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Kunst-Zone

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29. – 31. Dezember 2015
EXPLO, Messehalle 3, Luzern

ARTS+ ist an der EXPLO 2015 mit dem Projekt “Kunst-Zone” vertreten. Die EXPLO findet vom 29. Dezember bis zum 1. Januar in den Hallen 1 – 4 der Messe Luzern statt.

Vom Dienstag, 29. bis zum Donnerstag, 31. Dezember übernimmt ARTS+ einen Teil der Halle 3 und deklariert diesen zur “Kunst-Zone”. Für einmal recherchieren, reflektieren und entwickeln Künstlerinnen und Künstler aus der Bildenden Kunst und Performance Art nicht in Ateliers und Ausstellungsräumen, sondern lassen sich auf das Kunstprojekt “Kunst-Zone” ein. Was dabei entsteht, ist ungewiss. Sicher ist, dass sich der Raum in dieser Zeit verändern wird. Einzelne Arbeiten laden zum Mit-Tun, zum Partizipieren ein, bei anderen wird es möglich sein die Entwicklung der Arbeit mit zu verfolgen.
Das Format “Kunst-Kuchen” ermöglicht den offenen Austausch, das ungezwungene Gespräch für alle Interessierten.

Programmpunkte:

Dienstag, 29. Dezember
18.00 Uhr Raumübernahme

Mittwoch, 30. Dezember
12.00 – 20.00 Uhr offen für EXPLO-Besuchende
16.00 Uhr „Kunst-Kuchen“: Austausch und offenes Gespräch bei Kaffee und Kuchen (bitte beides selber mitbringen oder in der Cafeteria nebenan kaufen)

Donnerstag, 31. Dezember
12.00 – 20.00 offen für EXPLO-Besuchende
17.30 Uhr „Kunst-Kuchen“: Austausch und offenes Gespräch bei Kaffee und
Kuchen (bitte beides selber mitbringen oder in der Cafeteria nebenan kaufen)
18.30 – 20.00 Uhr Dekonstruktion des Raumes

Mitwirkende Künstlerinnen und Künstler:
– Micha Aregger, Objekte/Installationen
– Melanie Mock/Astrid Künzler, Installative Performances
– Reto Scheiber, Objekte/Installationen/Bilder
– Manuela Saurer, Installationen
– Eva Butzkies, Kostümdesign
– Regula Lustenberger, Grafik
– Anita Sieber, Objekte/Interventionen/Malerei
– Bryan Haab, Objekte
– Titus Eichenberger, Malerei/Forschung/Digitals

Die “Kunst-Zone” ist offen für weitere professionell arbeitende kunstschaffende Christen, stunden- oder tageweise dazu zu kommen und mitzuwirken. Ausgeschlossen ist das Kunsthandwerk.
Aus Platzgründen ist eine Anmeldung erforderlich bis zum 23. Dezember 2015 unter astrid@kuenzler.ch mit dem Vermerk “Kunst-Zone Anmeldung”. Die zur Verfügung stehenden Gelände-Einlässe sind limitiert.

“Lobt ihn, den Herrn der Milchstraßen”

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Der Psalm 150, den wir in TUNE IN 146 “Alles, was Odem hat, lobe den Herrn” – etwas genauer betrachtet haben, fand in der Musikgeschichte ein grosses Echo. Dies ist verständlich, denn er ruft mit wenigen Worten alle Instrumente (die kultischen wie die nicht-kultisch gebrauchten) auf zum Lob Gottes.

Entsprechend lang ist die Liste der Vertonungen. Sie reicht von Schütz über Bruckner bis zu Strawinsky und zu modernem Worship. Weniger lang dürfte die Liste der bildnerischen Umsetzungen und der literarischen Nachdichtungen sein. Ein 1981 entstandenes Gedicht, das mich seit Jahren begleitet, stammt vom nicaraguanischen Dichter und Theologen Ernesto Cardenal (*1925):

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Kulturfenster und PrixPlus 2014: Mit Kunst und Glaube

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Besuchen Sie am 25. Oktober das ARTS+ Kulturfenster 2014, den Höhepunkt der christlichen Kulturszene in der Schweiz.

ARTS+ Künstler können Ihr Schaffen im Foyer zum reduz. Eintrittspreis ohne Standkosten präsentieren: Einfach bis 23. 10. per E-Mail anmelden.

Das ARTS+ Kulturfenster ist der Höhepunkt der christlichen Kulturszene in der Schweiz. Dieses Jahr mit vier im Alltag sofort anwendbaren Workshops, einer interessanten Podiumsdiskussion und unserer bunten Abendveranstaltung mit Verleihung des PrixPlus 2014.

Das Programm:

14.00 Uhr           Workshops

Mein Künstlermanagement ohne Agentur

Wie können Künstler ihre Berufung in der Gemeinde leben?

16.00 Uhr           Die Hochsensibilität des Künstlers

Kreativität in der Gemeinde fördern

18.00 Uhr           Podiumsdiskussion – „Kunst und Gesellschaft“

19.00 Uhr           Meet & Greet mit Apéro

20.00 Uhr           Gala-Abendveranstaltung mit Verleihung PrixPlus 2014

Anmelden:

25. Oktober 2014 im gate 27, Theaterstrasse 27b, 8400 Winterthur
ab 14.00 Uhr Workshops, ab 19.00 Uhr Abendveranstaltung
Tagesticket inkl. Apéro 35 Fr. (25 Fr. für ARTS+ Mitglieder)
   Abendticket inkl. Apéro 25 Fr. (18 Fr. für ARTS+ Mitglieder)
> Jetzt ganz einfach per E-Mail anmelden oder Telefon 033 534 30 33
(Bitte geben Sie an, welche Workshops Sie besuchen wollen respektive
ob Sie nur zum Meet & Greet und zur Abendveranstaltung kommen.)

Der Banner zum ARTS+ Kulturfenster 2014



Das Programm im Detail:

Workshop I A: Mein Künstlermanagement ohne Agentur. Ist Dir Bürokram lästig? Akquise ein Alptraum? Buchhaltung ein spanisches Dorf? Organisieren und Planen nicht Deine Begabung? Wünschst Du Dir einen Manager, der all das mit Freude macht, was Dir ein Gräuel ist?

In diesem Workshop geht es um ganz praktische, alltägliche Fragen: Wie stelle ich mich als Künstler dar? Wie manage ich mein Sekretariat? Wie organi­siere ich eine Veranstaltung? Was mache ich wenn ich krank bin? Der Workshop zeigt auf, wie an Kultur interessierte Personen in Deinem Umfeld Dich als Künstler unterstützen könnten – ohne grosse Managementausbildung.

Der Schlüssel liegt in der gegenseitigen Ergänzung. Es sind oft die kleinen, aber zuverlässig ausgeführten Aufgaben, die einen grossen Unterschied machen, selbst wenn das eine oder andere selber gemacht werden muss bzw. kann!

Unsere Referenten:

Pascal Mettler ist Kulturmanager sowie Leiter und Mitinhaber der Künstleragentur Kulturbau in Winterthur- Sennhof Jean-Daniel von Lerber ist seit 35 Jahren als Kulturagent unterwegs und hat als Agenturleiter von PROFILE Productions über 3‘000 Anlässe im In- und Ausland organisiert

Pascal Mettler (links) ist Kulturmanager und Leiter sowie Mitinhaber der Künstleragentur Kulturbau in Winterthur-Sennhof. Er vertritt unterschiedlichste Kunstschaffende und veranstaltet überregional Theater und Kleinkunstveranstaltungen.

Jean-Daniel von Lerber ist ARTS+ Vorstandsmitglied, seit 35 Jahren als Kulturagent unterwegs und hat als Agenturleiter von PROFILE Productions über 3‘000 Anlässe im In- und Ausland organisiert. Seine Arbeit für alle Beteiligten bestmöglich zu gestalten und Künstler wie Veranstalter mit allen Mitteln zu ermutigen und zu fördern, ist die Passion, die ihn dabei antreibt.


Workshop I B: Wie können Künstler ihre Berufung in der Gemeinde leben? Wie gehen wir als Gemeinde mit Kunst um? Wie gehen die Künstler mit der Gemeinde um? Zusammengefasst: Kunst und Gemeinde – wie können Künstler ihre Berufung in den Gemeinden leben?

Was macht die Architektur einer Gemeinde so grossartig? Der Christ als Gestalter in seiner Rolle als Künstler, Musiker, Designer, Texter, Architekt usw. bewegt sich zwischen Verantwortung und Freiheit und beteiligt sich aktiv am Leben seiner Ortsgemeinde.

Der Workshop zeigt, wie das musikalisch einfühlsame Dienen in einer Gemeinde zum Ausdruck kommen kann, wie Gott durch uns Künstler einzelne in der Gemeinde ermutigt, herausfordert, anstösst, eint und auferbaut. Dazu wird es auch konkrete Hörbeispiele unterschiedlicher Stilrichtungen für die kreative Gestaltung innerhalb eines Gottesdienstes geben.

Unsere Referenten:

Francois Bosshard besitzt seit 1981 ein eigenes Atelier und bezeichnet sich als Gestalter, indem er als Maler, Lehrer, Grafiker, Illustrator und Bauplaner tätig ist  Martin Jufer ist Jazzpianist mit SMPV-Lehrdiplom. Er wirkt als künstlerischer Leiter von Psalmodia im Kanton Bern, als Kirchenmusiker in der ref. Kirche Worblaufen und als freischaffender MusikerFrançois Bosshard (links) erlernte den Beruf als Hochbauzeichner. An der Schule für Gestaltung in Zürich bildete er sich dann zum Werklehrer aus. Seit 1981 besitzt er ein eigenes Atelier und bezeichnet sich als Gestalter, indem er als Maler, Lehrer, Grafiker, Illustrator und Bauplaner tätig ist. Sein künstlerisches Highlight sind die Illustration der berndeutschen Bibelübersetzungen „ds Nöie und Alte Teschtamänt Bärndütsch“ sowie „d’Psalme Bärndütsch“.

Martin Jufer ist gelernter Bahn-Betriebsdisponent SBB und Ergotherapeut. Später wechselte er schrittweise in die Musik: Er ist Jazzpianist mit SMPV-Lehrdiplom. Heute wirkt er als künstlerischer Leiter von Psalmodia Kanton Bern in der christlichen Musikschule, als Kirchenmusiker in der ref. Kirche Worblaufen und als freischaffender Musiker. Zudem engagiert er sich ehrenamtlich als ARTS+ Vorstandsmitglied.


Workshop II A: Die Hochsensibilität des Künstlers. Stolperstein oder Kraftquelle auf dem Weg zur Exzellenz? 

Was verstehen wir unter Hochsensibilität? Inwiefern befruchtet oder behindert Hochsensibilität das künstlerische Schaffen? Wie kann der hochsensible Künstler den Alltag meistern?

Airi Rink wirkt seit drei Jahrzehnten als Co-Leiterin von «Crescendo». In dieser Funktion begleitet sie seit vielen Jahren Musiker und andere Künstler und hält Referate und Seminare im In-und AuslandUnsere Referentin Airi Rink ist dipl. psychologische Beraterin und wirkt seit drei Jahrzehnten als Co-Leiterin von „Crescendo“. In dieser Funktion begleitet sie seit vielen Jahren Musiker und andere Künstler und hält Referate und Seminare im In-und Ausland. Die gebürtige Finnin, die in ihrem Heimatland Mitglied einer „Modern Dance Company“ war, ist Mutter von drei erwachsenen Kindern und lebt mit ihrem Mann, dem ARTS+ Präsidenten Beat Rink in Basel.


Workshop II B: Kreativität in der Kirche fördern. Der Workshop stellt verschiedene Personen vor und zeigt innovative Modelle auf, die Kreativität in der Gemeinde fördern. Schlüsselfaktoren sollen so sichtbar und Inspiration für die eigene Gemeindearbeit gegeben werden. 

Über die erwünschten Fragen und Anregungen soll ein gegenseitig bereichernder Workshop entstehen.

Timo Schuster ist Geschäftsführer von ARTS+. Er ist Inhaber der Künstler- und Event-Agentur «ultimo, Artists & Eventmanagement» und Leiter des Kulturvereins «Art & Act»Unser Referent Timo Schuster ist Geschäftsführer von ARTS+. Seine reiche Erfahrung zieht er aus seiner Arbeit als Inhaber der Künstler- und Event-Agentur „ultimo, Artists & Eventmanagement“, als Leiter des Kulturvereins „Art & Act“ und als Projektleiter etlicher christlicher Grossanlässe. Timo ist verheiratet, glücklicher Vater von Zwillingen im Alter von vier Jahren und wohnt mit seiner Familie in Steffisburg bei Thun.


Podiumsdiskussion: Kunst und Gesellschaft. Kulturschaffende und Theologen diskutieren über verschiedene Aspekte von „Kunst und Gesellschaft“.

Welche Relevanz und welchen Auftrag hat Kunst in unserer Gesellschaft? Haben Künstler, die sich als Christen verstehen, vielleicht einen besonderen Auftrag? Wo sind im Blick auf die heutige Kunstszene und Kulturpolitik unsere Mitarbeit oder zumindest unsere Wortmeldung möglich oder gar notwendig? Podiumsteilnehmer sind Astrid Künzler, Adrian Furrer, Bruno Waldvogel, Andreas Widmer und Beat Rink (Leitung).

Astrid Künzler ist ARTS+ Vorstandsmitglied und professionelle Tanzpädagogin und TänzerinAstrid Künzler ist ARTS+ Vorstandsmitglied und professionelle Tanzpädagogin und Tänzerin. Sie studierte am Laban Center London und an der Zürcher Hochschule der Künste. Seit 1998 unterrichtet sie an verschiedenen Tanz- und Volksschulen im In- und Ausland und unter ihrem Label „dance.motion“. Sie tanzte mit Choreografen wie Nigel Charnock und Rosemary Butcher und kreiert seit seit über 15 Jahren eigene Stücke, u. a. für die „dito dance theater company“. Astrid ist verheiratet, Mutter eines Sohnes und wohnt mit ihrer Familie in Winterthur.

 

Adrian Furrer ist ARTS+ Vorstandsmitglied und professioneller Film- und TheaterschauspielerAdrian Furrer ist ARTS+ Vorstandsmitglied und professioneller Film- und Theaterschauspieler. Er war Ensemblemitglied u. a. am Theater am Neumarkt Zürich, am Staatstheater Hannover und am Burgtheater Wien. Im Kino war er in Filmen wie „Vitus“, „How About Love“ und „Sommervögel“ zu sehen. Daneben gestaltet er Lesungen und produzierte und inszenierte eine szenische Performance als Teil der „Winterthurer Passion“. Adrian ist verheiratet, Vater von zwei Söhnen und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Winterthur.

 

Bruno Waldvogel ist reformierter Pfarrer, Produzent, Regisseur und AutorBruno Waldvogel ist reformierter Pfarrer, Produzent, Regisseur und Autor. Er wurde u.a. bekannt durch seine historischen Fantasy-Romane „Falkenstein“ (bisher zwei Bände) und durch die Produktion des Musicals „Basileia“, für das er die Story schrieb und den PrixPlus erhielt. Bruno ist verheiratet, hat drei Kinder und wohnt mit seiner Familie in Basel.

 

 

Andreas Widmer studierte Bildende Kunst und Kunstpädagogik an der ZHdK Zürich und arbeitet heute als bildender Künstler und KunstlehrerAndreas Widmer studierte Bildende Kunst und Kunstpädagogik an der ZHdK Zürich und arbeitet heute als bildender Künstler und Kunstlehrer. Er unterrichtet am Vorkurs der Kunstschule Winterthur und am Gymnasium Zürich-Örlikon. Andreas ist Mit-Herausgeber der Kunstzeitschrift „BART – Kunst und Gott“. Seine eigenen Arbeiten zeigt er in unterschiedlich dichtem Rhythmus. Andreas ist verheiratet, hat zwei kleine Töchter und wohnt mit seiner Familie in Winterthur.

 

 

Beat Rink ist studierter Germanist, Historiker, reformierter Pfarrer und Kulturbeauftragter der evang.-ref. Kirche Basel-Stadt sowie Präsident von ARTS+Beat Rink ist studierter Germanist, Historiker, reformierter Pfarrer und Kulturbeauftragter der evang.-ref. Kirche Basel-Stadt. 1985 hat er mit seiner Frau Airi die internationale Musikerarbeit „Crescendo“ gegründet, die sie seither leiten. Beat ist Präsident von ARTS+ und Leitungsmitglied von ARTS+ Europe und vielseitig schriftstellerisch tätig. Als Vater von drei erwachsenen Kindern lebt er mit seiner Frau in Basel.


Gala-Abendveranstaltung mit Verleihung des PrixPlus 2014

Die Nominierten des Prix Plus 2014 stellen ihre Projekte vor und präsentieren sich in Künstlerportraits, Lebensbildern und mit ihren ganz persönlichen Geschichten. Sie zeigen, wie „Kunst und Glauben“ gelebt werden und Wege in unsere Gesellschaft finden können.

Nominiert: Ensemble u l t r a S c h a l l mit "Ein deutsches Requim"„Ein deutsches Requiem“: Den kraftvollen Herzschlag pulsierender Musik mit Tanz für das Publikum spür- und sichtbar machen: Das gelang Choreographin Julia Medugno mit ihrem Ensemble „u l t r a S c h a l l“ im Requiem von Johannes Brahms. Das Gesamtkunstwerk fand bei zig ausverkauften Vorstellungen rauschenden Beifall.

Nominiert: Luke Gasser mit "The Making of Jesus Christ"„The Making of Jesus Christ“: Am Filmfestival in Warschau feierte Luke Gassers Doku-Essay Premiere, am Nevada-Festival in Las Vegas gewann er den Award als bester Dokumentarfilm. Das Publikum ist bewegt und erschüttert, die Filmkritiker sind begeistert vom „besten und ehrlichsten Jesus-Film seit langem“ (katholischer Mediendienst Schweiz).

Nominiert: Oliver Rudin und Gaspard Weissheimer mit "Son et Lumière"„Son & Lumière“: Den Glauben vom Liegestuhl aus erfahren. Das durften in der „Nacht des Glaubens“ 2013 unzählige Christen im Basler Münster. Chorleiter Oliver Rudin und Designer Gaspard Weissheimer setzten den 1000-jährigen Kirchenraum mit dem audiovisuellen Chorkonzert „Son & Lumière“ mit Gänsehautfaktor in Szene.

Nominiert: Milya-Rahel Studer mit "Tapestry of Trust"„Tapestry of Trust“: Mit Musik Bilder kreieren, mit warmer Stimme und kunstvoller Poesie über die Liebe, das Leben und das Staunen erzählen, das vermag Milya-Rahel Studer. Drei Tage brauchte sie mit ihrer Band in Winterthur, dann war das Debut-Album eingespielt. Die Herzen der Zuhörer berührt die Zerbrechlichkeit, Melancholie und Zartheit.


Übersicht & anmelden:

> Wann: 25. Oktober 2014 im gate 27, Theaterstrasse 27b, 8400 Winterthur
ab 14.00 Uhr Workshops, ab 19.00 Uhr Abendveranstaltung
> Wie viel: Tagesticket inkl. Apéro 35 Fr. (25 Fr. für ARTS+ Mitglieder)
                  Abendticket inkl. Apéro 25 Fr. (18 Fr. für ARTS+ Mitglieder)
> Wie: Jetzt ganz einfach per E-Mail anmelden oder Telefon 033 534 30 33
(Bitte geben Sie an, welche Workshops Sie besuchen wollen respektive
ob Sie nur zum Meet & Greet und zur Abendveranstaltung kommen.)

TUNE IN 146: Alles, was Odem hat, lobe den Herrn - Glasfenster von Marc Chagall über Psalm 150 / Kathedrale von Chichester, England

Alles, was Odem hat, lobe den Herrn

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1 Hallelujah. Lobt Gott in seinem Heiligtum, lobt ihn in seiner starken Feste.
2 Lobt ihn um seiner machtvollen Taten willen, lobt ihn in seiner gewaltigen Grösse.
3 Lobt ihn mit Hörnerschall, lobt ihn mit Harfe und Leier.
4 Lobt ihn mit Trommel und Reigentanz, lobt ihn mit Saiten und Flöte.
5 Lobt ihn mit klingenden Zimbeln, lobt ihn mit schallenden Zimbeln.
6 Alles, was Atem hat, lobe den HERRN. Hallelujah.

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TUNE IN 145: Warum lässt Gott uns manchmal (künstlerisch) scheitern?

Warum lässt Gott uns manchmal (künstlerisch) scheitern?

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Ein für seine Predigtgabe bekannter finnischer Pfarrer hielt in einer grossen Kirche eine Abdankung. Es wurde um eine berühmte Persönlichkeit getrauert, und die Christen erwarteten eine Predigt, die alle berühren würde.

Der Pfarrer begann in gewohnter Weise mit einer ausgezeichneten Rede. Aber auf einmal brach der rote Faden ab. Ein völlig neuer Gedanke tauchte auf, und machte, ohne gross entfaltet zu werden, schon einem nächsten Platz. Und das ging weiter so: insgesamt fünf Themen wurden aufgegriffen und wieder fallengelassen… Es war eine völlig misslungene Predigt! Read More

TUNE IN 144: Wir sind mehr als Stachelschweine. Arthur Schopenhauer (1788 - 1860)

Wir sind mehr als Stachelschweine

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In der Predigt unserer  Kirche Kreativ der vergangenen Woche ging es u.a. um folgende Parabel von Arthur Schopenhauer (1788 – 1860).

“Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich en einem kalten Wintertage recht nah zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln, welches sie dann wieder von einander entfernte.

Wann nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so da sie zwischen beiden Leiden hin und her geworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung voneinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.

So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab. Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden, und bei welcher ein Beisammensein bestehen kann, ist die Höflichkeit und feine Sitte.

Dem, der sich nicht in dieser Entfernung hält, ruft man in England zu: keep your distance! – Vermöge derselben wird zwar das Bedürfnis gegenseitiger Erwärmung nur unvollkommen befriedigt, dafür aber der Stich der Stacheln nicht empfunden.”  

Wir kennen das doch nur zu gut: Gemeinschaft ist manchmal sehr verletzend. Wir alle sind von anderen Menschen schon unzählige Male verletzt worden. Auch sensible Künstler! Wie reagieren wir dann? Gehen wir zu anderen Menschen auf Abstand? Dann wird es kalt – sowohl in unserem eigenen Leben als auch in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Es gibt eine passive Aggressivität die sich durch Verweigerung und durch eine grundsätzlich negative Haltung auszeichnet.

