diese Vorstellung fundamental dem widerspricht, was die Schrift unter Glauben versteht. Martin Luther (1483-1546) hat wie kaum ein Anderer zu seinen Lebzeiten erkannt: Glauben heisst nicht einfach, an die Existenz Gottes zu glauben, sondern sein ganzes Vertrauen für Leben und Ewigkeit auf Ihn zu setzen. Und Abraham wurde deswegen der Vater aller Glaubenden genannt (s. Römer 4,11 – aber man lese das ganze Kapitel!), weil er Gott vertraute und auszog, „ohne zu wissen, wohin er gehen würde.“ (Hebräer 11,8).
Christen zeichnen sich also nicht dadurch aus, dass sie genau wissen, was sie erwartet, sondern dass sie dies eben nicht präzise wissen und dass sie gerade darum ihr Vertrauen bewusst auf Gott setzen.

Wenn es nun um unser tägliches Leben als Künstler geht, so lasst uns deutlich sagen: Es ist gut, Gottes Gebote zu halten! Sie bewirken viel Gutes in unserem Leben und bewahren uns vor zahlreichen Fehlern und Problemen.
Aber wenn wir Gott gehorsam sind, heisst dies noch nicht, dass wir dann automatisch Alles bekommen, was wir uns wünschen oder dass dann unsere Karriere problemlos verläuft. Nein, wir werden immer noch mit verschiedenen Schwierigkeiten zu kämpfen haben und zuweilen vom Gefühl überwältigt werden, völlig im Dunkeln zu tappen. Aber solche dunklen Stunden sollten wir dann eben nicht als Gottes Gericht über unserem Leben missdeuten, sondern diese vielmehr zum Anlass nehmen, uns mit ganzem Herzen Gott anzuvertrauen. Dies heisst eben glauben.

Dr. Marcel S. Zwitser / Übersetzung: Beat Rink

SongWriterCamp 2017

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Am 24. bis 27. Mai 2017 findet in Hannover ein SongWriterCamp (SWC) statt.

Lothar Kosse wird unter Mitwirkung von Daniel Schunn die Zeit leiten und begleiten. Noel & Tricia Richards und Norm Strauss sind ebenfalls als Referenten angefragt. Brian Doerksen beschließt das SWC mit einem Impulsreferat und einem Konzertabend mit den SHIYR Poets.

Neue Lieder braucht das Land!
Wir erleben aktuell ein innovativ kreatives Zeitfenster. Neue Lieder entstehen. Moderne und alte Lieder treten in Dialog. Verschüttete Brunnen scheinen frisches Quellwasser hervorkommen zu lassen. Wunderbar. Das SWC soll ein sinnvoller Baustein in dieser Entwicklung sein. In Gemeinschaft und Austausch kann Inspiration passieren wodurch neue Melodien mit ansprechend eingängigen Texten hervorkommen. Das ist unser Wunsch und unsere Erwartung. Der deutschsprachige Raum hat ein facettenreich kraftvolles Erbe. Knüpfen wir gemeinsam freudig daran an.

Weitere Infos: www.songwriter-camp.com

Das Erste zuerst: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“

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Wie man weiss, beginnt die Bibel mit den Worten: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“. Was als eine einfache Aussage daherkommt, kann sich für unser Verständnis von Kunst als sehr wichtig erweisen. Auf die komplexe Diskussion zum Thema Schöpfung und Evolution soll hier nicht eingegangen werden; dafür auf die Tatsache, dass die Bibel betont: Himmel und Erde haben denselben Ursprung und bilden somit einen Einheit. Daraus ergibt sich notwendig die Schlussfolgerung, dass die Erde dem Himmel nicht untergeordnet ist; denn beide haben ihren Ursprung in derselben göttlichen Weisheit – oder in der ewigen Torah (dem ewigen Gesetz), wie einige Traditionsquellen sagen würden.

Dies ist von Bedeutung, wo wir Kunst und ihren Stellenwert in der von Gott gesetzten Wirklichkeit verstehen wollen.
In meiner Kindheit wurde mir in unserer Kirche deutlich klargemacht, dass ein Musikstudium und der Musikerberuf für mich nicht in Frage kämen. Denn Musik sei nach Genesis 4,21 (“ Sein Bruder hiess Jubal; er war der Vater aller Zither- und Flötenspieler”) sündhaft: Jubal war schliesslich der Abkomme des Mörders Kain, und Musik taucht in der Schrift zum ersten Mal dort auf, wo von der gottlosen Kultur der Nachkommen Kains die Rede ist. Diese Kultur wird am Ende der Zeit von Gott verdammt werden (Offenbarung 18, 22 an Babylon gerichtet: „Und die Stimme der Sänger und Saitenspieler, Pfeifer und Posaunenbläser soll nicht mehr in dir gehört werden“). Man gab mir sogar zu verstehen, in der Musikwelt gebe es keine gläubigen Menschen.

Später begann ich zu begreifen, dass diese Ablehnung von Kunst die Folge eines Weltbildes ist, das den Himmel und die Welt einander entgegensetzt (unter dem Einfluss von Gnostizismus und Neo-Platonismus): Demnach ist der Himmel ein heiliger Ort, nachdem wir streben sollten, während die Welt ein unheiliger Ort ist, den wir fliehen müssen. Der theologische Fehler dahinter besteht in der Verwechslung von ‚unheiliger Welt’ und ‚erschaffenen Erde’. In der Bibel steht nämlich das Wort ‚Welt’ für das System, wo seit der Revolte des Menschen gegen Gott die Sünde regiert (an der wir laut eindringlicher Warnung keinen Anteil haben sollen!); die Erde jedoch ist der Ort, den Gott als Heimat für den Menschen bestimmt hat (Psalm 115,16: „…aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben“), und in der alles Geschaffene grundsätzlich gut ist (1. Timotheus 4,4: „Denn alle Kreatur Gottes ist gut, und nichts ist verwerflich, das mit Danksagung empfangen wird“).

Allzu oft wurde in den Kirchen die musikalische (und generell die künstlerische) Weiterentwicklung behindert – eben aufgrund dieses geistlichen Irrtums, wonach Himmel und Erde, Geist und Körper Gegensätze bilden. Eines der besten Beispiele dafür – unter vielen – ist Calvins Verbannung der Musikinstrumente aus dem Gottesdienst. Calvin argumentierte, Gott habe den Juden den Gebrauch der Instrumente nur deshalb erlaubt, weil sie geistlich noch auf einer niedrigen Stufe stünden – im Unterschied zu den Christen.
Von der ziemlich grossen Arroganz dieser Begründung einmal abgesehen: ihr Hauptfehler besteht darin, dass sie den Menschen als Geschöpf überbewertet. Sie übersieht, dass Gott jedem Menschen ein Bedürfnis nach Schönheit und Harmonie gegeben hat. Und sie missachtet sie den Segen, den Gott zur Stillung dieses Bedürfnisses in die Schöpfung hineingelegt hat. Schliesslich zwingt sie den Menschen zu einem Leben, das ohne diese Segnungen auskommt (s. 1.Timotheus 4,1-3). Solche Gesetztlichkeit führt zu allerlei Problemen – zu emotionalen, psychosomatischen und wohl sogar geistlichen Problemen.

Doch Musik wurde nicht von den Nachkommen Kains erfunden. Vielleicht haben diese als erste erkannt: Musik wohnt dem Wesen der Schöpfung inne. Musik (und Kunst) haben ihre Wurzel auch nicht in Genesis 4, sondern in Genesis 1, wo Gott den Menschen nach seinem Bild erschafft, und dies heisst: als schöpferische Menschen, die Schätze erkunden, die die Schöpfung verbirgt. Kunst ist ein von Gott gegebener Schöpfungs-Segen. Deshalb ist künsterisches Wirken – als Antwort auf ein tiefes menschliches Bedürfnis, in sich bereits ein Akt der Anbetung. Und es ist zugleich ein Eingeständnis, dass wir ein gottgegebenes Bedürfnis nach Schönheit, Harmonie und Sinnerfüllung in uns tragen.

Fragen:

1. Haben Mit-Christen deine Kunst je mit geistlichen Argumenten in Frage gestellt? Wenn dies der Fall war: Haben sie in ihrem Denken einen Gegensatz zwischen Himmel und Erde hergestellt?

2. Zweifelst du manchmal daran, dass dein Wunsch nach künstlerischem Wirken, geistlich gesehen, gut ist? Wenn dies der Fall ist: Neigst du dazu, in deinem Denken einen Gegensatz zwischen Himmel und Erde zu konstruieren – vielleicht, weil es dir so beigebracht hat?

