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25. Juni 2019

“And lead us not into temptation, but deliver us from evil.” / “Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.”

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For our last shared musical setting of the Lord’s Prayer we have music from Markus Stockhausen, shared with us by my husband, composer and saxophonist Uwe Steinmetz. Uwe writes: “Try to speak along the words of the prayer with Markus Stockhausen´s composition “Our Father” – he brings out so many aspects of the Lords prayer that we’ve talked about with his harmonisation and the dramaturgy of the melody, and he adds the necessary bit of improvisation – as our lives have to improvise. Live in the moment with this prayer which connects us with  Christianity throughout all time.” 

Für unsere letzte musikalische Vertonung des Vaterunsers haben wir Musik von Markus Stockhausen ausgewählt, die mein Ehemann, der Komponist und Saxophonist Uwe Steinmetz uns empfiehlt. Uwe schreibt: „Versucht, mit Markus Stockhausens Komposition das ‚Vater Unser‘ mit zu sprechen. Deren Melodieführung und Dramaturgie zeigen so viele Aspekte des Gebets auf, über die wir gesprochen haben. Und sie fügt das notwendige Quäntchen Improvisation hinzu – so wie wir in unserem Leben improvisieren müssen. Geh in diesem Moment mit diesem Gebet mit, das uns mit der Christenheit über alle Zeiten hinweg verbindet.“

ENGLISH

We conclude our series of TuneIns* on the Lord’s Prayer: “And lead us not into temptation, but deliver us from evil. For the Kingdom, the power and the glory are yours. Amen.”

I have been bothered by this final petition of the Lord’s Prayer for as long as I can remember. Do we really have to ask God not to lead us into temptation? Would God really try to entice us to do something contrary to his nature and will? 

“Peirasmos”, the Greek word in question here, means both to tempt and to test. So we can all collectively sigh in relief that no, of course God will not try to trick us into going astray. But as we see in the Bible, in the world around us and in our own lives, he most certainly does allow us to be tested. And he allows us to be tested at least in part because trials are how God refines us (1 Peter 6:7; James 1:2ff).

I am not sure of all the possible reasons why Jesus told us to ask God to spare us these trials, especially if they are necessary for our growth. But I believe that one of those reasons is that he offers us gracious permission to pour out our hearts and express our desires before God.

In Psalm 22**, David cries out to God: “God, God…my God! Why did you dump me miles from nowhere? Doubled up with pain, I call to God all the day long. No answer. Nothing. I keep at it all night, tossing and turning.” Jesus prayed, “My Father, if there is any way, get me out of this (Matthew 26:39).” Paul begged God to change his circumstances (2 Corinthians 12:8). These are just a few examples of prayer as a pouring out before God, not withholding anything, but laying our hearts and desires bare before the one who made us, knows us and loves us. We ask God not to bring us to a place where we will be overcome by temptation, but that he will protect and deliver us. Eugene Peterson translates it, “Keep us safe from ourselves and from the Devil.” We fully acknowledge our inability to withstand temptation on our own and beg God’s deliverance.

The prayer ends right after this petition by reminding us whom we have just asked: the all-powerful, almighty God. According to the free translation of Eugene Peterson it ends with a proclamation: “You’re in charge! You can do anything you want! You’re ablaze in beauty! Yes. Yes. Yes.”

There are certainly ways to apply this to our lives and work as artists. You might be faced with a lack of work when others seem to have so much, and you are fighting against jealousy or a loss of belief in God’s kindness and provision for you. Or you’ve had a great deal of success and are tempted to forget that you are still dependent on your creator, or tempted to feel like your achievements somehow make you more important than others around you. This can go on and on and has implications for every single area of life. May our lives and our art always point to God’s love and shalom— deliver us from evil.

Prayer
Thank you, Lord, that you walk with us.
Thank you for guiding down paths of righteousness for your name’s sake. Please don’t allow us to be overcome by the trials surrounding us, but help us to hold tight to you and follow hard after you.
Thank you that we are invited into this mystery, this invitation to commune with the True and Living God. We forget how amazing this is, Lord. Forgive us. Renew in our hearts a passion to know you and be known by you, to understand and love your Kingdom more and more and to be your hands and feet on this earth. And we ask believing that you can do all these things because, “yes, yes, yes, you are in charge! You can do anything you want! You’re ablaze in beauty!”
Amen


Text: Lauren Franklin-Steinmetz

*I am writing this series of TuneIns from my notes for a small group study on the Lord’s Prayer I led for the American Church Berlin. I draw very heavily from three sources: Martin Luther’s A Simple Way to Pray, NT Wright’s The Lord and His Prayer, and Tim Keller’s Prayer (in which he in turn draws from Luther, John Calvin and St Augustine).
** From here until the end of the text all quotations are from The Message, a Bible translation by Eugene Peterson.

DEUTSCH

Wir schließen unsere TUNE IN-Serie* über das Vater Unser ab:
„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“

Solange ich denken kann, hat mich dieser letzte Teil des Vater Unser immer gestört. Müssen wir Gott wirklich darum bitten, uns nicht in Versuchung zu führen? Würde Gott uns je dazu verleiten wollen, etwas zu tun, das gegen seine Natur und seinen Willen ist?