Oder reagieren wir aktiv aggressiv, indem wir andere ebenfalls verletzen? Auch sensible Künstler können übrigens aggressiv sein. Oder lassen wir Aggressionen in uns aufstauen, bis sie sich dann auf destruktive Weise ihren Weg bahnen – vielleicht in unvermittelten Ausbrüchen, vielleicht in offener Ablehnung eines Nächsten, oder auch in der Wut gegen sich selbst. Oder künstlerisch …

Schopenhauer kommt zum Schluss: “Wer jedoch viel eigene, innere Wärme hat, bleibt lieber aus der Gesellschaft weg, um keine Beschwerde zu geben, noch zu empfangen.” Dies ist ein dritter Weg, den nicht nur Philosophen manchmal beschreiten: Sie stellen sich über die anderen Menschen, sprich: über die gewöhnlichen Stachelschweine mit ihren niedrigen Bedürfnissen, weil sie sich etwas Besseres fühlen.

Einen vierten Weg zeichnet uns die Bibel vor. Dort heisst es (in Philipper 2,5-11): “Ein jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war: Der, obwohl er in göttlicher Gestalt war, nicht daran festhielt, Gott gleich zu sein, sondern sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm. Er wurde gleich wie ein andrer Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden;  er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.

Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der HERR sei, zur Ehre Gottes, des Vaters.”

Christen glauben: Jesus verliess freiwillig und aus Liebe zu den Menschen die himmlische Herrlichkeit. Er brachte ihnen Gottes “Wärme”. Er liess sich, mit  Schopenhauer gesprochen, von den Stacheln anderer nicht abhalten, sondern sogar verletzen und töten. Aber er selber – zeigte keine Stacheln. Im Gegenteil: Die Stacheln vieler Menschen fielen in der Begegnung mit ihm ab. Denn die Liebe Gottes ist stärker als jede Aggression, und ihre Kraft ist grösser als die grösste dämonische Macht.

Gebet: Herr, ich wurde so oft verletzt. Darum brauche ich deine Heilung. Und ich habe auch selber andere oft verletzt. Darum brauche ich deine Vergebung. Ich bitte um beides.

Hilf mir immer wieder, “gesinnt zu sein, wie Jesus auch war …”

Hilf mir, Aggression mit Liebe zu beantworten. Und menschliche Kälte mit furchtloser Nähe.

Lass mich und lass meine Nächsten erfahren: Die von Dir her kommende Liebe ist stärker als jede andere Macht. Lass auch meine Kunst von dieser Kraft durchdrungen sein und davon sprechen.

Amen.


TUNE IN 144 vom 4. Oktober 2015  | Unser Text ist von Beat Rink, Präsident von ARTS+ | Weitere TUNE INs findest Du hier

Was kommt nach der Postmoderne?

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Peter Fischli & David Weiss: Mick Jagger und Brian Jones gehen befriedigt nach Hause nachdem sie “I can’t get no satisfaction” komponiert haben.

TUNE IN 142: Peter Fischli & David Weiss – Die Welt, in der wir lebenPlötzlich ist diese Übersicht (1981) eine Sammlung von ungebrannten Tonfiguren, die verschiedene Ereignisse quer durch die Menschheitsgeschuchte fiktiv nachstellen.

Einige Figuren sind mit akribischer Detailgenauigkeit gestaltet, andere nur grob und fast skizzenhaft gestaltet.

Wie der ursprünglich vorgesehene Titel – “Die Welt, in der wir leben” – implizierte, stellt dieses Panorama von miteinander verwobenen, der subjektiven Sichtweise der Künstler entspringenden Ereignisse mit ihren grösseren und kleineren Anordungen von Geschehnissen die Frage in den Raum, was “leben” heisst.

1981 wurde die 200 Objekte umfassende Installation zum ersten Mal gezeigt. Eine neue Version ezigte 2006 rund 90 Exponate. Read More

Jahr der Dankbarkeit

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Motivieren, dankbar zu sein. Wir haben es uns nicht ausgesucht, wo und in welche Umstände wir hineingeboren werden. Ob wir in Reichtum oder in Armut aufwachsen, ob wir gesund oder krank sind und ob wir eine Möglichkeit für Bildung erhalten oder nicht – all diese Dinge können wir nicht oder nur in einem geringen Masse beeinflussen.

Sind wir darum diesem Schicksal hilflos ausgeliefert? – Nein, denn hier kommt die Gesellschaft ins Spiel, die sich aktiv dafür entscheiden kann, sich für die Schwachen und Bedürftigen einzusetzen. Im Jesaja 58:6-7 sagt Gott:

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Hilf uns in der ARTS+ Lounge an den Christlichen Musiktagen 2015

“Oh happy day”: Dringend Helfer gesucht für die ARTS+ Künstler-Lounge an den Christlichen Musiktagen

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Für die Christlichen Musiktage in St. Gallen am 6. und 7. Juni 2015 suchen wir  dringend noch helfende Hände für die Künstler-Lounge von ARTS+. Über 1’200 Musiker spielen in diesen Tagen auf fünf Bühnen. Highlights sind die Konzerte der Niederländischen Band Trinity und von Edward Hawkins, der den Song “Oh happy day” geschrieben hat. Ein sicherlich einzigartiges Konzert des Altmeisters.

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ARTS+ „Kirche & Kunst“

ARTS+ Kulturmonat Kirche & Kunst “Neue Welten entdecken”

By | Neuigkeiten, KIRCHE & KUNST | One Comment

ARTS+ ermutigt Kirchgemeinden in der Schweiz, Gottesdienste und andere Anlässe mit Künstlern aus den verschiedensten Sparten zu gestalten.

Die Aktion “Kirche & Kunst” baut Brücken: durch Kunst in der Gemeinde, hin zu den Menschen. Dabei hilft und ermutigt ein Team von ARTS+, dass im künstlerischen Bereich Neues ausprobiert werden kann: frisch, überraschend, leicht – vielleicht auch mal herausfordernd und anregend, zum Nachdenken und Diskutieren. Read More

Ausschreibung ARTS+ Grafikarbeiten

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Wir möchten ARTS+ ein neues, zeitgerechtes Gesicht geben und schreiben die Neugestaltung unseres grafischen Auftritts aus. Unser Anliegen bleibt bestehen: Wir sind eine Kulturplattform und wünschen uns, dass durch diese Gottes ART zur Geltung kommt: Eben ARTS+!

Es geht um das “look and feel”, das Logo, die Typographie und die grafische Gestaltungunserer Printsachen (Flyer, Briefe, Selbstdarstellungen etc.) sowie den Relaunch unserer Homepage (Farbgestaltung, Typographie, Bildsprache, Banner etc.). Die technische Umsetzung der neuen Homepage organisiert unser Webmaster, bei der Umsetzung arbeitest Du also eng mit ihm zusammen.

Wir erbitten Dein professionelles Angebot zum NPO-Tarif bis am 3. März 2015 bitte
> per E-Mail an info@artsplus.ch oder
> per Briefpost an das ARTS+ Büro, Seidenweg 2, 3612 Steffisburg
> Die Ausschreibung ist geschlossen

Bitte belege Deine Arbeiten mit ein paar aktuellen Beispielen. Fragen? Melde Dich per Telefon unter 033 534 30 33. Wir freuen uns auf Deinen kreativen Vorschlag, Dein ARTS+Team

TUNE IN 104: Silhouette / Scherenschnitt von Helene Rink-Keller

ARTS+ News zwischen den Jahren 2014/15

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Liebe Mitglieder, liebe Freunde,
liebe Christen

Die Zeit zwischen den Jahren ist für uns kunst­schaffende Christen die richtige Zeit um innezu­halten, um zurückzublicken und um vorwärtszuschauen — vor allem aber im Augenblick zu sein.

Innehalten lässt es sich allwöchentlich am besten mit den TUNE INs den wöchentlichen geistlichen Impulsen für Kunstschaffende auf ARTS+.

Hast Du zum Beispiel die wunderschöne Geschichte von Stephan im aktuellen TUNE IN gelesen? Darin geht es darum, dass uns der Herr genauso annimmt, wie wir sind. Mit all unseren Zerbrochenheiten, Verletzungen und Fehlern. Halt doch kurz inne und lies hier die Geschichte nach. Es lohnt sich!


 

Wir blicken zurück auf ein reichhaltiges und vielfältiges Jahr mit immens wertvollen Begegnungen. Das Wichtigste bist Du, unser Freund, Mitglied oder Partner.

Julia Medugno am Kulturfenster 2014 © Matthias Spiess / ARTS+

Julia Medugno am Kulturfenster 2014 © Matthias Spiess / ARTS+

Besonders gefreut hat uns die positive Resonanz auf das ARTS+ Kulturfenster mit der Verleihung des PrixPlus 2014 im Oktober in Winterthur.

Hier findest Du den Bericht zur Verleihung des PrixPlus und hier die Bildergalerie.

Und natürlich haben wir auch Luke Gaser, den Gewinner des PrixPlus 2014, sowie Rahel Studer, die Gewinnerin des PrixPlus-Förderpreises interviewt.


 

Damit blicke ich voraus: Bewirb Dich jetzt für den PrixPlus 2015, den wichtigsten Preis „unserer Szene“ oder schlage jemanden vor. Die Ausschreibung läuft noch bis 15. Januar. Alles Wichtige plus den Anmeldebogen zum PrixPlus 2015 hier.

Jetzt anmelden und mitmachen beim PrixPlus

Jetzt anmelden und mitmachen beim PrixPlus


 

Alljährlich organisieren wir mit und für Euch den ARTS+ Kirchenkultur-Monat. Es ist jetzt an der Zeit mit Euren Gemeindeleitern zu sprechen und aus unserem interessanten Angebot zu wählen.

Der Banner zum ARTS Kirchenklutur-Monat 2015

Der Banner zum ARTS Kirchenklutur-Monat 2015

Hier findest Du alle Informationen. Am einfachsten ist es mit unserer Mitarbeiterin Valérie Wassmer via E-Mail oder Tel. 079 918 90 98 Kontakt aufzunehmen.


 

Und ein weiteres wunderbares Grossereignis zu Ehren unseres Schöpfers wirft sein schönes Licht voraus. Melde Dich bis zum 31. Dezember als Musiker oder Formation zu den Christlichen Musiktagen (CHMT) im Juni 2015 in St. Gallen an.

Hilf uns in der ARTS+ Lounge an den Christlichen Musiktagen 2015

Hilf uns in der ARTS+ Lounge an den Christlichen Musiktagen 2015

ARTS+ ist Partner der CHMT 2015 und wird die Künstler-Lounge organisieren. Lies hier mehr dazu. Zu den Vorteilen für unsere Mitglieder berichte ich dann in meinem nächsten Newsletter.


 

Im Augenblick sein: Das bedeutet „einfach“ zu „sein“. Geniesse die Kraft, die Er uns schenkt. Geniesse die Zeit mit Deinen Liebsten, mit Deinen Freundinnen und Freunden. Geniess‘ Deine Zeit!

Mit Herzensgruss
Georg

Dir nahe zu sein, ist mein ganzes Glück (Psalm 73,28)


 

ARTS+ Büro | Seidenweg 2 | 3612 Steffisburg
033 534 30 33 | info@artsplus.ch | www.artsplus.ch


 

Bildnachweise:
Kopfbild Newsletter © ARTS+
Silhouette / Scherenschnitt © Helene Rink-Keller
Julia Medugno am Kulturfenster 2014 © Matthias Spiess / ARTS+
Banner PrixPlus © ARTS+
Banner Kirchenkulturmonat © ARTS+
Banner CHMT © CHMT

Künstler in der Kirche / Teil IX: Wir sind dem Blues sehr nahe

By | Tune In | No Comments

“Der Kirchenmusiker muss runter von der Empore und mit diesen Menschen unten einen Teppich weben.” Ein Gespräch mit dem Musiker Uwe Steinmetz über Erde, Himmel, gelebte Blue Notes und die Zukunft wahrer Kirchenmusik.* Im Interview die Hör-Empfehlung von Uwe Steinmetz: Charles Mingus Moanin’, Blue Notes im Jazz.

 

Im TUNE IN 138 war die Rede davon, dass der Unterricht (auch in Kunst-, Ballett-, Schauspiel- und Musikschulen) nicht sklavisch einem absoluten Qualitätsanspruch folgen darf, der blind macht für die individuellen Begabungen der Schüler und Studenten. In einem interessanten Interview sagt der Jazzmusiker und Mit-Begründer von “Crescendo Jazz”, Uwe Steinmetz, ähnliches mit Blick auf das Thema “Musik in der Kirche”.

Dahinter steht eine wichtige theologische Einsicht und Erfahrung: Gott geht es um das einzelne Gegenüber, nicht um die Masse. Er geht auf jeden Menschen persönlich ein. Das ist das Wesen der Liebe. Dies wird etwa deutlich, wo in der Bibel vom “Namen” die Rede ist.

Der Name steht für die unverwechselbare Persönlichkeit: “Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!” (Jesaja 43,1). “Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind” (Jesus zu seinen Jüngern in Lukas 10,20).

TUNE IN 139: Der Musiker Uwe Steinmetz im Interview

TUNE IN 139: Der Musiker Uwe Steinmetz im Interview

Die Frage ist, ob wir zulassen, dass Gott uns “beim Namen nennt”. Er hat keinen Absolutheitsanspruch an uns! Die zweite Frage lautet dann, ob wir auch andere in ihrer Persönlichkeit schätzen und ernstnehmen und ob wir mit “gottgeschenkter Liebe” auf sie eingehen. Das wird auch unser pädagogisches Verhalten als Künstler prägen. Oder die Arbeit mit Laien in der Kirche, wie Uwe Steinmetz ausführt.

 

 

Der Blues hat eigentlich religiöse Wurzeln? Ja, in mehrfacher Hinsicht. Die Gesangstechniken kamen zu dieser Zeit aus dem Gospel der schwarzen Kirchen, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildeten. Und dann haben die Sänger sich selber auf der Gitarre begleitet, neue Spieltechniken erfunden und so eine ganze Band ersetzt.

In sehr kurzer Zeit ist so ein bestimmter Musikstil entstanden und zwar aus der Notwendigkeit heraus, eine persönliche Botschaft zu formulieren, egal ob ich eine Band habe oder nicht. Diese Wurzel ist auch im Jazz erhalten geblieben, die Notwendigkeit zum eigenen Ausdruck.

So gesehen ist Jazz also die ideale protestantische Kirchenmusik…  Die Musik in unseren Kirchen 
ist noch stark von den festen Formen beeinflusst und besitzt relativ wenig Freiheit. Es gibt Noten, es gibt Lehrmeinungen und klare Vorbilder, wie die Musik zu klingen hat.

Dieses Ideal versucht man dann mit der Kantorei oder dem Bläserchor oft unter grossem Stress zu erreichen. Oder man lässt ein Raumschiff in der Kirche landen, indem man Geld für besonders gute Musiker ausgibt und eine Bachkantate mit ihnen virtuos aufführt. Und man meint, damit in einer langen Tradition zu stehen.

Aber so haben Bach oder Monteverdi gar nicht gearbeitet. Die haben relativ spontan musiziert, auch im Gottesdienst schnell mal ein neues Stück ohne langes Proben gesungen. Das klang bestimmt nicht immer virtuos. Aber diese Musik war verbunden mit dem Ort und der Situation.

Ist denn diese Verbundenheit wichtig für Kirchenmusik? Ich denke schon. Kirchenmusik sollte so sein wie eine Predigt, die Leute an den Ort bindet, etwas Lokales erlebbar macht, sie muss immer wieder neu aus dem Moment heraus entstehen.

Ich sehe den idealen Kirchenmusiker nicht als Gralshüter der Traditionen, sondern eher als eine Art musikalischen Direktor, der schaut, welche Menschen in seiner Gemeinde musikalisch Gottesdienste gestalten können.

Er muss runter von der Empore und mit diesen Menschen unten einen Teppich weben, mit allen Aspekten und auch Fehlbarkeiten. Dann entsteht etwas Authentisches und Kollektives, das eben nur diese Menschen an diesem Ort gemeinsam schaffen.

Wenn auch den Zuhörern deutlich wird, dass es nicht so sehr um Perfektion geht, sondern um das Situative, das Authentische, gibt das ein Gefühl von Heimat, weswegen sie gerne wieder in die Kirche kommen. Das klingt traditionell, ist es aber nicht, weil es gar nicht mehr so oft stattfindet.

Haben Sie das schon mit ihren eigenen Projekten erlebt? Sie spielen ja immer wieder in Kirchen gemeinsam mit musikalischen Laien… Ja, und es ist fast immer eine Bereicherung für beide Seiten. Ich hatte ein tolles Erlebnis
 im vergangenen Jahr im Alten Land bei Hamburg mit unserem Ensemble Waves. Die Chorleiterin war Lehrerin, aber der Chor bestand überwiegend aus Bäuerinnen und Bauern, die von diesen wunderschönen alten Höfen kamen.

Und mit denen haben Sie Jazz in der Kirche gemacht? Das war die Vorlage, ein gemeinsames Konzert in der Kirche. Wir mussten erstmal schauen, was zusammengeht. Dreistimmiger Gesang haute nicht hin, zweistimmig klappte es auch nicht recht, dann hat der Chor eben einstimmig gesungen.

Und das hat er grossartig gemacht: Fünfzig erwachsene Menschen, Bäuerinnen und Bauern mit all ihrer Erdung und Erfahrung, die mitklang – das war die totale Power.

Welche Stücke haben Sie mit diesem Chor gesungen? Lieder, die alle kannten, auch Volkslieder, aber wir haben die Stücke dann neu bearbeitet, 
auf einer Orgel mit alter Stimmung begleitet. Wir haben versucht, den Raum zu nutzen.

Ich lasse Menschen gerne improvisieren, bitte sie, zwei Wörter aus dem Liedtext zu nehmen, vielleicht auch aus einem Psalm, die ihnen besonders viel sagen, zum Beispiel Sonne oder Regen. Und dann sollen sie aussprechen, was sie denken, diese Gedanken immer wiederholen, es den Leuten zusprechen. So entsteht ein kollektiver Improvisationsprozess.

Wir kamen dann auf fallende Mauern, was sich in der Biographie der Leute niedergeschlagen hatte, weil nach dem Mauerfall viele Tschechen und Polen als Erntehelfer zu ihnen kamen. Damit war das Eis gebrochen und wir haben tolle gemeinsame Musik gemacht.

Aber diejenigen, die Kirchenmusik nach den klassischen Kriterien beurteilen, folgen Ihnen nicht immer. Nein, natürlich haben wir auch Kritiker, die uns danach beurteilen, wie nah wir dem vermeintlichen Ideal der Perfektion
in Punkto Klangreinheit und Tonhöhe kommen. Und wir kassieren auch Verrisse, die wir vielleicht verhindern könnten, wenn wir nur mit Profis arbeiten würden. Aber die reale Kirchenmusik ist anders, und sie muss es auch sein.

Es ist bedeutsam, wenn sich ein Chor mit für ihn ungewöhnlicher Musik auseinandersetzen muss, sich daran reibt, sich auch aufregt. Aber am Ende findet man sich dann doch zusammen. Und wenn ich die Aufnahmen höre, erinnere ich mich an diesen Prozess, an das Menschliche in der Musik, das Blues-Element, das nur in dieser Situation mit diesen Menschen möglich war. Das sind gelebte Blue Notes. Und die gilt es zu stärken!


* “Wir sind dem Blues sehr nahe”. Gespräch mit dem Musiker Uwe Steinmetz über Erde, Himmel, gelebte Blue Notes und die Zukunft wahrer Kirchenmusik, erschienen im Magazin Zeitzeichen, Nr. 08/2015 | TUNE IN 139 vom 30. August 2015  | Unser Text ist von Uwe Steinmetz (Saxophon), Berlin, Mitbegründer und Co-Leiter von “Crescendo Jazz” | Übersetzung, Bill Buchanan | Weitere TUNE INs findest Du hier

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Besucht am 25. Oktober das ARTS+ Kulturfenster 2014, den Höhepunkt der christlichen Kulturszene in der Schweiz.

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Das Programm findest Du in der Übersicht im Video sowie im Flyer. Die detaillierten Inhalte und Hintergrundinformationen hier

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Komme zum nächsten ARTS+ Künstlertreff am 9. November 2014 nach Steffisburg (mit Voranmeldung). Weitere Infos hier.


 

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Herzlich, Dein
Georg (Rettenbacher)

TUNE IN 138: Jesus, ein Lehrer? Gedanken zum Unterrichts-Beginn

Jesus, ein Lehrer? Gedanken zum Unterrichts-Beginn

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In vielen Ländern beginnt in diesen Tagen ein neues Schul- und Studien-Semester. Das Thema “Pädagogik” ist natürlich auch für den Kunstbereich sehr wichtig. Und da viele TUNE IN-Leser entweder Studenten oder Dozenten an Musik-, Theater- oder Kunsthochschulen sind, hier einige Gedanken zum Thema.*  

 

1. Zunächst ist offensichtlich, dass sich der heutige Kulturbetrieb, nicht zuletzt geprägt von den Gesetzen von Markt und Werbung, stark auf die “Performance” ausrichtet. Auf der Bühne werden Stars geboren! Ja, Stars vielleicht! Aber gute Künstler werden in den Schulen geboren. Wer bejubelt dann konsequenterweise all jene Lehrer, die mit viel Können, Geduld und selbstlosem Einsatz die Begabungen ihrer Schüler fördern?

2. Lehrer müssten übrigens auch dort bejubelt werden, wo keine grossen Künstler geboren werden! Denn es kann niemals das ausschliessliche Ziel der Pädagogik sein, eine Elite heranzubilden. Der Flötist Christian Studler, Professor an der Musikhochschule Bern und seit Jahren Dozent im “Crescendo Sommerinstitut”, wirft immer wieder die Frage auf: “Was ist ‘jesus-mässige’ Pädagogik?” Und er betont: “Es ist jene Pädadgogik, die auf die Einzigartigkeit des Schülers eingeht und die jeden in seinen Stärken fördert.”

Christian Studlers pädagogisches Arbeiten, das diesen Grundsatz sehr konsequent durchsetzt, stösst übrigens gerade in solchen Ausbildungsstätten auf reges Interesse, wo ein ausgeprägtes Elitedenken herrscht oft im Widerspruch zur Staatsmaxime.

Obwohl Studlers un-elitärer Ansatz zu jeder guten Pädagogik gehört und obwohl viele Lehrer ebenso arbeiten, muss man fragen: Wie konsequent wird dieser Grundsatz befolgt? Wie können die Lehrer immer wieder die innere Kraft aufbringen und gegen den Strom des Elite-Denkens schwimmen, das ihnen von der Schulleitung und von den Eltern entgegenkommt? Wie gelingt es ihnen, die (vermeintlich) schwächer Begabten vor Überforderung und Entmutigung zu schützen? Und wie gelingt es ihnen, die (vermeintlich) höher Begabten vor dem Gift des Hochmuts zu bewahren, das früher oder später nicht nur ihrem Charakter, sondern auch ihrer Kunst zusetzen wird?