Dr. Marcel S. Zwitser / Übersetzung: Beat Rink

Ein vielsagendes Bild zum Jahresbeginn

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Zum Jahresbeginn 2017 soll uns ein eindrückliches Bild (oben) zum Nachdenken einladen. Geschaffen hat es ein Maler, dessen beide Lebensdaten interessanterweise ebenfalls die Zahl 7 tragen: Sébastien Stoskopff (1597-1657) aus Strassburg. Wer in Kunstsammlungen auf Werke von Stoskopff trifft, dem mag es ergehen wie dem polnischen Lyriker Zbigniew Herbert (1924-1998): „Vor Jahren […] traf ich beim Durchqueren des Saals […] auf das Bild eines unbekannten Malers. Sogleich begriff ich, obwohl es rational kaum zu erklären wäre, daß etwas Wichtiges, etwas Wesentliches geschehen war, etwas, das mehr bedeutet als eine zufällige Begegnung in der Menge der Meisterwerke. […]Das Bild schrieb sich mir – deutlich, eindringlich – für viele Jahre ins Gedächtnis, und dabei war es doch weder das Abbild eines Gesichts mit flammendem Blick noch eine dramatische Szene, vielmehr ein ruhiges, statisches Stilleben.“

Stoskopff war ein Meister des Stilllebens. Dieses Bild (von 1630) trägt den Titel „Vanitas“. Die Vergänglichkeit, die Hinfälligkeit war in den barocken Künsten bekanntlich ein zentrales Motiv. Hier sehen wir eine Art „Abstellkammer des Lebens“. Zentral thront darin der Totenschädel. Rundherum sind Gegenstände angeordnet, die zu einem schönen, erfolgreichen Leben gehören: Trinkgefässe (Reichtum), Laute und Noten (Musik), ein Blatt mit der Darstellung eines Menschen (Kunst), Dinge aus der naturwissenschaftlichen Forschung und aus dem Militär. Alles Dinge, auf die sich der Mensch etwas einbilden und an denen er stolz werden kann.
Aber da ist nun eben der Totenkopf. Und über ihm hängen ein „Fake“-Fenster und eine Sanduhr. Sie sagen dem Betrachter: Alles ist nur Illusion, nur „leerer Schein“ (eine andere Übersetzung für „Vanitas“) und alles ist zeitlich begrenzt.
Zwei Dinge im Vordergrund verdienen besondere Beachtung: Zuerst eine Wasserflasche. Sie gehört sicher nicht in eine Abstellkammer. Ich wage folgende Interpretation: Verschliessbare Wasserflaschen gehörten damals zu den Reiseutensilien. Die Aussage liegt auf der Hand: Wir sind auf dieser Erde nur auf der Durchreise. Links daneben hängt eine handgeschriebene Notiz, die das Bild aufschlüsselt:

„Kunst, Reichtum, Macht und Kühnheit stirbet
die Welt und all ihr Thun verdirbet
ein Ewiges kommt nach dieser Zeit
ihr Thoren, flieht die Eitelkeit.“

Auf solch kräftige Aussagen trifft man auch sonst in der barocken Lyrik. Andreas Gryphius (1616-1664) lässt eines seiner berühmten Gedichte ausklingen mit den Versen:
„Noch will, was ewig ist kein einig Mensch betrachten.“

Die Schrift (mit Kreide auf einer kleinen Tafel geschrieben?) ist kaum lesbar. Ihre Botschaft erscheint im Unterschied zu den gewichtigen Büchern schwach und bedroht. Fast scheint, als würde sie von der Macht des Wissens an den Rand gedrängt. Bücher haben bei Stoskopff nicht selten eine negative Bedeutung. Sie sind Ursache zu menschlichem Stolz. Meist sind sie geschlossen. Immerhin: Das Notenbuch ist offen, und offen zeigt sich auch das Blatt mit der Radierung: Hinweise für den Wert der Kunst?

Geöffnet sind die Bücher auch auf einem anderen Stilleben von Stoskopff, wo Lukas Cranachs berühmtes Luther-Porträt gezeigt wird. Dort ist die Heilige Schrift halb offen und zerlesen. Hier gibt es ebenfalls eine Sanduhr, doch es gibt noch reichlich Sand darin – Zeichen dafür, dass Gott unser Leben gnädig erhält. Und vor allem: Es gibt keinen Totenschädel, wo an das Evangelium geglaubt wird. In der Bildmitte sehen wir anstelle des Schädels das lebensspendende Gotteswort.

Wir alle kennen die Gefühle, die sich zum Jahreswechsel einstellen: “Schon wieder vorbei! Die Zeit vergeht so schnell! Was bleibt?”
Stoskopff lädt uns ein, sich auf das wirklich Wichtige zu besinnen und dieses ins Zentrum zu rücken. Die Botschaft des „Ewigen“ ist in der Welt zwar bedroht und am Rand. Vielleicht ist es sogar in unserem eigenen Leben bedroht und marginal. Rücken wir es deshalb vom Rand immer wieder ins Zentrum. Vielleicht sogar zusammen mit der Wasserflasche aus dem „Vanitas“-Bild, die eine zweite Bedeutung haben könnte: Das Wasser als biblisches Sinnbild für den Geist Gottes. Im Bild erscheint es zwar als völlig wertlos, aber der Maler hat es zusammen mit der Notiz ganz in den Vordergrund gerückt. Und es ist im Grunde das einzige auf dem Bild, was Leben spendet.

Euch ein reich gesegnetes 2017 !

Text: Beat Rink

Das unvergängliche Vermächtnis von Charles Schulz

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Linus Christmas Speech

1950 war ein Jahr, in dem in der populären Kunst-Szene einige bemerkenswerte Phänomene auftauchten. Um einige wenige zu nennen: Der König von Narnia von C.S.Lewis erschien; Cinderella, einer der besten Animationsfilme kam in die Kinos, und das Fernsehen wurde für den Mittelstand erschwinglich und ersetzte den Rundfunk als wichtigstes Massenmedium – auch bei uns zuhause. Zudem bekam ein unbekannter junger Kunstlehrer einen Vertrag für seinen Comic Strip L’il Folks, der bald in vielen Zeitungen quer durch die USA abgedruckt wurde. Ein Streit um den Namen L’il Folks (ein anderer Comic Strip hatte ähnlich geheissen) veranlasste den Zeichner Charles Schulz allerdings zu einer Namensänderung: Die Peanuts waren geboren und entzückten von da an Millionen von Menschen mit ihren Geschichten.

Hier einige interessante Fakten zum Werk von Charles Schulz (1922-2000): Seine Comics sind mit 18’000 Episoden die grösste Bildgeschichte, die je erzählt wurde. Somit ist sie die “längste Geschichte, die von einem einzelnen Menschen erzählt wurde” Katherine Brooks). Ein zweites Detail: Die Peanuts haben bisher 355 Millionen Leser in 75 Ländern erreicht und wurden in 21 Sprachen übersetzt. Drittens: “Charlie Browns Weihnachten” gehörte 1965 zu den ersten Cartoons, die es vom Printmedium ins Fernsehen schafften. Ein letzter Punkt: Charles Schulz war ein bekennender Christ! Seine Werte und sein Weltbild waren eindeutig christlich und kosteten ihn beinahe den Erfolg. Besonders mit dem Einzug ins Fernsehen, d.h. mit seinem Weihnachts-Special, bekannte er sich öffentlich zum Glauben. Allerdings hätte es dieser kurze Animationsfilm fast nicht ins Fernsehen geschafft. Die Produzenten befürchteten, dass er den Ruf des Charlie Brown für immer ruinieren würde.
Doch das Gegenteil geschah: Nach seiner ersten Ausstrahlung wurde dieser einzigartige kleine Film in viele Sprachen übersetzt und trug entscheidend zum exponentiell wachsenden Erfolg von Charles Schulz bei. Ein zweiter, fast gewichtigerer Einwand kam vom Hauptsponsor Coca Cola, der die Lesung der Weihnachtsgeschichte streichen wollte. Diese würden die Millionen von Comic-Freunden vor den Kopf stossen, die nicht den gleichen Glauben teilten, so lautete das Argument. Doch für Schulz war klar: Der Film drehte sich um die “wahre Bedeutung von Weihnachten”. Deutlich wird dies, wenn am höchsten Spannungspunkt ein niedergeschlagener und völlig erschöpfter Charlie Brown ausruft: “Kann mir den niemand erklären, um was es bei Weihnachten geht?” Worauf tritt der bescheidene Linus auftaucht und meint: “Ich kann dir erklären, was Weihnachten ist, Charlie Brown.” Linus stellt sich in die Mitte der Bühne und zitiert auswendig Lukas 2,-8-14. Kürzlich meinte ein Freund: “Ist dir dieses kleine, aber genial Detail aufgefallen, dass Linus bei den Worten “Fürchtet euch nicht” sein Tuch fallen lässt?” Zur Zeit von Schulz war es in den USA alles andere als üblich, die wahre Bedeutung von Weihnachten zu erwähnen, geschweige denn sie öffentlich zu thematisieren. Doch Schulz blieb unerbittlich und drohte mit dem Produktionsstopp. Was für ein schönes Beispiel für beharrliche Kunst zu Gottes Ehre. Dabei geht es bei “Kunst zu Gottes Ehre” nicht um die Frage, ob der Glaube explizit oder implizit Eingang in ein Werk findet, sondern darum, ob die Kunst mit diesem Anliegen echt ist. Schulz hat uns in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel gegeben, das als Vermächtnis bestehen bleibt.
Als glaubende Künstler bekennen wir mit Charles Schulz: “Jesus ist der wahre Grund für das Fest!” Lasst uns mit neu entfachter Leidenschaft die Schönheit einer kompromisslos echten Kunst feiern!