Die Übersetzung des griechischen Wortes „Peirasmos“ bedeutet sowohl  „versuchen“ als auch „testen“. So können wir alle erleichtert aufatmen: Nein, Gott will uns nicht austricksen, damit wir auf Abwege kommen. Aber wie wir in der Bibel und in der Welt um uns herum und bei uns selber sehen, lässt er gewiss zu, dass wir getestet werden. Und er erlaubt es zumindest teilweise, dass wir versucht werden, weil Gott uns auf die Probe stellt, damit wir wachsen (1. Petrus 6,7; Jakobus 1,2ff.).

Warum rät uns Jesus, Gott um Verschonung von diesen Prüfungen zu bitten, wenn diese doch für unser Wachstum nötig sind? Ich kenne die Gründe dafür nicht. Aber ein Grund dafür mag sein, dass Gott uns in seiner Güte anbietet, dass wir ihm unser Herz ausschütten und ihm unsere Wünsche sagen.

In Psalm 22**, schreit David zu Gott: „Gott, Gott… mein Gott! Warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber keine Rettung ist in Sicht, ich rufe, aber jede Hilfe ist weit entfernt! Mein Gott! Ich rufe am Tag, doch du antwortest nicht, ich rufe in der Nacht und komme nicht zur Ruhe.“ Jesus hat gebetet: „Mein Vater, wenn es möglich ist, lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen.“ (Matthäus 26,39) Paulus hat Gott angefleht, seine Umstände zu ändern (2. Korinther 12,8). Dies sind nur ein paar Beispiele für Gebete, in denen Menschen ohne Vorbehalte ihr Herz vor dem Einen ausschütten, der uns gemacht hat, der uns kennt und uns liebt. Wir bitten Gott, uns nicht an einen Ort zu bringen, an dem wir von Versuchung übermannt werden, sondern dass wir Schutz und Rettung erfahren. Eugene Peterson übersetzt es so: „Schütze uns vor uns selbst und vor dem Teufel.“ Wir gestehen unsere Unfähigkeit ein, Versuchungen aus eigener Kraft zu widerstehen, und bitten um Gottes Rettung. 

Hier endet das Gebet, das uns zuletzt noch daran erinnert, dass wir zum allmächtigen Gott gebetet haben, dem alles möglich ist. Nach der Übertragung von Eugene Peterson lautet die letzte Ausruf: „Du hast das Sagen! Du kannst alles tun, was du willst! Du bist hell erleuchtet in Schönheit! Ja. Ja. Ja.“

Wir können diese Bitte bestimmt problemlos auf unser Leben und auf unsere künstlerische Arbeit beziehen. Vielleicht hast du zu wenig Aufträge, während andere scheinbar so viel Arbeit haben. Vielleicht kämpfst du mit Eifersucht. Oder du bist dabei, den Glauben an Gottes Güte und Versorgung zu verlieren. Oder du hast großen Erfolg und bist nun in Versuchung, zu vergessen, dass du immer noch abhängig bist von deinem Schöpfer. Oder du benimmst dich so, als würden dich deine Erfolge über andere  erheben. Man könnte jetzt noch viele andere Dinge nennen und alle Lebensbereiche einschliessen.
Mögen aber unser Leben und unsere Kunst immer auf Gottes Liebe und Gottes Frieden hinweisen – erlöse uns von dem Bösen.

Gebet
Danke, Herr, dass du mit uns gehst. Danke, dass Du uns auf Wegen der Gerechtigkeit um Deines Namens Willen führst. Bitte lass nicht zu, dass wir von Versuchungen übermannt werden, sondern hilf uns, an Dir festzuhalten und als Dene Nachfolger nah bei Dir zu bleiben.
Danke, dass wir eingeladen sind, dieses Geheimnis zu erfahren: Die Gemeinschaft mit dem wahren und lebendigen Gott. Wir vergessen so oft, wie grossartig das ist, Herr. Vergib uns. Erneuere in unseren Herzen die Leidenschaft, Dich besser zu kennen und von Dir erkannt zu werden. Und hilf uns, Dein Königreich mehr und mehr zu verstehen, es zu lieben, und Deine Hände und Füsse auf dieser Erde zu sein. Wir wissen, dass Du alle diese Dinge tun kannst. Denn es gilt: „Ja, ja, ja, du hast das Sagen! Du kannst alles tun, was du willst! Du bist hell erleuchtet in Schönheit!
Amen

Text: Lauren Franklin-Steinmetz 
Übersetzung: Semira Roth / Beat Rink

*Ich schreibe diese Reihe von Tune-lns aus den Notizen eines Kleingruppen-Studiums über das Vaterunser, welches ich in der Amerikanischen Kirche in Berlin leite. Ich verwende dafür einen Grossteil von diesen drei Quellen: Martin Luthers „Ein leichter Weg zu beten“, N.T. Wrights „Der Herr und sein Gebet“ und Tim Kellers „Gebet“ (in welchem er viel von Luther, John Calvin und dem Hl. Augustin übernimmt).

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