Christen wissen: Die innere Kraft für eine “jesus-mässige” Pädagogik lässt sich nur durch den grossen Lehrmeister selber gewinnen. Dieser stellt alles hochmütige Denken auf den Kopf, wenn er etwa sagt: “Lasst die Kinder zu mir kommen.” (Matthäus 19,14) Oder: “Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen.” (Matthäus 18,3)

Ausgerechnet wie Kinder, die in der damaligen Zeit als notendiges Übel galten! Jesus wendet sich auch scharf gegen das Elite-Denken, das unter den religiösen Führern und sogar unter seinen Jüngern herrscht. Und vor allem: Er sucht nicht danach, selber bejubelt zu werden. “Jesus, der Lehrer” lautet der Titel eines bedeutsamen neutestamentlichen Buches von Rainer Riesner.

Ja, Jesus war ein grosser Rabbi und die Jünger sozusagen seine Schüler. Er förderte diese “Schüler” kosequent in ihren Stärken. So machte er zum Beispiel den Fischer Petrus, der mit einem starken Willen und Eifer (wenn nicht gar Über-Eifer) ausgestattet war, zum eifrigen Menschenfischer. Oder er berief den einfühlsamen Johannes zum Ersatz-Sohn seiner Mutter.

3. Warum verhiess Jesus aber demselben Petrus, der ihn so schmählich verleugnete: Du bist der “Fels, auf dem meine Kirche bauen will” (Matthäus 16,18)? Konnte das sein Ernst sein oder war es bloss ein Wortspiel (Petrus=Fels)? Felsenfeste Treue war gerade nicht die Stärke des Petrus! Was Jesus hier einsetzte, war wohl das pädagogische Prinzip “Hoffnung”.

Jede gute Pädagogik sieht im Schüler ein verborgenes, unentdecktes Potential. Oder war es bei Jesus doch noch mehr? Sicher: Jesus hoffte nicht einfach “aus Prinzip”, sondern er vertraute auf das Wirken des Heiligen Geistes, der in Menschen Gaben erwecken kann – und der seinen “Schülern” sogar Gaben schenkt, die vorher nicht da waren. Was hat dies nun aber noch mit menschlicher Pädagogik zu tun? Für den Lehrer, der seinen Unterricht immer wieder betend gestaltet und auch für den Studenten, der nicht nur vom Lehrer, sondern letztlich von Gott Hilfe erwartet, sehr viel !

Fragen:

  • Welche der genannten Aspekte sprechen dich besonders an?
  • Was willst du davon im Blick auf das kommende Semester umsetzen?

Kleide, was dir in den Sinn kommt, in ein Gebet.    


* Zu diesem Thema gibt es vom 18. – 21.Februar eine internationale “Crescendo Music Teachers Conference” – für Musiklehrer und auch für Studenten, die sich musikpädagogisch ausrichten. Die Konferenz wird auf Englisch gehalten. Topics include:  Music teaching that makes a difference to the community. Teachers from different countries share about their teaching / What’s different in our teaching? Taking God with you to the lesson, teaching as a form of worship / Learn from Jesus- the greatest teacher / The pupil- wonderfully made by God, helping young musicians discover their talent and worship God / How do we deal with criticism and challenges? Für weitere Informationen schreibe eine Mail an Uta Mulenga, Crescendo UK.

TUNE IN 138 vom 24. August 2015 | Das Gespräch mit Rosemary Hardy führte Beat Rink,  Präsident von ARTS+ © Crescendo 2007/2015 | Weitere TUNE INs findest Du hier |

 

“Angstvolle Stücke konnte ich sehr gut singen!”

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Interview mit der Sopranistin Rosemary Hardy

Rosemary, wann hast du zu singen begonnen und wie verlief deine Laufbahn? Ich erinnere mich sehr genau an eine Begebenheit – ich war noch nicht einmal vier Jahre alt. Ich hörte eine Opernsängerin am Radio und sagte sehr resolut: “Einmal werde ich so singen wie die!”

Ich war sehr überzeugt davon und brachte meine Eltern mit meinem Entschluss in einige Schwierigkeiten. Sie mussten für ihre achtjährige Tochter eine Lehrerin suchen, obwohl man ihnen sagte, Gesangsunterricht sei eigentlich erst etwas für Siebzehnjährige. Sie fanden eine wundervolle Lady, Mrs. Stevenson, die mir nun die ersten musikalischen Schritte zeigte.

Musik war schon damals meine ganze Welt. Mit sechzehn fuhr ich dann zu einem Vorsingen an das “Royal College of Music” in London. Eine der dortigen Professoren fragte verwundert: “Solltest du in deinem jugendlichen Alter nicht noch etwas länger zur Schule gehen?” Ich gab zur Antwort: “Das wäre totale Zeitverschwendung. Ich möchte singen, nur singen!” So nahmen sie mich auf.

Danach studierte ich zwei Jahre im kommunistischen Ungarn an der Franz Liszt-Akademie. Zurück in London sang ich in professionellen Chören und “Consorts”, also in Gruppen von fünf bis sechs Sängern. Ich war im Dela-, im Purcell- und im Wilby-Consort zusammen mit Peter Pears. Diese Consorts verhalfen mir zu einer enormen musikalischen Erfahrung. In den 1970-er Jahren begann ich als Barock-Solistin, wollte mich jedoch später weiterentwickeln und wandte mich ganz der modernen Musik zu.

Wie wirkten die geistlichen Inhalte der Barockwerke auf dich? Ich war sehr wütend auf die Kirche, hatte aber nichts gegen die Texte. Einmal wäre ich in einem Gottesdienst beinahe aufgestanden und hätte eine Schimpftirade losgelassen.

Wie hast du die Musikwelt erlebt? Die Musikwelt ist eine enorm grosse Welt. Man findet sicher auch gute Freunde, aber ein grosser Teil ist ungeheuer weltlich. Es geht um Erfolg und Geld. Sogar grösste Musiker sind davon völlig eingenommen.

Was ich beobachte: Viele Sänger verlieren unter dem konstanten Druck die Freude. Der Druck heisst: “Ich muss berühmt werden! Ich muss mehr Geld verdienen! Ich muss die beste Rolle haben!” Ich hatte nicht das Bedürfnis und auch nicht die Energie für Kämpfe solcher Art, obwohl ich mit meiner Stimme beste Engagements bekam – und wohl noch bessere hätte bekommen können.

Nein, ich stand in anderer Hinsicht unter Druck: Da ich Musik des 20. Jahrhunderts sang, war ich musikalisch bis aufs Äusserste gefordert. Aber sie hat mir zum Teil auch geholfen. Ich ging durch schreckliche Zeiten, in der ich in der Ehe seelische Gewalt litt. Da kam ich auf den Gedanken: “Musik könnte dich heilen.”

Ich begann, anders zu atmen und konzentrierter zu singen. Das tat mir gut. Und dann kann Musik ja auch tiefe Gefühle der Freude und des Schmerzes ausdrücken, für die man oft keine Worte findet. Und dies kann irgendwie heilend wirken.

Du hast vorhin von Kämpfen gesprochen, durch die Du hindurch musstest. War der Weg zum Glauben auch so ein Kampf? Ein unerhört starker Kampf! Meine Ehe war, wie gesagt, zu einer Katastrophe geworden, und ich musste mich von meinem Mann trennen. Da ich das eigentlich nie gewollt hatte, erlebte ich einen persönlichen Zusammenbruch.

Ich litt ungeheure seelische Qualen, stand aber gleichzeitig auf der Bühne und spielte meine Rolle, ohne dass man mir etwas anmerkte. Ich entwickelte zu jener Zeit eine besondere Begabung in der Interpretation ausdrucksstarker, angst- und schmerzvoller, sehnsüchtiger Musik. “Erwartung” von Arnold Schönberg war so ein Stück, das ich sehr authentisch wiedergeben konnte.

Doch Musik wirkte nicht nur heilend. Sie setzte sich zugleich in meiner Seele fest und verstärkte sogar die Angst! Ich merkte: Ich war gar nicht geheilt, und suchte nun Heilung andernorts, eine Zeitlang in östlichen Religionen. Zum Glück war ich skeptisch gegenüber dem “New Age”-Supermarkt.

Nach meiner Scheidung ging es mit mir nur noch bergab, bis mich eines Tages der Heilige Geist besuchte. Ich stand in der Küche, und auf einmal war ER da mit seiner überwältigenden Liebe. Es ist schwer zu beschreiben.

Du wusstest, dass es der Heilige Geist oder der Gott der Bibel war? Noch nicht so genau, aber es wurde mir bald klar. Es war, als ob endlich die geliebte Person käme, auf die ich schon immer sehnsüchtig gewartet hätte. Es war für mich zugleich ein Damaskus-Erlebnis. Ich stürzte wie Paulus vom Pferd und begann nun verzweifelt, Gott anzurufen. Über Wochen hinweg tobte ein ungeheurer geistlicher Kampf in mir. Ich erlebte dabei eine solche Veränderung, wie es auch eine jahrelange Psychoanalyse nicht zustande gebracht hätte.

Wie hast du Gottes Stimme gehört? Hast du vielleicht begonnen, die Bibel zu lesen?
Nein, erst Monate später. Gott sprach sehr direkt zu mir. Er zeigte sich mir als der himmlische Vater und lehrte mich Dinge, die ich damals noch gar nicht richtig begreifen konnte.

Ich hatte auch noch keinen Kontakt zu anderen Christen. Seltsame Dinge geschahen. Als ich einmal in Basel war – ich trat in Christoph Marthalers “20th Century Blues” auf – fragte mich der Herr: “Willst du mir nachfolgen? Willst du meine Dienerin sein?” Ich war so schockiert, sagte aber voller Enthusiasmus: “Ja, ja, ja!”

Ein anderes Mal, als ich vor Jahren mit meiner Tochter in die Region Basel zog, hörte ich Gott deutlich sagen: “Join my church!” – “Tritt meiner Kirche bei!” So fand ich die anglikanische Kirche in Basel. Ich geriet zunächst in ein kleines Morgengebet, bei dem ich mich sehr wohl fühlte.

Ein andermal stand ich vor verschlossener Tür. Da kam der Pfarrer, Geoff Read, und sagte, der Gottesdienst, zu dem ich kommen wolle, fände schon lange nicht mehr statt. Er habe aber den starken Eindruck gehabt, er müsse kommen und sehen, ob jemand da sei. Wir sprachen lange miteinander, und dann betete er für mich. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass jemand für mich betete!

Wie erfährst du Gott als Sängerin? Ich habe bald einmal begonnen, in meinen Gebetszeiten neue Melodien zu singen. Ich erlebe auch oft, wie Gott meine sorgenvollen, bitteren oder ängstlichen Gedanken in ein Lob transformiert.

Das ist wohl dieser “Strom des lebendigen Wassers”! – Wie erfahre ich Gott als Sängerin? Ich bin viel befreiter! Ich singe befreiter. Und ich bekomme interessanterweise keine Anfragen mehr für angstbesetzte Stücke! Das hat plötzlich aufgehört.

Dafür singe ich andere, schönere Stücke. Und mein Beruf als Sängerin ist mir gar nicht mehr so extrem wichtig. Ich könnte auch als Köchin oder als Krankenschwester glücklich sein! Das beunruhigt mich manchmal fast etwas. Ich glaube aber trotzdem, dass ich als Sängerin eine Aufgabe habe. Es geht ja darum, Gott mit der Musik zu dienen, durch die Kunst der Welt eine geistliche Dimension zu vermitteln.

Fragen:

  • Kannst du die Aussagen von Rosemary Hardy über die Musik- und Kunstwelt nachvollziehen: “Der Druck heisst: Ich muss berühmt werden! Ich muss mehr Geld verdienen! Ich muss die beste Rolle haben!”?
  • Wie gehst du damit um?
  • Kennst du das: Gott spricht zu dir? Wie?
  • Wie wünschest du, dass Gott in dein Leben eingreift?

Etwas, was helfen könnte (neben dem Gebet allein oder mit jemandem anderen): Aufschreiben, was dich bewegt – in ein Tagebuch, auf dein Mobile Phone usw. Gott hört und erhört auch geschriebene Gebete!


TUNE IN 137 vom 16. August 2015 | Das Gespräch mit Rosemary Hardy führte Beat Rink,  Präsident von ARTS+ © Crescendo 2007/2015 | Weitere TUNE INs findest Du hier | Zur Zeit wirkt Rosemary Hardy am Schauspielhaus Hamburg

“Gott Dank zu opfern ist das Ziel der Musik”

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Interview mit Masaaki Suzuki, Dirigent und Organist Leiter des”Bach Collegium Japan”.

Masaaki Suzuki, wie schaffen Sie es, dass Chor und Orchester eine Kantate verstehen? Es ist eine Frage der Kommunikation… Zum Probenbeginn gebe ich viele Erklärungen zum Kantatentext und Informationen zu Bachs Leben und so weiter. Heute haben Musiker ja genügend Kenntnisse von diesen Dingen, aber trotzdem erläutere ich noch jede Kantate.

Die Orchestermusiker, die ja Berufsmusiker sind, sind solche Musik mehr gewohnt als die Chorsänger. Im allgemeinen haben sie kein grosses Interesse an den Texten. Trotzdem wollen sie wissen, was der Chor singt, und deshalb haben sie die ganze Zeit die Partitur und auch die Übersetzungen zur Hand, worauf sie während den Proben viel Male Bezug nehmen.

Es ist interessant, dass in der Kantate “Schlage doch, gewünschte Stunde” (BWV 53) die Tenorarie von einer sehr schwierigen Pizzicato-Stelle begleitet wird. Es war für sie so schwierig, dieses Pizzicato die ganze Zeit zu spielen, dass einer rief: “Warum müssen wir immer so ein schwieriges Pizzicato spielen? Warum hat Bach das so komponiert?”

Nun übersetzte und erklärte ich die Bedeutung von “Schlage doch”. Es geht um die letzte Lebensstunde und um die Totenglocke, worauf sie meinten: “Gut, jetzt verstehen wir es. Lasst es uns nochmals proben.” Eine solche Art von Textverständnis motiviert dazu, sich auf die Musik zu konzentrieren.

Sie haben den Ruf eines sehr einfühlsamen Bach-Interpreten. Wie haben Sie Zugang zu dieser Musik aus einer völlig anderen Kultur gefunden? Das ist etwas, was ich selber nicht ganz verstehe. Ich mache einfach, was ich fühle – so natürlich wie möglich. Eigentlich wollte ich nie anders verfahren. Nun sind, weil ich mich in Europa ausbilden liess, in meinen Aufführungen unschwer Spuren europäischer Kultur zu finden. Die interpretatorische Arbeit hingegen hat etwas mit meiner Persönlichkeit zu tun – und auch mit meiner Absicht, den Text so deutlich wie möglich hervortreten zu lassen.

Wenn man sich mit einem neuen Werk beschäftigt, muss man sich als Interpret zum Beispiel zuerst für das richtige Tempo entscheiden. Was diese technischen und praktischen Aspekte betrifft, so sind meine Einspielungen jenen anderer Dirigenten recht ähnlich. Aber dann unterscheiden sie sich von ihnen manchmal recht stark, weil ich eben einen anderen Geschmack habe, weil ich anders fühle und so weiter.

Wie nähern Sie sich einer Bach Kantate, die für Sie neu ist? Allen Kantaten liegt ein bestimmtes Thema zugrunde. Deshalb muss man ihren Inhalt und ihren Kontext kennen. Man kann in ihnen eine Grundstimmung spüren: eine aktive, eine tragische oder eine andere Stimmung. Und dann kann es da sehr interessante, vielleicht sogar recht seltsame Verbindungen von Text und Musik geben. Es ist keineswegs immer klar, was ein Motiv aussagen will, aber ich versuche zu verstehen und die Aussage so gut wie möglich aufzuzeigen.

Dies hört sich nach intensiver Forschungsarbeit an… Nein, das hat nichts mit Forschungsarbeit zu tun, sondern mit einem sehr spontanen Zugang zur Musik. In der Partita, die ich letzte Nacht gespielt habe, gibt es viele kleine Details, die sehr charakteristisch sind – und ganz bewusst hingesetzt. Jede Partita-Variation scheint mir irgendwie auf einen Text komponiert. Nun, wenn man diese kleinen Elemente entdeckt, die eine Art Leitmotiv bilden, kann man die Musik auf sehr intensive und interessante Weise gestalten.

Sie sprechen von Inhalten. Nun gibt es in Europa die Tendenz, Bachs Musik von ihren Inhalten zu trennen – zum Beispiel indem man eine Kantate zur Auferstehung humanistisch reduziert, als handle sie ganz allgemein von “Sieg und Freude”.  Dies scheint wiederum zu einer Bach-Religion zu führen. Was sagen Sie zu diesen Tendenzen? Um Bachs Botschaft so gut wie möglich weiterzugeben, muss man sie kennen und verstehen. Das ist die Aufgabe eines Musikers, und sie ist der eines Schauspielers ganz ähnlich.

Menschen können zweifellos von purer Musik tief berührt sein – so wie jemand von der Schönheit eines fallenden Herbstblatts berührt ist. So können auch Nicht-Christen von Gottes allgemeiner Gnade berührt sein. Aber als Christen haben wir darüber hinaus die Möglichkeit, die Botschaft zu verstehen und weiterzugeben.

Allerdings haben wir keine Ahnung, was die Musik in den Herzen und Köpfen der Menschen im Publikum bewirkt. Vielleicht haben wir manchmal den Eindruck, ein Konzert sei nicht gelungen. Aber Musik existiert auch ohne uns – natürlich nicht ohne Aufführung, aber wir haben letztlich keinen auf ihre Wirkung in den Köpfen und Herzen.

Im CD-Booklet zur Matthäus-Passion schreiben Sie, wie wichtig es ist, die Botschaft der Auferstehung zu verstehen. Sie sollten also aufzeigen, wohin die Passion führt. Ja. Wir müssen dabei den Hintergrund der lutherischen Tradition bedenken. Die Passions-Gottesdienste sind ja nur im Licht der Botschaft verständlich, dass Christus auferstanden ist. Wenn man die tiefe Bedeutung der Passage versteht “und in dreien Tagen werde ich auferstehen”,  wird die Musik völlig anders klingen.

Was bedeutet für Sie Bachs Motto “Soli Deo Gloria”? Gott Dank zu opfern ist das höchste Ziel der Musik. Deshalb versuche ich, mein Bestes zu geben.

Haben Sie manchmal, wenn Sie spielen oder dirigieren, den Eindruck, dass sie Gott loben – bewusst loben? Bisweilen, wenn ich zum Beispel ein Chor-Tutti dirigiere, so fühle ich – ich kann das nicht erklären – eine spezielle Begeisterung, die nichts mit meiner eigenen Leistung zu tun hat. Die Musik ist so komplex, so bedeutungsvoll in ihrer ganzen Stimmführung, dass daraus ein starkes Gotteslob wird.

Im Zusammenhang  mit dem Thema “Gotteslob” eine andere Frage: Was ist für Sie persönlich die wichtigste Eigenschaft Gottes? Das Wichtigste für mich ist, dass Gott die Welt geschaffen hat mit so vielen guten Dingen. Wir können nicht alles in dieser Welt gutheissen. Und dennoch gibt es keinen Bereich, in dem Gott nicht seine Herrschaft ausübt. Dies ist für mich das wichtigste Prinzip: Wo immer ich gelebt habe, wollte ich von Gott erfasst und geleitet sein – und ich habe es erlebt.

Der zweite Aspekt ist, dass uns Gott durch Jesus Christus gerettet hat. Wir können nichts perfekt tun, aber Gott kann unserem Tun und Leben Sinn geben. Und er hilft uns immer, wenn wir ihm vertrauen. Wir hatten und haben viele Herausforderungen in unserem eigenen Leben – auch im “Bach Collegium Japan”.

Manchmal realisieren wir gar nicht, wie schwierig alles ist. Aber wenn wir durch die Schwierigkeiten hindurch sind, merken wir oft, wie gross sie waren. Doch nun sind sie überwunden – dank Gottes Gnade. Dies hilft uns, weiterzulaufen, so wie es Paulus schreibt: Ich laufe und laufe, um den Preis zu gewinnen.

Fragen:

  • Wo hast du in deinem Leben besondere Herausforderungen erlebt und kannst nun im Rückblick mit Masaaki Suzuki sagen “Sie sind überwunden – dank Gottes Gnade?”
  • Wie könnte diese Einsicht dir helfen “weiterzulaufen2, weil du auf Gott vertrauen und ihn um Hilfe bitten kannst?
  • Wo brauchst du speziell Gottes Hilfe in einem (künstlerischen oder anderen) Projekt?
  • Hast du daran gedacht, es bewusst in Gottes Hände zu legen und um seine Leitung, Hilfe und um Segen zu bitten?
  • Was heisst “Soli Deo Gloria” für dich und deine Kunst?

TUNE IN 136 vom 8. August 2015  |  Das Gespräch mit Masaaki Suzuki führten Jan Katzschke, Hermann Rohde & Beat Rink,  Präsident von ARTS+ © Crescendo 2008/2015 |  Weitere TUNE INs findest Du hier

TUNE IN 135: Kunst-Installation in der Kirche von Daniel Pastirčák

Künstler in der Kirche / Teil VIII: “Eine neue Glaubenssprache für unsere Generation suchen”

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Interview mit Daniel Pastirčák, Slowakei, Schriftsteller und Pastor einer freien evangelischen Gemeinde in Bratislava.*

Daniel, wie beziehst du Kunst in den Gottesdienst ein? Ich möchte zunächst vorausschicken, dass es sich im Gottesdienst um “angewandte Kunst” handelt, die zu einem bestimmten Zweck geschaffen wurde und die nicht für sich allein steht. Einem Musikstück haftet oft so viel Schönheit und künstlerische Qualität hinsichtlich seiner kompositorischen Struktur und seiner Ausdruckskraft an, dass sich der Zuhörer gern auf diese Merkmale konzentriert statt auf den Gottesdienst.

Wir haben zum Beispiel während der Eucharistie ein sehr komplexes, schönes und höchst interessantes Musikstück eingesetzt. Aber das Problem war, dass es vom Abendmahl ablenkte. Dasselbe kann auch im Blick auf bildende Kunst oder andere Kunstformen gesagt werden. Das Ziel von Kunst im Kontext der Kirche ist es, zu dienen. Und eine Atmosphäre für die Gegenwart Gottes zu schaffen. Es ist wie bei einer Ikone: Die Künste sollten ein Fenster öffnen für Gottes Gegenwart.

Wie setzt ihr Musik im Gottesdienst ein? Wir singen natürlich Lieder. Aber nicht ausschliesslich, denn die Menschen sind heute nicht mehr so mit dem Liedersingen vertraut wie früher. Oft zwingen wir ja Leute, die zur Kirche kommen, zum Singen unvertrauter Lieder. Dies, obwohl sie sonst nie singen! Warum also nicht vermehrt Instrumentalmusik einsetzen?

