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20.
Juli
2016

Amadeus: Im Griff der Bedürftigkeit

Hast du schon den Film Amadeus gesehen? Man sollte ihn nicht als wahrheitsgetreue Verfilmung von Mozarts Leben betrachten. Aber der Film lehrt uns etwas, was für jeden Künstler von grundlegender Bedeutung ist.
Der Film handelt von Antonio Salieri, dem Wiener Hofkomponisten aus Italien, der sowohl vom Volk als auch vom Kaiser für seine Kunst geliebt wird. Für den tiefgläubigen Salieri ist sein Erfolg der Lohn Gottes für seine Frömmigkeit. Doch da taucht plötzlich dieser Provinzling aus Salzburg auf, ein gewisser Wolfgang Amadeus Mozart. Zu seiner grossen Bestürzung muss muss Salieri schon bald feststellen, dass Mozart vom Publikum zum neuen Liebling erkoren wird. Aber noch viel schlimmer ist, dass dieser Tölpel offenbar die Fähigkeit besitzt, himmlische Musik zu komponieren – oft mit den einfachsten musikalischen Mitteln. Die Konfrontation mit Mozart weckt bei Salieri eine schreckliche Eifersucht, führt ihn zur Gottesleugnung und lässt ihn – wie der Film andeutet- seinen Konkurrenten umbringen.

Um den Film wirklich zu verstehen, muss der Titel beachtet werden. Es sei darauf hingewiesen, dass er nicht etwa “Mozart” oder “Salieri” heisst. Amadeus bedeutet “von Gott geliebt”. Salieris angebliche Frömmigkeit entpuppt sich als unaufrichtiger Glaube, als Versuch, Gott zu manipulieren, um seinen tiefen Wunsch nach Annerkenung und Verehrung zu befriedigen. Alles in Salieris Leben – auch seine Beziehung zu Gott – ist diesem einen Ziel untergeordnet: im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit zu stehen. Wenn Gott ihn wirklich liebt, dann muss er dies doch zeigen, indem er diesen Herzenswunsch erfüllt. Doch wenn dieser Gott es zulässt, dass Salieri auf seinem eigenen Terrain von einem Unbesiegbaren herausgefordet wird und sich auch noch weigert, diesen überlegenen Rivalen zu entfernen – an diesem Punkt wird offenbar, welch übermässige Bedürftigkeit Salieri im Griff hat. Der Mann, der als “Nummer Eins” gelten will, kann Mozarts überlegenes Talent nur als Ablehnung Gottes deuten.

Gott hat uns als bedürftige Wesen erschaffen; wir tun gut daran und es ist weise, dies zu bejahen. Allerdings kann diese Bedürftigkeit ungesunde Dimensionen annehmen. Der Grund dafür liegt meist in geistiger und emotionaler Instabilität und im Bestreben, einen tief empfundenen Mangel und eine andauernde Bedürftigkeit durch äussere Dinge zu kompensieren. Doch selbst wenn wir nicht in solch aussergewöhnlichem Mass bedürftig sind, kann Bedürftigkeit eine innere Triebkraft sein – mehr als wir uns dessen bewusst sind.

Das letzte TUNE IN handelte vom Unterschied zwischen Talent und geistlichem Dienst. Jetzt wirdmen wir uns den Ähnlichkeiten zwischen beiden. Beide sind von Gott gegeben. Und bei beiden entscheidet Gott, in welchem Maß wir sie erhalten. Paulus betont in seiner Lehre von den Geistesgaben und ihrer Vielfalt, dass Gott diese Vielfalt nach seinem Ermessen gibt. (1.Korinther 12,11)
Es ist wichtig, dass wir dankbar annehmen, welche Gaben Gott uns für unser geistliches Lebens und speziell im Blick auf unsere Dienste geschenkt hat. Aber wir müssen auch ruhig annehmen, was er uns nicht gegeben hat. Vom Geist geleitet sein bedeutet nicht nur “Amen” zu unseren Möglichkeiten zu sagen – und unser Leben danach zu orientieren. Es heißt auch “Amen” sagen zu unseren Grenzen – und unser Leben danach zu richten. Tun wir das nicht, laufen wir Gefahr, unsere Talente und unseren Dienst zur Befriedigung unserer Bedürfnisse zu missbrauchen. Gott wird unsere Talente und Dienste trotzdem segnen; aber dieser Segen wird mit Problemen und Spannungen einhergehen und dies könnte im Endeffekt sogar dem Reich Gottes schaden. Die einzige Antwort auf unsere Bedürftigkeit ist Gott selbst. Unsere Talente und Dienste sind uns gegeben worden, dass wir auf die Bedürfnisse anderer eingehen, nicht auf unsere eigenen.

Text: Dr. Marcel S. Zwitser / Übersetzung: Johanna Schwarzl

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Künstlerportrait

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Maya Heusser

Theater, Musical
Bühnenreif macht Musicals. Konzept, Story und Regie von mir und alles andere aus meinem grossen Netzwerk. Zur Zeit sind wir mit dem Musical Küstenpfad auf Tournee. Ein Stück für die kleine Bühne mit viel Weitsicht. Das Thema ist Einsamkeit und
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