Text: Dr.Jim Mills / Übersetzung: Beat Rink

Dr. Jim & Anne Mills betreuen das Netzwerk Creative Arts Europe. Dieses europaweite Beziehungs-Netzwerk unter Künstlern teilt und fördert die Vision von Kunst, die aus einem christlichen Weltbild und aus dem Glauben an das Evangelium heraus entsteht. Das Ehepaar wirkt als Pastoren und Künstler und ist auch mit seiner Musik in vielen europäischen Ländern bekannt geworden.
www.creativeartseurope.com

Eine wundervolle Weihnachtskantate von 1953

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Arthur Honeggers (1892-1955) Weihnachtskantate gehört zu den wundervollsten Vertonungen des Weihnachtsgeschehens aus neuerer Zeit. Es ist ein Werk aus der Mitte des 20.Jahrhunderts. Dies ist nicht nur an seiner musikalischen Sprache ablesbar, sondern auch am Weg, auf den der Komponist uns Zuhörer mitnimmt. Die Kantate beginnt mit düsteren Klängen zu den Worten „De profundis clamavi ad te, Domine“ – „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“. Dieser Klageruf aus Psalm 129 (bzw.130) liegt übrigens auch dem 2.Satz der 3. Symphonie („Liturgique“) zugrunde, die Honegger in den Kriegswirren von 1945 geschrieben hat. Die 2.Symphonie, geschrieben 1941 im besetzten Paris, beginnt ebenso düster.

Aber wie sich Honeggers Musik in diesen beiden Symphonien nicht der Verzweiflung überlässt (die 2.Symphonie endet mit einem Trompetenchoral, die 3.Symphonie mit der musikalischen Umsetzung des Gebets „Dona nobis pacem“), so bricht in der Weihnachtskantate bald die Botschaft herein, „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch grosse Freude…“, überbracht vom Bariton-Solo. Und nun öffnet sich allmählich der Himmel. Die Engel stimmen verschiedene Weihnachtslieder an, die sich zu einem gewaltigen Klangteppich verweben. Die 1940 begonnene und 1953 vom todkranken Komponisten vollendete Weihnachtskantate mündet in ein fast explosionsartig hervorbrechendes „Laudate omnes gentes“ und schliesst mit einem breit gemalten Amen, nach dem noch einmal Weihnachtsmelodien anklingen.
Es lohnt sich, das ganze Werk in einer ruhigen Stunde zu geniessen.

Wir wünschen unseren TUNE IN-Leserinnen und Lesern (es sind mittlerweile weltweit gegen 3000 Künstler aus verschiedenen Sparten und vielen Ländern) von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Text: Beat Rink

Lebenskunst

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Wenn wir heute über Kunst sprechen, meinen wir Tanz und Musik, Film und visuelle Kunst, Literatur und Theater – und vielleicht auch angewandte Künste wie Architektur, Mode und Design. Dieses Verständnis von „Kunst“ ist verhältnismässig eng. Und vor allem ist es neu. Dies wird deutlich, wenn man die Geschichte bedenkt. Albrecht Dürer (1471-1528) verstand seine Kunst noch zu einem guten Teil als angewandte Geometrie. Der Philosoph Reimund B. Sdzuj schreibt: „Was man heute unter der Bezeichnung Kunst zusammenfasst und zum Beispiel von Johann Christoph Gottsched (1700-1766) eher beiläufig in der uns vertrauten Fünfzahl von Dichtkunst, Musik, Malerei, Baukunst und Bildschnitzen erwähnt wird, verteilte sich bis ins 18. Jahrhundert auf Wissenschaft (ars poetica als Teil der Rationalphilosophie), freie Künste (artes liberales wie Musik qua Wissen), Handwerk (artes illiberales: „ein Bild mahlen, Lasten tragen“, Musizieren) und … artes ludicrae, zu denen „Seil- tanzen, Comoedien, Gauckeln, Taschen-Spielen“ gezählt wurden, und …seit dem 17.Jahrhundert auch Oper und Roman.“ (Reimund B.Sdzuj. Adiaphorie und Kunst
Studien zur Genealogie ästhetischen Denkens)
Bis weit ins 18.Jahrhundert hinein verstand man zudem Kunst als etwas „Nützliches“. Und man wäre niemals auf die Idee gekommen, sich zu Kunst kontemplativ zu verhalten, das heisst vor einem Kunstwerk oder beim Anhören eines Musikstücks zu „meditieren“.

Unser Kunst-Verständnis ist also historisch gewachsen. Das heisst nicht, dass es völlig falsch ist. Aber es darf (und muss) immer wieder hinterfragt werden, wo der Kunstbetrieb seltsame Blüten treibt. Und er treibt oft sehr seltsame Blüten !
Wir tun gerade als Christen gut daran, unser eigenes „Kunstschaffen“von jener „Lebens-Kunst“ her zu prüfen, wie sie uns in der Bibel (zum Beispiel in den Sprüchen) empfohlen wird.
Darum ist es auch richtig, als Künstler auf Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) zu hören, wenn dieser in “Widerstand und Ergebung” über das “Qualitätsgefühl” schreibt. Bonhoeffer bezieht sich dabei nicht auf Kunst in engerem Sinn, sondern er meint Lebens-Kunst:

“Es geht auf der ganzen Linie um das Wiederfinden verschütteter Qualitätserlebnisse, um eine Ordnung auf Grund von Qualität. Qualität ist der stärkste Feind von Vermassung. Gesellschaftlich bedeutet das den Verzicht auf die Jagd nach Positionen, den Bruch mit allem Starkult, den freien Blick nach oben und nach unten, besonders was die Wahl des engeren Freundeskreises angeht, die Freude am verborgenen Leben wie den Mut zum öffentlichen Leben. Kulturell bedeutet das Qualitätserlebnis die Rückkehr von Zeitung und Radio zum Buch, von der Hast zur Muße und Stille, von der Zerstreuung zur Sammlung, von der Sensation zur Besinnung, vom Virtuosenideal zur Kunst, vom Snobismus zur Bescheidenheit, von der Maßlosigkeit zum Mass. Quantitäten machen einander den Raum streitig, Qualitäten ergänzen einander.”

Fragen:
Was heissen die Worte Bonhoeffers für uns als Künstler?
Wo sollten wir Lebens-Kunst pflegen – statt nur „Kunst“ in engerem Sinn?

Text: Beat Rink

Der Segen der Kunst

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Wie wichtig Kunst ist, erfährt man in Ländern, wo diese rar ist.