Heute hören sich die Leute eher meditative Musik an. Darum unterteile ich meine Predigten jeweils in verschiedene Teile und öffne so einen Raum für Kontemplation mit künstlerischen Elementen – zum Beispiel mit moderner Musik oder bildender Kunst.

Welche anderen Kunstformen bezieht ihr ins kirchliche Leben ein? Wir haben in der Kirche auch eine schöne abstrakte Skulptur, die ein junger Künstler geschaffen hat. Nur können die wenigsten älteren Kirchenglieder damit etwas anfangen. Sie steht gerade am Eingang und bietet einen ersten Gesprächsstoff für neue Besucher.

Im Advent hatten wir einen ganz speziellen Gottesdienst: Es gab vier Teile mit Improvisationen – einmal instrumental und gesanglich, dann mit computergenerierter bildender Kunst, drittens mit Tanz und viertens mit Texten. Das Ganze wurde kurz eingeführt und dauerte etwa zwanzig Minuten.

Wie reagierten die Leute darauf? Einige wussten nicht so recht, was sie damit machen sollten. Manche fanden, es sei zu kurz, andere fanden es zu lang. Aber alle sind mittlerweile damit vertraut, dass es Überraschungen gibt. Aber es gibt auch gewöhnliche Gottesdienste ohne spezielle Überraschungen.

Was denken die Pastoren und Mitglieder anderer Gemeinden über diesen starken Einbezug der Kunst bei euch? Manche stellen uns in Frage, andere zeigen zumindest Respekt. Sie sind im allgemeinen recht offen für unseren Ansatz, aber ihr Denken ist irgendwie festgefahren.

Aber ich möchte betonen, dass es uns nicht um die Frage geht: “Wie bringen wir Kunst dazu, die christliche Botschaft zu verkündigen?”, sondern um die Frage: “Worin besteht heute eigentlich die Botschaft? Welche neuen Fragen werden in der zeitgenössischen Kunst, in der Philosophie, Literatur und überhaupt in der Kultur aufgeworfen?”

Und mit diesen unbeantworteten Frage wollen wir zu Gott, zu Christus und zum Geist der Schrift kommen und eine neue Glaubenssprache für unsere Generation suchen. Und dies bringt uns dann dazu, die Künste einzubeziehen.


* Erschienen in Crescendo Nr. 79, 2009 | TUNE IN 135 vom 8. August 2015 | Interview und Übersetzung von Beat Rink, Präsident von ARTS+ | Weitere TUNE INs findest Du hier

 

TUNE IN 134: Künstler in der Kirche / Teil VII

Künstler in der Kirche / Teil VII: “Kunst aus christlicher Sicht” (2/2)

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Es gilt, die konfliktreiche Seite des Verhältnisses von Kunst und Kirche ohne einseitige Schuldzuweisungen aufzuarbeiten. Es gibt noch allzu viele Vorurteile und Verletzungen auf beiden Seiten. Wie kann diese Aufarbeitung geschehen?

Der Schriftsteller András Visky liest ein Gedicht in der KIRCHE KREATIV im “Crescendo Sommerinstitut” am Samstag, den 25. Juli  2015 in Tokaj, Ungarn.

Lösungsansatz 1: Einsicht in die Stärken und Schwächen der anderen Seite  Ein erster Schritt würde dort gemacht, wo Kunst und Kirche den Charakter der jeweils anderen Seite entdecken. Um wenigstens stichwortartig einige Aspekte zu nennen:

Einsicht auf der Künstler-Seite Die Kirche hat die Kunst über Jahrhunderte gepflegt. Es besteht keine grundsätzliche Kunstskepsis in der Kirche. In der heutigen Kirche herrscht aber weitgehend ein Mangel an Kunst-Kenntnis. Es bedarf liebevoller Geduld, das Interesse für diesen “vergessenen Bereich” zu wecken und die Gemeinde ästhetisch zu prägen. Es gibt viele andere Bereiche in einer Kirche, die der Pflege bedürfen. Umso mehr ist Langmut gefragt – und vielleicht auch die Mitarbeit der Künstler in einem dieser anderen Bereiche.

Einsicht auf der Kirchen-Seite: Künstler leiden unter einer minderwertigen Gemeindekunst. Sie sind Fachpersonen, die in ästhetischen Fragen beratend beigezogen werden sollten.

Künstlerisches Schaffen ist ein oft unter Entbehrungen ausgeübter Beruf; die Entlöhnungsfrage ist deshalb ein wichtiges Thema. Zugleich ist das künstlerische Schaffen mehr als ein Beruf. Es ist eine intensiv gelebte ­und manchmal durchlittene Existenzform. Ein Künstler bedarf kreativer Freiräume und immer wieder auch Zeiten des Rückzugs, was manchmal als individualistische Abschottung missverstanden wird.

Der Künstler braucht das Zugeständnis eines innovativen Freiraums, in dem auch “Unorthodoxes” entstehen darf. Die Gestaltung scheinbar weltlicher Themen ist noch keine Absage an den Glauben. In seinem Ringen ist der Künstler auf Verständnis und Ermutigung angewiesen. Das Angewiesen-Sein auf Lob ist noch keine stolze Abkehr von der “Soli Deo Gloria“-Haltung.

Die Ausrichtung eines Künstlers auf die weltliche Kunstszene ist noch keine Absage an die Gemeinde; vielmehr findet er dort seine künstlerischen Qualitätsmassstäbe und ein Verständnis, das er in der Kirche oft vermisst. Künstler sind generell kreative Köpfe; warum sie nicht einladen, auch für andere Gemeindebereiche mitzudenken?

Lösungsansatz 2: Einsicht in die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit   Ein zweiter Schritt würde dort gemacht, wo Kunst und Kirche merken, dass sie eine segensreiche  Allianz eingehen können.

Denn auf der einen Seite brauchen Künstler die begleitende und betende christliche Gemeinschaft – sowohl innerhalb der Kirche wie auch in christlichen Künstler-Netzwerken. Die Herausforderungen im Kunstmarkt (Konkurrenzdruck, finanzieller Überlebenskampf) und manche innerpsychischen, potenziell Stress verursachenden Faktoren wie Perfektionismus und Sensibilität können belastend sein.

Dazu mag kommen, dass sich der christliche Kunstschaffende aufgrund seines Glaubens isoliert sieht, weil der Glaubensbezug in seinem Schaffen auf Unverständnis stösst oder weil er sich gegenüber mondänen Tendenzen in der Künstlergemeinschaft abgrenzt.

Auf der anderen Seite braucht die Kirche das kritische und kreative Ferment der Künstler. Zudem weiss sie, dass sie ohne Kunstverständnis und Kunst-Pflege nach innen hin verarmt und nach aussen hin weniger “attraktiv” ist. Sie erkennt, dass die Werke geistlicher Musik, Literatur, Malerei oder Architektur zu den unverzichtbaren geistlichen Schätzen unserer Kultur gehören, die – wie kaum eine andere Verkündigungsform – immer noch grosse Strahlkraft entfalten. Und schliesslich begrüsst sie, wenn christliche Künstler in der säkularen Kunstszene präsent sind und dort ein Stück “Reich Gottes” bauen helfen. Vielleicht könnten in speziellen Begegnungsforen – in Verbindung mit theologischen Symposien – Künstler und Kirchenverteter aufeinander zuzugehen.

Lösungsansatz 3: Konkrete Zusammenarbeit  Ein dritter Schritt würde zur konkreten Zusammenarbeit führen: zum Einbezug von Künstlern in die Kirche, in die Gottesdienste, in die Gestaltung der Kirchenräume, in die nach aussen gerichtete Arbeit, in die Freizeitgestaltung. (Dies kann wohl nur durch strukturelle Massnahmen geschehen, zum Beispiel durch die Einsetzung eines Gemeinde-Arbeitsbereichs “Kunst”, der von professionellen Künstlern oder profunden Kunstkennern geleitet wird.)

Der Kontakt und die Zusammenarbeit mit den erwähnten Künstlernetzwerken und Künstlerinitiativen dürften nicht vernachlässigt werden, weil dort solche Fragen seit langem diskutiert und praktische Modelle erprobt werden. Finden Kunst und Kirche wieder zusammen, wird das Wort des Schriftstellers Gottfried Benns (1886 – 1956) hoffentlich endlich widerlegt werden, dass “Glaube ein schlechtes Stilprinzip” sei.


Dieser und der vorherige TUNE IN-Beitrag zu “Künstler in der Kirche / Teil VI” stammt aus der Stellungnahme zu “Kunst aus christlicher Sicht”, die ARTS+ und die Schweizerische evangelische Allianz veröffentlicht haben. | TUNE IN 134 vom 27. Juli 2015 | Unser Text ist von Beat Rink, Präsident von ARTS+ | Weitere TUNE INs findest Du hier

TUNE IN 133: Künstler in der Kirche / Teil VI

Künstler in der Kirche / Teil VI: “Kunst aus christlicher Sicht” (1/2)

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Die beiden nächsten Weitere TUNE INs findest Du hier-Beiträge zu “Künstler in der Kirche” entnehmen wir der Stellungnahme zu “Kunst aus christlicher Sicht”, die ARTS+ und die Schweizerische Evangelische Allianz veröffentlicht haben.  

1. Kunst im Dienst der Kirche  Der Blick in die Kunst- und Kirchen-Geschichte zeigt: Kunst bringt Schönheit hervor und kann damit auf wunderbare Weise Gott loben und ins Gotteslob hineinführen. Denken wir an die Musik Bachs! Kunst kann, ohne manipulativ zu wirken, die biblische Botschaft auf interessante Weise darstellen und zum Nachdenken und Glauben anspornen. Read More

TUNE IN 132: Künstler in der Kirche / Teil V

Künstler in der Kirche / Teil V: “Offene Kunstwerke im Gottesdienst?”

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Wie Umberto Eco* (links unten im Bild) in einem bahnbrechenden Buch ausführt, sind viele moderne Kunstwerke in einer dreifachen Weise offen:

1. Sie sind „in Bewegung“ (wie die Mobiles von Alexander Calder) und bieten dem Betrachter an, das Werk mit zu gestalten.

2. Sie sind offen für ständige Neuknüpfungen von inneren Beziehungen, wie es zum Beispiel der  Hörer einer seriellen Komposition erlebt. In einer “multipolaren Welt” ohne absolutes Zentrum schafft er sich hörend eine eigene Struktur.

3. Sie sind offen für eine unendliche Reihe möglicher Lesarten. Sie machen sich geradezu verfügbar für verschiedene Interpretationen und bieten selber nicht unbedingt eine bestimmte Deutung an. Die Romane von Franz Kafka oder ein Bild von René Magritte kann man zum Beispiel nicht so eindeutig interpretieren wie einen Roman (oder ein Bild) aus dem Barock, die vielleicht auf den ersten Blick ebenso verwirrend sind, aber auf einer klaren Zuordnung von Bildern und Bedeutung beruhen.

Dass Kunstwerke heute “offener” sind als in früheren Jahrhunderten, ist ein Phänomen der “modernen Zeit”. Eco legt dar, dass zwischen Aufklärung und Romantik die Idee der “reinen Poesie” aufkommt. Dahinter steht eine Ablehnung allgemeingültiger Ideen und abstrakter Gesetze (durch den englischen Empirismus) und eine neue Auffassung von künstlerischer “Schöpfung”. Aber erst nach der Romantik, im Symbolismus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, entsteht eine bewusste “Poetik des offenen Kunstwerks”.

Bevor wir nach dem Ort des “offenen Kunstwerks” in der Kirche fragen, müssen wir klären: Wie stellt sich nun von christlicher Seite das “offene Kunstwerk” dar? Um plump zu  fragen: Können Christen “offene Kunstwerke” schaffen, wo sie doch daran glauben, dass es eine “zentrale Wahrheit” gibt? Können sie hinter die weltanschaulichen Positionen des Empirismus  zurückgehen?

Wenn wir davon ausgehen müssten, dass jedes “offene Kunstwerk” zugleich kommuniziert, dass es keine allgemeingültige Wirklichkeit und Wahrheit geben kann, so hätten Christen tatsächlich ein Problem. Aber dies wäre ein ebenso fataler gedanklicher Kurzschluss wie die Behauptung, dass Musikinstrumente mit heidnischem Hintergrund (oder Rockmusik aus nicht-christlichen Quellen) nicht von Christen adaptiert werden können, weil damit immer auch eine heidnische Botschaft transportiert wird.

Die Sprache des “offenen Kunstwerks” – oder besser: eines Kunstwerks, das verschiedene Deutungen zulässt – ist nichts Verwerfliches. Jedes instrumentale Musikstück ist schliesslich “deutungs-offen”.

Wie lässt sich nun ein “offenes Kunstwerk” in der Kirche zeigen oder aufführen? Welchen Ort kann es u. U. in einem liturgischen Rahmen einnehmen? Dazu vier Punkte:

1. Dass ein Kunstwerk “offen” ist, sagt noch nichts über seine Qualität aus. Ein Kunstwerk ist nicht einfach besser, je offener es ist. Und umgekehrt gibt es weniger offene Kunstwerke (zum Beispiel die, in einem früheren TUNE IN vorgestellten, Bibelillustrationen von Kees de Koort), die sehr gut sind!

2. Es ist trotzdem wichtig, dass die Kirche ein Verständnis für “offene Kunstwerke” entwickelt und nicht allein Kunst fördert, die eine bestimmte Aussage oder Geschichte der biblischen Botschaft respektive der Predigt “illustriert”.

Die Sprache der heutigen Kunst ist vielen Christen fremd – und entsprechend ungeduldig kann die Reaktion auf ein Werk sein, das sich nicht unbedingt dem unmittelbaren Verständnis erschliesst. Ich selber habe mit eigenen poetischen Texten gerade in christlichen Kreisen immer wieder die Frage gehört: “Was meinst du damit?” Es schien mir, die Bitte um Erklärung war ein Alibi für die Mühe, den Text auf sich wirken zu lassen und sich ihm mit etwas Geduld anzunähern.

3. Wie überall, wo Kunst in der Kirche Eingang finden soll, muss sorgfältig ausgewählt werden, welches Werk in welchen Rahmen “passt”. Das heisst: Es muss ein Hör-Raum und ein Seh-Raum (bzw. ein geeignetes Zeit-Fenster) dafür gefunden werden. Und auch die Atmosphäre und die Aussage(n) eines Werks wollen bedacht sein.

Zweifellos ist nicht jedes Werk für einen kirchlichen Kontext, z. B. einen Gottesdienst,  geeignet. Ein Gottesdienst hat eine bestimmte inhaltliche Richtung, und es wäre fatal sowohl für den Gottesdienst als auch für die Kunst, wenn es darin ein Fremdkörper wäre.

4. Unter Künstlern besteht oft der Vorbehalt: “Kunst, die sich auf die biblische Botschaft bezieht, ist illustrativ, propagandistisch und inhaltlich allzu eindeutig.” Dahinter steht ein Missverständnis, das möglicherweise auf ein verkürztes Bibelverständnis in den Kirchen zürückgeht.

Denn: Gerade die Bibel ist ein “offenes Kunstwerk”! Dies nicht im Sinn beliebiger Interpretierbarkeit, sondern so: Wir erfahren doch immer wieder, dass das Wort der Bibel auf überraschende Weise spricht – und wirkt.

Heute spricht und wirkt es anders als gestern – und darum werden wir es auch morgen wieder erwartungsvoll zur Hand nehmen. Nicht selten entfaltet sogar genau der gleiche Text, neu gelesen, eine andere Bedeutung und Lebenskraft.

So hat das Bibelwort eine Dimension, die kein Menschenwort je erreichen kann. Es ist zwar nicht nach allen Seiten hin offen und beliebig interpretierbar, aber es ist vertikal nach oben hin offen und Gott wirkt dadurch in eine Tiefe der Seele – und der Geschichte hinein – wie kein anderes Wort oder Kunstwerk. Also wird auch gelten, dass von der biblischen Botschaft inspirierte Kunst nicht zwingend eindimensional und “flach” ist.

Die Kirche müsste sich demnach üben, auf einen vielschichtigen Text zu hören. Sie müsste zum Beispiel auch nicht-seichte Musik schätzen lernen. Sie müsste visuelle Kunst fördern oder ein Theater- oder Tanzstück loben, die nicht eindimensional sind.

Dies eben deshalb, weil sie auch mit dem vielschichtigen Bibelwort subtil und nicht eindimensional verfährt. Und weil sie weiss: Gott redet und wirkt immer wieder auf nicht-vorhersehbare Weise durch sein Wort. Und er kann auch durch ein Kunstwerk reden!!!

Und der Künstler? Er darf seinerseits entdecken, dass das Bibelwort nicht eindimensional ist, sondern ein nach oben hin “offenes Kunstwerk”.

Fragen:

  • Wo haben “offene Kunstwerke” in der Kirche Platz?
  • Wie erfahre ich selber das Bibelwort?
  • Als offen und vielschichtig?

Übung, die wir kürzlich in einem Künstlerkreis machten:

  • Nimm einen Bibeltext zur Hand, z. B. Johannes 6,1-15.
  • Lies ihn still – mit dem Gebet, dass Gott zu dir durch ein bestimmtes Wort oder Bild spricht. Was  “leuchtet” darin auf?
  • Lies ihn noch einmal mit der Bitte: Zeig mir, welche Stimmung mit diesem Wort verbunden ist.
  • Lies ihn ein drittes Mal mit der Bitte: Zeig mir, was das für mich bedeuten könnte. 

* Umberto Eco: “Das offene Kunstwerk” (Opera aperta), 1962 | TUNE IN 132 vom 13. Juli 2015 | Unser Text ist von Beat Rink, Präsident von ARTS+ | Weitere TUNE INs findest Du hier

Miriam Feuersinger erhält aus den Händen von ARTS+ Präsident Beat Rink den PrixPlus 2015. Bild: Georg Rettenbacher

ARTS+ PrixPlus 2015 für Miriam Feuersinger und “Winterthurer Passion”

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Der PrixPlus 2015 geht an die  Sopranistin Miriam Feuersinger, den ARTS+ Förderpreis 2015 erhalten die Organisatoren und Künstler der “Winterthurer Passion”. Die feierliche Verleihung der beiden Preise fand am 6. Juni 2015 auf der Werkbühne in der ARTS+ Lounge an den Christlichen Musiktagen in St. Gallen (OLMO-Areal) im Beisein der Kunstschaffenden statt.

Weitere Bilder zu den beiden Preisverleihungen sowie zur ARTS+ Künstlerlounge hier… Read More

Künstler in der Kirche / Teil IV: “Künstler im Gottesdienst – Propheten, Zungenredner, Ausleger?”

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Fortsetzung von TUNE IN 130: 1. Korinther 14 (1-5) / 26-29

III. Paulus gibt praktische Ratschläge: Es braucht in der Gemeinde eine Auslegung der Zungenrede (darunter versteht man unverständliches Sprechen, insbesondere im Gebet [die Red.] – s. dazu auch TUNE IN 130) und einen geordneten Vortrag der Zungenrede selber: “So jemand mit Zungen redet, so seien es ihrer zwei oder aufs meiste drei, und einer um den andern; und einer lege es aus. Ist aber kein Ausleger da, so schweige er in der Gemeinde, rede aber sich selber und Gott.“
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Künstler in der Kirche / Teil III: “Künstler im Gottesdienst – Propheten, Zungenredner, Ausleger?”

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Seit dem Jahr 2001 bin ich in über 1000 Gottesdiensten und liturgischen Konzerten aktiv als Jazzmusiker und Komponist, in verschiedenen kirchlichen Traditionen und liturgischen Formaten. Da ich Jazz in Kirchen spiele und damit keine traditionelle Kirchenmusik, ist es ein immerwährender und zwingender Lernprozess für mich geworden, über die Rolle des Künstlers in der Kirche nachzudenken. Die Passagen aus dem 1. Korintherbrief 14 sind seit etlichen Jahren zu einem Leitfaden und Arbeitsgrundlage geworden, und ich möchte im Folgenden einige Beobachtungen mit Euch teilen in der Hoffnung, das sie mit einigen von euren Erfahrungen und Visionen für Kunst und Kirche resonieren.

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Künstler in der Kirche / Teil II: “Menschen wollen in einem Gottesdienst etwas erleben”

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Wir möchten in einer neuen Reihe von TUNE INs fragen: Wie können Künstler in der Kirche dienen? Warum ist das Engagement von Künstlern in der Kirche wichtig? TUNE IN 128 hatte das Thema: Gotteslob. Hier zitieren wir einige bemerkenswerte Aussagen von Pfr. Ulrike Bittner und Pfr. Dr. Wolfgang J. Bittner, beide sehr interessante Theologen – und auch grosse Kunstkenner, die professionelle Künstler in ihre Gottesdienste integrieren. Sie haben in den Crescendo-Zeitschriften 79 und 80 zum Thema “Kunst in der Kirche” ein Interview gegeben, aus dem wir einige Abschnitte zitieren.

Wie kann der Bereich der „Kunst“im kirchlichen Leben zur Geltung kommen? Soll er es überhaupt?

Wolfgang Bittner: Ich empfinde unsere Kirche in der Art, wie sie sich nach aussen präsentiert, als zu intellektuell. Dabei bin ich sehr gern ein Intellektueller, aber das darf nicht zur Einseitigkeit verkommen. Wenn Gott sich in dieser Welt ausdrückt, dann so, dass es mit allen Sinnen erfahrbar ist. Und so sollte es in der Kirche Angebote geben – es gibt sie auch teilweise –, die die Sinne der Menschen einbeziehen und einsetzen, um auf Gott hinzuweisen.

Ich bin auch überzeugt, dass genau dies die Menschen suchen. Gedanken können gut und originell sein. Doch sie gehen schnell vorbei.Was die Menschen eigentlich suchen: dass sie berührt werden und mit der Erfahrung aus der Kirche herausgehen, jemanden begegnet zu sein! Die Kunst hat sehr viele Möglichkeiten, eine solche Begegnung überhaupt zu ermöglichen – ganz andere als wir mit dem Wort. Ich wünsche mir für die Gottesdienste deshalb auch noch andere Kunstsparten: Schauspiel, Tanz, Rezitation…


Nun kann ja Kunst auch illustrativ sein, also ein Bibelwort illustrieren. Der Künstler möchte aber nicht unbedingt nur illustrieren, sondern etwas gestalten, das möglicherweise nicht so eindeutig, nicht so leicht verständlich ist und das vielleicht zunächst auch etwas Irritierendes hat. Etwas, das ins Fragen hineinführt. Hat das Platz in der Kirche?

Wolfgang Bittner: Wenn ein Gottesdienst nur direktive Elemente enthält, die der Gemeinde sagen, was zu tun und was zu denken ist, dann ist das ja auch kein Gottesdienst. Wort und Musik müssen etwas Offenes haben. Es darf aber nicht alles offen sein! Doch damit jenes, was klar gemeint ist, auch ankommen kann, braucht es eben das Öffnen der Gefühle – etwa durch die Musik. Nur so kann es die Menschen erreichen. Kunst und Musik dürfen nicht zu verzweckt sein. Ich empfinde Lobpreismusik manchmal als zu verzweckt; sie führt zu sehr in eine bestimmte Richtung und ihr fehlt gerade diese Offenheit.

Wie ist dies theologisch zu verstehen? Unter Offenheit versteht ihr kaum Beliebigkeit, sondern eher das Angebot an den mündigen Gottesdienst-Besucher, das herauszupflücken, was für ihn wichtig ist. Stimmt das?
Wolfgang Bittner: Wir rechnen damit, dass der Geist gerade in dieser Offenheit einen Menschen so führt, dass er bestimmte Dinge für sich als wichtig erkennen kann. Und zwar nicht unbedingt nur das, was der Pfarrer vorher gesagt hat.


Welche künstlerischen Elemente könnten Eurer Meinung nach den Sonntags-Gottesdienst bereichern?

Ulrike Bittner: Ich denke etwa an das Abendmahl. Mir fällt auf, dass es oft etwas Schwermütiges hat. Man könnte es aber künstlerisch anders gestalten. Statt mit düster-schaurigen Orgelklängen etwa mit Anbetungsmusik. Wobei ich nicht unbedingt den modernen Anbetungsstil meine, den wir in den heutigen Kirchen pflegen. Ich empfinde ihn manchmal als zu direktiv. Anbetung ist noch viel weiter.

Ich weiss nicht, ob Künstler die Freiheit hätten, an solchen Stellen auch einmal etwas Eigenes zu gestalten. Die Anbetung dürfte also noch mehr zum Zug kommen. Wenn wir die Psalmen lesen, sehen wir, dass jeder Psalm in ein Gloria übergeht. Die Gemeinde könnte ein Psalmgebet sprechen oder ein Organist könnte etwas gestalten, das in die Anbetung hineinführt.

Die Schönheit und Würde mancher Gottesdienst-Teile könnten neu ins Bewusstsein rücken, wenn sie künstlerisch-anbetend gestaltet würden. Dies entspricht ja auch der ursprünglichen liturgischen Absicht.
Würdest du dich nicht scheuen, ein nicht-christliches Gedicht mit einzubeziehen?

Wolfgang Bittner: Mir kommt es nicht darauf an, ob es christlich oder nicht-christlich ist, sondern ob es gute oder keine Kunst ist. Jede gute Kunst hat etwas Öffnendes und setzt für Antworten frei statt direktiv Antworten zu geben. (…) Ein solches Gedicht wird ja in einer Kirche gelesen. In diese Offenheit hinein kommt dann das Bibelwort, das Deutungsangebot.

Ob das Deutungsangebot hörbar wird oder nicht, liegt nicht in unserer Hand. Die einzige Gefahr besteht dort, wo ein Künstler eine Botschaft vermittelt, die in sich ideologische, missionarische Züge hat. Dann wird es unmöglich sein, seine Kunst in den christlichen Gottesdienst einzubetten. Aber die meisten Kunstwerke sind dies ja nicht. Das Wort “missionarisch” trifft möglicherweise auch auf christliche Kunst zu.
Was ist dann mit christlicher Kunst, die eine klare christliche Aussage hat?
Ulrike Bittner: Auch da würde ich zuerst prüfen, ob es sich um gute oder schlechte Kunst handelt. Wir hatten in der Gemeinde einen Volkschor. Er sang ganz fromme Lieder. Diese haben aber nichts geöffnet und auch keine Antworten gegeben. Die christliche Botschaft kam überhaupt nicht rüber.


Kann man sagen, dass gute Kunst nichts Ideologisches hat?

Wolfgang Bittner: Gute Kunst hat immer eine Botschaft. Sie muss deswegen noch nicht ideologisch sein. Es gibt auch Kunst mit einer ganz dezidierten Botschaft. Dieser sollte man nun nicht einen anderen Sinn unterjubeln wollen. Und man sollte sie nicht gegen ihre eigene Absicht für den Gottesdienst instrumentalisieren.

Andererseits gibt es keine andere Bewegung, die so nahe an der Ideologie ist wie das Christentum. Und deshalb sind wir so gefährdet, ideologisch zu werden. Was ich mir schwer vorstellen kann: Dass das Werk eines Malers oder Bildhauers, der das Zerstörerische in der Welt aufzeigen will, in einem Gottesdienst Platz hat und die Besucher für das Hören auf Gott öffnet. Vielleicht wäre dies sogar möglich; das Werk müsste dann aber mit größter Sorgfalt eingeführt werden.


Kann Kunst auch etwas Prophetisches haben?

Wolfgang Bittner: Prophetisch heißt ja “Eine Ansage machen über etwas, was jetzt dran und notwendig ist.” Musik bringt dieses Notwendige oft ein – insofern als Menschen zu sich selbst geführt und innerlich wieder geordnet werden.

Musik ist nicht einfach beliebig. Kunst hat immer etwas Aufdeckendes. Paul Klee sagt: Kunst lehrt sehen. Und Kunst zwingt uns beinahe, etwas nicht mehr zu übersehen. Vielleicht hilft sie auch etwas sehen, was Gott in einer bestimmten Situation zeigen möchte?

 


TUNE IN 129 vom 21. Juni 2015 | Das Interview führte Beat Rink, Präsident von ARTS+|Weitere TUNE INs findest Du hier

Künstler in der Kirche / Teil I: Anbetung

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Wir möchten in diesem und in einigen weiteren TUNE INs fragen: Wie können Künstler in der Kirche dienen? Warum ist das Engagement von Künstlern in der Kirche wichtig? Tatsache ist, dass nicht alle Kirchen und Kirchgemeinden eine Ahnung davon haben (oder eine Erinnerung daran), wie wichtig Kunst für sie sein könnte. Und nicht alle Künstler sind motiviert, ihre Gaben in einer Kirche einzusetzen. Dies vielleicht aus einem gewissen elitären Denken heraus, vielleicht aber auch, weil sie – trotz allen guten Willens – demotiviert wurden.

Zum Thema dieses TUNE INs: Anbetung. Tatsächlich ist Anbetung in den Kirchen oft ein sehr heiss diskutiertes Thema. Und zwar schon seit Jahrhunderten. Dies hat mit gewissen Spannungspolen zu tun. Ich möchte folgende nennen:

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Psalm 190: “Gib meiner Kunst Erfolg!?!”

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Dürfen wir so beten: “Gib dem Werk unserer Hände Bestand?” Und als Künstler: “Gib meiner Kunst Deine Bestätigung und Erfolg.” So ähnlich lautet jedenfalls der Schluss von Psalm 90, 17. Aber klingt das nicht eher stolz? Stolz würde es dann klingen, wenn die Bitte vom Wunsch getragen wäre, den schon die Turmbauer von Babel sehr deutlich ausgeprochen haben: “Wir wollen uns einen Namen machen.” (Genesis 11, 4 – siehe TUNE IN 124).

Und stolz wäre die Bitte auch im Mund eines Künstlers, wenn er selbst möglichst erfolgreich und berühmt werden möchte. Dies ist tatsächlich eine grosse Gefahr. Es gibt einen feinen, aber sehr deutlichen Unterschied zwischen der Bitte: “Gib MIR Erfolg” und “Gib MEINEM WERK Erfolg”.

Wie begegnet der Psalmschreiber dieser Gefahr? Indem er vor dieser letzten Bitte 16 Verse schreibt, die sehr deutlich machen: Es geht NICHT um den Menschen. Es KANN gar nicht um den Menschen gehen. Denn der Mensch ist Staub und wie Gras, das vergeht (Vers 3ff.) Man denkt dabei an den II. Satz aus Johannes Brahms “Deutschem Requiem” (1861 – 1868).

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Lukas 1,46-55: Das Magnificat

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“Denn Grosses hat er, der mächtig ist, an mir getan. Und heilig ist sein Name.”

Das Magnifikat ist einer der bekanntesten Bibeltexte. Es nimmt in der liturgischen Tradition vieler Kirchen einen prominenten Platz ein, und ist unzählige Male vertont worden. Kürzlich durfte ich diese wundervollen Worte mit ganz neuen Augen betrachten – bei einer Abendandacht im Berliner Stadtkloster Segen.

Die dort gebotene Auslegung erfuhr ich als sehr ermutigend und erfrischend. Der Pfarrer, der durch den Gottesdienst führte, liess die Besucher zunächst den Text lesen und jene Stellen unterstreichen, die ihnen besonders wichtig erschienen.

Es war eine schlichte, aber sehr hilfreiche Übung, die ich jedem TUNE IN-Leser wärmstens empfehlen kann! Doch hier sollen ein paar eigene Gedanken folgen, die wir uns in jener Abendandacht gemacht haben. Read More

TUNE IN 125 - TUNE IN 125: Der Text zu Amazing Grace

Amazing Grace

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Vor einigen Tagen sang der Koreaner Eungkwang Lee, Bariton an der Oper Basel, in der “Kirche Kreativ*” das Lied “Amazing Grace”. Wie wunderschön. Es ist eines der bekanntesten geistlichen Lieder. Beleuchten wir kurz seine Entstehungsgeschichte und denken über seinen geistlichen Gehalt nach.

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Edward Hawkins, der den Song Oh happy day geschrieben hat

Die ARTS+ Künstler Lounge und der ARTS+ PrixPlus 2015

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Kommen, sehen und gesehen werden: Die ARTS+ Künstlerlounge an den Christlichen Musiktagen in St. Gallen am 6. und 7. Juni 2015. Mit Edward Hawkins (Bild), Dichter von “Oh Happy Day”. Inmitten von Konzerten aus allen musikalischen Stilrichtungen, der feierlichen Verleihung des PrixPlus 2015, einer bunten Music Plaza sowie u. a. einem Sofagespräch zum Thema “Gibt es eine christliche Ästhetik in der Musik?”

Das Highlight des christlichen Kunstjahres 2015 Read More

TUNE IN 124: Babel und Pfingsten

Babel und Pfingsten

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Es ist interessant, in der Pfingstzeit einen Vergleich herzustellen zwischen dem Turmbau zu Babel (Genesis 11) und Pfingsten (Apostelgeschichte 2). Solche Vergleiche zwischen alttestamentlichen und neutestamentlichen Figuren gibt es schon in der Bibel.

Für Paulus ist Christus der “neue Adam”, denn er ja hat die tiefe Trennung zwischen Mensch und Gott aufgehoben, unter der die Menschheit seit Adam steht. Auch in der Kirchengeschichte hat man weitere solche Vergleiche angestellt. Über alten Darstellungen der “Verkündigung Mariae” sieht man zum Beispiel das Schriftband mit AVE MARIA. Das AVE steht zuweilen auf dem Kopf, weil das Band gerade so fällt – und so liest man EVA (im Bild). Maria ist also die Umkehrung von Eva: Sie trägt nicht die verbotene Frucht, sondern den Retter.

So wurden oft Pfingsten und Babel nebeneinander gestellt, weil die Sprachverwirrung durch das Sprachenwunder in der Apg. 2 aufgehoben wurde. Denkt man dieser Parallele weiter nach, ergeben sich spannende Erkenntnisse.

Die Turmbauer von Babel befürchten, dass die Menschheit sich weiter zersplittert. In Genesis 10 steht eine grosse Völkertafel mit zahlreichen Namen. Nun greift die Angst um sich: “Wir vermehren uns – wir entfremden uns voneinander – wir zersplittern uns in viele unbedeutende Familien!”

Darum geben die Turmbauer die Parole heraus: “Wir wollen uns einen Namen machen! Wir wollen eine starke Einheit herstellen!” – Sie rufen dabei nicht Gott an, sondern sie sind Self Made-Leute mit dem Hang zu Kontrolle, Totalitarismus und Hybris gegen Gott.

Auch vor Pfingsten geht es den Jüngern darum, die Einheit wiederherzustellen. Jene Einheit der Zwölferschar, die durch Judas gestört wurde. Aber die Jüngerschar ist nicht “Self Made”, sondern “God made”. Darum lassen sie Gott bestimmen, wer der zwölfte Jünger sein soll!

Die Turmbauer mobilisieren alle Kräfte und stemmen einen gewaltigen Turm in die Höhe – von unten nach oben. Die Jünger sind im Gebet zusammen und erwarten Gottes Wirken von oben nach unten.

Die Turmbauer erfahren, dass ihre Bemühungen umsonst sind und ins Gegenteil umschlagen. (Siehe auch TUNE IN Nr 17). Die Jünger erfahren etwas, was sie nie erstrebt haben.

Die Turmbauer erleben, wie ihre Sprache verwirrt wird und dass ihre letzte Einheit zerbricht. Die Jünger sprechen plötzlich in fremden Sprachen und werden verstanden. Eine neue Einheit entsteht.

Immerhin muss man den Turmbauern zugute halten: Sie geben sich nicht mit der Zersplitterung zufrieden. Sie unternehmen etwas. Sie sind fleissig. Sie sind sogar visionär. Und sie sind kreativ! Aber das alles ohne Gott. – Bei den vom Pfingstgeist erfassten Menschen sehen wir dann allerdings auch, dass sie visionär, fleissig (nein noch mehr: leidensbereit) und kreativ (nein, noch mehr: inspiriert) sind. Und dass auch sie um die Einheit ringen.

Ist nun ein für allemal für uns Menschen die Turmbau-Geschichte Vergangenheit? Leider nicht! Ein Blick in die Geschichte der letzten 2000 Jahre ist ernüchternd. Auch wir Christen kennen das nur zu gut: Wir bemühen uns aus eigener Kraft, vielleicht bewegt von einer Not, um Dinge – und scheitern kläglich.

Wir müssen mit Paulus eingestehen: “Nicht was ich will, das tue ich, sondern was ich hasse, das tue ich.”  (Rö 7,15b) Im Römerbrief 7 gibt Paulus diesem Zwiespalt Ausdruck und ruft zum Schluss: “Ich unseliger Mensch! Wer wird mich diesem Todesleib entreissen?” (V.24) – Die Antwort darauf ist das wundervolle Kapitel 8, wo es um die Vergebung durch Jesus Christus und um die Überwindung der Self Made-Mentalität (Paulus nennt es “Fleisch”) durch den Heiligen Geist geht: “Ihr seid aber nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt.” (V.9)

Fragen:

  • Rechnen wir damit, dass wir nicht “self made” aus dem “Fleisch” leben müssen, sondern dass wir kreativ, visionär, mutig und hoffnungsvoll aus dem Geist leben und mit Seiner Hilfe handeln können?
  • In welchen Bereichen unseres Lebens brauchen wir einen Wechsel von Babel zu Pfingsten, von Römer 7 zu Römer 8?
  • Wo sollten wir Turm-Baustellen (vielleicht auch künstlerische Projekte) verlassen?
  • Wo brauchen wir Gottes Geist, der uns Kraft und Freiheit gibt, falsche Projekte loszulassen und seine Weisheit, die uns in eine bessere Richtung lenkt?

TUNE IN 124 vom 16. Mai 2015 | Unser Text ist von Beat Rink, Präsident von ARTS+  | Weitere TUNE INs findest Du hier

Mein Alabasterkrug

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Audio “My Alabaster Jar”
by Patt Chairns Wadenpfuhl

“Ein Pharisäer hatte Jesus zum Essen eingeladen. Jesus war in sein Haus gekommen und hatte sich zu Tisch gesetzt. In dieser Stadt lebte auch eine Frau, die für ihren unmoralischen Lebenswandel bekannt war. Als sie erfahren hatte, dass Jesus im Haus des Pharisäers zu Gast war, nahm sie einen Alabasterkrug voll Salböl und ging dorthin.

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Luke Gasser (2. v. r.) bei der Laudatio durch ARTS+ Präsident Beat Rink. SEA-Generalsekretär Matthias Spiess (1. v. l.) überreichte zuvor den PrixPlus, ARTS+ Geschäftsführer Timo Schuster führte gekonnt durch den Gala-Abend (Bild: Georg Rettenbacher).

“The Making of Jesus Christ” gewinnt den PrixPlus 2014

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Es war keine leichte Entscheidung. Letztlich traf sie die ARTS+ Jury aber einstimmig. Luke Gasser erhält den PrixPlus 2014 für seine aktuelle, zeitlose und perfekt in Szene gesetzte Dokumentation „The Making of Jesus Christ“.

Der Rockmusiker und Filmemacher nahm den wichtigsten Preis der christlichen Kulturszene in der Schweiz im Rahmen des ARTS+ Kulturfensters Ende Oktober im Winterthurer gate27 entgegen. Spontan bedankte er sich mit dem A-cappella-Song “I Just Want To See His Face” von den Rolling Stones. Read More

Im ARTS+ Interview: Rahel Studer, Gewinnerin des PrixPlus Förderpreises 2014

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„Tapestry of Trust“: Mit Musik Bilder kreieren, mit warmer Stimme und kunstvoller Poesie über die Liebe, das Leben und das Staunen erzählen, das vermag Milya-Rahel Studer.

Drei Tage brauchte sie mit ihrer Band Milya in Winterthur, dann war das Debut-Album eingespielt. Die Herzen der Zuhörer berührt die Zerbrechlichkeit, Melancholie und Zartheit.

Mit ihrem Debutalbum hat sie auf Anhieb den PrixPlus Förderpreises 2014 gewonnen. Im ARTS+ Interview erzählt Rahel über die Hintergründe ihrer Musik, ihrem Glauben und ihrem künstlerischen Schaffen.

Der wichtigste Preis der Szene zeichnet Kunstschaffende aus, die mit ihrem Schaffen den christlichen Glauben thematisierten und zur Diskussion in der Schweizer Öffentlichkeit angeregt haben.

Das Interview fand im Rahmen des Kulturfensters 2014 am 25. Oktober 2014 statt.

Interview und Video: Georg Rettenbacher, georg.rettenbacher@web.de
Schnitt: Matthias Spiess (Tussig Dank!), mspiess@each.ch

> Rahel Studer und Milya mit Desert Seed im MOODS – feat. Simone Baur, Tanz

Im ARTS+ Interview: Luke Gaser, der Gewinner des PrixPlus 2014

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“The Making of Jesus Christ”: Am Filmfestival in Warschau feierte Luke Gassers Doku-Essay Premiere, am Nevada-Festival in Las Vegas gewann er den Award als bester Dokumentarfilm.

Das Publikum ist bewegt und erschüttert, die Filmkritiker sind begeistert vom „besten und ehrlichsten Jesus-Film seit langem“ (katholischer Mediendienst Schweiz).

Deswegen und weil es wirklich eine der sehenswertesten “Jesus”-Verfilmungen schlechthin ist, erhält Luke Gaser den PrixPlus 2014. Im ARTS+ Interview erzählt Luke über die Hintergründe seines Films, seinem Glauben und seinem künstlerischen Schaffen.

PrixPlus: Der wichtigste Preis der Szene zeichnet Kunstschaffende aus, die mit ihrem Schaffen den christlichen Glauben thematisierten und zur Diskussion in der Schweizer Öffentlichkeit angeregt haben.

Das Interview fand im Rahmen des Kulturfensters 2014 am 25. Oktober 2014 statt.

Interview und Video: Georg Rettenbacher, georg.rettenbacher@web.de
Schnitt: Sandra Triolo (Tussig Dank!), triologo@googlemail.com

> The Making of Jesus Christ – Official Trailer

Trailer Kulturfenster und PrixPlus 2014: Mit Kunst und Glaube

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Das ARTS+ Kulturfenster ist der Höhepunkt der christlichen Kulturszene in der Schweiz.

Dieses Jahr präsentiert es vier im Alltag sofort anwendbare Workshops, eine spannende Podiumsdiskussion und eine glanzvolle Abendveranstaltung mit Verleihung des PrixPlus 2014.

Der wichtigste Preis der Szene zeichnet Kunstschaffende aus, die mit ihrem Schaffen den christlichen Glauben thematisierten und zur Diskussion in der Schweizer Öffentlichkeit angeregt haben.

WANN 25. Oktober 2014 im gate 27, Theaterstrasse 27b, 8400 Winterthur
– ab 14.00 Uhr Workshops, ab 19.00 Uhr Abendveranstaltung
– Tagesticket inkl. Apéro 35 Fr /- 25 Fr ARTS+ Mitglieder
– Abendticket inkl. Apéro 25 Fr – 18 Fr ARTS+ Mitglieder

Produktion: Daniel Gut / Campus für Christus
Konzept & Text: Georg Rettenbacher

Luke Gasser (2. v. r.) bei der Laudatio durch ARTS+ Präsident Beat Rink. SEA-Generalsekretär Matthias Spiess (1. v. l.) überreichte zuvor den PrixPlus, ARTS+ Geschäftsführer Timo Schuster führte gekonnt durch den Gala-Abend (Bild: Georg Rettenbacher).

„The Making of Jesus Christ“ gewinnt den PrixPlus 2014

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Es war keine leichte Entscheidung. Letztlich traf sie die ARTS+ Jury aber einstimmig. Luke Gasser erhält den PrixPlus 2014 für seine aktuelle, zeitlose und perfekt in Szene gesetzte Dokumentation „The Making of Jesus Christ“.

Der Rockmusiker und Filmemacher nahm den wichtigsten Preis der christlichen Kulturszene in der Schweiz im Rahmen des ARTS+ Kulturfensters Ende Oktober im Winterthurer gate27 entgegen. Spontan bedankte er sich mit dem A-cappella-Song I Just Want To See His Face von den Rolling Stones.

Weitere Bilder zum Kulturfenster 2014

Im ARTS+ Interview: Luke Gaser, Gewinner des PrixPlus 2015

Gasser setzte sich u. a. gegen Oliver Rudin und Gaspard Weissheimer mit „Son & Lumière“ und Julia Medugno mit „Ein deutsches Requiem“ durch. Die Tänzerin und Sängerin begeisterte mit mehreren Einlagen an der glanzvollen Abendveranstaltung.

Dasselbe schaffte Rahel Studer mit ihrer Band Milya: Diese verzauberten mit gefühlvollen Stücken aus ihrem Album „Tapestry of Trust“. Für dieses erhielt Studer den PrixPlus-Förderpreis 2014.

Im ARTS+ Interview: Rahel Studer, Gewinnerin des PrixPlus Förderpreises

TUNE IN 69: Johannes 20, 24-29

Johannes 20, 24-29

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Thomas, auch Didymus genannt, einer der Zwölf, war nicht dabei gewesen, als Jesus zu den Jüngern gekommen war. Die anderen erzählten ihm: “Wir haben den Herrn gesehen!”

Thomas erwiderte: “Erst muss ich seine von den Nägeln durchbohrten Hände sehen; ich muss meinen Finger auf die durchbohrten Stellen und meine Hand in seine durchbohrte Seite legen. Vorher glaube ich es nicht.”