Bei unseren derzeitigen Afrika-Projekten sind wir Maria* begegnet. Sie wirkt in einem einwöchigen Chorprojekt mit, das wir seit 2 Jahren in Kigali durchführen. Ihre Lehrerin stellt nun dieses Jahr grosse Fortschritte in der Stimme von Maria fest. Und ihr lokaler Mentor fügt etwas Wichtiges hinzu: „Maria ist, seit sie im Chor singt, eine andere Person. Sie ist im Vergleich zu früher enorm aufgeweckt und übernimmt selber Verantwortung – zum Beispiel in der Kirche. Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen ihrer Freude am Singen und ihrer persönlichen Entwicklung.“

Thomas* ist ein junger Mann. Er sagt: „In Ruanda haben wir jungen Leute kaum Selbstvertrauen. Unsere Eltern sind im Genozid umgekommen und so mussten wir als Waisen aufwachsen. Erst durch den Musikunterricht habe ich Selbstvertrauen gewonnen. Mein Lehrer hat mir geholfen, das richtige Instrument zu wählen und meinen Stil zu finden. Jetzt weiss ich, dass ich etwas kann.“

Jean-Pierre* sagt: „Ich bin vom Land in die Stadt gekommen. Ich fühlte mich hier von Anfang an minderwertig. Aber dann habe ich gemerkt: Meine künstlerische Ausdrucksweise ist einzigartig. Ich selber bin einzigartig und muss mich nicht minderwertig fühlen.“

Alle, die künstlerisch tätig sind, wissen es längst: Kunst fördert die „Individuation“ – sprich: die Selbst-Findung und die Persönlichkeitsentwicklung. Kunst eröffnet Zugänge zu verschlossenen Emotionen. Kunst wirkt heilend. Kunst tröstet. Kunst ist eine wunderbare Schöpfungsgabe und ein Segen, wo sie verantwortungsvoll und sorgfältig ausgeübt wird. Und erst recht, wo der Künstler offen ist für das Wirken des „Creator spiritus“, den Schöpfergeist Gottes. Der Künstler: das heisst auch gerade der Musik- und der Kunstlehrer wissen das gut.
Wie wichtig Lehrer und Mentoren sind, wird an den in Afrika erzählten Berichten auf wunderbare Weise deutlich. Auch wenn man auf anderen Kontinenten und vor allem in „kulturgesättigten“ Ländern solche Geschichten kaum hört: Es gibt sie bestimmt auch dort zu Hauf.
Jeder Kunst- und Musikunterricht, jedes gute Kunstwerk bewirkt Segen! Lasst uns – auch inmitten aller ermüdenden und manchmal frustrierenden „Knochenarbeit“, die man als Musik- und Kunst-Lehrer und als Künstler nur zu gut kennt – Gott dafür danken.

*Name geändert

Text: Beat Rink

Singt Gott in euren Herzen…

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Foto: Rwanda on the 28.11.2016 – choir project with “Music Road Rwanda” / Crescendo

“Singet Gott dankbar in euren Herzen mit Psalmen, Hymnen und Liedern aus dem Geist.” (Kolosser 3:16)

Dieser Vers wird oft zitiert, wenn es um die Bedeutung des Singens und der Kirchenmusik geht. Tatsächlich ist Singen in der Bibel wichtig.
Das Verb kommt im Alten Testament 309 mal vor und im Neuen Testament 36 mal.
Nur: Hier geht es gar nicht um das laute Singen, sondern um eine Herzensbewegung. Um etwas, was im Verborgenen geschieht. Liest man den Kolosserbrief, so findet man einige weitere Stellen, die über das „Verborgene“ sprechen.

Über das Verborgene im Innern des Menschen:
„Lasset das Wort Christi reichlich wohnen IN euch…“ 3:16
„Der Friede Christi regiere IN euren Herzen“ 3:15)

Über das, was „in Gott verborgen“ ist:
„…zu erkennen das Geheimnis Gottes, das Christus ist, in welchem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis VERBORGEN liegen“ 2:2f.
„Euer Leben ist VERBORGEN mit Christus in Gott“ 3:3).

Geht uns Christen dieser Blick auf das VERBORGENE verloren und hören wir auf, auf das INNERE zu achten, geraten wir in andere Einflussbereiche.
Paulus warnt: „Trachtet nicht nach dem, was auf Erden ist“ (3:2). Er ordnet dem „Irdischen“ einen langen Lasterkatalog zu (3:5-8). Und er spricht von den Mächten dieser Welt, die zu gesetzlicher Frömmigkeit verführen (2:16-22), sozusagen zu einem verkrampften, nicht wirklich erlösten Christ-Sein.
Dem Leben der Heiligen aber, die mit Christus gestorben und auferstanden sind (2:12f.) ordnet er aber einen langen Tugendkatalog (3:12-14) zu, zu dem herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Geduld und über allem Liebe gehören.

Von Georg Friedrich Händel (1685-1759) ist überliefert, dass er sich in einer „Messias“-Probe bei der Arie „Ich weiss, dass mein Erlöser lebet“ an die Sängerin wandte und sagte: „Sie singen schön, aber sie wissen nicht, dass ihr Erlöser lebt.“

Gerade in der angebrochenen Adventszeit ist es sicher nicht falsch, sich von Paulus fragen zu lassen (und es vielleicht auch in den Chorproben oder im Musikunterricht anzusprechen):
Leben die Arien und Choräle, die wir anstimmen, auch in unseren Herzen? Erklingt ihre Botschaft zunächst in unserem INNEREN, bevor wir sie singen? Suchen wir immer wieder die VERBORGENEN Schätze in Gott?
Vielleicht ist es ja ein praktischer Tipp, den Paulus uns da gibt: Stimmt immer wieder dankbar in eurem INNEREN ein Lied an.

Text: Beat Rink

Newsletter November 2016

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Rückblick Kunst_Forum_16 in Biel

Kunst_Forum_16
Am 5. November fand in Biel das erste Sparten übergreifende Forum für Kunst und Glaube in Zusammenarbeit mit BART, Magazin für Kunst und Gott, statt. Wir erlebten einen intensiven, vielseitigen, inspirierenden und ermutigenden Tag.

Einige bildliche Impressionen sind zu finden auf unserer Homepage unter: Medien/Galerie.

Die interessanten Vorträge der drei Hauptreferenten können zudem unter: Medien/Audio noch einmal angehört werden. Ein Vortrag wurde zudem auf Video aufgezeichnet.

Alle die nicht am Kunst_Forum teilgenommen haben und die fundierten Vorträge der Redner anhören, dürfen gerne einen Unkostenbeitrag zugunsten des Forums und der Arbeit von ARTS+ zukommen lassen. Siehe Spenderinfos weiter unten. Besten Dank!

Prix Plus: Vergabe 2016 und Einreichung 2017

Prix Plus und Förderpreis
Seit Jahren zeichnet Arts+ Kunstschaffende aus. Der Prix Plus 2016 wurde vergeben an die Basler Theaterregisseurin Corinne Maier. In der Laudatio lobte Schauspieler Adrian Furrer vom Luzerner Theater und Vorstandsmitglied von ARTS+ ihre Regieleistung des Stücks „Like a prayer“, das sie zusammen mit den Schauspielern Julia Bihl und Johannes Dullin erarbeitete.

Den Förderpreis übergab Beat Rink vom ARTS+ Vorstand an Tobias Gutmann für seinen „Fac-o-mat“ (www.face-o-mat.com). Der Fac-o-mat ist eine Mischung zwischen Künstler und einer analogen Maschine. Tobias Gutmann zeichnet abstrakte Deutungen von Menschen. 2’656 Personen aus verschiedensten kulturellen Hintergründen wurden bereits auf diese Weise portraitiert. Mit dem Projekt hat er weltweit bisher knapp 120.000 Km zurückgelegt.

Für den PrixPlus 2017 können ab jetzt künstlerische Projekte eingereicht werden, die in diesem Jahr in der Schweizer Öffentlichkeit den christlichen Glauben thematisiert haben und Menschen angesprochen hat, über den christlichen Glauben nachzudenken und zu diskutieren. Eingabefrist: 31.3.2017
Weitere Informationen und das Anmeldeformular sind zu finden auf der ARTS+ Homepage.

Nacht des Glaubens – Festival für Kunst & Kirche in Basel, 2. Juni 2017

NdG
Die Nacht des Glaubens findet am 2. Juni 2017 in Form eines SPOT in und um das Münster und den Münsterplatz in Basel statt. Aus aktuellem Anlass soll auch das Thema Fussball aufgegriffen werden. Wie der Veranstalter erst im Sommer erfuhr, findet an dem Tag das Endspiel der Super League und Heimspiel für den FC Basel statt – mit der möglichen Meisterfeier in der Innenstadt. Dies wirkt sich direkt auf die geplante Nacht des Glaubens aus. Deshalb sieht sich der Veranstalter (Verein Kulturförderung Basel Stadt) veranlasst, den Event in anderer Form als SPOT durchzuführen. Weitere Infos:
www.nachtdesglaubens.ch

Künstlertreffs

Künstlertreff1
Künstlertreff2

ARTS+ 2017?

ARTS+
Für Studenten möchten wir ab 2017 einen Studentenpreis (50% des Mitgliederbetrages) anbieten. Weitere Informationen zur Mitgliedschaft sind hier zu finden.