Acht Tage später waren die Jünger wieder beisammen; diesmal war auch Thomas dabei. Mit einem Mal kam Jesus, obwohl die Türen verschlossen waren, zu ihnen herein. Er trat in ihre Mitte und grüßte sie mit den Worten: “Friede sei mit euch!”

Dann wandte er sich Thomas zu. “Leg deinen Finger auf diese Stelle hier und sieh dir meine Hände an!”, forderte er ihn auf. “Reich deine Hand her und leg sie in meine Seite! Und sei nicht mehr ungläubig, sondern glaube!”

Thomas sagte zu ihm: “Mein Herr und mein Gott!” Jesus erwiderte: “Jetzt, wo du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind die nicht sehen und doch glauben.”

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TUNE IN 68: Römerbrief 5,8 - Die drei Kreuze. Radierung von Rembrandt, 1653

Römerbrief 5,8

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“Gott aber beweist seine Liebe gegen uns damit, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.” In dieser Passionszeit wollen wir uns darauf besinnen, was der Tod von Jesus am Kreuz bedeutet. Lassen wir einen der renommiertesten christlichen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts zu Wort kommen: Clive Staples Lewis (aus „Pardon, ich bin Christ / Kap. II,4).

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TUNE IN 67: Johannes 3, 25-30

Johannes 3, 25-30

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“Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen”

„Da erhob sich ein Streit zwischen den Jüngern des Johannes und einem Juden über die Reinigung. Und sie kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Meister, der bei dir war jenseits des Jordans, von dem du Zeugnis gegeben hast, siehe, der tauft, und jedermann kommt zu ihm. Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann nichts nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist. Ihr selbst seid meine Zeugen, dass ich gesagt habe: Ich bin nicht der Christus, sondern vor ihm her gesandt. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihm zuhört, freut sich sehr über die Stimme des Bräutigams. Diese meine Freude ist nun erfüllt. Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“

Eifersucht ist in unserer Gesellschaft, auch unter Künstlern, ein grosses Thema. Selbst unter Christen. Kürzlich sagte ein befreundeter Schauspieler in einer Runde: „Ich merke, dass auch ich als Christ von Eifersucht heimgesucht werde.“

Eifersucht kann verschiedene Formen haben: von offener, expliziter Kundgabe von Neid über dezent angebrachter, aber liebloser Kritik bis hin zu passiver Ignorierung des andern. Eine uns bekannte Sängerin litt daran, dass sie von ihrer engsten Kollegin nie auch nur mit einem halben Wort gelobt wurde. Auch ausbleibendes Lob kann ein Zeichen aggressiver Eifersucht sein.

Wir alle kennen Eifersucht und ihre unterschiedlichen Formen und wissen, dass sie krankhafte Züge annehmen kann. Aber auch in ihren weniger krankhaften Formen ist sie eine menschliche „Krankheit“, die unsere Beziehungen und das künstlerische Zusammenwirken vergiftet.

Auch Johannes hätte allen Grund zur Eifersucht haben können. Denn seine Jünger entdecken: Jesus nimmt Taufen vor – beziehungsweise er lässt seine Jünger Taufen vornehmen! Doch Johannes war doch der erste, der getauft hatte – und Jesus war eigentlich nur sein „Nachahmer“.

Die Reaktion des Johannes ist aber alles andere als eifersüchtig. Er sagt: “Er muss wachsen! Ich aber muss abnehmen.“ Wir können diesen Satz (wie viele Sätze aus der Bibel) leicht nachsprechen. Aber bei genauer Überlegung ist er gar nicht so harmlos.

Abnehmen: Heisst das nicht, dass ich in der Bedeutungslosigkeit versinke? Dass es mich am Schluss gar nicht mehr gibt? Dabei bin ich doch (gerade als Künstler) täglich dabei, mich auf bestmögliche Art hörbar, sichtbar und lesbar zu machen?! Und Konkurrenz spornt schliesslich zu guter Leistung an. Interessanterweise verliert Johannes nicht an Bedeutung. Jesus sagt über Johannes an einer anderen Stelle: „Unter allen Menschen hat es keinen grösseren gegeben als Johannes den Täufer“ (Mathäus 11,11).

Und auch die Darstellungen von Johannes in der Kunstgeschichte zeigen keinen kleinen, sondern einen grossen Johannes. So bei Matthias Grünewald auf dem Isenheimer Altar. Er tritt dort gross auf, selbst wenn aus seinem Mund die „Sprechblase“ kommt: „Illum oportet crescere me autem minui. Er muss wachsen – ich aber abnehmen.“ Warum ist Johannes gross und trotzdem klein? Eben darum, weil er nicht selber gross herauskommen will. Weil er mit grosser Geste auf Jesus hinweist. Und das heisst: Auf jenen hin, der am Kreuz hängt und der sich selbst klein macht wie keiner je vor ihm noch nach ihm.

Daraus lässt sich ableiten: Wo wir nur auf uns selber hinweisen, werden wir klein. Das gilt zum Beispiel für unsere Kirchen, wenn sie sich auf ihre eigenen Programme, ihren eigenen Stil, ihre eigenen Gaben oder ihren Pfarrer etwas einbilden. Das gilt auch für uns einzelne Christen, wo wir auf unsere eigene Frömmigkeit und auf unsere guten Werke stolz sind. Und das gilt auch für uns „christliche Künstler“ (d. h.: Künstler, die Christen sind!)

Ja, vielleicht sollten Sätze wie „Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden. Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Matthäus 23,12) gerade von christlichen Künstlern sehr ernst genommen werden.

Jene Künstler, die nicht von Jesus Christus wissen, werden relativ problemlos auf sich aufmerksam machen und sich ins Zentrum stellen können. Ob dies letztlich segensreich ist und eine Kultur der Liebe fördert, ist eine andere Frage.

Christliche Künstler aber, die einer egoistischen Tendenz und einem Narzissmus, wie wir sie wohl alle irgendwie kennen, nachgeben und Eifersucht zulassen, kommen über kurz oder lang in eine innere Spannung hinein. Diese Spannung wird sie blockieren oder – noch schlimmer – in eine „schizophrene Spaltung“ hineintreiben. Denn in ihnen will ja Christus gross werden, was sich mit ungebremstem künstlerischem Egoismus und mit Eifersucht nicht vereinbaren lässt.

Eine zweite, nicht weniger problematische Tendenz muss genannt werden: Die einer falsch verstandenen Demut, eines Minderwertigkeitsgefühls und eines christlichen Duckmäusertums. Manchmal meinen wir, uns selber klein machen zu müssen, damit Jesus gross herauskommt. Das ist aber ebenso verkehrt und ungeistlich wie ausgelebter Egoismus.

Beide Haltungen (auch die letzte, die eine stolze Seite hat!) führen im schlimmsten Fall zum insgeheimen Wunsch: „Ich will zunehmen. Ich spüre aber, dass der Glaube mich darin hindern will. Am besten wäre es, wenn Jesus abnehmen würde…“

Kehren wir zurück zu Johannes: Er hatte kein Problem damit, Jesus das Feld zu überlassen. Er wusste: „Ich komme dabei nicht zu kurz. Allein im Dienst für Jesus Christus komme ich zu meiner Bestimmung und lebe spannungsfrei in meiner Berufung.“ Er musste allerdings damit rechnen, dass dies selbst das Martyrium nicht ausschliessen würde.

Wir können nun den Satz „Wo wir nur auf uns selber hinweisen, werden wir klein“ wieder im Sinn von Johannes 3,30 umkehren und, auf unsere künstlerische Berufung gemünzt, so formulieren: „Wo wir Jesus Christus Raum geben und ihn in uns wachsen lassen, werden wir von Egoismus und Eifersucht befreit. Aber wir kommen dabei nicht zu kurz. Das heisst zwar nicht automatisch, dass wir grosse Kunst machen können oder dass wir gross herauskommen. Aber wir werden im Einklang mit Jesus Christus viel eher in unserer Berufung leben können als wenn wir egoistisch und eifersüchtig gepolt sind.“

Fragen:
Auf welche Seite falle ich eher vom Seil herunter: Auf die Seite einer „falschen Demut, des Minderwertigkeitsgefühl“ oder auf die „Seite des Egoismus und der Eifersucht“?

Wie wirkt sich der (richtig verstandene) Satz „Er muss wachsen – ich aber abnehmen“ in meiner Beziehung zu meinen Kollegen aus?

Wo kann ich anderen zeigen, dass ich sie nicht eifersüchtig als Konkurrenten sehen will? Wie kann ich ihnen Wertschätzung zeigen und sie ermutigen?

Tune In 67 vom 8 . April 2014 | Text: Beat Rink, Präsident von ARTS+ Bild: Ton de Bordes Weitere TUNE INs findest Du hier

TUNE IN 66: Johannes 3, 14-20 / 4. Mose 21,4-9

Johannes 3, 14-20 / 4. Mose 21,4-9

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„Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.

Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden.“

Jesus leitet seine Worte über die Sendung des Sohnes ein (Querverweis auf 4. Mose 21, 4-9).

Dort finden wir einen seltsamen Text. Die aus der ägyptischen Knechtschaft befreiten Israeliten murren über das Manna. Dies entfacht Gottes Zorn. Er sendet Schlangen, die die Israeliten beissen. Viele sterben, bis sie Mose um Hilfe bitten.

„Da sprach der HERR zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.“ (V.8+9)

Der Herr sendet Schlangen: Man könnte auch frei übersetzen: „Er lässt sie los.“ Oder: „Er hält die Schlangen, die es in der Wüste gibt, nicht mehr zurück.“

Denn Gericht ist dasselbe wie der fehlende Schutz Gottes.

„Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.“

Warum muss Mose eine bronzene Schlange machen? In seinem Buch „State of the Arts. From Bezalel to Mapplethorpe“ schreibt G. E. Veith Jr.:

„Hier gibt die Schrift ein profundes Beispiel dafür, wie Kunst bei den Adressaten eine Einsicht in die Sündhaftigkeit und eine Ahnung von Rettung durch Gnade aus Glauben hervorrufen kann. Gott wollte, dass das Volk seine Blicke auf die Schlange richtete: auf ein Bild der Strafe, die er ihnen auferlegte. Er wollte, dass sie Sein Gericht und ihre Sündhaftigkeit vor Augen hatten.

Aber hatten sie da nicht bereits? Sahen sie das nicht bereits überall um sie herum in den realen Schlangen, die durchs Lager glitten? Warum sollte der Blick auf ein Bild, auf ein Werk aus glitzernder Bronze, sie mehr überzeugen denn die wirklichen Schlangen aus Fleisch und Blut und Gift?

Die Schrift legt uns hier etwas vor, was heutige Wissenschaftler gerade entdecken: wie Kunst wirkt.

Kunst ist so wirkungsvoll, weil sie die Wahrnehmung intensiviert. Dies, indem ein Objekt oder eine Erfahrung aus ihrem eigentliche Kontext herausgehoben werden, was ein neues und vollständigeres Verstehen ermöglicht.

… Als die Israeliten auf die in der Wüstensonne glitzernde Bronze-Schlange sahen, nahmen sie diese anders wahr als die durch ihre Zelte zischenden Vipern. Indem sie auf das Abbild schauten, erkannten sie Gottes Zorn über ihrer Sünde.

Die realen Schlangen waren nicht einfach zufällig hergekommene Wüsten-Vipern, ein schreckliches Naturereignis, sondern Werkzeuge des göttlichen Zorns; dies erkannten sie, weil die Metallschlange ihnen diese Deutung aufzwang – kraft der darin wirkenden göttlichen Botschaft.

Die Bronzeschlange ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Kunst die Leute aufrütteln kann, damit sie die Wahrheit erkennen.“

Es ist nun aber nicht die Kunst, die rettet. Sie führt „nur“ zur Erkenntnis der Wahrheit, dass Gott zornig ist und dass es der Umkehr und seiner Gnade bedarf. Gott ist dann gnädig dem, der erkennt und bereut. Dieses Ereignis in der Wüste nimmt auf geheimnisvolle Weise das Ereignis von Golgotha vorweg. Jesus wird wie die Schlange erhöht.

Martin Luther schreibt: „Jesus Christus ist uns verdammten Menschen gleich geworden und am Kreuz gehangen als ein giftiger, böser und schädlicher Wurm (Psalm 22,7 – jener Psalm, den Jesus am Kreuz betet!).

Ja, er scheint eben der Schlange gleich, die uns im Paradies in den Schweiss gebracht hat, dem Teufel.

Ja er ist vor der Welt also verachtet und verdammt gewesen, dass man ihn mitten unter die Mörder als ein Erzbösewicht gehängt hat“ (Jesaja 53,12).

Dem entspricht 2. Korinther 5,21: „Den, der ohne jede Sünde war, hat Gott für uns zur Sünde gemacht, damit wir durch die Verbindung mit ihm die Gerechtigkeit bekommen, mit der wir vor Gott bestehen können.“

Der Schriftgelehrte Nikodemus kennt die Geschichte von der Bronze-Schlange natürlich gut. Jesus gebraucht sie, um ihm zu zeigen, wer er ist und was er tut. Dabei spricht er auch die berühmten Worte: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (V.16)

Wie kann man nun diesen Glauben ergreifen? Hat Nikodemus ihn ergriffen? Wir wissen es nicht.

Jedenfalls erfahren wir über ihn nicht, was wir 17 Kapitel später von Thomas lesen, als der Auferstandene sich ihm zeigt. Thomas sagt schlicht: „Mein Herr und mein Gott.“

Es ist ein Wort der Anbetung und des Bekenntnisses, des freudig ergriffenen Glaubens. Auch wir sind eingeladen, diese Worte zu unserem Gebet zu machen.

> Antworte ich auf die Botschaft in Johannes 3, 14-20 mit dem Gebet des Thomas oder bin ich eher wie Nikodemus, der unschlüssig weggeht und vielleicht noch Zeit zum Nachdenken braucht? Welche Fragen habe ich in diesem Zusammenhang? (bitte Fragen jederzeit schreiben an: info@crescendo.org )

> Möchte ich auch andere darauf aufmerksam machen und dazu einladen, zu glauben? Was heisst das konkret?

> Wie verstehe ich meine Kunst im Licht von 4.Mose 21?

TUNE IN 66 vom 2. April 2014 |Text: ist Beat Rink, Präsident von ARTS+ | Bild: Bild: Hospitalkirche Hof: Schlange des Mose Weitere TUNE INs findest Du hier

ARTS+ 2014: “meet Artists – meet ARTS+”

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Kunstbeitrag zur ARTS+ Mitgliedervollversammlung 2014 am 27. März im Kulturhaus West im schweizerischen Zofingen.

Das Künstlerpaar Andrea und Matthias Kipfer untermalt die Hauptversammlung mit Stücken von Bach über Mozart bis hin zu Gershwin. Hier in Bild und Ton die irischen Stücke
“College Hornpipe” (Trad.)
“Star Of The County Down ” (Trad.)
“Galopede” (Trad.)
“The Flower Of The Queen” (James Scott Skinner)

Video: Georg Rettenbacher, georg.rettenbacher@web.de

 

TUNE IN 65: Johannes 3, 8 / Hesekiel 1

Johannes 3, 8 / Hesekiel 1

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„Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.“

Manchmal hilft es zu einem besseren Textverständnis, wenn man den eigenen Namen einsetzt. Versuchen wir es einmal: „Also bin ich ….. wie der Wind, der bläst, wo er will. Man hört sein Sausen wohl, aber man weiss nicht, woher ich … komme und wohin ich …. fahre.“

Jesus verknüpft diese Aussagen über den Geist aufs engste mit der Person dessen, der „aus dem Geist geboren ist“.

Es wäre nun allerdings problematisch, diese Worte als Anleitung zu einem möglichst unbeständigen, unzuverlässigen, weiterschwenderischen, impulsiven und aus dem Moment heraus geführten Lebensstil zu verstehen.

Und er wäre auch problematisch, daraus ein künstlerisches Konzept abzuleiten. So als gelte es, möglichst spontan, aus dem Bauch heraus, inspiriert und wenig reflektiert zu musizieren, zu schreiben, zu malen, zu tanzen…

Was will Jesus nun aber sagen?

Im Buch Hesekiel findet sich zu Beginn die Vision von vier Gestalten mit je vier Gesichtern und Flügeln, die sich nach allen Richtungen bewegen „wohin der Geist sie” trieibt“ (vgl. Hes.1,12.20). Und wenn sie gingen, rauschten die Flügel „wie grosse Wasser“ (V.24). Im Inneren des „Wagens“ gab es auch Bewegung und sogar Feuer und Blitze.

Ich vermute, dass diese Stelle uns helfen könnte, Johannes 3,8 zu verstehen.

Wie? Die Gestalten bewegen sich nicht selber. Es ist der Geist, der sie bewegt. Es sind nicht ihre eigenen Gefühle, Interessen und Vorhaben. Aber trotzdem werden sie nicht wider ihren Willen bewegt. Es scheint nicht, dass sie in eine andere Richtung wollten als wohin der Geist sie treibt. Sie werden vom Geist nicht manipuliert.

Warum bewegen sie sich überhaupt? Offenbar hat die Nähe Gottes und seine Herrlichkeit (V.28) nichts Lähmendes. Sie sind nicht „vor Ehrfurcht erstarrt“.

Wenn sie stillstehen, donnert der Himmel über ihnen (V.25). Es besteht also eine enge Verbindung zwischen ihnen und Gott.

Noch einmal: Die Gestalten – und wir „Geistgetriebene“ – sind nicht Marionetten Gottes. Wir werden nicht manipuliert.

Es heisst sogar: „Es war der Geist der Gestalten in den Rädern“ (V.20). Also ist es auch ihr eigener Geist, der sie im Einklang mit Gottes Geist bewegt.

Und dasselbe gilt für uns: Der Geist Gottes korrespondiert mit unserem Geist. „Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.“ (Römer 8,16).

Im Römerbrief 8 klingt dasselbe an, was bei Hesekiel und Johannes steht: „Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn wir haben nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass wir uns wieder fürchten müssten…“ (V.14f.). Und auch hier ist wie bei Hesekiel von der Herrlichkeit die Rede, zu der wir erhoben werden (V.17).

Was heisst dies nun für uns?
1. Der Geist Gottes weht, wo er will – aber nicht, indem er uns manipuliert und in eine Richtung zerrt, wohin wir nicht wollen.

Er weht uns vielmehr auch aus unserem eigenen Inneren an und schafft in uns den Wunsch, in eine Richtung zu gehen. So müssen wir uns nicht wie Knechte fürchten vor einem „fremden Geist“.

2. Der Geist Gottes bewegt nicht einfach „nur“ unsere spontanen Gefühle oder spricht zu unserem Unterbewusstsein.

Er bewegt oft zuallererst unsere Gedanken, ruft unser erlerntes Wissen in Erinnerung, aktiviert unsere Hirnzellen, stärkt den Willen und weckt Begeisterung und Fleiss – zum Beispiel, gute Kunst zu machen – und er bewegt natürlich auch stark unser „Herz“.

3. Die Bewegung des Geistes – des Geistes Gottes und unseres Geistes als Wiedergeborene – ist „unkontrollierbar“: man weiss nicht, woher er kommt und wohin er fährt.

Nicht ungeordnet, nicht chaotisch, nicht in die Irre führend, nicht verantwortungslos, nicht triebgesteuert, nicht treulos!

Aber eben auch nicht von anderen Menschen kontrollierbar und nicht von Systemen programmierbar.

„Der Herr ist Geist, und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2.Korinter 3,17).

4. Der Heilige Geist und unser Geist sind letztlich bewegt von der Herrlichkeit Gottes.

Das ist ihre Kraftquelle.

Sich Gott vor Augen halten – darin liegt Kraft.

Die Bewegung (unsere Bewegung!) kommt aus der Anbetung Gottes.

Was heissen diese vier Punkte für uns? Sehen wir das auch so? Erleben wir etwas davon? Vielleicht formulieren wir einen oder mehrere dieser vier Punktw zu einem persönlichen Gebet um. Ich bete…

PS: Im Kontext von Gebets-Versammlungen kann es spannende Erfahrungen mit „inspirierter Musik“, „geistgeleitetem Reden“, „spontanem Tanz“ usw. geben.

Diese Erfahrung reicht bis tief in die Kirchengeschichte und in die Bibel zurück. Das heisst nicht, dass dies dann Kunst oder eine rhetorisch ausgefeilte Predigt ist. Aber es kann ein bewegter und bewegender Ausdruck des Geistes sein, der weht wo er will.

Auch professionelle Musiker können diese besondere und herausfordernde Erfahrung machen, die wegführt von „komponierter Musik“.

Tune In 65 vom 26. März 2014 | Text: Beat Rink | Bild: E-Initiale zum Ezechiel-Kapitel der Winchester Bibel (1160 / 1175)

1 Thessalonicher 5,18

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„Seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ Nach einem stündigen oder anderthalbstündigen Konzert sind wir Musiker froh, wenn wir mit Applaus bedacht werden. Der Applaus ist ein Zeichen dafür, dass das Publikum unsere Leistung schätzt. Und es tut gut, anschliessend Leute zu treffen, die ihre Dankbarkeit für das, was wir ihnen geboten haben, auch noch persönlich äussern.

Ebenso wichtig wie Dankbarkeit empfangen ist aber Dankbarkeit zu bekunden. Die Bibel legt uns ans Herz, dankbar zu sein: „Sei dankbar“ (Kolosser 3,15) und „Seid dankbar in allen Dingen.“ (1.Thess. 5,18) – dies sind nur zwei Beispiele für Stellen im Neuen Testament, in denen die Gläubigen aufgerufen werden, ihrer Dankbarkeit Gott und den Mitmenschen gegenüber Ausdruck zu verleihen.

Wie wir von Natur aus dazu neigen, die guten Dinge zu vergessen, die uns wiederfahren – und uns umgekehrt sehr genau daran erinnern, wenn uns jemand etwas schuldig geblieben ist, so empfiehlt uns die Bibel das genaue Gegenteil: Wir tun besser daran, die Verfehlungen anderer schnell zu vergessen und Gutes sehr wohl im Gedächtnis zu behalten.

Es ist offenkundig, dass der Gemütszustand der Dankbarkeit in der Musik wenig vorkommt. Allerdings: Dankbarkeit Gott gegenüber ist ein kirchenmusikalisches Thema, zum Beispiel in “Gratias agimus tibi” in Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe (Hohe Messe, BWV 232), dem der Eröffnungschor der Kantate “Wir danken dir, Gott” (BWV 29) zugrunde liegt.

Die vielleicht schönste musikalische Umsetzung finden wir in Beethovens Symphonie “Pastorale”: In “Hirtensang. Frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm”, wo Gott für die Bewahrung in Gefahr gedankt wird. Nach einer Krankheitsphase komponierte derselbe Beethoven den “Heiligen Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit”, in der lydischen Tonart, (Streichquartett Nr. 15), obwohl sich die Dankbarkeit hier nicht ausschliesslich an Gott richtet.