Ob ARTS+ in der Form wie bisher bestehen kann, ist momentan ungewiss, denn bis zum Jahresabschluss fehlen für die Arbeit noch rund CHF 20.000,-. Wenn Du mithelfen kannst, ARTS+ finanziell zu unterstützen, sind wir dankbar um jede Spende. Weitere Informationen hier.

Euer ARTS+ Team
Timo Schuster

Eine gesungene Paradoxologie

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Eine gesungene Doxologie

Es ist kein Schreibfehler. Ich wage ein Wortspiel: Paradoxologie. Der Ausdruck ist einem Aphorismus entsprungen: “Dann soll, was uns am Glauben widersprüchlich erscheint, wenigstens zur Paradoxologie führen. Hauptsache, das Lob erklingt dennoch!” Paradox meint bekanntlich widersprüchlich. Und Doxologie meint Lob Gottes. Eine Paradoxologie wäre also ein “Gotteslob trotz allem.”

Kennen wir das: Sobald das Leben schwierig wird, hören wir mit dem Gotteslob auf und lassen die Verse des Paulus: “Singet Gott dankbar in euren Herzen” (Kolosser 3,16) hinter uns? Es ist sicher gut, wenn wir um der Wahrhaftigkeit willen unsere Stimmungslage, Gefühle und Gedanken nicht unter einem gekünstelten Lob ersticken. Zudecken und Ersticken ist falsch – ebenso wie Heuchelei. Aber wir kennen doch auch das Andere: Durch das Lob Gottes “trotz aller Umstände” kann unsere innere Not kleiner werden, können Ängste verschwinden, kann Wut sich abkühlen, kann Depression weichen. Wir singen dann vielleicht in unseren Herzen kein jubeldes, sondern ein gebrochenes “Hallelujah”, ein “Broken Hallelujah”, wie es der letzte Woche verstorbene Leonhard Cohen (1934-2016) (neben anderen Liedern mit stark christlichen Anklängen) auf so innige, wenngleich textlich eher verstörende, postmodern patchwork-artige Weise gesungen hat.

Ein wunderbares “broken Hallelujah” finden wir in Händels Oratorium “Theodora” (1749). Im Text kommt das Wort “Hallelujah” nicht vor, dafür erklingt ein vertrauenvolles Gebet mitten in Nöten. Denn “Theodora” ist ein Märtyrerdrama. Es ist das einzige dramatische Oratorium von Georg Friedrich Händel (1685-1759) mit einer ausgesprochen christlichen Thematik.

Kurz zum Inhalt: Es handelt von einer antiochischen Prinzessin, die sich weigert, den Göttern zu Ehren des Kaisers zu opfern. Der römische Herrscher Valens ordnet an, sie an den “abscheulichen Ort”bringen zu lassen: in ein Bordell, wo sie dem Vergnügen der Soldaten dienen soll. Dies wäre für die keusche Theodora ein weitaus schlimmeres Schicksal als der Tod. Doch ein römischer Soldat mit Namen Didymus, der in Liebe zu ihr entbrannt ist, schleicht sich in ihre Kerkerzelle und überredet sie dazu, seine Kleider anzuziehen und zu entfliehen, während er an ihrer Stelle stirbt. Valens, ausser sich vor Wut, verurteilt Didymus zum Tode, und Theodora folgt ihm freudig ins Martyrium nach.

Hier der Text der Arie, auf Youtube wundervoll gesungen von Bernarda Fink (und im zweiten Link sehr schön interpretiert von Dalma Kranyak und Oana Zamfir, die als Studentinnen des “Crescendo Sommerinstituts” im Zempleni-Festival auftraten):

Lord, to Thee each night and day,
Strong in hope, we sing and pray.
Though convulsive rocks the ground,
And thy thunders roll around,
Still to Thee, each night and day,
We sing and pray.

Dir, o Herr, am Tag und in der Nacht
singen und beten wir, in Hoffnung stark.
Bebt unter uns der Boden auch
und dein Donner ringsum dröhne,
singen wir doch und beten zu dir Tag und Nacht.

Diese grossartige Arie hat es nicht zum Evergreen geschafft wie das Hallelujah im Messias. Sie hätte es aber verdient, mehr beachtet zu werden.

Wo sollten wir vielleicht gerade in einer jetzigen Lebenssituation eine “Paradoxologie” anstimmen? Wo sollten wir ein “broken Hallelujah” erklingen lassen – im Vertrauen, dass Gott gerade in schwierige Situationen und Lebensbereiche hinein wirken und helfen kann?

Text: Beat Rink

LINK 1 (Bernarda Fink)
LINK 2 (Dalma Kranyak and Oana Zamfir)
LINK 3 (Leonhard Cohen)

Kunst_Forum_16: Verleihung Prix Plus und Förderpreis

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Seit Jahren zeichnet Arts+ Kunstschaffende aus.

Der Prix Plus 2016 wurde vergeben an die Basler Theaterregisseurin Corinne Maier. In der Laudatio lobte Schauspieler Adrian Furrer vom Luzerner Theater und Vorstandsmitglied von ARTS+ ihre Regieleistung des Stücks „Like a prayer“, das sie zusammen mit den Schauspielern Julia Bihl und Johannes Dullin erarbeitete.

Den Förderpreis übergab Beat Rink vom ARTS+ Vorstand an Tobias Gutmann für seinen „Fac-o-mat“ (www.face-o-mat.com). Der Fac-o-mat ist eine Mischung zwischen Künstler und einer analogen Maschine. Tobias Gutmann zeichnet abstrakte Deutungen von Menschen. 2’656 Personen aus verschiedensten kulturellen Hintergründen wurden bereits auf diese Weise portraitiert. Mit dem Projekt hat er weltweit bisher knapp 120.000 Km zurückgelegt.

Das war das Kunst_Forum_16

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Am 5. November fand in Biel das erste Sparten übergreifende Forum für Kunst und Glaube in Zusammenarbeit mit BART, Magazin für Kunst und Gott, statt. Ein sehr vielseitiger, inspirierender und ermutigender Tag liegt hinter uns.

Einige bildliche Impressionen sind zu finden unter Medien/Galerie

Weitere Informationen zum Tag sind noch zu finden auf der Kunst_Forum Seite.

Die interessanten Vorträge unserer drei Hauptreferenten können zudem unter Medien/Audio noch einmal angehört werden. Ein Vortrag wurde sogar auf Video aufgezeichnet: http://artsplus.ch/kunst_forum_16. Alle die nicht am Kunst_Forum teilgenommen haben und die fundierten Vorträge der Redner anhören, dürfen gerne einen Unkostenbeitrag zugunsten des Forums und der Arbeit von ARTS+ einzahlen. Weitere Spenderinfos. Besten Dank!

Nachfolgend sind einige lesenswerte Artikel aufgeführt, die über diesen Tag in Biel berichten:

idea Spektrum Schweiz
Katholisches Medienzentrum
Livenet.ch

Kunst_Forum_16

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Vortrag von Dr. theol. Wolfgang J. Bittner zum Thema “Schöpfung und Verwandlung – theologische Beobachtungen zu Kunstproduktion und Kunstrezeption”

Anregung oder Manipulation, Freude oder Beschämung, Wahrnehmbarkeit und Verborgenheit, angemessene Fragen und nicht erwartete Antworten, was man sehen kann und was man nicht verstehen will.

Der Vortrag ist auch auf französisch zu hören: https://www.youtube.com/watch?v=ElpC_jZVwBc&feature=youtu.be

Kunst im Dienst der Wahrheit

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Vor einigen Tagen starb hochbetagt die „grand old lady“ der österreichischen Literatur, Ilse Aichinger (1921-2016). Wobei es weder zur Person noch zur Schreibweise von Aichinger passt, sie als „grand“ zu bezeichnen. Sie übte sich in Bescheidenheit und ihre Texte (vorab Gedichte) waren eher subversiv. Subversiv wie „Maulwürfe“ – so ein Buchtitel ihres längst verstorbenen Mannes, des Schriftstellers Günter Eich (1907-1972). Auch der einzige Roman von Ilse Aichinger ist auf seine Weise subversiv:
„Die grössere Hoffnung“. Er erschien im Jahr 1947, also zur sogenannten „Stunde Null“ der deutschen Nachkriegsliteratur. In dieser Stunde Null war der Schreibstil der Vorkriegszeit überholt. Es gab zwar Dichter wie Hermann Hesse (1877-1962), die 1945 noch pathetisch singen konnten: „Wollet! Hoffet! Liebt! Und die Erde gehört euch wieder.“

Aber Günter Eich dichtete:
Dies ist meine Mütze,
dies ist mein Mantel,
hier mein Rasierzeug
im Beutel aus Leinen. …

LINK zum ganzen Gedicht:http://www.deutschelyrik.de/index.php/inventur.html

Der Unterschied im sprachlichen Gestus ist unüberhörbar. Dahinter steckt der Wille, nach all dem Grauenvollen nicht zur Tagesordnung überzugehen und die „Güte“ des Menschen zu preisen, sondern eine realistische Inventur zu machen von dem, was noch übrigbleibt. Und es ist nicht viel an äusseren Gütern und nicht viel an Vertrauen in die Güte des Menschen, was übrigbleibt.