Wenn der Dichter Franz von Schober in Schuberts bekanntem “Lied An die Musik” beschreibt, welchen Einfluss die Musik in schweren Zeiten auf uns hat, dann ruft er in der Schlusszeile aus: “Du holde Kunst, ich danke dir dafür”, und Schuberts Musik setzt in bewegender Weise eben jene Gefühle um, die jeder Musiker bestens kennt.

Überraschenderweise hat der sich selbst wiederholt als “Antichrist” bezeichnende Richard Strauss der Dankbarkeit in seinen Werken Ausdruck verliehen wie kaum ein anderer Komponist. In seinem Lied “Zueignung” (op.10, no.1, 1885) schliessen alle 3 Strophen mit den Worten “habe Dank”.

Eine Entsprechung zu Beethovens Symphonie Pastorale stellt die Alpensymphonie (1915) dar, ein Werk das ursprünglich den Titel “Der Antichrist” tragen sollte. Es endet mit einem “Ausklang”, in dem eine tiefe Dankbarkeit anklingt, eine Gemütsbewegung, die der Schönheit der bayerischen Alpenwelt gilt. Gegen Ende seines langen, arbeitsreichen Lebens schrieb Strauss die Sonatine für 16 Blasinstrumente (AV 143; 1943-45), die er unter den Titel stellte “Den Manen des göttlichen Mozart am Ende eines dankerfüllten Lebens”.

Dankbarkeit ist ohne Zweifel einer der wichtigsten Schlüssel zu einem glücklichen Leben. Wer es sich zur Gewohnheit macht, seine Dankbarkeit für das Gute immer wieder zum Ausdruck zu bringen und wer sich sehr wohl an all das Gute erinnern kann , was ihm andere getan haben – und was ihm Gott getan hat – der wird staunen, was sich dadurch verändert, in seinem Leben und im Leben anderer.

1. Wem bist du in deinem Leben besonders dankbar? Weshalb?

2. Was ist in der vergangenen Woche geschehen, für das du dankbar sein kannst? Hast du deine Dankbarkeit dafür gezeigt?

3. Achte in der nächsten Woche darauf, was um dich herum geschieht und wofür du dankbar sein kannst: für die wunderschönen Soli deiner Kollegen, für die gute Arbeitsatmosphäre, für die Hilfsbereitschaft deiner Dozenten, für Zeichen der Ermutigung von Familienmitgliedern und Freunden usw.

4. Welche Musik drückt für dich am besten Dankbarkeit aus?

Tune In 64 vom 19. März 2014 | Text: Dr. Marcel Zwitser (Musikwissenschafter, Niederlande) | Übersetzung aus dem Holländischen: Beat Rink, Präsident von ARTS+ | Musik: Ludwig van Beethoven – Symphony No.6 op. 68 in F major Pastorale; Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Roma mit den Berliner Philharmonikern unter Leitung von Claudio Abbado (ab 32’44”) Weitere TUNE INs findest Du hier

Markus 2, 4-5

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„Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“

Die ersten 12 Verse des zweiten Kapitels im Markusevangelium sind ein ungeheuer inhaltsreicher Abschnitt, aus dem sich unzählige Lehren und viele Fragen ableiten lassen. Aber lasst uns für heute bei den ersten Worten bleiben, die Jesus spricht.

Stellen wir uns die hier beschriebene Szene einmal vor: Ein bis zum Bersten gefüllter Raum, dicht gedrängt mit Menschen, die darauf brennen, Worte aus dem Mund dieses besonderen Mannes zu hören, der mit Zeichen göttlicher Vollmacht Wunder vollbringt.


 

Tune In 63 vom 12. März 2014 | Text und Übersetzung: Uwe and Lauren Steinmetz

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TUNE IN 62: Markus 10, 13-16

Markus 10, 13-16

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Markus 10,13-16: Das Kinderevangelium und der Lehrende Chrisus

„Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.“
Zu Jesu Zeiten war es in Israel üblich, Kinder von prominenten Rabbinern segnen zu lassen. Mit großer Selbstverständlichkeit wurden die Kinder an der Seite ihrer Eltern in das religiöse Leben des Gottesvolkes eingeführt.

Die Erwachsenen leben ihren Glauben, die Kinder schauen hin und fragen. Das Alltagsleben ist von religiösen Sitten und Gebräuchen geprägt, es löst Fragen der Kinder aus und diese Fragen sollen ihnen beantwortet werden.

Israel unterschied sich von den Völkern der Umgebung durch seine außerordentliche Kinderfreundlichkeit. Verglichen mit den anderen Völkern der Antike begegnete Israel den Kindern – und auch anderen Schwachen in der Gesellschaft – in einer Haltung außerordentlicher Wertschätzung.

Dies wird nachvollziehbar, wenn wir daran denken, daß man nur Jude oder Jüdin wurde, wenn die Mutter jüdisch war. So ist es auch folgerichtig, dass Kinder als werdende Erwachsene angesehen werden und schon früh den Umgang mit dem Glauben lernen und in – und mit ihm – wachsen.

Warum also protestieren die Jünger eigentlich? Vielleicht wollten sie sich bewußt von der Tradition der Kindersegnung abgrenzen und Jesu Lehre nicht verzerren – Jesus war schliesslich ein besonderer Rabbi und es ging um das Reich Gottes!

Und wenn es um Anteil am Reich Gottes geht, dann, so mögen sie gedacht haben, ist eigene Leistung, Denken und fromme Lebensführung entscheidend. Dies kann doch Kindern noch gar nicht abverlangt werden, dies ist eine Sache der Erwachsenen! Jesus hingegen wünscht sich ihre Nähe ausdrücklich und segnet die Kinder.

Und dann sagt er das Ungeheuerliche : “Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen”! Jesus fordert jeden Gläubigen auf, eine kindliche Haltung ihm und seinem Reich gegenüber einzunehmen – voller Vertrauen, ohne Berechnung und ohne Kalkulation!

Wir sollen wie die Kinder abhängig sein von Jesus. Wir sollen ihn suchen wie kleine Kinder ihre Eltern für alle alltäglichen Dinge benötigen. Gleichzeitig – wenn wir selber Eltern sind, kennen wir dies – können wir das Reich Gottes wie das Geschenk eines Kindes empfinden.

Das Reich Gottes darf sich so zerbrechlich, einzigartig, wundervoll für uns anfühlen wie sich das Geschenk eines Kindes anfühlt, zu dem wir aus reiner Liebe hingezogen sind. Hier offenbart sich eine tiefe biblische Überzeugung: Den Kindern gehört das Reich Gottes ganz aus Gnade, weil sie ganz ohne Leistung und ohne Besitz sind!

Künstlerisches Schaffen macht uns – wenigstens vorübergehend – zu Kindern!Kreative Tätigkeiten rufen uns in eine unmittelbare „kindliche“ Gegenwart hinein – im Schaffen, Staunen und Erleben.

Eine Herausforderung für uns als gläubige Künstler sollte es sein, dieses Kindliche aus unserer eigenen Schaffenswelt in unsere Haltung als Glaubende zu übernehmen und zu bedenken: Weder unsere künstlerischen Leistungen noch unsere Lebenshaltung sind eine Eintrittskarte für das Reich Gottes, vielmehr ist es ein Glaubensleben hinter allen Dingen, welches das Kindliche in uns berührt und uns näher zu Christus bringt!

Der “Lehrende Christus” von 1931 verdeutlicht und ermahnt uns, gerade mit Blick auf die beginnende Fastenzeit Christus und sein Geschenk des Reiches Gottes wie die Kinder anzunehmen.

Er ist da, mit offenen Händen, jedem zugewandt und ohne versteckte Agenda. Wir können üben, spiegelbildlich im Gebet dieselbe Haltung einzunehmen und unsere Hände, Arme und Herz weit zu öffnen für Ihn und seine Botschaft.


 

Tune In 62 vom 6. März 2014 | Text und Übersetzung: Uwe and Lauren Steinmetz |
Skulptur: Ernst Barlach (1870-1938) – einer der bedeutendsten bildenden Künstler in Deutschland im 20. Jahrhundert erschuf in seinen Skulpturen unzählige biblische Personen und Szenen, geprägt von seiner eigenen tiefen Religiosität.

TUNE IN 61: Johannesevangelium 3, 3-8

Johannesevangelium 3, 3-8

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„Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?

Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist.

Laß dich’s nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.“

Scheinbar zusammenhanglos spricht Jesus mit Nikodemus, kaum hat dieser einige Worte gesagt, über die Wiedergeburt. Warum kommt Jesus so unvermittelt auf ein derart weit entferntes Thema zu sprechen? Nikodemus ist hin- und hergerissen zwischen Furcht und Wahrheitssuche (siehe TUNE IN 59). Aber statt, dass Jesus nun über den Pharisäismus zu streiten beginnt, eröffnet er Nikodemus den Blick auf eine neue Dimension göttlichen Wirkens.

Die humorvolle Note im sich nun entspinnenden Dialog ergibt sich aus einem radikalen Unterschied im Denken, das Jesus folgendermassen auf den Punkt bringt: Die Geburt aus dem Fleisch ist nicht dasselbe wie die Geburt aus dem Geist !

Fleisch – Geist: Ein Gegensatzpaar, das im Denken aller Jahrhunderte und Völker eine Rolle spielt. Die denkerische Trennlinie zwischen beiden Polen mag immer wieder etwas anders verlaufen, wie auch die Begriffe nie ganz gleich gefüllt sein mögen. Und trotzdem ist dieser Dialog zeitlos gültig.

Auf der einen Seite ein Mensch, der letztlich in den Kategorien eines „greifbaren“ und „kontrollierbaren“ Systems denkt – bei Nikodemus eines religiösen Systems. Auf der anderen Seite Jesus, der auf den göttlichen Geist hinweist, welcher eine Neuschöpfung bewirkt und der diese Neuschöpfung auf unkontrollierbare, vom Menschen nicht steuerbare oder manipulierbare Weise bewegt. (Auch die moderne naturwissenschaftliche Diskussion um die Entstehung der Welt kennt – selbstverständlich unter anderen Vorzeichen – dieses gegensätzliche Denken: Entweder hat sich Materie entwickelt und ist plötzlich „geistig = intelligent“ geworden. Oder Geist ist zuerst gewesen und hat Materie geschaffen).

Ein erstes Fazit: Das Christentum räumt dem Geist höchste Priorität ein. Es denkt nicht von der Materie, sondern von Geist Gottes her – und spricht bei aller Wertschätzung des Körpers zunächst den Geist des Menschen an. Deshalb mündet es auch nicht in eine Religion, die sich an Äusserlichkeiten festmacht und zum religiösen „System“ wird. Sonst verliert es eben den Geist, der weht wo er will.

Und ebensowenig sollte es innere Vorgänge wie die Wiedergeburt selbstherrlich vor sich hertragen, indem es etwa eine „Born Again“-Kultur etabliert und diese lautstark propagiert. Sonst läuft es Gefahr, diese „geistgewirkte Wiedergeburt“ zu schwächen.

Dem künstlerischen Schaffen eröffnet der recht vestandene christliche Glaube einen gewaltigen Freiraum. Aus welcher anderen Religion kommen einem Künstler ähnliche Sätze entgegen, die geist-gewirktes Schaffen so bejahen wie die Rede von der „Wiedergeburt“ und dem „Geist, der weht, wo er will“?

Jesus bietet Nikodemus eine Wiedergeburt an. Wie ist diese zu verstehen? Sie kann weder als Reinkarnation gedeutet werden noch als ein Ereignis, das der Mensch durch irgendwelche religiöse Übungen herbeiführen kann. Sie ist auch nicht ein selbständiges Ereignis auf einer „höheren Stufe“ des Christseins. Sie geschieht durch das Wasser (der Vergebung), wie es uns in der Taufe gegeben ist – und durch Gottes Geist.

Jesus spricht in den folgenden Versen in Johannes 3 sehr deutlich von seiner eigenen Sendung.
„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sophn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben“ (Vers 16).

Der Glaube daran ist die Wiedergeburt.
„Wer da glaubt, daß Jesus sei der Christus, der ist von Gott geboren.“ (1.Johannes 5,1)

Wir haben gesehen: das Christentum betont den Vorrang des Geistigen gegenüber dem „Äusserlichen“, dem „Materiellen“, dem „System“, dem „menschlich Machbaren“. Dies kommt dem Künstler entgegen.

Die Wiedergeburt, von der Jesus spricht, bietet noch mehr: Das erneuerte Leben in der Verbindung mit dem Sohn Gottes. Und damit verknüpft Jesus die Zusage, dass wir Erfahrungen mit dem Geist Gottes machen können, der uns aus falschen Systemen herauslöst und aus Zwängen befreit, – und der uns auf überraschende (und gute!) Weise leiten will – auch als Künstler…
„Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.“

Gebet: „Herr, ich ergreife neu die Zusage: „Wer da glaubt, daß Jesus sei der Christus, der ist von Gott geboren.“ Schenke mir die Erfahrung des Geistes, der weht, wo er will. Mach mich willig, mich von dir treiben zu lassen. Wehe in mein Leben und auch in mein künstlerisches Tun hinein. Amen.“

Johannesevangelium 3, 1+2

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„Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster unter den Juden. Der kam zu Jesu bei der Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du ein Lehrer bist von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.“

Wer ist Nikodemus? Was treibt ihn dazu, zu Jesus zu kommen? Was hindert ihn daran, am Tag zu kommen? Wie begegnet Jesus ihm? Gehen wir zunächst kurz diesen Fragen nach…

Wer ist Nikodemus? Er ist ein Pharisäer, vielleicht sogar ein Mitglied des hohen Rats. Ein denkender Mensch, ein fragender Intelektueller…

Was treibt ihn dazu, Jesus aufzusuchen? Ziemlich sicher kommt er in eigener Mission und nicht im Auftrag der religiösen Führer Jerusalems. Er ist kein Spion, sondern ein Wahrheitssucher. Es sind die beobachteten „Zeichen“, die Nikodemus irritiert haben und ihn auf diese Suche schicken.

Gewisse „Zeichen“ wurden damals auch bei Zauberern gesehen und von den Pharisäern heftig bekämpft. Aber die Zeichen, die Jesus tut, weisen ihn als „Rabbi von Gott“ aus. Das ist ein grosses Lob, das Nikodemus hier ausspricht. Ebenso erstaunlich ist, dass Nikodemus nicht der einzige Pharisäer ist, der so denkt. Sonst würde er nicht sagen: „Wir wissen, dass …“.

Was hindert Nikodemus daran, am Tag zu kommen? Offenbar hat das Auftreten von Jesus die religiösen Kreise schon früh verstört und aufgebracht. Soeben hat er ja (nach dem Johannesevangelium) die Händler aus dem Tempel ausgetrieben. Jesus bewegt sich mit seinem Tun und Reden völlig jenseits der Norm.

Und die Norm hiess damals: strikte Befolgung der Gesetzesregeln, die für die Pharisäer so wichtg waren. Jesus durchbricht das Regelwerk radikal. Er lockert es nicht, sondern er verlässt es und bringt etwas Neues – so wie der Fest-Wein etwas ganz anderes ist als das Wasser in den Krügen, die für die rituelle Reinigung des Hochzeitspaares bereit stehen (siehe TUNE IN 58).

Nikodemus ahnt nun, welch dramatische Folgen es für sein Leben haben könnte, wenn Jesus mehr wäre als nur ein gottgesandter Lehrer – vielleicht sogar der Messias! Er müsste sich konsequent umorientieren und völlig umkehren. Er ahnt dies und fürchtet sich davor, dass andere ihn als potentiellen Jesus-Anhänger identifizieren könnten. Deshalb kommt er im Schutz der Nacht. So ist Nikodemus hin- und hergerissen zwischen Furcht und Wahrheitssuche.

Wie begegnet Jesus dem Nikodemus? Er könnte ihm vorwerfen, dass er feige ist und gefangen in seinem religiösen „System“. Er könnte mit ihm über das System – sprich: das Pharisäertum – streiten. Er könnte ihn dazu aufrufen, umzukehren und sich ihm anzuschliessen. Statt dessen spricht er von einem notwendigen inneren Geschehen: von einer inneren Erneuerung. Wir werden im nächsten TUNE IN darauf eingehen.

Bleiben wir aber hier noch bei Nikodemus selber und fragen weiter: Wo gibt es heute Menschen, die Nikodemus ähnlich sind? Die in einem gedanklichen System gefangen sind, die aber ahnen, dass es Gott gibt und die vielleicht sogar heimlich nach ihm fragen? Es gibt eine naheliegende Antwort aus der Erfahrungswelt der Kulturschaffenden – zumindest in Europa und der westlichen Welt: Viele heutige Bildungsbürger und Intelektuelle sind in einem erstaunlich starren Gedankengefüge und Weltbild zuhause.

Dieses ist nicht religiös, aber in seinem Agnostizismus oder Atheismus stark dogmatisch. Der Agnostiker sagt: „Ich kann nicht glauben, weil ich nichts weiss – und nicht wirklich wissen will.“ Der Atheist sagt: „Ich weiss, dass nicht stimmt, was die (christliche) Religion sagt.“ Beide sind Gefangene eines Denkens, das sich nicht für Gott öffnet und das sich gegenüber dem Christlichen verschliesst.

Vielleicht gibt es aber dennoch manche, die Gott zumindest „ahnen“: in der Natur, im eigenen Leben – und in der Kunst. Und die sogar Erfahrungen gemacht haben, die wir Christen deuten könnten.

Aber reicht die Irritation und die intelektuelle Neugierde aus, um wirklich nach der Wahrheit zu suchen – auch wenn sie jenseits des System liegt ? Oder ist die Furcht grösser, dass das Weltbild auf den Kopf gestellt werden könnte oder dass man als Jesus-Sucher identifiziert werden könnte?

Eine Frage an uns Christen: Wo findet Nikodemus heute einen Ort, wohin er mit seinen Fragen kommen kann? Vielleicht scheut er sich, in eine Kirche zu gehen. Oder wenn er in eine Kirche geht, dann eher in ein Kirchen-Konzert oder in einen künstlerischen Gottesdienst… Vielleicht fühlt er sich sicherer in einem Museum oder in einem Konzert. Oder in einer Literaturlesung. Findet er dort aber Christen?

Oder weiter und anders gefragt: Sind wir im Leben solcher Menschen „präsent“, damit sie mit ihren Erfahrungen und Fragen „im Notfall“ zu uns kommen können? Identifizieren sie uns als Experten in Sachen „Gott“ oder „Jesus“? Und schliesslich: Geben wir Christen den Menschen genügend Anlass zur Wahrheitssuche oder hindern wir sie eher daran? Können sie auch bei uns „Zeichen“ von Gott sehen, die sie auf gute Weise irritieren?

Der Schweizer Rockmusiker und Filmemacher, Luke Gasser (*1966), hat 2013 unter dem Titel „The Making of Jesus Christ“ einen Film und ein Buch herausgebracht. Darin geht er auf eine sehr ehrliche Spurensuche nach Jesus Christus. Er bezeichnet sich nicht als Christ, aber auch nicht als Atheist oder Agnostiker. Er ist eben ein „Nikodemus“.

Gebet:
„Herr, schenke, dass immer mehr Menschen in der Kulturwelt nach der Wahrheit suchen. Vielleicht gibt es sie bereits in meinem Umfeld. Öffne mir dann die Augen für sie. Und hilf, dass wir miteinander in Kontakt kommen. Gib mir Mut, über dich zu sprechen. Hilf, dass meine Kunst und mein ganzes Leben zu Nikodemus-Fragen Anlass geben. Amen.“

Tune In 60 vom 18. Februar 2014 | Text: Beat Rink | Literaturhinweis: Luke Gasser. The Making of Jesus Christ. Weltbild 2003

Tune In 59: Johannesevangelium 2, 13-23

Johannesevangelium 2, 13-23

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„Und er machte eine Geissel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus samt den Schafen und Ochsen und verschüttete den Wechslern das Geld und stiess die Tische um und sprach zu denen, die Tauben festhielten: ‘Traget das davon und macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhause!’“

Der Bericht (15-16) über die Austreibung der Händler aus dem Tempel-Vorhof folgt unmittelbar nach jenem über die Verwandlung von Wasser zu Wein auf der Hochzeit zu Kana (siehe TUNE IN 57 und TUNE IN 58).

Es gibt Parallelen zwischen den beiden Texten. Bei beiden geht es um ein wichtiges Fest – hier um das jüdische Passahfest, das von Jesus „gerettet“ wird. Und beide Male endet der Text damit, dass wegen dieses „Zeichens“ Menschen zu glauben begannen.

Inwiefern ist diese Austreibung ein „göttliches Zeichen“? Walter Lüthi (1901-1982) ein Schweizer Theologe, der zur Zeit des Dritten Reiches die Stimme gegen die Nazis und gegen braune Tendenzen im eigenen Land erhob und mit seinen bibelzentrierten Predigten die Kirchen füllte, schreibt in einem seiner Kommentare: „Wie ist es nur möglich, dass die Viehändler sich durch Jesus vertreiben lassen? Wäre es dem Tempelkommandanten nicht ein leichtes, den armen Mann aus Nazareth in seinem kreditschädigenden Tun augenblicklich zu verhindern?“ – Stattdessen weichen alle vor diesem Mann zurück, der mit seiner Geissel (er schlägt übrigens nicht auf Menschen ein) und mit seinen Worten eine besondere Vollmacht zeigt. Das ist ein Wunder!

Einige fordern aber noch ein weiteres Zeichen. Jesus antwortet darauf noch radikaler: Dieser Tempel müsse zerstört werden. Er selber werde ihn aber in drei Tagen wieder aufrichten (19). Nach drei Tagen: Das weist auf Ostern hin. Damit kündigt Jesus an, dass das Alte durch das Neue ersetzt werde – so wie in Kana Wasser in Wein verwandelt wurde. Der alte Tempel-Gottesdienst wird durch die Gemeinschaft mit dem Auferstandenen ersetzt werden.

Walter Lüthi fügt noch hinzu: Jesus legt diese Geissel beiseite und wird dafür bald seinen eigenen Rücken einer Geissel hinhalten. Und wird er die umgestossenen Tische ersetzen durch jenen Tisch, an dem er das Brot bricht und den Wein reicht.

Das Kapitel endet mit seltsamen Worten in Vers 24. Sie sind so zu verstehen: Viele beginnen nun zu glauben. Aber Jesus wendet sich von ihnen ab, weil er sie kennt. Würde er ihnen erlauben, ihm nachzufolgen, dann würden sie ihn auf seinem Weg nur behindern.

Was fangen wir mit diesem Text an?

Walter Lüthi schreibt 1942: „Das christliche Abendland, von dem wir herkommen, war so, dass es denen, die sich zu Christus bekannten, grössere und kleinere Vorteile anbot. Die Kirche war reich… Der Geist, der Vorteile sucht, war tief in die Kirche hineingewuchert.