Ilse Aichinger schreibt 1946 einen Essay “Aufruf zum Mißtrauen”:

„Beruhigen Sie sich, armer, bleicher Bürger des XX. Jahrhunderts! (…) Sie sollen nicht Ihrem Bruder mißtrauen, nicht Amerika, nicht Rußland und nicht Gott. Sich selbst müssen Sie mißtrauen! Ja? Haben sie richtig verstanden? Uns selbst müssen wir mißtrauen. Der Klarheit unserer Absichten, der Tiefe unserer Gedanken, der Güte unserer Taten! Unserer eigenen Wahrhaftigkeit müssen wir mißtrauen! Schwingt nicht schon wieder Lüge darin? …Unserer eigenen Liebe! Ist nicht angefault von Selbstsucht? Unserer eigenen Ehre! Ist sie nicht brüchig vor Hochmut? “

Hier dringt bei der Halb-Jüdin Ilse Aichinger schon fast „biblischer Realismus“ durch wie auch in ihrem 1947 erschienenen Roman „Die grössere Hoffnung“. Dort suchen halb-jüdische Kinder und in ihrer Mitte das Mädchen Ellen ihre Rettung. Ellens Hoffnung ist die Reise nach Amerika, wohin ihre Mutter geflohen ist. Aber in Ellen lebt noch eine andere Welt – und eine grössere Hoffnung, die nichts mehr mit dieser irdischen Realität zu tun hat. Ja, an ihrem kindlichem Wesen, Hoffen und Träumen gerät das weltliche Machtgefüge ins Wanken und löst sich auf – so wie im hereinbrechenden Bombenhagel die Häuser zusammenstürzen.

Die kindliche Welt erweist sich dabei als stärker als die Welt der Erwachsenen. Die Welt der Erwachsenen wird durch die Optik der Kinderaugen betrachtet, was dem Roman ein surreales Gepräge gibt. Obwohl sich Ilse Aichinger meines Wissens nicht zum christlichen Glauben bekannt hat und einmal meinte, das grösste Unglück sei die Genesis gewesen (meinte sie Genesis 1 oder Geneis 3?), gibt es besonders in „die grössere Hoffnung“ biblische Anklänge. So tauft Ellen ihre sterbende Grossmutter. Da ist vom König David die Rede und von Engeln. Und der Roman schliesst, nachdem eine Granate Ellen in Stücke reisst, mit dem Satz „Über den umkämpften Brücken stand der Morgenstern.“ Der Stern (der hell leuchtende Judenstern auf den Kleidern) ist im Roman Sinnbild dieser Hoffnung.

In TUNE IN 193 war von der Wahrheit die Rede, die in der Kunst aufleuchtet (siehe den Vortrag von Wolfgang Bittner.)* Zu wahrhaftiger Kunst gehört, dass sie verneint, was beschönigen und idealisieren will. Im Werk von Ilse Aichinger lässt sich ein starker Wille ablesen, wahrhaftig zu sein und nichts zu beschönigen – und trotzdem (oder gerade deshalb) an einer nicht-ideologischen „grösseren Hoffnung“ festzuhalten.

Text: Beat Rink

* Der Vortrag ist mitterweile auf Youtube: Deutsch https://www.youtube.com/watch?v=DnzgBmiHbVE und mit französischer Übersetzung: https://www.youtube.com/watch?v=ElpC_jZVwBc

Kunst und das “Schöne, Wahre und Gute”

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Unter dem Titel Kunst_Forum fand soeben eine Tagung statt, zu welcher der Schweizer Zeig des internationalen Künstler-Netzwerks ARTS+ eingeladen hatte. (ARTS+ ist ein Netzwerk von christlichen Kunst-Initiativen).
Drei prominente Theologen sprachen über Kunst und traten mit den rund 100 anwesenden Künstlern in ein reges Gespräch.

Der Theologe Dr. Wolfgang Bittner (*1947) sprach unter anderem von der Erfahrung, dass Kunstwerke auf besondere Weise anrühren und etwas vermitteln können, was das blosse Anschauen oder Lesen oder Anhören „übersteigt“. Das kann auch auf einem Spaziergang geschehen: Plötzlich stehen wir vor einer Landschaft, in der etwas Besonderes liegt – etwas, was unsere gewöhnliche Erfahrung „übersteigt“. Über und in dieser Landschaft ist auf einmal noch „mehr“ da.

Auch beim Anschauen eines Kunstwerks können wir dies erfahren: dass Wirklichkeit „überstiegen“ wird. Und dabei geschieht oft noch etwas Zweites: Man „übersteigt“ sich vor diesem Kunstwerk selber auf etwas „Grösseres“ hin.
Wir können dies von einem Kunstwerk nicht einfordern und auch nicht wirklich erwarten. Aber wir können uns danach sehnen. Die Theologie kennt für das „Übersteigende“ den Ausdruck „Transzendenz“. Sie hat Gott Transzendentailien zugeschrieben. Dazu gehören das Gute, das Wahre und das Schöne (bonum, verum, pulchrum). Gott ist vollkommen gut, vollkommen wahr und vollkommen schön. Und Gott „übersteigt“ nun sich selber mit Gutem, Wahrem und Schönem – zu uns hin. Er bewegt sich damit auf uns zu und schenkt uns das „bonum, verum Et pulchrum“.

Auch in der Kunst können wir (wie in der Beziehung zu einem anderen Menschen) erfahren: Da kommt uns etwas Gutes, Wahres und Schönes entgegen. Und wir können darauf eine Antwort geben, indem wir immer wieder versuchen, zu „glauben“, zu „lieben“ und zu „hoffen“.
Glauben heisst: sich einlassen auf das Zuverlässige und auch selber zuverlässig werden.
Hoffen heisst: sich einlassen auf das, was noch nicht da ist. Dies im Wissen, dass ich heute schon damit leben kann, auch wenn es noch nicht da ist.
Lieben heisst: ich übersteige alles Schmerzhafte, Hässliche, Schwere, Widerständige mit Liebe. Wir „können“ nicht aus eigener Kraft glauben, lieben und hoffen, sondern müssen es immer wieder erbitten.

Paul Klee (1879-1940) sagt: „Kunst lehrt sehen“. Kunst kann uns lehren, dass wir am „Übersteigenden“ nicht vorbei gehen. Kunst kann uns empfindsam machen für das „Übersteigende“, das uns von Gott her zukommt.

artsplus.ch
wolfgang-bittner.net

Text: Beat Rink

EIN KUNST-MANIFEST

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In diesen Tagen wird (in Partnerschaft mit Crescendo) eine neue christliche Bewegung lanciert, die unter Musikstudenten und Musikern in der populären Musik wirkt. Das junge Team von „Central Music“ (http://centralmusic.net) hat ein Manifest veröffentlicht, das die Buchstaben C-E-N-T-R-A-L aufnimmt und gute Gedankenanstösse gibt, die für Künstler aller Sparten bedenkenswert sind. Hier einige Auszüge:

C
MEINE IDENTITÄT IST IN CHRISTUS
Im Himmel gibt es keine Carnegie Hall, keine Preisverleihungen und keine Charts. Deshalb sollte unsere Identität auch nicht in solchen Dingen gegründet sein. Wir sollten uns nicht abhängig machen von der Anzahl verkaufter Tonträger und auch nicht davon, was die Leute von uns halten. Gott macht dich aus Gnade zu seinem Kind. Das ist ein Geschenk, das nur angenommen, niemals verdient werden kann.

E
MEINE KUNST ERFREUT MICH
Es ist nicht falsch wenn du an deinen künstlerischen Begabungen unablässig schleifst. Aber es ist falsch, wenn dich das, was du bisher erreicht hast, nicht auch erfreuen kann.

N
ICH SUCHE IMMER WIEDER NEUES
Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Aber das heisst nicht, dass wir nicht Neues schaffen sollen. Deine Kreativität ist eine Gabe Gottes. Er hat übrigens, als er Dich schuf, etwas ganz Neues geschaffen, das vorher so noch nie da war. Nimm beides an und in dich auf: Grosse Kunst, die aus der Vergangenheit auf dich zukommt – und neue Ideen. Sei auf deine Weise neu-schöpferisch oder interpretatorisch tätig – auf DEINE Weise!

T
MEINE TATEN SIND BESSER ALS MEINE KUNST
Deine Taten sollten besser sein als dein bestes Kunstwerk. Zuallererst bist du ein Mensch – und Kunst ist sekundär. Versuche, als Partner, Freund oder Elternteil dein Bestes zu geben – und zu sein.

R
ICH WEISS: ERFOLG IST RELATIV
Geniale Einfälle kommen und gehen. Schäme dich nicht über „vergeudete“ Zeit. Kreativität braucht immer Zeit und Musse. Und Erfolg ist letztlich nicht messbar. Ist ein begeistertes Publikum mehr als ein einzelner Mensch, dem man eine einzigartige Freude gemacht hat?

A
ICH WILL AUSGEZEICHNETE KUNST
Du kannst nicht perfekt sein, aber das Beste aus dir herausholen. Strebe nach ausgezeichneter Qualität. Gib dein Bestes, wo immer du deine Kunst zeigst. Auf ahlbem Weg stehenbleiben bringt nichts.

L
ICH LASSE MEINE GABEN GOTTES SYMPHONIE AUFGEHEN
Wo auch immer du als Künstlerin tätig bist: Lass dein Talent in einem grösseren Ganzen aufgehen – über dein eigenes Projekt hinaus. Bei allem, was du schaffst: entscheide dich dafür, ein Teil seines weltweiten Leibes zu sein und dich täglich daran zu erinnern, dass alle Ehre ihm gehört – Soli Deo Gloria!

Kunstforum will christliche Künstler vernetzen

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Künstler sind Prediger, Vordenker und Propheten. Visuell, mit Performances oder Musik setzen sie gesellschaftliche Themen und fordern heraus. Deshalb möchte die Arbeitsgemeinschaft ARTS+ von der Schweizerischen Evangelischen Allianz Künstlern eine Plattform bieten, so zum Beispiel beim «Kunst Forum» anfangs November in Biel. Christliche Künstler aus den verschiedensten Bereichen treffen sich dann für einen gemeinsamen Austausch.

Höre dazu den Beitrag auf Lifechannel

Wo früher das Kreuz hing, hängt heute das Rauchverbot.

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Wir haben bewegte Wochen hinter uns im Leitungsteam der “Nacht des Glaubens. Festival für Kunst und Kirche”. Nach zweieinhalb Jahren intensiver Vorbereitung für unser nächstes Festival am 2.Juni 2017 haben wir erfahren, dass wir einem grossen Sportevent weichen müssen. Niemand hatte uns darauf aufmerksam gemacht oder versucht, den Sportanlass zu verschieben. Unser Team hat darauf aber mit Reife reagiert. Wir haben beschlossen, trotz unzähliger vergeblicher Arbeitsstunden und verlorenem Geld nicht polemisch zu werden, sondern das sachliche Gespräch mit den „Schuldigen“ zu suchen.
Überraschenderweise hat nun aber die lokale und bald auch die nationale Presse das Thema aufgenommen und sich zusammen mit Kirchen und Politikern hinter uns gestellt. In einem Kommentar schreib ein bekannter sozialdemokratischer Politiker: Es scheint, dass wir unsere christliche Kultur von innen her aushöhlen. Wir werden nun von Menschen aus dem ganzen Land angesprochen – und ermutigt, weiterzumachen. Tatsächlich werden wir nun trotzdem einen “Nacht des Glaubens. Festival für Kunst und Kirche SPOT durchführen. Und wir erwarten am 2. Juni 2017 viele Menschen, die nun durch die Medien auf uns aufmerksam wurden.

Dass in den Medien auf einmal geklagt wird, dass das Christentum in unserer Gesellschaft verschwindet, ist interessant. Vor einigen Tagen hat auch ein renommierter Schweizer Schriftsteller in einer grossen Schweizer Zeitung geklagt. Thomas Hürlimann (*1950), Roman- und Theaterautor und Träger zahlreicher Preise (u.a. des Thomas Mann-Preises) kennt man nicht als einen Christen. Aber er schreibt unter anderem:

„Wir selber holen die Kreuze herunter. Aber wir werden uns noch wundern: Zuerst sterben die Zeichen, dann sterben wir ihnen hinterher. Wenn das Kreuz fällt, fallen auch wir.“

„Ich möchte nicht … in einer Gesellschaft leben, die sich restlos entsakralisiert und ihre Gläubigkeit auf Moralismus gründet.“

„ Wo früher das Kreuz hing, hängt heute das Rauchverbot.“

„ Ist man krank und verzweifelt, fühlt man sich von einem Hiob oder einem Jesus am Kreuz verstanden. Die Kreuzverächter meinen, das Kreuz mit seinem blutigen Geschehen mache uns Angst. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Der Gott am Kreuz versteht meine Ängste, begleitet mich, teilt mein Leid.“

„Jesus hat nie darüber gesprochen, was er in den drei Tagen zwischen Tod und Auferstehung erlebt hat. Auch Lazarus hat nach seiner Wiedererweckung geschwiegen. Dieses Schweigen könnte ein grosses Geheimnis bergen, aber leider sind die Kirchen nicht mehr in der Lage, solche Themen zu berühren. Deshalb tut es die Literatur …“

Das sind bemerkenswerte Aussagen. Sie können uns helfen, ebenfalls die Dinge beim Namen zu nennen. Wenn die Kirchen es nicht mehr sagen (oder wenn sie es sagen könnten und wollten, aber keine Stimme mehr in der Gesellschaft haben): Warum dann nicht die Künstler? Vielleicht gerade in Aktionen wie die “Nacht des Glaubens. Festival für Kunst und Kirche” am 2.Juni 2017.

Text: Beat Rink

Nacht des Glaubens
Artikel Tagesanzeiger

Sei freundlich zum Künstler in Dir!

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Gedanken von Rory Noland

Es steckt ein Künstler in uns, der blühen und gedeihen möchte. Der wachsen will und der sich danach sehnt, sich auszudrücken. Manche von uns leben in Situationen, die Entfaltung erschweren – sei es, dass es in der Kirch-Gemeinde stagniert oder dass wir sonst zu wenig Ermutigung und Unterstützung erfahren. Manche sind in Verhaltensweisen aus der Kindheit gefangen oder quälen sich mit Selbstvorwürfen.

Epheser 4,32sagt: „Seid freundlich und hilfsbereit zueinander und vergebt euch gegenseitig, was ihr einander angetan habt, so wie Gott euch durch Christus vergeben hat, was ihr ihm angetan habt.“ Das ist ein grossartiger Vers.
Hast du jemals daran gedacht, ihn auf dich selbst anzuwenden? Manche von uns würden nicht im Traum daran denken, jemanden anderen so schlecht zu behandeln, wie wir es mit unserem eigenen inneren Künstler tun. Freundlichkeit heilt verwundete Seelen. Sei freundlich mit dir und sei freundlich zu dir selbst. Das Leben als Künstler ist schon schwierig genug. Wir müssen es nicht noch schlimmer machen, indem wir selbst unser ärgster Feind sind. Wenn du das nächste Mal versucht bist, dich selbst abzuwerten, so denke daran, dass niemand, für den Christus gestorben ist, es verdient, schlecht behandelt zu werden. Und du gehörst dazu!

Es reicht nicht, Verse über Gottes Liebe auswendig zu lernen. Gott muss dich wirklich lieben können. Einige von uns sind sehr entschlossen, die Bibel beim Wort zu nehmen, doch gerade an diesem Punkt hapert es oft. (…)
Hast du jemals bemerkt, wie Gott dir zu sagen versuchte, dass er sich über dich freut? Hast du ihn ignoriert als er es versuchte?
Ich habe viele solche Momente erlebt und meine erste, spontane Reaktion war immer der Gedanke: „Nein, das kann nicht von Gott sein, es sind meine eigenen Gedanken.
Gott sandte Daniel einen Engel, um ihm zu sagen, dass er ihn liebt (Daniel 10, 11 / 19). Warum sollte er nicht auch versuchen, zu uns durchzubrechen um uns zu sagen, dass er uns liebt?
Eines Tages, als ich gerade an der Arbeit sass, hatte ich wie aus dem Nichts den Eindruck, dass Gott mir sagen wollte: „Ich freue mich an dir.“ Meine Reaktion kam schnell: „Nein, das ist nicht von Gott. Es sind lediglich meine eigenen Gedanken.“ Aber dann realisierte ich, dass das nicht sein konnte, weil ich zu jener Zeit gerade sehr stark mit Selbstzweifeln und Minderwertigkeitsgefühlen zu kämpfen hatte… „Und ich liebe deine Musik.“ Da liefen mir die Tränen über die Wangen, weil ich in meiner kompositorischen Arbeit stark von Zweifeln und Enttäuschungen geplagt wurde. …
Ich hatte eine Begegnung mit der Liebe Gottes gehabt, die tief, echt und persönlich war. Ich hätte sie fast verpasst.
Wir müssen auf Gottes Aussagen darüber hören, wer wir in ihm sind. Aber dann geht es noch weiter: Wir sollten ihm erlauben, uns tief anzurühren. Lassen wir es zu, dass Er uns Seine Liebe zeigt!