Und nun ist Christus daran, die Kirche des Abendlandes zu reinigen von diesem Geist des Geniessens. Wir werden jetzt gefragt: Was suchst du in der Kirche? Gott oder dich selber? Wozu gehst du in die Kirche? Um zu dir selber zu kommen oder aber, um zu Gott zu kommen? Christus will jetzt seine Kirche wieder arm sein lassen.“

Diese Worte bleiben über die Kriegszeit hinaus gültig, in der sie gepredigt wurden. Sie finden ein Echo im Programm von Papst Franziskus, der eine „arme Kirche für eine arme Welt“ fordert. Das heisst: Die Kirche muss auf ihr Zentrum zurück-reduziert werden: auf den Auferstandenen. Das ist ein lebenswichtiges „Reduce to the max“ (wie ein Werbeslogan heisst). „Reduce to the max“, – dies gilt auch immer wieder für unser eigenes Glaubensleben !

Der Text wirft auch für Kulturschaffende wichtige Fragen auf. Zum Beispiel diese: Was sind die tiefsten Motive für Kunst in der Kirche?

Könnte es sein, dass viele Kirchen Kunst einfach „schick“ finden? Dass sie Künstler gern in ihren Reihen haben, weil diese der Kirche eben ein gutes Image geben? Oder geht es den Kirchen um die Künstler als Brüder und Schwestern, die in einem besonders herausfordernden Auftrag stehen?

Könnte es sein, dass unsere Kirchen Gefahr laufen, Kulturräume oder gar Konzertveranstalter zu werden, um Leute in die Kirchen zu holen – und dabei das Zentrum aus den Augen verlieren?

Und könnte es umgekehrt sein, dass Künstler in der Kirche ein Umfeld sehen, in dem sie relativ schnell einen Sonderstatus haben und entsprechend bewundert werden?

Und könnte es schliesslich sein, dass auch der moderne „Worship“ da und dort auch zur Performance neigt und seine eigentliche Aufgabe der Anbetung Gottes vergisst?

Kunst in den Kirchen: Das ist ein sehr wichtiges Thema. Es gilt, Kunst in den Kirchen zu fördern! Als Künstler wollen wir gute Kunst in die Kirchen bringen! Aber dies kann nur segensreich und kraftvoll sein, wo wir immer wieder um das „Soli Deo Gloria“ – modern eben „Reduce to the max: To the Risen-One“ ringen.

FRAGEN
Was heisst „reduce to the max“
a) für die Kirchen
b) für das eigene Glaubensleben? (Wo muss man Dinge los werden, um sich ganz auf den Auferstandenen fokussieren zu können?)
c) Für das künstlerische Engagement in der Kirche? (Wie können wir Kunst in einer „armen Kirche für eine arme Welt“ gestalten? Von welchen falschen Intentionen muss uns der Mann aus Nazareth befreien, wenn in den Kirchen Kunst gemacht wird?)


 

Tune In 59 vom 12. Februar 2014 | Text: Beat Rink, Präsident von ARTS+ |
Bild: El Greco (um 1600)

Johannesevangelium 2, 9-10

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„Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, woher er kam (die Diener aber wußten’s, die das Wasser geschöpft hatten), ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zum ersten guten Wein, und wenn sie trunken geworden sind, alsdann den geringeren; du hast den guten Wein bisher behalten.“

Wenden wir uns nochmals wie in TUNE IN 57 der Hochzeit von Kana zu. Johannes berichtet, dass der Wein exzellent war. Jesus bringt damit den Bräutigam doch noch in Verlegenheit. Zu so später Stunde, wenn Gäste zwischen gutem und schlechtem Wein nicht mehr unterscheiden können, tischt man im allgemeinen nicht den besten Wein auf.

Der Spitzenwein ist aber Zeichen für die Grosszügigkeit Gottes. Ebenso wie die Menge des Weines – es sind sechs grosse Wasserkrüge – vergleichbar mit der Menge der Brote und Fische, die Jesus den 5000 Menschen austeilt – und die noch einen Rest von zwölf Körben ergeben.

Gott ist ein „verschwenderischer“ Gott! Der berühmte Prediger Charles Spurgeon (1834-1892) gab einer Predigt über Lukas 15 den Titel: „Verschwenderische Liebe für den verschwenderischen Sohn“. (‘Prodigal Love for the Prodigal Son’ “prodigal son” steht im englischen für “verlorener Sohn”).

Ein Blick in die Schöpfung genügt, um sich davon zu überzeugen, dass Gottes Kreativität überbordend und verschwenderisch ist. Seine grosszügige Liebe ist das pure Gegenteil von jener buchhalterisch-kleinlichen Kleinkariertheit und Knauserigkeit, die wir egozentrische Menschen nur allzu gern pflegen.

Die Grosszügigkeit Gottes zeigt sich am stärksten im Kreuz.

Der Theologe und Leiter der Redeemer Presbyterian Church, Timothy Keller, schreibt: „Er hat sich selbst bis zum Äussersten verschenkt am Kreuz: Er tat dies auf so unbekümmerte Weise – im Sinn einer unbekümmerten Vernachlässigung der Kosten, die er dafür aufbrachte. Jesus gab sich selbst dahin und machte sich arm und hilflos. Er war bedürftig bis zum Äussersten.“

Keller zitiert 2.Korinther 8,9: „Denn ihr wisset die Gnade unsers HERRN Jesu Christi, daß, ob er wohl reich ist, ward er doch arm um euretwillen, auf daß ihr durch seine Armut reich würdet.“

Kunst ist in vielerlei Hinsicht ein Spiegel der Kreativität Gottes. Sie wird von gewissen Leuten (auch in den Kirchen) als Luxus betrachtet. Warum investiert ein Künstler so viel Zeit in etwas, was keinen „Nutzen“ bringt?

Als wir am 17.Mai 2013 über 75 Veranstaltungen in einer einzigen „Nacht des Glaubens. Festival für Kunst & Kirche“ durchführten (mit 300 professionellen Künstlern, die vor insgesamt 15’000 Menschen in Basler Kirchen, Kulturhäusern und auf Plätzen auftraten), hörten wir da und dort die Reaktion: „Dieses Feuerwerk an Darbietungen ist verschwenderisch.“ – „Dieser riesige Aufwand für nur ein paar Stunden ist übertrieben!“ Aber die vielen guten Echos und die Aufmerksamkeit, die der Anlass selbst in den nationalen Medien fand, rechtfertigten den Aufwand. Vor allem staunte man darüber, dass Christen (und rund 50 Kirchen) der Stadt ein Luxus-Kunst-Geschenk machten.

Eigentlich ist verschwenderische Luxus-Kunst beste christliche Tradition; man betrete nur einmal eine jener gewaltigen gotischen Kathedralen, die sich in einem Dorf über ein paar niedrige Häuser erheben. Lassen wir uns gerade als christliche Künstler von der Grosszügigkeit unseres „verschwenderischen Gottes“ anstecken!

Tune In 58 vom 4. Februar 2014 | Text: Beat Rink, Präsident von ARTS+ |
 Link zur Webseite der Nacht des Glaubens

Johannesevang. 2, 1-11 (Hochzeit zu Kana)

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Hier finden wir das Gegenteil von dem, was in Religion (und auch in der Kunst!) oft zelebriert wird:
– Die Vergeistigung des Materiellen
– Die Flucht vor der Wirklichkeit in eine höhere Sphäre
– Die Idealisierung des Menschen
– Die Vergöttlichung von Menschenwerken

Hier findet die genaue Gegenbewegung dazu statt: Gottes jenseitige Herrlichkeit wird sichtbar und erfahrbar. Unmittelbar vor dem Text über die „Hochzeit zu Kana“ steht: „Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf uns hinab fahren auf des Menschen Sohn“ (1,51).

Jesus sagt da voraus, dass man über ihm die Herrlichkeit Gottes „sehen“ werde. Nach der Erzählung des Wunders steht dann: „Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat… und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.“ (2,11)

Die Herrlichkeit Gottes kommt also zu uns. Sie kommt mit deutlichen „Zeichen“ wie eben in diesem Wunder. Diese Zeichen helfen dann, dass wir glauben können.

Johannes schreibt in seinem Evangelium noch von vielen anderen Zeichen. Und am Schluss, in 20,30, stehen die aufregenden Worte: „Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor den Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, dass ihr glaubet, Jesus sei der Christus, der Sohn Gottes, und dass ihr durch den Glauben das Leben habet in seinem Namen.“

Nochmals zurück zur Verwandlung von Wasser zu Wein. Das Wunder ist keine „Show“. Es kommt aus „Liebe“ (nicht etwa aus Gehorsam der Mutter gegenüber, Vers 4!), denn Jesus hilft hier der Hochzeitsgesellschaft und vor allem dem Speisemeister, der sich verrechnet hat, aus einer höchst peinlichen Lage heraus.

Das Wunder ist auch denkbar „un-religiös“: Jesus hält keine Predigt über Enthaltsamkeit oder über den „wahren Wein in der unsichtbaren Welt“, sondern er entfremdet sogar die Krüge, die für die rituelle Reinigung bestimmt waren, um wirklichen Wein zu schaffen.

Somit hat das Zeichen viel mit „ästhetischer“ Qualität zu tun. („Aisthesis“ bedeutet ursprünglich „Wahrnehmung“). Jesus lässt die Herrlichkeit Gottes nicht nur in rein „geistigen Vorgängen“ aufscheinen, sondern sehr konkret in der wahrnehmbaren Wirklichkeit. Und das Wunder hat noch eine schöne Botschaft an die Künstler: Die „ästhetische Qualität“ (hier: des Spitzenweins) ist für Jesus keineswegs belanglos, sondern ein Ausdruck der Liebe und – eben der Herrlichkeit Gottes.

Zwei Fragen:

1. Dieser Text wird in den Kirchen seit Jahrhunderten am Anfang eines neuen Jahres gelesen und ausgelegt. Was sagt das uns? Wo sind wir in diesem Jahr auf das Wunder angewiesen, dass Jesus unsere Wasserkrüge verwandelt? Vielleicht benennen wir die Wasserkrüge, die uns in den Sinn kommen und bitten um guten Wein. Vielleicht schreiben wir dies auf – und bitten immer wieder darum.

2. Was sagt der Text uns Künstlern? Wo finden wir in der Kunst eine „Vergeistigung der Wirklichkeit“. Was heisst zum Beispiel das Wort des (von der Theosophie beeinflussten) Piet Mondrian (1872-1944): „Der kultivierte Mensch von heute wendet sich mehr und mehr von den natürlichen Dingen ab und sein Leben wird mehr und mehr abstrakt“? (De Stijl, No. 1, Oktober 1917).

Und wo finden wir umgekehrt Kunst, die von der Abwärtsbewegung der Herrlichkeit Gottes spricht – vielleicht auch gleichnishaft wie die Berliner Filme von Wim Wenders: „Der Himmel über Berlin“ und „In weiter Ferne – so nah“.

Tune In 57 vom 28. Januar 2014 | Text: Beat Rink | Literaturhinweis: Wolfgang J.Bittner. Jesu Zeichen im Johannesevangelium (theol. Dissertation 1987) |

Tune IN 56: Galaterbrief 6,2

Galaterbrief 6,2

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„Einer trage des anderen Last. So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“

Ich habe im letzten TUNE IN auf diese Worte Paulus’ Bezug genommen. Paulus macht dabei deutlich: Es ist nicht seine Idee, dass wir die Lasten der anderen tragen sollen. Nein, Jesus Christus selbst hat uns dies vorgelebt und befähigt uns dazu.

Was sagt das Wort uns Künstlern? Sicher sollte es so zu uns sprechen wie es zu jedem anderen Menschen spricht: als Aufforderung, anderen nahe zu sein, ihnen zuzuhören, ihnen Verständnis zu zeigen, vielleicht da und dort einen Rat zu geben, ihnen tatkräftig zu helfen, mit ihnen zu beten usw. Wir Künstler können uns also nicht darauf berufen, dass wir „zu Höherem bestimmt“ seien und deshalb keine Zeit und keine „Berufung“ für unsere Nächsten hätten. Und ebenso wie andere uns brauchen, so brauchen wir andere…

Zweitens sagt dieses Wort auch etwas über die Kunst aus. Denn solche Worte der Bibel können nur umfassend verstanden werden. Das heisst: Sie haben in jedem Bereich etwas zu sagen – auch in der Kunst. Es wird dann spannend, wenn wir ganz konsequent fragen: „Die Kunst trage die Last der anderen – was heisst das“?

Dass Kunst eine entlastende Wirkung hat, wusste schon Aristoteles (384-322 v.Chr). Er meinte, die im Schauspiel erregten Affekte „Mitleid“ und „Furcht“ bewirkten beim Zuschauer eine Reinigung (Katharsis). Was genau gereinigt werden sollte, liess Aristoteles allerdings im Unklaren.

Doch Aristoteles hatte etwas Richtiges gesehen, wovon wir alle auch erzählen könnten: Wenn uns ein Film, ein Roman, ein Musikstück oder ein Bild zutiefst anrührt, wenn Kunst Mitleid weckt oder eine Spannung aufbaut und wieder löst, dann fühlen wir uns auf einmal selber entspannt und irgendwie befreit.

Vielleicht deshalb
…weil wir unseren Alltag mit den Sorgen hinter uns lassen können
…weil wir eine Lebenssituation plötzlich aus einem anderen Blickwinkel sehen
…weil wir für etwas, was bisher undefinierbar war, auf einmal eine „Sprache“ gefunden haben- auch wenn diese nicht verbal ist
…weil wir merken: wir sind mit unseren Ängsten und Problemen nicht allein
…weil wir „Schönheit“ und „ästhetische Qualität“ erfahren
…weil sich unsere Verschlossenheit lockert, wie der Theologe Romano Guardini (1885-1968) sagt. Er meint damit in etwa: Wir sind uns selber meistens fremd und begegnen durch das Werk uns selber auf neue Weise: „Die Schwere des eigenen undurchlebten Vorhandenseins leichtet sich.“
…und noch vieles mehr

Dianne Collard ist eine amerikanische Christin, deren ältester Sohn 1992 ermordet wurde. Sie erzählt:

„Ich hatte als Kind nicht viel von Kunst mitbekommen – weder von meinen Eltern noch in der Kirche. Als junge Erwachsene entdeckte ich dann in mir eine Freude an Kunst und ein tiefes Bedürfnis danach. Doch hatte ich keine Ahnung, wie stark dieses Bedürfnis noch werden konnte – bis zum Jahr nach der Ermordung meines ältesten Sohns anno 1992. In jenen dunklen Stunden der Trauer und des Schmerzes fand ich Trost und Frieden in den Kunstmuseen von Wien. Wir lebten damals als Missionare in Wien. Gottes heilende Gnade berührte mich und ein Heilungsprozess begann, der mich in die Schönheit und Schöpfungskraft der Gemälde an den Wänden des Kunsthistorischen Museums eintauchen liess. Kunst erreichte die verborgendsten Schichten meiner Seele, wo Worte nicht mehr hinreichten. Ich erfuhr, wie Gottes Wort durch die Spuren des Schöpfergottes in den geschaffenen Kunstwerken lebendig wurde. Meine Geist wurde durch die Zeichen seiner Güte, Schönheit und Wahrheit erneuert, wie sie in Linien, Formen und Farben sichtbar wurden.“*

Einen anderen Bericht hören wir von der 1903 in Prag geborenen, mittlerweile 110-jährigen jüdischen Pianistin Alice Herz-Sommer (aus einem Interview in „Crescendo“ Nr.78):

„Es war in Prag, wo ich geboren wurde, wo ich geheiratet hatte und mit meinem Mann und unserem Sohn lebte. Hitler war einmarschiert und eines Tages wurde meine Mutter deportiert. Es war der tiefste Punkt meines Lebens. Bis heute weiss man nicht, wo sie starb. Nachdem meine Mutter also deportiert worden war, fiel ich in eine Depression. Nichts konnte mir helfen, nichts konnte mich mehr erfreuen. Nicht einmal mein Kind. Eines Tages lief ich durch die Strassen Prags und – ich weiss noch heute, wo es geschah – da hörte ich plötzlich eine innere Stimme: ‘Übe die 24 Etüden von Chopin. Das wird dich retten!’ Ich rannte nach Hause, setzte mich ans Klavier und übte von nun an täglich stundenlang Chopins Etüden. Nun hat jeder Pianist sechs oder acht Etüden in seinem Repertoire. Aber alle vierundzwanzig? Es sind ja ganz grossartige Meisterwerke, dem Hamlet von Shakespeare vergleichbar, und sehr schwierig zu spielen.“ Und dann erzählt Alice Herz-Sommer davon, wie ihr das Üben der Etüden aus der Depression herausgeholfen hat.

Zum Schluss einige Fragen:
> Was heisst es für uns persönlich: Einer trage des anderen Last?
> Wo haben wir schon erlebt, wie Kunst uns befreit – oder anders gesagt: wie Gott Kunst gebraucht, um uns Lasten abzunehmen?
> Welche Kunstwerke sollten wir noch mehr anschauen, lesen, hören , selber spielen – oder gar selber erschaffen, die „Lasten tragen“? Und welche sollten wir vermeiden, die „Lasten auferlegen“?
> Und wo gibt es wirklich gute Kunst, die darauf hinweist, dass letztlich nur Jesus Christus die Lasten abnehmen kann?

„Jesus Christus , hilf mir, Lasten anderer zu tragen – und auch meine Lasten von anderen tragen zu lassen. Und bewirke durch meine Kunst hindurch, dass Menschen frei werden von drückenden Lasten. Lass sie dabei nicht nur eine vorübergehende Katharsis erfahren, sondern zumindest eine Ahnung von dir bekommen, der all unsere Last trägt. Amen.“

Tune In 56 vom 21. Januar 2014 | Text: Beat Rink, Präsident von ARTS+

* Inzwischen hat Dianne Collard eine Doktorarbeit zum Thema „Die Rolle der bildenden Kunst in den (Frei-)Kirchen in Deutschland und Spanien“ sowie ein Buch über die Versöhnung mit dem Mörder ihres Sohnes geschrieben – und wie sie diesen zum Glauben an Jesus Christus geführt hat. Sie engagiert sich im Leitungsteam von ARTS+ Europa, einer europäischen Initiative nach dem Vorbild von ARTS+.

Matthäus 11, 30

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„Mein Joch ist sanft und meine Last leicht“ (Matthäus 11,30) „Einer trage des anderen Last. So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galater 6,2)

Besonders am Anfang eines neuen Jahres, wenn wir uns fragen, was die nächsten Monate bringen werden, spüren wir einen gewissen Druck auf unseren Schultern.

Wir spüren etwa einen Erwartungsdruck, der von verschiedenen Seiten auf uns kommt. Da gibt es unausgesprochene und explizite Anforderungen aus dem engsten Umfeld der Familie, seien wir Eltern oder Kinder. Und dann erhalten wir oft deutliche Signale, dass von uns eine gute (oder noch bessere) künstlerische Lesitung, eine gute (oder noch bessere) pädagogische Arbeit oder ein schöner (oder noch grösserer) Erfolg erwartet wird.

Oft aber kommt der stärkste Erwartungsdruck aus unserem eigenen Inneren. Die Last auf den Schultern lässt sich nicht einfach abschütteln. Er lässt sich zwar ganz gut an andere weitergeben – so wie wir selber Empfänger eines von anderer Seite entstandenen Erwartungsdrucks sind. Aber das Weitergeben des Drucks entlastet nicht wirklich, sondern vervielfacht die Last nur.

Im Rahmen einer kürzlichen Zusammenarbeit mit der Zur Homepage der “Ökumenischen Philharmonie Deutschland” habe ich mich mit Antonin Dvořáks (1841-1904) „Symphonie aus der Neuen Welt“ beschäftigt – und mit den Umständen, die zu diesem grossartigen Werk geführt haben.

Was für ein Erwartungsdruck muss auf dem Mann gelastet haben, der am 26. September 1892 (überhaupt nicht zufälligerweise am 400. Jahrestag der Ankunft von Columbus!) in New York erwartet wurde, um seine Stelle als Kompositionslehrer am New Yorker Konservatorium anzutreten. Man erwartete von diesem bereits weltberühmten Komponisten, der dem tschechischen Volk eine eigenständige Musiksprache gegeben hatte, nichts Geringeres als die Entdeckung eines neuen musikalischen – eben amerikanischen – Kontinents.

Aber erstaunlich: Nirgends in Dvořáks Schriften lesen wir davon, dass er sich von diesem enormen Erwartungsdruck bedrücken oder in seiner kreativen Energie lahmlegen liess. Im Gegenteil: Er studierte eifrig die Musiktradition, die ihm aus der indianischen Folklore und den Negro Spirituals entgegen kam und löste sich dann in grosser kreativer Freiheit davon, um in volksliedähnlichem Stil eigene Melodien zu komponieren und daneben auch dem amerikanischen Pioniergeist und Gestaltungswillen Ausdruck zu verleihen.

Es ist also erstaunlich, wie frei und unverkrampft Dvořák an seine 9.Symphonie ging, die dann tatsächlich als Beginn einer eigenständigen amerikanischen Musik gefeiert wurde. In der Literatur über die 9. Symphonie wird vermutet, dass sich versteckte Anklänge an den Negro Spiritual „Swing Low, sweet chariot“ finden – in jener berühmten Melodie in der Mitte des 1. Satzes.

Wenn das stimmt, so weist der tiefgläubige Dvořák, Schöpfer der „Biblischen Lieder“, damit auf eine andere „Neue Welt“ hin. Biblisch gesprochen: Auf das „Reich Gottes“, das in Jesus Christus angebrochen ist und vor dem unsere Welt mit ihren vielen Zwängen und Erwartungen letztlich verblasst.

Ob diese Vermutung stimmt oder nicht: Es ist ein schönes Gleichnis. Inmitten unseres Lebens mit seinen Zwängen meldet sich eine andere, befreiende Melodie zu Wort. Inmitten der vielen Stimmen von aussen und von innen, die einen enormen Erwartungsdruck auf unsere Schultern legen, gibt es diese Worte: „Mein Joch ist sanft und meine Last leicht“.

Vielleicht nehmen Sie sich einige Augenblicke Zeit, denken darüber nach und schreiben sogar auf, was Ihnen dazu in den Sinn kommt. Und halten Sie es dann ins Licht dieser Zusage von Jesus. Und entdecken Sie dann auch jenen ganz anderen Kreislauf, der Lasten nicht abschiebt und dadurch vervielfacht, sondern der sie abnimmt (und letztlich von Jesus Christus tragen lässt) und dadurch verringert.

Paulus schreibt den Galatern, die unter einer religiösen Gesetzlichkeit stehen (auch diese Lasten gibt es!): „Einer trage des anderen Last. So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galaterbrief 6,2).

Tune In 55 vom 14. Januar 2014 | Text: Beat Rink, Präsident von ARTS+