Text: Rory Noland (Auszüge aus „Das Herz eines Künstlers. Von der Kunst, im Rampenlicht zu dienen“) Projektion J /Willow Creek / Crescendo 2002
http://www.heartoftheartist.org

Lass mich sensibel sein für die Führung des Heiligen Geistes

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Gedanken von Franz Mohr, em. Chef-Konzerttechniker von Steinway & Sons

Seit bald 30 Jahren Jahren verbindet uns bei „Crescendo“ eine intensive Freundschaft mit Franz Mohr (*1927), dem Klaviertechniker von Wladimir Horowitz, Arthur Rubinstein, Glenn Gould und vielen anderen grossen Pianisten. Diese Verbundenheit hat unter anderem Niederschlag gefunden in der Herausgabe von zwei Hörbuch-Boxen (à 4 CDs) auf Deutsch und Englisch sowie von drei deutschsprachigen Büchern. Franz Mohr gibt hier einen Einblick in sein Gebetsleben (zuerst als Interview publiziert in der Zeitschrift Crescendo Nr.66).
Zum Crescendo-Shop mit Büchern von Franz Mohr: Hier klicken

Es gibt keine grössere Freude für einen Christen, als dort zu sein, wo Gott ihn haben möchte. Jesus hat gesagt: „Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben“. Nun hat jeder Christ das Leben, das von Jesus kommt: ewiges Leben! Aber dann geht der Satz in Johannes 10:10 noch weiter „dass sie ein voll ausgefülltes Leben haben“. Das sind zwei verschiedene Dinge. Das ewige Leben ist wichtig, das zweite aber genau so. Darum ist es wichtig, dass wir dem Herrn unser Leben täglich übergeben; dann wird es „ausgefüllt“ sein. So viele Christen führen sich selbst und fragen den Herrn gar nicht: „Tue ich eigentlich das, was Du von mir möchtest?“

Ich selbst hatte falsche Ambitionen. Weil ich begabt war und ein erfolgreicher Geiger werden wollte. Das war mein Traum. Und dann passierte etwas mit meiner Hand. Ich hatte viel zu viel geübt. Ich wollte etwas erzwingen. Dann brachen alle Träume zusammen. Doch der Herr führte mich: Ich wurde Klavierstimmer und Konzertstimmer. Es bricht mein Herz, wenn ich gerade in der Musikwelt so viele jungen Leute mit falschen Ambitionen sehe. Ich denke da an eine Christin, die um alles in der Welt eine Karriere als Pianistin machen will und jeden nur erdenklichen Meisterkurs belegt und für ihre Studien viel Geld und Zeit einsetzt, aber eigentlich schon längst einsehen müsste, dass dies nicht ihr Weg ist. Wenn wir unsere eigenen Pläne verfolgen, verpassen wir oft gerade das, was Gott für uns bereit hält.
Mein Gebet ist immer das gleiche: „Hier bin ich. Ich weiss nicht, was mir heute begegnet. Aber bitte lass mich sensibel sein für die Führung des Heiligen Geistes, damit ich so handle und so durch den Tag gehe, dass andere gesegnet werden.“ Es ist so wunderbar, sich dem Herrn zur Verfügung zu stellen. Manchmal ist es für mich, als würde ich an die Seite treten und mit Bewunderung zusehen können, was er tut. Es ist so fantastisch. Jeder von uns hat eine Aufgabe, die nur er oder sie erfüllen kann. So funktioniert der Leib Christi: Es gibt eine Aufgabe, die ganz auf dich zugeschnitten ist, die niemand anders erfüllen kann.
Tragisch ist, wenn wir als Christen nicht gehorsam sind und Ihm die Führung nicht überlassen wollen. Ich glaube von ganzem Herzen, dass wir vor dem Richterstuhl Gottes unsere letzten Tränen weinen werden, weil wir dann sehen, was Gott für einen wunderbaren Plan für unser Leben gehabt hätte… doch wir selbst hatten im Führersitz gesessen statt Ihm die Führung in unseren Leben zu überlassen.

Dass man auch während des Tages, während der Arbeit beten kann, begeistert mich. Gerade auch, wenn Schwierigkeiten kommen. Ich habe schon oft meine Hand auf einen Flügel gelegt und Gott um Hilfe gebittet, wenn ich nicht mehr weiter wusste. Es gibt gewisse Dinge, die selbst ein guter Techniker nicht korrigieren kann. Dann bete ich, und was passiert dann immer? Obwohl ich mir über eine bestimmte Regulierung oder einen Ton berechtigte Sorgen mache, beschwert sich der Künstler nicht! Noch nie hat sich ein Künstler über den Ton oder die Regulierung beschwert, nachdem ich gebetet habe!

Newsletter Oktober 2016

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Kunst_Forum

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In einem Monat, am Sa. 5. November 2016 findet das Kunst_Forum in Biel in der Christuskirche statt, zu dem wir Dich herzlich einladen.

Warum könnte dieser Tag interessant für Dich sein?

Wir wünschen uns einen Tag der Begegnung: mit Dir, anderen Künstlern und mit Gott; ein Tag, der Dich in Deiner Arbeit als Künstler stärkt und ermutigt.

Wir sehen Künstler als Vordenker, Propheten und „Prediger“. Visuell, performativ oder mit Musik setzen wir gesellschaftliche Themen um und fordern heraus. Als Künstler, die Gott kennen und lieben, möchten wir zu einer anderen Ebene der Begegnung mit Gott einladen.

Können wir Künstler dazu helfen, dass Gott unter uns „Fleisch“ wird?

Das Kunst_Forum nimmt darauf Bezug und nimmt einen Trend auf:
die Sehnsucht unserer leistungsorientierten Gesellschaft nach echter und tiefer Spiritualität, die sich im Alltag zeigt.

Unsere Hauptreferenten und ihre Themen

fulbert
Prof. Fulbert Steffensky
Das Bild lehrt lügen – Das Verbot der Bilder und die Rettung der Freiheit

bittner
Dr. theol. Wolfgang J. Bittner
Schöpfung und Verwandlung – theologische Beobachtungen zu Kunstproduktion und Kunstrezeption

potter
Theologe Ellis Potter
Art and the Imago Dei
(Kunst und das Bild Gottes)

Prix Plus Verleihung und vieles mehr

Die Verleihung des PrixPlus 2016 wird auch im Rahmen des Kunst_Forum stattfinden.

Das weitere Programm gestalten: Rolf Schneider, Andreas Widmer, Timo Schuster, Jean- Daniel von Lerber, Tabea Kämpf und Martin Jufer.

Neben Diskussionsrunden, in denen das Angesprochene vertieft wird, stehen praktische Inputs, künstlerische Kurzpräsentationen, spartenspezifische Tische zum Netzwerken und Austauschen im Mittelpunkt. Ein meditativer Gottesdienst mit Abendmahl und gemeinsamen Segen runden den Tag ab.

Organisation und Zusammenarbeit

Das Kunst_Forum 16 wird von ARTS+ veranstaltet in Zusammenarbeit mit BART Magazin für Kunst und Gott und den Vereinigten Bibelgruppen (Fachkreis Kunst und Gestaltung) und wird von etlichen Partner-Organisationen unterstützt.

Weitere Informationen und Anmeldung

Das Programm wird in Deutsch geführt (Vorträge werden per Kopfhörer auf Französisch übersetzt). Ab 9:30 Uhr heissen wir Dich herzlich Willkommen!

Als ARTS+ Mitglied erhältst Du einen Sonderpreis von CHF 45,-
Normalpreis: CHF 85,-

Ein detailliertes Programm sowie weitere Infos findest Du auf unserer speziell eingerichteten Seite zum Kunst_Forum: Kunst_Forum.

Anmeldung bis 25.10.16: info@artsplus.ch
Wir freuen uns, Dich in Biel zu sehen :-)!

Euer ARTS+ Team
Timo Schuster